3rd Degree - Johnny Winter

Erfahrungsbericht über

3rd Degree - Johnny Winter

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung 3rd Degree - Johnny Winter

 


Albinoblues

5  20.04.2002

Pro:
Neun Songs

Kontra:
Ein Song

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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baerwurz

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 60 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute einmal ein Bericht über einen Mann, der zwar ganz persönlich ziemlich farblos ist, aber keineswegs dann, wenn es um tollen Gitarrenblues geht. Nachdem sich ER die Vorstellung von Mister Johnny Winter an dieser Stelle gewünscht hat, komme ich diesem Ersuchen gerne nach, bin ich doch selbst auch schon seit zig-Jahren ein Liebhaber dieses Sounds. Leider lässt mir die Kategorienvernachlässigung keine Chance, meine Lieblings-CD „Johnny Winter And“ zu besprechen. Insgesamt gibt es leider nur drei CD´s in dieser Kategorie, von denen zwei so schlecht sind, dass ich von ihrem Kauf nur absolut abraten kann. Um von Johnny Winter eine gute CD zu erwerben, muss man schon fast ein Insider sein. Johnny Winter hat nämlich ingesamt 37 CD´s aufgenommen, aber allein beim amerikanischen Händler CD-Now finden sich von ihm 155 CD´s. Da haben offensichtlich einige Schrottsammler ihr eigenes Veröffentlichungssüppchen gekocht, z. B. das Billiglabel Hallmark. Also seid gewarnt: Hände weg!!! Aber gehen wir jetzt endlich zu der CD „3rd Degree“, einem in vieler Hinsicht einzigartigen Album des Albino-Guitareros.

Das Texas ein guter Boden für Gitarrenspieler ist, zeigt schon die Liste derer, die den „Texas Blues“ in den letzten Jahrzehnten geprägt haben. So illustre Namen wie T-Bone Walker, Clarence Gatemouth Brown, Albert Collins, Freddie King, Billy Gibbons und natürlich auch Stevie Ray Vaughan legen ein Zeugnis ab über die große Tradition dieses Musikstils. Einer der diese Liste vom Können her anführen müsste, ist John Dawson Winter III, der am 23. Februar 1944 in Beaumont, Texas, das Licht der Welt erblickte. (Seinen drei Jahre später geborener Bruder Edgar muss man hier der Ordnung halber erwähnen, denn er hat lange Jahre das Piano für Johnny malträtiert). Beide Jungs begannen ihre Karriere im Kirchenchor (was man ihnen heute aber nicht mehr anhört) und mit fünf Jahren quälte Johnny seine Klarinette, bevor er sich auf der Ukelele versuchte. Ein wenig älter waren die Brüder dann schon und traten im Duett auf, so richtig schön im Everly Brothers Stil. Und schon mit elf Jahren gewannen sie damit einige Talentwettbewerbe.

Mit 14 Jahren gründete Johnny seine erste Band „Johnny and the Jammers" und ein Jahr später nahmen sie ihre erste Single auf. Im Raven Club von Beaumont trat dann einmal Muddy Waters auf und Johnny wusste, welche Musik er fürderhin machen wollte. 1963 zog er nach Chicago, um sich ganz dem Blues zu widmen. Mit dem Song „Eternally“ hatte er seinen ersten Hit und von da an ging es stetig bergauf.

1968 erschien das erste Debütalbum mit dem simplen Namen „Johnny Winter“ und im Rolling Stones Magazin schrieb ein Redakteur „er sei das heißeste Eisen hinter Janis Joplin“ und man verlieh seinem Stil die Bezeichnung „Hard Rock´n´roll Blues“

1986 nahm er dann das Album auf, dass ich heute besprechen will „Third Degree“, dass schlichtweg zu den „besten 101 essentiellen Blues Alben“ nominiert wurde (Robert Santelli, Rock´n´Roll Hall Of Fame) und Johnny tourt noch immer fleißig durch die Gegend und veröffentlich ein Album nach dem anderen. Wer darüber mehr wissen will, dem empfehle ich die offizielle Homepage unter http://johnnywinter.prohosting.com/

Johnny Winter sagt von dieser CD, dass es seine Lieblings-CD ist, weil sie im Unterschied zu seinen sonstigen CD´s wesentlich mehr Bluesvariationen aufweist. Dies liegt sicherlich auch daran, dass ziemlich illustre Gäste auf dieser CD mitspielen, etwa Tommy Shannon am Bass, Mac "DR. JOHN" Rebennack am Piano und Uncle John "RED" Turner am Schlagzeug, die gelegentlich die Standardmannschaft Ken Saydak (piano), Johnny B. Gayden, Bass, Casey Jones, Drums, ersetzen.

