Knöpfchendreher im Glück
11. Feb 2004
Pro:
Unbegrenzte Möglichkeiten
Kontra:
kleine Tastatur
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bedienkomfort:
mehr
 krokofisch
Über sich:
Mitglied seit:21.09.2000
Erfahrungsberichte:47
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 3 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Sie suchen ein Gerät zur perfekten Imitation "echter" Musikinstrumente? Gehen Sie lieber einen Sampler kaufen, der Access Virus ist ein Gerät für Tüftler und Fans "echter" Elektroniksounds. Wir reden hier von einem Virtual Analog Synthesizer, der es einem Besitzer erlaubt, über 32 Drehknöpfe direkt und in Echtzeit in fast alle Klangparameter einzugreifen und ureigenste Sounds von der Pike auf zu kreieren. Die deutsche Firma Access debütierte mit dem Virus A - die Serie ist mittlerweile bei Version C angelangt - und brachte anno 2000 den Virus Indigo als limitierte Special Edition heraus, mit allen Features der Virus B-Produkte, aber mit speziellem Design. Mit gerade mal einem halben Meter Breite passt das Gerät auf jede Schreibtischkante, neben und zwischen den 32 Drehknöpfen blinken 62 blaue LEDs auf der schmucken, silbrigen Alu-Oberfläche, das Keyboard umfaßt
37 Tasten. Nicht viel, aber man will ja auch keine Chopin-Etüden spielen, und per Knopfdruck läßt sich alles um 2 Oktaven hinauf oder hinunter transponieren und via MIDI-Steuerung hat man eh Zugriff auf alle fünf Oktaven gleichzeitig. Anschlagsdynamik ist drin, leider kein Aftertouch.
Gut sieht er aus, und so klingt er auch: Scharf, fett, bizarr, je nachdem. Dafür sorgen - Bis zu vier Oszillatoren pro Stimme, die zwei Haupt-VCOs kommen mit Sinus, Sägezahn, Dreieck, variabler Pulswelle und 64 weitern Wellenformen daher. - 2 unabhängig steuerbare Filter (High, Low, Bandpass, Bandreject) mit Schaltung in vier Serien- oder Parallelfunktionen - 2 Hüllkurven-Generatoren - bis zu 3 LFOs mit 68 Wellenformen - 82 Effekte Die kompletten Specifications mag ich hier nicht abtippen, sie finden sich bei www.access-music.de. Im Folgenden nur noch die wichtigen Besonderheiten:
- Eine komplexe Modulationsmatrix ermöglicht es, mit fast allen Funktionen fast alles zu steuern. So können die LFOs, das Pitch- und das Modulationsrad oder die Anschlagsdynamik wahlweise auf die VCOs, die Filterfunktionen, die Effektparameter etc. losgelassen werden. Zusätzlich können diese Aufgaben auch für jedes Programm zwei "Definable Knobs" zugeordnet werden, so lassen sich während des Spiels auch ziemlich komplexe Klangveränderungen buchstäblich aus dem Handgelenk bewerkstelligen. - Alle Parameterveränderungen lassen sich per MIDI senden und empfangen, darüber freuen sich die Benutzer entsprechender Sequenzer-Software. - Ein Input für externe Quellen macht den Virus zum Effektprozessor für andere Instrumente inklusive der Stimme, dafür gibt es eine Vocoder-Sektion. - Arpeggiator: 49 Patterns stehen zur Verfügung, ebenfalls mit diversen Zusatzfunktionen (Swing, Notenlänge etc.). Natürlich geht es bei einer derartigen Funktionsvielfalt nicht ohne die mitunter lästige Menü-Klickerei, die gestattet sich aber recht transparent und benutzerfreundlich. (Das dazu nötige Display ist zwar klein, aber wenigstens gut beleuchtet.)
Der Virus Indigo ist 26stimmig und 16fach multitimbral, verfügt über 1024 Speicherplätze (256 frei belegbar, der Rest ROM) für Einzelsounds sowie über 128 frei belegbare Multi-Speicherplätze - wer den ganz dicken Soundteppich liebt, kann hier 16 Einzelsounds mit ihren jeweils eigenen Effekten und Arpeggiator-Patterns parallel abfahren (aber wer will das im Ernst wirklich...?) Zum Service: Das Gerät ist von robuster Bauart und müsste auch einen Sturz von der Schreibtischkante überstehen, seit ich es vor gut einem Jahr gebraucht erstanden habe, gab es noch keine Fehlfunktion.(Über den Live-Einsatz kannn ich als Wohnzimmer-Amateur nichts sagen). Auf der Access-Website gibt es gelegentliche Updates fürs Betriebssystem zum Download, die sich via MIDI (Sysex) problemlos ins Instrument einfüttern lassen, ausserdem steht eine recht beachtliche Soundbibliothek von Usern zur Verfügung.
Abschließend: Der Virus Indigo hat mittlerweile mit dem Indigo 2 einen Nachfolger gefunden und wird nicht mehr hergestellt, ist aber auf dem Gebrauchtmarkt (E-Bay!) ab und an zu finden und auf jeden Fall zu empfehlen. Wie gesagt - für Soundtüftler aus allen Musikrichtungen. Die mitgelieferten Presets sind zwar eindeutig auf die Dance-Abteilung zugeschnitten, aber mit ein wenig Schrauben, Klicken und Drehen lässt sich eigentlich so gut wie alles herstellen.
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* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
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