Blues From The Backroads
15.07.2007
Pro:
Blues vom Feinsten, was es heute noch gibt ( . . . oder bis gestern noch gab?)
Kontra:
keine dt . Untertitel auf der DVD
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 bescha
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:19
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor wenigen Wochen feierte er gerade mal seinen 30. Geburtstag und trotzdem ist er schon ein ganz "Alter" im Musikgeschäft - Kenny Wayne Shepherd. Bereits als Kind war er vom Blues und dem Klang der Gitarre so stark fasziniert, dass er von den Muddy Waters Platten aus der Sammlung seines Vaters die Gitarreneinsätze übte. In den Folgejahren entfaltete sich sein Talent, es fand aber noch nicht die gewünschte Anerkennung. Kein Wunder, im Gegensatz zu den gestanden Größen des Blues, die in ihren Sessions auch eine gehörige Portion Lebenserfahrung rüberbringen können, zählte der Junge Kenny Wayne gerade mal 12 Jahre. Er wurde von vielen abgewiesen, bis der blinde Blues-Gitarrist Bryan Lee auf die Klänge des Jungen aufmerksam wurde, ohne zu sehen, wer sie spielte. Bei einem Live-Gig holte er den inzwischen dreizehnjährigen Kenny auf die Bühne. Die Band und das Publikum waren so begeistert, dass alle Beteiligten bis 3 Uhr früh ihren Spaß hatten. Schnell machte er sich im Süden der USA als aufstrebender Bluesrocker einen Namen und bis heute sind von ihm 5 viel beachtete Alben erschienen, von denen sich mehrere Millionen verkauften. Sein Debüt-Album "Ledbetter Heights" erreichte 1996 schon Platin-Status, es folgten zwei Grammy-Nominierungen und zwei Billboard Music Awards.
Im Juni 2004 ist er nun auf die Suche dorthin gegangen, wo der Blues seine Wurzeln schlug, im Süden der USA. Innerhalb von zehn Tagen tourte er mit seiner Band "Double Trouble" (ehemalige Begleitband von Stevie Ray Vaughn), einem portablen Aufnahmestudio und einer Filmcrew durch die Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama, North Carolina, Missouri und Kansas. Dort besuchte er in kleinen Clubs, Hinterhöfen oder in ihren Wohnzimmern die wahren Veteranen des Blues. Dabei entstand auch Kenny's jüngstes Werk "10 DAYS OUT - Blues From The Backroads", dass aus einer CD und einer Begleit-DVD besteht. Neben der CD, die das musikalische Hauptwerk ist, findet sich auf der DVD nicht einfach nur ein ,Making Of', sondern ein hervorragendes Filmwerk mit den Hintergrundstories zu jeder Session und über den amerikanischen Südstaaten-Blues. In der hundertminütigen Dokumentation kommen alle Urgesteine des Blues zu Wort, die er in den 10 Tagen besuchte und die mit Kenny Wayne dann auch gemeinsam musizierten. Mal rockig und dynamisch mit Bryan Lee, B.B. King oder Neal "Big Daddy" Pattman, dann wieder etwas melancholisch mit Henry Townsend oder Pinetop Perkins, und auch sehr sinnlich mit der göttlichen Etta Baker im damaligen Alter von 91 Jahren, wird der Blues in phantastischen Jam-Sessions zelebriert.
Beim Zusehen und Hören überfällt jeden Blues-Fan die ungeliebte Frage, wie lange noch werden diese Veteranen unter uns Lebenden verweilen. Dass diese Furcht nicht unbegründet ist, beweist allein die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Aufnahmen der Sänger und Harmonika-Spieler "Wild Child" Butler mit 70 Jahren völlig unerwartet verstarb. Noch vor der Veröffentlichung des Filmwerkes wurde der Tod von drei weiteren beteiligten Musikern bekannt: Neal Pattman (79), Cootie Stark (78) und Clarence ,Gatemouth' Brown (81). Im vorigen Jahr verstarben dann Henry Townsend (96) und Etta Baker (93). Kenny Wayne Shepherd spielt abwechselnd mit seiner eigenen Band Double Trouble, der Muddy Waters Band, der Howlin Wolf Band oder auch mal Unplugged, jeweils gemeinsam mit seinen Gastgebern, die ich hinter dem Titel benenne.
