A Night at the Opera - Blind Guardians Denkmal
18.08.2005
Pro:
Energiegeladen, Hart und Schnell, geniales Songwriting, fantastische Lyrics
Kontra:
etwas überproduziert, gewöhnungsbedürftiges Cover
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Edain
Über sich:
Kurzbeschreibung: Optimist und immer gut drauf, Hobbies: Taekwondo und Gitarrespielen, mit Freunden ...
Mitglied seit:06.08.2005
Erfahrungsberichte:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 21 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Zu den Krefelder Barden, die momentan einer der besten Power Metal Acts weltweit, wenn nicht gar DER beste sind, sage ich in dieser Albumbesprechung nichts mehr, da weder Geschichte der Band noch ihre Mitglieder selbst für die Bewertung dieses Meisterstücks relevant sind. Kurzum: Was Blind Guardian mit diesem Album geschafft haben, hebt sie musikalisch in den Olymp des Metals. Mag sein, dass der überproduzierte Sound und die tonnenschweren Chöre nicht jedermanns Sache sind, aber musikalisch ist dieses Teil eine gewaltige Leistung. Zum erwähnten Kontra: In der Tat kann es anstrengend sein, sich dieses 70minütige Album am Stück anzuhören, da es wenig ruhige und langsamere Momente gibt und die Chöre fast stets präsent sind. Außerdem geht in einigen Songs die Rhytmusgitarre beinahe unter den dominanten Chören unter - aber wenn man es genau betrachtet, ist jeder Song für sich ein kleines Meisterwerk und das darf man nicht ungewürdigt lassen.
1. Precious Jerusalem - ein hervorragender Opener, Marcus und Thomen brettern das arabesque Intro dass man meint, in einem orientalischen Palast zu sitzen und dann wird man hineingezogen in einen majestätischen Song wo sich pfeilschnelle Leadgitarren, langsamere stimmungbauende Parts, ein mächtiges Solo und ein gewaltiger Refrain die Klinke in die Hand drücken. Textlich dreht sichs hier um das Leben Christi soweit ich verstanden hab, auch wenn ich durch Hansis poetische Sprache nicht ganz durchsteig. 2. Battlefield - eine Granate, anders lässt sich dieses Stück nicht beschreiben. Und das obwohl man beim Intro noch meint, eine Ballade zu bekommen, so schön lässt André die Akustikgitarre klimpern und Thomen streichelt zärtlich einige Bongos. Aber dann bricht ein Gewitter los aus Doublebase, dem vielleicht besten Refrain Blind Guardians überhaupt (sozusagen ein Wettsingen zwischen Hansi und dem Chor, DAS ist musikalische Dramatik in Vollendung) und einer Leadgitarre die vor allem bei den Soli eine kriegerische Stimmung wie anno dazumal bei Time stands still erzeugt. Wurde leider noch nie live präsentiert ... ich will dabei sein und meinen Teil zu einem mehrtausendköpfigem Chor beitragen, den dieses Lied verdient. =)
3. Under the Ice - eigentlich der einzige Song, dem ich auf dem Album nicht wirklich viel anfangen kann, der live jedoch sehr genial herüberkommt, beginnt mit einem merkwürdigen verzerrten Intro und knüppelt dann auch beinhart und schnell los. Aber lässt dann meiner Meinung vor allem bei der Bridge und beim Refrain nach, die vom Chor getragen werden und der Refrain geht stellenweise in Höhen, dass man um seine Glasvitrine fürchtet. Das kommt live einfach besser wenn Hansi "ENJOY YOUR STAY HERE" brüllt anstatt dass es von 10 Stimmen in die Länge gezogen gejault wird. Überhaupt kommts mir vor als wäre Under the Ice kompositorisch ein klassischerer BG-Song der die ganzen Chöre und Synths nicht sehr gut verträgt. 4. Sadly Sings Destiny - jetzt wirds experimentiell ohne gute alte Blind Guardian-Qualitäten über Bord zu werfen. Mit viel Wahwah im starken gitarrengetragenen Intro beginnt das Lied, Laune zu machen und lässt dann auch nicht mehr los. Fröhliche Chöre, eine BG-ungewohnt rockige Rhytmusgitarre und eine gewöhnungsbedürftige aber definitiv interessante Bridge bei der man sich fragt, wie Hansi dieses 15sekündige (I can feel it's getting nearer / images they turn out clearer / creeps in and out of your mind / I'm destiny personified / I know there's something more behind / but is it really justified to sacrifice / to crucify the rescue of the human kind) live bringen will ohne Luft zu holen. :-D Jedenfalls ein absolut starker Gute Laune-Song der zum Mitbangen einlädt.
