Verrücktes Leben
18.03.2010
Pro:
gute Popmusik, vorgetragen von einer der einprägsamsten Stimmen der Musikwelt
Kontra:
ein bisschen zu überproduziert, es fehlt an der Frische des Debüts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Schlucke
Über sich:
Tyler Durden: The things you own end up owning you.
Mitglied seit:10.05.2007
Erfahrungsberichte:295
Vertrauende:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 102 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Würde man mich fragen, ob es in meinen Augen in den letzten Jahren einen Popsong gegeben hat, der zum Einen großes Ohrwurmpotential besitzt, mir zum Anderen aber trotzdem niemals zu den Ohren rausgekommen ist (was ja bei Ohrwürmern immer eine Gefahr darstellt), dann würde ich als Antwort ganz klar Amy Macdonalds This is the Life anführen. Tolle, gefühlvolle und eigenständige Popmusik, vorgetragen von einer talentierten Sängerin mit einer sehr einprägsamen und warmen Stimme. Kein Wunder also, dass viele Menschen meine Einstellung teilten und der Schottin und ihrem gleichnamigen Album einen riesigen Erfolg bescherten. In Deutschland wurde das Album mit vierfach Platin ausgezeichnet und somit mehr als 800.000x verkauft. Logisch: wenn ein Debütalbum solche Erfolge feiert, dann erwartet die Fangemeinde und auch die Musikpresse einen Nachfolger, der qualitativ mit dem Vorgänger mindestens auf einer Stufe steht, gleichzeitig aber nicht stagniert, sondern eine musikalische und persönliche Weiterentwicklung zeigt. Da mir das erste Werk der Sängerin sehr gut gefallen hat, hoffte ich natürlich darauf, dass auch ihr neues Album genau das liefert, was ich gewohnt war: eine tolle Stimme, eigenständige Musik, wenig Schnickschnack.
Nun gut; seit wenigen Tagen ist A Curious Thing nun im Handel….und obwohl ich eigentlich weniger Geld für „sinnlose“ Dinge ausgeben wollte, hab ich mir die Platte gegönnt…wenn auch nur neumodisch als Download. Der schlägt bei Amazon mit 8,99 Euro zu Buche – ein vernünftiger Preis. Die Frage – und ich wette, dass ihr alle schon darauf brennt, sie endlich beantwortet zu bekommen – lautet daher: können mich die neuen zwölf Stücke und der versteckte Track überzeugen (den gibt’s nur auf der CD, aber wir haben ja youtube)?
Augen zu und durch…
Eröffnet wird das neue Werk durch Don’t Tell Me that It’s Over, das gleichzeitig auch als erste Single veröffentlicht wurde. Im dazugehörigen Video wird deutlich, dass sich Amy Macdonald optisch im Vergleich zur Zeit ihres ersten Albums verändert hat: sie ist schlanker geworden und entspricht damit mehr dem Superstar-Ideal. Glücklicherweise muss man nicht befürchten, dass sie nun nur noch durch verrückte Outfits Schlagzeilen macht wie Lady Gaga oder als neues Hobby gerne ohne Unterbuchse Auto fährt wie Britney Spears. Nein, Amy bleibt Amy. Und das ist – danke, Herr Wowereit – auch gut so! Wenn sie nämlich die ersten Worte singt, fühle ich mich sofort heimisch. Diese warme Stimme macht Amy Macdonald einzigartig und daher spielt sie diese Stärke auch auf ihrem neuen Album aus. Don’t Tell Me that It’s Over gibt gleich die Marschrichtung des Albums vor und zeigt mir, auf welche musikalischen Änderungen ich mich einzustellen habe:
- War Album Numero Uno noch in erster Linie ein echtes Pop-Album, das von Amys Gesang und ihrer Akustikklampfe geprägt war, so bewegt sich das zweite Album in Richtung Pop-Rock. Amys Band erhält mehr Gehör; die E-Gitarren nehmen mehr Platz ein, die Drums klingen druckvoller.
- A Curious Thing zeichnet sich durch eine aufwendigere Produktion aus. War das erste Album noch sehr zurückhaltend instrumentiert und überraschend ehrlich und herzlich, klingt der Nachfolger nun „voller“ und technisch ausgereifter. Ob man das nun gut oder schlecht findet, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich finde, dass die Streicher und das Keyboard manchmal einfach zu viel des Guten sind. Man weiß, dass Amy Macdonald dann am wirkungsvollsten ist, wenn man sich ganz auf sie und ihre Gitarre konzentrieren kann. In all dem „Bombast“ geht genau das manchmal verloren, schade.
Mehr Produktion, mehr Pop-Rock = ein schlechteres Album? Nicht unbedingt; Amy zeigt nämlich oftmals, dass sie trotzdem noch ein Gespür für tolle Melodien hat und Songs schreiben kann, die den Hörer von Anfang an gefangen nehmen. So zum Beispiel Titel Nummer 3, I Got No Roots: der macht nämlich extrem vieles richtig, konzentriert sich lange Zeit nur auf Amy, ihren sanften Gesang und ihre leicht angeschlagene Gitarre, steigert sich zum Ende hin aber in einen druckvollen Pop-Rock-Song, der gute Laune macht.Diese gute Laune hält praktisch über das komplette Album hin an. Gerne wippt man mit den Füßen mit oder trommelt auf der Tischplatte im Takt (gut, ich trommele abseits des Taktes….das Wichtige aber ist: man trommelt!), die Refrains und Gesangslinien gehen schnell ins Ohr und auch wenn man genau weiß, dass man hier nicht der musikalischen Neuerfindung des Rades lauscht und dass Amys Erstling erfrischender und neuer klang, so erfreut man sich doch an A Curious Thing. Eben weil man weiterhin schöne handgemachte Popmusik hört, vorgetragen von einer ambitionierten, einzigartigen Sängerin.