DVD: 01 Born in Louisiana (mit Clarence "Gatemouth" Brown) 02 Tina Marie - (mit Bryan Lee) 03 Honky Tonk - (mit Buddy Flett) 04 The Thrill is Gone - (mit B.B. King) 05 Potato Patch - (mit Jerry "Boogie" McCain) 06 Prison Blues - (mit Cootie Stark & Neal Pattman) 07 Chapel Hill Boogie - (mit John Dee Holeman) 08 U - Haul - (mit Cootie Stark) 09 Knoxville Rag - (mit Etta Baker) 10 Big Daddy Boogie - (mit Neal "Big Daddy" Pattman) 11 Tears Come Rollin' Down - (mit Henry Townsend) 12 Red Rooster - (mit Henry Gray und der Howlin' Wolf Band) 13 Spoonful - (mit George "Wild Child" Butler und der Howlin' Wolf Band) 14 Grindin' Man - (mit Pinetop Perkins und der Muddy Waters Band) 15 Got My Mojo Working - (mit Pinetop Perkins und der Muddy Waters Band)
Einzelne dieser Takes als Favoriten zu bezeichnen fällt mir schwer, jeder hat seinen eigenen Reiz. So wird z.B. , Born in Louisiana' auf der CD zu einem der vielen Höhepunkte, wenn Gatemouth auf der Violine spielt. ,Honky Tonk' mit Buddy Flett unplugged auf dem Friedhof in Mooringsport (Louisiana), am Grab von Leadbelly oder , Knoxville Rag' in der Küche bei Etta Baker sind ebenso faszinierend und fesselnd wie , Chapel Hill Boogie', , Red Rooster' und die anderen. Obwohl ich ein besonderes Faible für B.B. King und Pinetop Perkins habe, möchte ich sie hier nicht in den Vordergrund stellen, aber großartig sind sie trotzdem. Der letztere Titel der DVD ist auf der beiliegenden CD nicht enthalten, dafür wurde "Sittin' On Top Of The World" mit Hubert Sumlin, George "Wild Child" Butler und der Howlin' Wolf Band mit drauf gepresst, das wiederum auf der DVD fehlt.
Die Musiktitel werden in die Interviews eingeblendet und nicht in voller Länge wiedergegeben, ähnlich wie in "Buena Vista Social Club" oder Martin Scorsese 's Dokumentationen zum Blues. Die Atmosphäre an den Spielorten wird sehr authentisch wiedergegeben, die Veteranen plaudern dabei aus ihrem Leben und ihrer tiefen Verbundenheit zum Blues. Die Musik wird zum schmückenden Beiwerk. Wer die Titel ungekürzt und in voller Schönheit genießen will, greift zur beiliegenden CD. Die DVD ist in Stereo und in DTS 5.1 Surround-Sound abgemischt und die CD, wie sollte es anders sein, natürlich in Stereo. Die Soundqualität lässt keine Wünsche offen und ist bis auf den Gig mit B.B. King hervorragend. Der etwas schwammige Sound von B.B.'s ,Lucille" ist wahrscheinlich der ungünstigen Raumakustik geschuldet. Achtung: Die Original-Sprache der DVD ist englisch, es gibt keine anderssprachigen Untertitel.
Hier noch die Spiellänge beider Datenträger. DVD 1:46:16 h CD 1:17:43 h Alles in allem ist dieser "Blues From The Backroads" eine urwüchsige und leidenschaftliche Musik die von Herzen kommt, bei der Overdubs genauso verpönt waren, wie irgendwelches Hightech-Equipment.
10 DAYS OUT - Blues From The Backroads ist für mich bisher der Blues-Bestseller des Jahres 2007 und wird mit Sicherheit wegen seiner einzigartigen Aufnahmen ein Klassiker.
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07.09.2007 11:50
Nicht ganz mein Geschmack aber schön beschrieben!
11.08.2007 14:56
macht neugierig:-)) LG Gerd
07.08.2007 16:07
Hallo, echt s.h.. bye Hans