Auf du und du mit Seelenklempnern und Türstehern befindet sich Sven Väth, der seinem Konzeptalbum zum Tanzen einen Reigen schwieriger Sinnvokabeln vorwegstellt.: "Der wirren Bilder Hüter ergriffen ganz den Geist und schnell war er mit diesem wohl verbündet. Ich selbst war's der das Löchlein schloß durch das ich zu entschlüpfen hoffte." Wer nach diesen Linernotes den Soundtrack zur "Traumdeutung" erwartet, liegt nicht ganz falsch. So eine Platte wäre vor 20 Jahren zielstrebig als Selbstfindungsreise beschrieben worden - einmal per Anhalter nach Indien und Haschisch schmuggelnd im Jumbo zurück. Bei bis zu 13 Minuten langen Stücken wie "Ritual of Life" wird der exotische Klangschwall von einem maschinengesteuerten Dauergroove im Zaun gehalten, der mit drei präzise europäisiert knarrenden Basstönen die ferne Welt entmystifiziert. Selbst wenn zum Schluß noch eine komplette Sambagruppe losrasselt, weiß der Discjockey, wann es an der Zeit ist, den Computer auszuschalten. Eine dermaßen schmissige Melodiekurve hätte Giorgio Moroder mit Leichtigkeit an Spielberg verkaufen können. Väth mag aber noch ganz andere Filmemacher: zu "Caravan of Emotions" waeren beim Filmverlag der Autoren um 77/78 gleich ein Dutzend Drehbücher über zerredete Beziehungskisten am Ende der Welt eingegangen. Erst bei "Mellow Illusion" kommt endlich die ganze Discomaschine in Gang - ohne Überbau, ohne Denkzwänge, einfach aus dem Rückenmark heraus. Dann stören nicht einmal die Ideen von treibenden Walen in der Dunkelheit.
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