I´m gonna make it better...
03.03.2003
Pro:
LL im Stilwechsel . . .
Kontra:
. . . welcher fast willkürlich vollzogen wird .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Senilm
Über sich:
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 80 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo und willkommen, ich möchte mich heute wieder einmal dem HipHop zuwenden - und mich da mal der Kommerzrichtung zuweisen.
MIRROR MIRROR Wie einige Stammleser von mir bereits wissen dürften, nenne ich auch so einige LL Cool J Alben mein eigen. Zwar nicht die allerersten, als er noch behauptete "I`m Bad" und wenig später doch "i need love" schwörte. Doch als er schon ganz klar in harte Worte eingegrenzt "Mama said knock you out" durchs Mikro brüllte da wurde ich hellhörig auf diesen Mann! Mein persönliches Lieblingsalbum ist allerdings das 96er "Mr.Smith" - auch wenn er sich dort schon sehr stark in Richtung HipPop verlagert hat ! Aber er hat es bereits allen bewiesen - ist Musiker, Fernsehstar und hat auch in ein paar Filmen mitgespielt - wozu sollte er es noch leugnen keinen Kommerz zu machen ?
So zeigt er sich bereits auf dem Cover in kampfbetonter Körperhaltung und streckt uns seinen tätowierten Bizeps entgegen - besonders bemerkenswert sein Mikrophon - Anhänger um seine Panzerkette...*g*
NIGGY NUTS
Also begeben wir uns auf funky Gitarren und einem Radiointerview ins "Intro" des Albums - in welchen LL doch glatt behauptet - es wäre ein "Meilenstein" seines Genres. Kennt ihr diese Hinterstrassen New Yorks - an einem heissen Sommertag ? So wie Sie einem immer in den Filmen gezeigt werden - dort wo der Dampf aus den Gullis aufsteigt, weil gerade erfrischender Regen auf die Strasse fiel! Dort wo sich ein Hauseingang an den nächsten reiht - dort wo die Gitarreros mit Ihren Mariachi-Klängen auf den Treppen sitzen und die Hitze des Sommers in Akustik umsetzen - dort wo sich immer ein paar Jungs finden, die Mülltonnen zu Trommeln umwandeln um spontan eine bouncende Beatstimmung hervorzubeschwören! Dort wo immer einer dieser selbstbewussten Nachwuchsrapper die Strasse entlanggeht und sich die Erlebnisse der letzten Nacht von der Seele rappt - dort wo sich dann auch wenig später meist ein weiblicher Gegenpart einfindet um seine "erotischen" Phantasien mit "Born to love you" besingt...
Kennt ihr diese Clubs in New York - dort wo Sie BlackMusic spielen ? Diese Clubs die von aussen mit ihrer Neonwerbung eher an Miami als an New York erinnern ? Diese Clubs an denen meist 3 Türsteher die Leute aussortieren ? Diese Clubs, in denen, wenn man denn mal reinkommt - sich immer die Körper eng aneinanderreiben zu schwofender Musik ? Solch eine Stimmung beschwört "Luv u better" - und wo wir schon bei Beschwörungen sind - das tut auch LL COOL J bei diesem Titel wieder - die Liebe beschwört er hier wieder, dieser einen speziellen Frau! Das ganze wird von einem richtig locker flowenden Gitarrenhintergrund und einem im passenden Moment das Tempo nach oben bouncenden Bass bestimmt! Hier stehen flirrende Sounds aus Streichersamples genauso im Raum, wie die klaren Lyrics von LL - welcher im Refrain allerdings einer souligen Stimme weichen muß! Bleiben wir mal in diesem verschwitzten Club - in welchen sich die Körper... ihr wisst schon! In diesen Clubs, in denen man sich sicher sein kann, daß es keine halbe Stunde dauert, bis ein locker bouncender, funky angehauchter Titel durch die Boxen schallt! So greift sich auch "Paradise" eine Prise G-Funk und eine süsse weibliche Stimme aus dem Organ von Amerie für den eingängigen Refrain - und natürlich den Meister selbst, LL COOL J. Dieser schwoft wieder in seinen testosterongetränkten Phantasien - und hat scheinbar auch etwas Fernweh.