5. The Maiden and the Minstrel Knight - und jetzt wirds balladesk, die einzige Ballade auf dem Album. Auch hier probieren Blind Guardian etwas Neues aus, denn die ganze erste Hälfte des Songs kommt völlig ohne Gitarre aus, nur mit einigen Keyboards, Bass, Hansis Stimme (und Chor) und vorsichtigem Schlagzeug. Wer sich jetzt mit Grauen abwendet und an Synthorgien denkt, liegt allerdings falsch. Es fiedelt mal, es dudelt mal und erzeugt dabei eine wundervolle Stimmung wie wir sie vom Bards Song und A past and future Secret lieben, nur eben ohne Gitarren. In der Mitte des Songs kommen dann endlich die Gitarren zum Zug und geben dem Lied mehr Kraft. Und als man meint, das Lied ist schon ausgeklungen, ein letztes Aufbäumen "Proudly it stands / until the worlds end / The victorious banner of Love". Einer der kreativsten Einfälle in Hinblick auf Songstruktur, den ich kenne. Denn es geht in dem Lied um Tristan und Isolde - die beiden sterben gemeinsam. Der Tod. Die Instrumente schweigen. Man glaubt, das Ende erreicht zu haben. Doch dann wachsen über dem Grab der beiden zwei Pflanzen empor, die einander umschlingen. "The victorious banner of love". Mehr brauch ich dazu nicht zu sagen. 6. Wait for an Answer - einer meiner Lieblingssongs überhaupt und trotzdem fällts mir schwer, dieses Lied zu beschreiben. Textlich gehts angeblich ums dritte Reich (man kann das in Passagen wie "Hate will grow like a foul cancer / to find a foe seems to be the answer" hineininterpretieren), der Refrain ist jedoch wieder ein absoluter Mitsing- und Gute Laune-Kracher. Auch das Solo ist top ... aber ich weiß ned, wie ich den Song beschreiben soll. Einfach mal reinhören.
7. The Soulforged - hier haben Blind Guardian die Fans entscheiden lassen, worums textlich in dem Lied gehen soll und die Fans haben den Magier Raistlin aus der Dragonlance-Reihe gewählt. Auch eins der "straighteren" Lieder des Albums, das weder auf viele Keyboards noch auf viele Chöre angewiesen ist (die allerdings auch wieder unterstützende Arbeit leisten) und gerade deswegen eine angenehme Abwechslung ist. Hier tritt stellenweise besonders Hansis Stimme hervor, der sich als leidender, zweifelnder, wütender, trotziger Raistlin mal die Seele aus dem Leib schreit, mal fast zu zerbrechen scheint. Besonders sollte man hier auch auf die Leadgitarre hören, die manchmal unauffällig, manchmal präsenter, stets irrwitzige Melodiebögen im Hintergrund spielt. Gigantische Leistung von André! 8. Age of False Innocence - schon wieder ein Intro ohne Gitarren, dafür mit einem großen Piano und dezent eingesetzten Hörnern, das eine melancholische Stimmung erzeugt - hey, hier gehts um Galileo Galilei, der ja gezwungen wurde, seine Thesen zurückzunehmen. Nach etwa einer halben Minute setzt eine vorsichtige klare E-Gitarre und das Schlagzeug ein. Und nochmal ne halbe Minute später brettert der Song los in einer irrwitzigen Mischung aus ruhigen Passagen mit jaulenden Noten der Leadgitarre, harten und schnellen Teilen, manchmal bedrohlich im Hintergrund polternder Rhytmusgitarre, einem Solo vor dem man einen Kniefall machen möchte und einem wunderschönen, ruhigen, klagenden Outro.