Wenn man Amys erstem Album einen Vorwurf machen konnte, dann den, dass es insgesamt ein wenig an der Abwechslung gemangelt hat. So ganz hat sie diesen Vorwurf auch auf Album Nummer 2 nicht aus der Welt geräumt, doch insgesamt klingt das Werk schon facettenreicher als das Debüt. Give It All Up zum Beispiel gefällt, weil sich Amy im Refrain in ungewohnte Höhen schwingt, was man nicht unbedingt erwarten kann. In der Akustikballade My Only One erklingen im Hintergrund Flötentöne, die zumindest mich an die Heimat der Sängerin erinnern. Etwas schade in diesem Fall finde ich, dass der Song gegen Ende durch Hinzunahme der Streicher erneut zu überproduziert wirkt und droht, ins zu Kitschige abzurutschen. Barrowland Ballroom …. äh…Verzeihung …. This Pretty Face bringt dann endgültig Abwechslung rein. Saloonähnliches Klaviergeklimper und „lalala“-Textpassagen ergeben eine flotte und frische Nummer, die zwar tatsächlich stark an Barrowland Ballroom vom Debüt erinnert, sich aber trotzdem fröhlich aus der Albummasse heraushebt. Troubled Soul kann mich leider nicht wirklich überzeugen. Ein wenig zu langweilig plätschert das Stück vor sich hin. Handwerklich gewiss kein schlechtes Lied, aber mir eben zu bieder. Schader. Mit deutlich mehr Schmackes kommt Next Big Thing daher – und genau daher gefällt mir das Lied sehr gut. Eine feine Mischung aus „rockigen“ Parts und netten Breaks, kombiniert mit einem tollen Refrain – so muss Popmusik klingen, um mich zu begeistern. Das richtige Ende findet A Curious Thing übrigens mit What Happiness Means to Me; erneut ein zunächst im Balladenkleid gestalteter Titel, bei dem Amy extrem gefühlvoll zu Klavierbegleitung singt (ja ja, da wird sogar ich schwach), bevor er gegen Ende erneut an Fahrt aufnimmt. Schön. Als Hidden Track folgt auf der CD übrigens noch eine Live-Coverversion von Bruce Springsteens Dancing in the Dark. Nur Amy und ihre Gitarre, sehr schön!
This Is My Life Man merkt deutlich, wie sehr Amy Macdonald der Rummel um die eigene Person sowie der ständige Tourstress verändert haben. Zunächst einmal ist der insgesamt leicht rockigere Sound ein Zugeständnis an das Publikum, das bei schnelleren und schwungvolleren Titeln immer besser „abgeht“ als bei den ruhigen Stücken.
Und dann setzt sich Amy in den Texten klar und deutlich mit ihrem neuen Leben auseinander. Der Titel des Albums lässt das ja schon vermuten, er findet seinen Wiederhall in Titel 3: And this life I lead it's a curious thing / But I can't deny the happiness it brings; auch andere Titel wie Next Big Thing setzen sich mit Amys Startum auseinander. Ansonsten darf natürlich die Liebe als allumfassendes Thema nicht fehlen. Insgesamt sind die Texte nicht wirklich schlecht, aber irgendwie in ihrer Mehrzahl doch belanglos und zu wenig tiefgehend. Auch das war beim ersten Album irgendwie besser, weil ehrlicher… ja ja…früher, da war irgendwie alles besser. Fazit
Wirklich enttäuschend wirkt Amy Macdonalds zweites Album nicht. Zu stark ist weiterhin ihre einprägsame Stimme, die immer noch die Titel prägt und sie von allen anderen Popsternchen wohltuend abhebt. Insgesamt aber vermisse ich beim Nachfolgewerk des sehr starken Debütalbums die Eigenständigkeit, die letzteres auszeichnete. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: auch A Curious Thing ist ein schönes Album geworden, voller gut komponierter und gesungener Lieder mit schönen Refrains und eingängigen Melodien. Aber irgendwie klingt alles leicht überproduziert und glattgebügelter als auf dem Debüt. Nichtsdestotrotz: in Sachen eingängiger und handgemachter Popmusik führt auch 2010 kaum ein Weg an der jungen Schottin vorbei. Man darf also durchaus davon ausgehen, dass ihr Erfolg auch weiterhin Stoff für zahlreiche Songtitel liefern wird.
/ Anhang: Amy Macdonald – A Curious Thing Don’t Tell Me that It’s Over Spark (I Got) No Roots Love Love An Ordinary Life Give It All Up My Only One This Pretty Face Troubled Soul Next Big Thing Your Time Will Come What Happiness Means to Me (Dancing in the Dark)
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A Curious Thing - Amy Macdonald
Mit ihrem ersten Hitalbum This Is The Life gelang der 22-jährigen Schottin Amy ...
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22.03.2010 17:53
Ich bleib dabei: eine Kermit-Stimme, die klingt, als hätte man konstant Schluckauf, ist vielleicht einprägsam, aber noch lange nicht gut :P
21.03.2010 21:01
KLingt echt gut....ich finde ihre Stimme total klasse. Die CD sollte ich mir vielleicht besorgen, zumal ich auch Bruce Springsteen gern mag... LG, Rebecca
19.03.2010 19:58
Ich kann mit der Frau nix anfangen...