Kennt ihr diese miefigen Kneipen - natürlich die in New York? Kennt ihr diese miefigen Kneipen, vor welchen bereits so manche zwielichtige Typen lungern ? Kennt ihr diese miefigen Kneipen, bei welchen von aussen die Scheiben vibrieren, weil drinnen der Bass in unaushaltbarem Masse dröhnt! So ein Titel ist "FaHa", wenn er mit seinen nervös machenden Saitenschwung und seinem ultratrocken durchdrückenden Bass beschworen von ein paar brüllenden Jungs das Trommelfell massiert. Wenn immer wieder ein paar Funksamples durchdringen, die aber in Grund und Boden geplärrt werden... Da kommen selbst LL`s Lyrics zu kurz - vor allem weil er sich hier auf 2 Sentences - One Rhyme verlegt hat. In diesen miefigen Kneipen kommt es dann auch oft zur körperlichen Auslebung irgendwelcher Aggressionen! Das ist spätestens bei "Niggy Nuts" der Fall - einem ultranervigen Titel, welcher mit schnell tackernden Beats und einem schrillen Geschrei durchgehend nervt! Das ganze fährt schwer auf der OldSchool-Schiene mit aggressiven Lyrics und ziemlich ungehaltener Mikroakrobatik.
Kennt ihr diese Ritz-Hotels mit ihren roten Teppichen? Dort wo immer so ein Schniedel in Uniform rumsteht um den Stretch-Limos die Türen zu öffnen! Kennt ihr diese netten kleinen Bäumchen neben diesen Hoteleingängen, wo sich meistens drei bis vier Paparazzi drin verstecken ? So ist es auch bei "Amazin" - einem funky dahinschreitenden Titel mit ordentlich Gute-Laune aus dem Pianogeklimper und einem seinen "Ruhm" geniessenden LL Cool J, welcher sich allerdings beim Refrain gar weit zurückzieht - was aber nicht unbedingt schadet! Denn so steht der eingängig soulig klingenden weiblichen Stimme nichts mehr im Weg... Doch LL kann so ein Luxushotel auch schnell in einen miefigen Club verwandeln..."You wanna banga,banga, banga til you can no mo`..." das ganze geschieht dann auf einem düster treibenden tiefen Bass und einem tickernden Beat, welcher eindeutig die Handschrift der Neptunes trägt. "Clockin G´s" führt dann auch diese als Produzenten auf - und spätestens wenn Darell im Refrain mit seiner hohen Stimme "If you had the time..." anstimmt fühlt man sich in gekonnt produzierten HipHop Welten wieder, die dann auch von dezent gescratchten Loops angetrieben werden!
Kennt ihr "Chinatown" ? Klar oder ? Ist auch gut so, denn dahin unternehmen wir jetzt einen Ausflug - natürlich mit Onkel "LL". "Lollipop" ist so ziemlich das naivste, kitschigste und klebrigste was ich seit langem aus der HipHop Sektion gehört habe! Da hört man zunächst östlich klingelnde Klänge begleitet von einem schleppenden Beat. Danach hört man nur noch die kitschigen Lyrics von LL COOL J.. und diesen unsäglich klebrigen Refrain.."Kiss me from head to toe..ooh baby...i love you so", die ultrahohe Stimme die dies darbietet nervt.. ja... wirklich ! "After school" featured dann den P.Diddy Klamottendesigner, Labelchef und unbegabtester Rapper in einer Person! Das ganze nervt schon schnell mit seinen aufdringlich gehaltenen Beats und den deutlich auf Puff`s Unfähigkeit zu rappen zugeschnittene Passagen... Skip this...
