Gute Texte, gute Musiker - aber lieber live
24.08.2004 (02.11.2004)
Pro:
ein "echter" Maffay
Kontra:
etwas gebremst
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 KingSparko
Über sich:
Midnight is where the day begins.
Mitglied seit:13.08.2004
Erfahrungsberichte:372
Vertrauende:110
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Da mir Peter am letzten Wochenende bei Udo Lindenberg mal wieder über den Weg lief, losgelöst vom Thema Tabaluga, was die letzten 24 Monate vorherrschend war, kramte ich heut mal wieder eine seiner Platten raus, die persönlich einen wichtigen Punkt in meiner "Maffay-Fan-Karriere" darstellt. Und da hier noch keiner, dachte ich mir.... Der Tonträger ist nicht mehr der neuste, hat schon 8 Jährchen auf dem Buckel und trägt den schlichten Titel "96". Interessanterweise kaufte ich die CD erst über ein Jahr nachdem ich auf der 96er Tournee im Konzert war...
Das Cover ---------------- ...wirkt aussen sehr schlicht, zweifarbig sieht man hier Peter's Arm an der Gitarre, die Rückseite zeigt einen Sonnenuntergang in Australien, auf dem Heft die Maffay Band in der australischen Natur. Das CD Heft selber lädt ein, immer mal wieder drin zu blättern. Die Texte sind untermalt mit Bandbildern sowie Naturaufnahmen, die allesamt in Australien aufgenommen wurden. Das ein oder andere Bild könnte besser sein, es wirkt pixelig, was aber nicht weiter stört. Da muss man schon genau hinsehen. Die CD.... ---------------
Beginnt mit "Ich sag ja", einem zu Beginn etwas ruhigeren Stück, was sich aber schnell als "echter Maffay" entpuppt und sich gelungen in der Intensität steigert. Mit "Dich zu sehn" folgt eine gelungene Rockballade, deren Text über eine gescheiterte Beziehung sehr zum Nachdenken anregt und die Sehnsucht nach der verlorenen Person spüren lässt.
Bei Nummer drei folgt mit "Freiheit, die ich meine" eine der Singleauskopplungen der Platte. Das waren noch Zeiten, da lief das Video tatsächlich noch auf Viva! Der Track ist rockig, instrumental passend und gut umgesetzt, der Text übt Kritik an der Ich-Gesellschaft und man möchte zustimmend nicken, wenn Peter erklärt "...wenn es irgendetwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt, ist dass man etwas wirklich liebt..." Musikalisch ansteigend eine Brücke leitet mit aufmunterndem Text über zu einem nur dünn untermaltem Refrain (drums, sporadische Gitarren, leichter Background) - der sich anschliessend nach einem Gitarrensolo wiederholt und eindringlich klarmacht - Ich-Gesellschaft? Klar, aber es geht auch anders! Einer meiner absoluten Maffay-Favoriten, nicht zuletzt auch wegen diesem Text. Diesen Song sollte man sich wirklich mal anhören. Ein etwas anderes Liebeslied folgt mit "Meine Prinzessin" - bluesig schwer, kommt Peters tiefe und markante Stimme zu leicht exotischen Keyboardklängen sehr gut zur Geltung. Highlights setzen zum Strophenende melodiösere, mit höherer Stimme gesungene Zeilen. Der Refrain bleibt schnell im Ohr hängen, durch die stetige Wiederholung wird er aber einen Nicht-Fan ziemlich schnell nerven. Dürfte eher Geschmackssache sein.
"Kannst du das verstehen?" fragt uns Peter im nächsten Song. Ein ruhiger Song, mit nachdenklichem Text, angenehmer Melodie. Ein Track, der einem noch lange im Ohr und auch im Kopf bleibt, denn diesen Text muss man wirken lassen. Finde ich sehr gelungen. Mit "Siehst du die Sonne" folgt die erste Singleauskopplung des Albums. Der letzte Track der CD ist eine akustische Version dieses Titels. Beide Versionen unterstreichen den sozialkritischen Text. Bei der absolut gelungenen Rockversion, hört man die Wut über die Verschwendergesellschaft, wo doch auf der Welt noch immer Kinder hungern - bei der akustischen lauscht man andächtig und spürt - solange es noch Hoffnung ist, ist es nicht zu spät. Beide Versionen finde ich sehr gut, der persönliche Geschmack entscheidet sicherlich, was man lieber hören möchte.