9. Punishment Divine - hier wollten es die Krefelder nochmal so richtig krachen lassen - sie haben es mehr als geschafft und einen der besten Songs überhaupt kreiert. Das Lied handelt von Nietzsche in den letzten Minuten seines klaren Verstandes, er hört die Engel singen, die er Zeit seines Lebens immer verleugnet hat und dementsprechend schwankt die Stimmung zwischen Trauer, Melancholie und purer, trotziger Wut. Getragen von einer Doublebase, generell einem Drumming das nicht von dieser Welt ist, schreit sich Hansi mal die Seele aus dem Leib, liefert sich im Refrain wieder mit dem Chor ein Duell, rasen die beiden Gitarren nur so dahin, bringt André sein bestes Solo überhaupt (persönliche Meinung, aber es ist wirklich gewaltig) und endet der Song schließlich in einem Gänsehaut-Outro sondergleichen. Im Hintergrund klagt der Chor "Right away I will be gone, gone, ..." während Hansi verbittert "Through the deepest void, a blackened paradise, I walk alone" hinauspresst und das Lied schließlich mit einem durch Mark und Bein gehenden "ALOOOOOOOOOOONE" endet. 10. And then there was Silence. Die Besprechung dieses Liedes könnte ich auf "Hört euch das Lied an und fallt auf die Knie!" beschränken. Dieses 14minütige Epos das sich rund um den trojanischen Krieg dreht, ist schlicht und ergreifend ein Meisterwerk, das alle Bands die Zusätze wie "Epic" oder "Bombastic" in ihrer Stilbeschreibung tragen, wie Tafelklässler wirken lässt. Jetz sei gesagt, dass der Bombast hier nicht fehl am Platz ist, sondern genau dort angewendet wird, wo er gebraucht wird und wo er nicht gebraucht wird, auch weg bleibt. In diesem Lied steckt mehr Einfallsreichtum, Kreativität und Genialität als viele Bands in ein Album oder manchmal ihre gesamte Discography pressen. Das Intro bläst auch noch das letzte Staubkörnchen aus den Boxen, ohne dabei überlastet zu sein, nur die Leadgitarre, einige mächtige Akkorde im Hintergrund, das ganze untermalt von bedrohlich-fiedelnden Synth-Geigen. Aber hier lässt sich das Lied in seinem Variantenreichtum nicht mehr beschreiben, außer vielleicht mit den Worten "emotionale Achterbahnfahrt", Dramatik pur. Mal glauben wir, gerade einen Militärmarsch zu hören, dann setzt die Musik wieder bis auf ein leises Glockenspiel völlig aus, die Stimmung steigert sich wieder, ein ander Mal donnert pure Aggression aus den Boxen, das Solo erhebt sich in die höchsten Höhen, wir sind musikalisch und textlich mittendrin, wenn die Trojaner den vermeintlichen Sieg über die Griechen feiern ... und, und, und ... und Musik und Texte passen stets zusammen. Das Lied wird dadurch nicht zu leichter Kost die sofort ins Ohr geht, aber ganz sicher ein absoluter Hörgenuss für den, der sich darauf einlässt. Es wirft ja auch niemand einem Mozart oder einem Beethoven vor, dass ihre Sinfonien nicht beim Nebenbeihören gleich ins Ohr gehen, ned wahr? ^_-
So, ich habe viel geschrieben über diese wundervolle Platte, die uns die blinden Gardinen da beschert haben. Als Fazit kann ich nur sagen: Wenn sie euch beim ersten Hören überfordert, ihr Kopfweh von den ganzen Chören habt - gebt ihr eine zweite und eine dritte Chance, hört euch mal nen Song einzeln an und dafür wirklich hin. Wenn man mal die schiere Größe dieses Machwerkes erfasst hat, lässt es einen bestimmt nicht mehr los.
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29.08.2005 01:00
Toller Einstiegsbericht über eine echt starke Scheibe!
19.08.2005 08:20
Willkommen bei Ciao! Ein wirklich sehr guter Erstlingsbericht und ein guter Einstand in der Ciao Community! Ich wünsche dir viel Spaß und viel Erfolg bei Ciao! Gruß Made
18.08.2005 23:55
Tolkien-Fan? Zumindest machst du dem Volk der Edain mit dieser Meinung alle Ehre. Ist wirklich gut gelungen. Wenngleich Blind Guardian im besonderen und diese Art von Musik im Allgemeinen nicht so mein Fall ist. Gruß Stepnwolf