Johnny Winter selbst hat für dieses Album ziemlich viel Mühe aufgewandt. Obwohl er absolut ungern akustische Gitarre spielt (Zitat: Actually, I was never interested in playing acoustic guitar ) geriet er 1968 an eine National Steel Gitarre (Zitat: it reminds me of a garbage can with wire on it) und dieses Blechgerät ist verdammt schwer zu spielen, denn die Saiten liegen wesentlich höher über dem Steg als bei einer normalen Gitarre, so dass man darauf eigentlich nur Slide-Gitarre spielen kann. Winter selbst übte für diese CD ein volles Monat, um dann zwei Songs akustisch einzuspielen, auf die ich euch im weiteren Text noch hinweisen werde.

Mojo Boogie – Eigentlich ist dieser Titel ein uraltes Stück von J.B. Lenoir, der es in den Fünfziger Jahren als „The Mojo“ bekannt gemacht hat. Erst Johnny Winter hat das Stück zu einem astreinen Boogie umgeformt und der Opener kommt demgemäss richtig schwungvoll zur Sache. Für mich gibt es nur einen einzigen Interpreten, der in dieser Form den Mojo Boogie beherrscht und das ist Erik Trauner von der Mojo Blues Band.

Love, Life and Money – der Song stammt aus dem Little Willie John Songbook, das Julius Dixon und Henry Glover geschaffen haben. Das Ganze wurde nie ein Hit, aber die Texte sind so ziemlich das Lyrischste, was es auf dem Bluessektor gibt. Und bei dieser Nummer schmilzt dann auch Dr. Johns Piano so richtig sanft dahin, während Winters Gitarre und seine Gesangskunst alles heraus holen aus diesem langsamen Blues.

Evil On My Mind – Das ist der Glanzmoment, wo Johnny seine National Steel Gitarre auspackt und akustisch loslegt. Im ersten Moment dachte ich das uralte Ramblin´ Pony von Chicken Shack zu hören, aber das liegt sicherlich nur am Blechsound und der rauchigen Singweise von Johnny. Bei Eigenkompositionen im Bluesbereich ist es ziemlich selten, eine Eigenständigkeit zu finden, denn es sind einfach zu viele Standardeinflüsse in jedem Bluesman.

See See Baby – diesen Song hat Johnny Winter vom Texas Blues-Shouter Freddie King übernommen, der den Song 1961 gemeinsam mit Sonny Thompson geschrieben hat. Welche Vorbildwirkung dieses Lied auf diverse Bluesmusiker hat, lässt sich schon daraus ersehen, dass nachfolgende Songs (Lawdy Mama, See See Rider etc.) hier Anleihen nicht nur textlicher Natur genommen haben. Auf jeden Fall wirkt Johnny Winters Version bei weitem elektrisierender als das Original und man spürt, dass Johnny Winter auch ein gestandener Rocker ist.

Tin Pan Alley – Dieses Lied ist wahrscheinlich der älteste Song auf dieser CD. 1916 wurde er von Ada Jones und Billy Murray für eine Aufnahme mit der Original Dixieland Jazz Band geschrieben und mittels der Victor Talking Machine enstand am 26. Februar 1917 in den New York City Studios die erste Jazz-Aufnahme überhaupt. Von damals bis zu dieser Einspielung ist es ein langer Weg und trotz des Alters dieser Nummer hat sie nichts an ihrer Faszination verloren. Schon fast behäbig gehen es Dr. John und Johnny Winter an, aber das braucht diese Nummer auch, die hier ganz tolle Klubathmosphäre schafft.

I´m Good – Ich habe keine Ahnung, wer diesen Song wirklich geschrieben hat. Auf jeden Fall erschien er schon in den 60ern auf dem Label des Gitarristen Jimmy Dawkins, das in Chicago zuhause ist und sich Leric nennt. Aber ich müsste mich ganz schwer irren, wenn dieser Song nicht von Albert Collins ist, der 1932 in Leona, Texas zur Welt kam und selbst ein begnadeter Bluesgitarrist war, kein Wunder bei der musikalischen Familie zu der u. a. Lightnin´ Hopkins zählte. Johnny bändigt hier seine Klampfe wieder phänomenal und auch seine Stimme klingt bluesiger denn je zuvor. Das ganze Stück bebt nur so vor Vitalität.