"Throw your L`s up" führt uns dann wieder in diese ausverkauften Hallen, in welchen sich die Menschenmengen hin - und herschieben wenn die Bässe stampfend voranschreiten und motivierende herausgeplärrte Lyrics den Refrain anheizen! Dort wo ein in Überheblichkeit badender Rapper auf der Bühne steht - und "Who bring you the hotness...?" in die Menge ruft! Das ganze stampft, drückt, raunt und ist motiviert dargeboten... das ist aber auch alles. Kehren wir noch einmal zu dieser Hinterstrasse zurück ? Dort wo es inzwischen doch schon ziemlich spät abends geworden ist, sich aber immer noch ein paar Musiker finden, die trommelnd auf alles vorhandene klopfen - aus einem Fenster hört man ein paar lockereingängige Pianoakkorde und auch der Mariachi-Gitarrist gibt sich ab und an noch sein Stelldichein. Auf dem Gehweg flanieren ein paar verliebte Pärchen vorbei - eine flüstert ihrem Begleiter.."You should know how to treat a girl, playboy" ins Ohr.. so schwoft sich auch dieser Titel in LL´s Phantasien dahin.
Fett stampfen die Beats hingegen wieder in unser vollebesetzten Halle - der Rapper vorne steht bereits mit entblösstem Oberkörper auf der Bühne und plärrt "Guess whos back" ins Mikro, so wie einst Rakim, drückt auch hier der Bass durch die Lautsprecher. "10 Million Stars" ist bestimmt von den harten, motivierten Lyrics LL`s, dem stampfenden Bass und dem richtig genial gelungenen Soulgesangssample, der den Refrain auflockert! "Mirror Mirror" führt uns dann ins Penthouse des Ritz Hotels, dort wo ein Feuer im Kamin lodert - dort wo der PlasmaTV vor dem ultrabreiten Bett flirrende MariachiKlänge in den Raum verbreitet. Dazu gibts dann, leider daß worauf ich gewartet habe... LL`s Testosteronspiegel steigt ins Unermessliche - "backseat at the jeep you need that..." und so einige andere ins Detail gehende Phantasien haucht er da ins Mikro, begleitet von einer genauso vom Sexualtrieb getroffenen weiblichen Begleitung die sich nicht einiger Stöhner schämt.
Kommen wir zum Abschluss zu einer dieser Parties im Central-Park, dort wo sich die ganze Familie trifft. Dort wo sich immer einer findet, der das Piano mit lockeren Klängen anstimmt, dort wo sich immer einer findet der seine Gitarre locker bluesig gestimmt hat... dort wo sich immer einer mit soulig, näselnder Stimme findet, so einer wie DruHill. "Big Mamma ( unconditional love )" ist eine Hommage an die Mütter der Nation - textlich altbacken, aber nett anzuhören, auch wenn LL doch etwas arg schnell seine Lyrics zum besten gibt und dadurch die ansonsten lockeren Beats zerfährt. LOLLIPOP
Tja.. was soll man sagen, daß Album ist geprägt von zwei Seiten. Einmal sind da LL`s Testosterongeschwängert, schwofenden Titel in welchen er sich seinen Phantasien von der Liebe hingibt. Dann sind da wieder die OldSchool - bestimmten hart stampfenden Titel mit aggressiven Lyrics und oft nervigen Soundstrukturen. Der Wechsel zwischen diesen beiden Stilen wird fast willkürlich vollzogen, was den Hörgenuss nicht gerade steigert. So ist dieses Album wie ein Lollipop - harter Kern und süsses Inneres... aber so richtig schmecken tuts doch nicht.
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11.03.2003 13:04
Na der LL war ja immer schon ein Held, selbst in meiner Jugend noch. *g* aber es ist immer wieder interessant zu sehen wie sich Künstler weiterentwickeln, wenn sie es denn tun. *g*
10.03.2003 21:48
kennt ihr diese super berichte, die nie langweilig zu lesen sind? kennt ihr diese ciao mitglieder, die es schaffen information und unterhaltung bis zur perfektion zu vereinen?
09.03.2003 14:53
Ich hab während des Lesens so oft Ja sagen müssen, ab und zu auch mal Nein (als es ums Ritz Hotel ging ;-)). Nicht noch mal so viel Fragen auf einmal. Da kann man sich ja gar nicht konzentrieren... *g*