Der "HBF Blues" kommt zu Beginn mit einer simplen Gitarre daher, zur zweiten Strophe setzt die Band ein, und das für maffay'sche Verhältnisse wirklich ziemlich bluesig. Peters Stimme bringt den stellenweise zum schmunzeln bringenden Text ziemlich lässig rüber ("...ich schwimm durch die Strömung, auch wenn ich dabei ersauf.."). Die weiblichen Stimmen im Background setzen wirkungsvolle Akzente. Eine schnelle Rocknummer folgt mit "Moment mal" wo man überrascht feststellt, dass im CD Heft der halbe Text fehlt. Muss irgendwie verloren gegangen sein. Peter rappt hier fast die Strophen, hin zum Refrain steigert er sich immer weiter. Der Text ist einfach nur witzig. Leider glaubt man es Peter nicht so ganz, da seine tiefe Stimme einfach zu ernst wirkt. Trotzdem hörenswerter Song.
Rockig weiter geht's gleich mit "Es hat keinen Zweck". Peter rechnet ab, das ziemlich flott und eindringlich, wirkt leider ZU hastig und die Mundharmonika passt leider so gar nicht dazu. Aber schliesslich hat jedes Album einen Track, der negativ auffällt... Etwas besinnlicher kommt "Niemals gesagt" daher. (an dieser Stelle lässt einen das Booklet im Stich, da hier die Reihenfolge verdreht ist) Ein Liebeslied, sehr eingängig, melodisch, fast ein bißchen zärtlich, singt er von der verlorenen Liebe, vom Gehen, aber auch vom Bewusstsein, des folgenden Schmerzes....Frank Diez unterstreicht mit sanften Gitarrenklängen die Melancholie des Textes. Anspieltipp!
An der elften Stelle haben wir "Happy Birthday" - das etwas andere Glückwunschlied. Sehnsucht, Erinnerung an eine alte Liebe. Und die Erkenntnis, dass Liebe nie so ganz geht. Das alles verpackt in einer Rockballade, in die das Gitarrensolo von Carl Carlton leider so gar nicht reinpasst. Das sich immer wiederholende "Happy Birthday" zum Songschluss ist gelungen, es nervt in keinster Weise. Danach folgt die bereits erwähnte akustische Version von "Siehst du die Sonne" und lässt das Album ruhig und nachdenklich ausklingen. Als End-Track sehr gut gewählt.
Besetzung: ----------------- die altbewährte MaffayBand: Drums - Bertram Engel, Bass - Ken Taylor, Gitarren - Frank Diez, Andreas Becker, Carl Carlton, Tasten aller Art - Pascal und Jean Jacques Kravetz Chor - Sheryl Hackett und Felicia Taylor (Frau von Ken) Fazit: ------------ Zum Erscheinungszeitpunkt nach langer Tabalugaphase sicherlich ein längst überfälliger "echter Maffay". Peter & Band sind recht rockig dabei, können aber auch sanft und treffen voll das Herz der Maffay Fans.
Persönliche Einschätzung: ------------------------------------ Wenn ich die Wahl habe, lege ich lieber die Live Version auf, denn hier beim direkten Vergleich spürt man sehr deutlich, dass Peter Musiker mit Leib und Seele ist - aber auf der Bühne. Auf dem Studioalbum merkt man oftmals die gebremste Stimmung, die auf der Live Platte natürlich umso mehr zur Geltung kommt. Peter hat trotz allem mit diesem Album einen wichtigen und grossen Schritt zum DeutschRocker hin und vom Schlagerfuzzi weg gemacht. Aufgrund dessen kriegt er auch nur 4 Sterne von mir, denn genau dieses Bauchgefühl von der Bühne vermisse ich ein klein wenig auf dieser CD. Ansonsten ist es ein Album, was ich sehr gern mal wieder auflege und was Texte hat, die auch noch nach 8 Jahren gefallen.
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