Third Degree – Eddie Boyd und Willie Dixon sind die Urheber des Titelsongs und es ist eines dieser wahnsinnigen Gitarrenstücke, die langsam dahin driften und genügend Zeit lassen, dass die Saiten so richtig schön wimmern können. Kein Wunder, dass sich auch andere Top-Gitarristen daran versucht haben z. B. Eric Clapton auf seinem Album „From The Cradle“. Ich wage jetzt nicht einen Vergleich zu ziehen, aber zumindest darf ich für mich entscheiden, dass Johnny die einfühlsamere Variante elektrifiziert.

Shake Your Moneymaker – ein klassischer Standard, den 1961 Elmore James in die Welt gesetzt hat. Musikalisch hat er damit die Blueswelt sicherlich bereichert, aber die Lyrics sind so ziemlich das Dümmste, was man auf dem Bluessektor finden kann. Kostprobe gefällig?

Shake your moneymaker
Shake your moneymaker
Shake your moneymaker
Shake your moneymaker
Shake your moneymaker and then
I got a girl who lives up on the hill
I got a girl who lives up on the hill
Says she gonna love me but I don't believe she will

Und so geht es weiter, wenn man manchen Bluesmusikern glaubt auch dreißig Minuten, bei Johnny allerdings nur 2:39 und das reicht auch

Bad Girl Blues - 1911 kam in Memphis Tennessee ein gewisser William Borum zur Welt, der angeblich den Urblues spielen konnte und erst 1961 seine erste Plattenaufnahmen machte. Allerdings wurde er nicht unter diesem Namen bekannt, sondern als Memphis Willie B. und er schrieb diesen Song, den Johnny hier wieder akustisch zum Besten gibt und zwar fast originalgetreu, sieht man von Johnnys mächtiger Stimme ab. Dieser Song ist einfach eine Prachtnummer, die zeigt, wie ursprünglich Blues sein kann.

Broke and Lonely – Auch dieser Song entstand 1961 und als Urheber werden Johnny „Guitar“ Watson und Johnny Otis (mit seinem Orchester) genannt, die diesen Song erstmals in Los Angeles aufgezeichnet haben. Dies ist für mich die einzige Nummer, die mir überhaupt nicht gefällt. Johnny wirkt darauf alt und müde und spielt trotzdem, als wäre er noch süße Fünfzehn und übe mit seinem Bruder. Gegen die restlichen neun Songs fällt dieser einfach ab.

FAZIT: Diese CD ist in mehrer Hinsicht bemerkenswert, zeigt sie doch einen Johnny Winter, wie er mit den diversen Blues-Stilen hantiert. Obendrein ist er eben auch noch mit musikalischen Gästen im Studio und hat das Experiment mit der National Steel Guitar bestens bestanden. Ob man ihn jemals wieder solche Aufnahmen machen lässt, muß man bezweifeln. Auf Tour nimmt er diese Gitarre jedenfalls niemals mit.

Zur Zeit gibt es mit Sicherheit keinen Vertreter des Texas Blues, der sein Instrument mit dieser Perfektion beherrscht. Wer Blues und speziell Gitarrenblues mag, darf diese CD ohne Abstriche sofort in seine Sammlung aufnehmen. Für alle anderen, wie immer, die Warnung: Erst anhören, dann kaufen.

Erscheinungsdatum: 24. Juli 1995
Label: Alligator (EDEL)
ASIN: B0000009YH
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)
Preis: EUR 16,99





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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
reigo

reigo

26.04.2002 19:18

ER dankt herzlichst - und übrigens: die Clapton Version kommt (subjektiv natürlich, rein subjektiv) NICHT an Jonny B. Blues' heran.

hubbie

hubbie

20.04.2002 12:19

Summer of ´69, Denver Mile High Stadium, der Albino im Vorprogramm von CCR.....ich hatte Tränen in den Augen, nicht nur vom Gas, dass die Ränge hochwabberte

homorphus

homorphus

20.04.2002 11:59

Das Wetter passt ja, um sich einen Blues reinzuziehen. Gruß Alexandra

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