Drucksache
11.04.2012
Pro:
Atmosphärisch wie sprecherisch nahezu einwandfreie Produktion
Kontra:
Logiksprünge | Verhalten der Figuren häufig unplausibel | Brechstangen - Ende
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Langzeithörspaß:
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 Tut_Ench_Amun
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Fast jeder kennt den englischen Dramatiker, Regisseur und Kriminalschriftsteller Richard Horatio Edgar Wallace (1875 - 1932), unter dessen Namen grade im deutschen Kino der Spätsechziger eine ganze Reihe inzwischen berühmt-kultige Filme entstanden. Sein Werk ist voller Evergreens der Krimiliteratur, an welche sich auch MARITIM bereits in den Achtzigern in Form von Hörspiel-Adaptionen machte. Damals noch mit Manfred Krug. Ab 2004 erfuhr die Serie dort eine Frischzellenkur und wurde noch einmal neu aufgelegt. Das heißt, andere bekannte Sprecher hinzugezogen und die Soundkulisse aufgepeppt. Lediglich die Musik blieb weitgehend unverändert. Inzwischen werden diese Hörspiele auch als Downloadfassung angeboten und es gibt sie entweder einzeln oder in einer Edition zu vier Folgen zusammengefasst. Zur Story
Jane wird quasi zwangsverheiratet. Ihr Vater hatte den starken Wunsch geäußert, dass sie den Künstler Peter Clifton ehelicht. Als folgsame Tochter tut sie wie geheißen. Liebe war dabei nicht im Spiel - zumindest nicht seitens Jane, die Peter nach der Trauung stets auf Distanz hält. Dieser jedoch würde sich schon mehr Nähe wünschen, respektiert Janes Ablehnung jedoch, bis hin zu getrennten Schlafzimmern auf dem mysteriösen Landsitz Longford Manor. Dort geschehen in der Folge einige sehr unangenehme Dinge, wie etwa unerwünschter Herrenbesuch des Nachts. Ist dieses Haus vielleicht sogar die Zentrale des fähigsten Banknotenfälschers Londons, dessen Identität niemand kennt aber nach dem fieberhaft gesucht wird - allen voran von Scotland Yard? Ist Peter vielleicht "Der Gerissene" persönlich oder warum entdeckt Jane ihn in einem geheimen Raum zusammen mit einer banknotenspuckenden Druckerpresse? Was ist dran an seiner angeblich erblichen Geisteskrankheit, vor der Basil Hale, ein alter Bekannter, sie eindringlich warnt? Als es zum Mord an Hale kommt, scheint die Schuldfrage klar. Nur zwei Leute zweifeln die Indizienkette an: Jane und Chief-Inspector Bourke. Eindrücke
Edgar Wallace lieferte bis zu seinem Tod im Jahre 1932 Kriminalfälle am laufenden Band und wusste offenbar auch um die Vorlieben seines Publikums. Kein Wunder, dass genau diese Strickmuster in seinen Geschichten immer wieder verwendet werden, welche die Leser gern lesen wollten (und wollen). Bei "Der Banknotenfälscher" wich er, zumindest was das sonst so gepflegte Frauenbild angeht, ein wenig vom üblichen Pfad ab. Die Figur Jane Cliftons passt zwar leidlich ins Klischee der sittsamen und integren (Ehe-)Frau, muss aber nicht gerettet werden. Im Gegenteil: Sie steht ihrem Mann tatkräftig bei. Woher allerdings der krasse wie plötzliche Sinneswandel herrührt, geht aus dem Hörspiel nicht hervor, wo gleich zu Beginn klar gestellt wird, dass sie zwar mit Peter verheiratet sei, aber ansonsten da nichts weiteres läuft. Nicht mal viel Sympathie. Doch kaum findet sie ihren Gatten morgens nach der Tat, bewusstlos mit blutgetränktem Smoking und der Mordwaffe auf seinem Bett liegend, "weiß sie was eine gute Ehefrau zu tun hat" und verwischt eifrig Spuren und beseitigt Beweismittel. Öh? Wie jetzt?! Erst hält sie Peter für den "Gerissenen" und muss nach Spurenlage sogar ganz stark davon ausgehen, einen geisteskranken Mörder vor sich zu haben - der zudem just einen guten, alten Bekannten von ihr gemeuchelt hat - und dann das? Doch sie ist nicht allein. Selbst wenn man die kriminologischen Maßstäbe von 1927 anlegt, wirkt auch Inspector Bourke alles andere als realistisch. Wenn er Jane doch offenbar fast so sehr vertraut, wie seinem Kumpel Peter, dann ist das ganze geheimnisvolle Brimborium, das er veranstaltet, ziemlich für die Katz und sogar gefährlich kontraproduktiv. Es dient lediglich dazu das Publikum auf die Folter zu spannen und der Geschichte einen etwas interessanteren Touch zu geben. Tatsächlich aber zieht es die ohnehin zuweilen nicht ganz ausgegorene und konfuse Story nur unnötig in die Länge. Sprecherseitig gibt es hingegen wenig zu maulen, lediglich die Stimme von Dr. Wells klingt um Einiges zu jung für einen schon so lange praktizierenden Arzt. Ansonsten passt die Soundkulisse - und somit die Atmosphäre - ganz gut ins Vorkriegs-London der Spätzwanziger.
Die Produktion: Regie & Bearbeitung: Hans-Joachim Herwald Musik: Alexander Ester Buchadaption: Mik Berger
Sprecher und Figuren: Eckhart Dux (Erzähler), Mark Bremer (Peter Clifton), Christine Pappert (Jane Clifton), Marco Sand (Donald Wells), Holger Potzern (Basil Hale), Wolf Frass (Chief-Inspector Bourke), Kai Henrik Möller (Inspector Rouper), Traudel Sperber (Madame Unterson) Fazit
Gegenüber der Vorlage verstrickt sich das Maritim-Hörspiel in manche Unlogik und zieht sich - trotz seiner vergleichsweise kurzen Laufzeit von ziemlich genau einer Stunde - spannungstechnisch unnötig in die Länge. Hauptsächlicher Grund dafür sind Kürzungen zum Original, die Figuren und Handlung hier ziemlich konfus sowie unplausibel wirken lassen - bis hin zum sehr rasch und holprig herbei gedichteten Ende. Das kann der Wallace-affine Hörer zwar in groben Zügen bereits früh erahnen, sich aber anhand des Hörspiels kaum en detail selbst erarbeiten. Immerhin geht die Atmosphäre im Großen und Ganzen in Ordnung, wenn auch das bestimmt nicht dafür sorgen wird, dass dieses, im Endeffekt dann doch nur leider eher mittelmäßige, Hörspiel häufiger abgespielt wird - sei es als CD oder digital. Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 62 Minuten nach dem Roman "The Forger" (1927) von Edgar Wallace
Erhältlich als: CD/MC (Maritim 2008) Download (Audible 2008), ungekürzte Hörspielfassung - ca. 60 MB, AAX-Format
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13.04.2012 23:10
:-*
13.04.2012 09:12
Hab mich früher schon beim Vorspann gegruselt!
11.04.2012 18:02
Wallace muss nicht logisch sein, sondern spannend ^^