Oskarprämierter Soundtrack der etwas anderen Art
19.11.2002
Pro:
audiophiler Klang / mal ein völlig anderer Musikstil ! / manche Stellen sind perfekt zum träumen
Kontra:
manchen bestimmt etwas zu "seltsam" / zu kurze Spieldauer
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Musicus
Über sich:
Juuuhuuu!!! Nun ist es bald nur noch eine Woche bis ich nicht mehr diesen Hickhack habe. Ab dem 15. ...
Mitglied seit:03.07.2001
Erfahrungsberichte:108
Vertrauende:19
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Diese CD hat anno 2000 den Oskar für die beste Filmmusik bekommen - und ich muß zugeben, obwohl ich zunächst von dieser doch sehr eigentümlichen CD nicht sonderlich begeistert war, bin ich mittlerweile mit der Musik auf dieser CD sehr zufrieden. Bevor ich jetzt weiterschreibe und evtl. Mißverständnisse auftreten: Wie bei einigen anderen Filmen hat dieser Film 2!! Soundtracks; den klassischen Soundtrack (also die Hintergrundmusik) und den Rock/Pop Soundtrack mit Songs aus dem - meine Rezension beschäftigt sich mit dem klassischen Soundtrack (erkennbar an dem roten Rosen-Cover mit der leichtbekleideten Frau drauf) *g*.
Zur Instrumentierung & zum Musikstil: ooooooooooooooooooooooooooooooooooo Bongos, Triangel, Tablas, Kim-Kim-Trommeln, Vogelzwitschern, Mandola, Xylophon, Appalachen-Dulcimer, geschlagene-Stahlseitengitarre, Banjoukelele, Baß-Tinwhistle, Querflöte, bearbeitete Baßflöte, Phonograph, Pedal-Stahlseitengitarre, Ewi, arpeggierende Violine, verstimmte Mandoline, Saz, Klavier, und Synthie-Effekte.
Wohl nur die wenigsten (selbst ich gehöre nicht zu diesen wenigen) dürften jene aufgezählten Instrumente komplett kennen. Viele sind mir absolut fremd. Ewi? Saz? - nunja... klingt eben echt abgedreht. Und ebenso abgedreht klingt auch die Musik - zumindest ist so der erste Eindruck, wenn einem der Film unbekannt ist. Ich selbst hatte mir wie "Titanic"-CD und den "Episode One"-Soundtrack VOR dem Kinobesuch gekauft. Auch bei diesem Film konnte ich meiner Neugier nicht widerstehen. Jaja - ob ich da nur nach dem hübschen Cover mit der Frau gegangen bin? *schmunzel* Die ersten Klänge waren schon recht interessant. Normalerweise denkt man ja, zu einem klassischen Soundtrack gehören diese typischen Bombastschmalz- oder elegischen Taschentuchschnieforgien-Melodien. Gelegentlich wird es auch schonmal sehr unruhig, schräg und dramatisch, wie bei eigentlich jeder Kampfszene etc... Bei American Beauty ist das alles etwas anders.
Sehr anders! Das erste Instrument was man hört ist so eine Art Bambus-Marimba (eine Art Holz-Xylophon). Ich höre so einen Sound nicht alle Tage, und war deshalb schon leicht verwundert - dann aber diese Mischung! Bongos?? eine verstimmte Gitarre, und ein seltsamer Bass... Alles in einer Harmonik und Melodie die ich nur schwer beschreiben kann - annähernd so, wie man sich einen Aufenthalt in einem hektischen Bahnhof vorstellt - vielleicht auch das Spielen von mehreren kleinen Kindern auf einem Hinterhof; Alltag !- genau so kann ich das am besten beschreiben. Leicht orientalische World-Music a la Friedemann (wem das nun etwas sagt *g*) Die anderen Tracks sind dann entweder verträumt, manchmal schwebend, manchmal monoton ordinär (wie ein tickende Uhr), dann wieder kristallen, oder auch hektisch - andere eher fröhlich und beschwingt, aber immer mit einer völlig ungewohnten Zusammenstellung von Instrumenten, die zum Teil aus drei verschiedenen! Kontinenten kommen. Auch ich brauchte da eine Weile mich damit zurecht zu finden, aber spätestens beim dritten Hörerlebnis sagte ich mir: "Hör mal, eigentlich hast du sowas noch nicht vorher gehört - ist wirklich kreativ!" Mittlerweile denke ich da schon wieder anders drüber - vor allem als Backgroundmusik für einen ruhigen Abend finde ich diese CD sehr angenehm und passend - Auch CD-Rezensionen kann man dabei prima schreiben *g*
Booklet / Cover / CD-Aufbau: oooooooooooooooooooooooooo Das Cover wie gesagt stellt Schauspielerin Mena Suvari recht entblößt auf einem Meer von roten Rosen dar - lediglich diverse "markanten" Stellen sind von Rosenblüten bedeckt. Das Booklet ist ein einfaches doppelseitiges Faltblatt und verrät nur, welche Intsrumente alle verwendet worden sind - ansonsten findet man hier gar nichts - schade, denn ein kleines bißchen mehr zum Film wäre natürlich sehr interessant gewesen.
Die CD selbst führt 19 Tracks auf; trotzdem liegt die Gesamtspieldauer bei nur knappen 38 Minuten. Hier hätte doch bestimmt fast noch die komplette andere CD draufgepaßt! Naja - so wird halt eben Geld gemacht.. 01 - Dead already 02 - Arose 03 - Power of denial 04 - Lunch W / The king 05 - Mental boy 06 - Mr. smarty-man 07 - Root beer 08 - American beauty 09 - Bloodless freak 10 - Choking the bishop 11 - Weirdest home videos 12 - Structure & discipline 13 - Spartanette 14 - Angela undress 15 - Marine 16 - Walk home 17 - Blood red 18 - Any other name 19 - Still dead
Zu den einzelnen Tracks: oooooooooooooooooooooo Hier möchte ich diesesmal nur meine persönlichen Lieblingstracks beschreiben - dies sind auch die besten beiden Anspielstellen.
Track 01 - Dead already ******************** Dies ist das Hauptthema des Films und veranschaulicht wirklich musterhaft, wie man sich grob den kompletten Soundtrack vorstellen kann - Hier darf man jetzt nicht diese typischen Streichersounds erwarten - die Betonung liegt hier vor allem auf der Rhythmik und der Art des Zusammenspiels - die leicht verstimmte Gitarre spielt im Grunde permanent nur den einen Riff, und auch das Klavíer spielt konsequent dasselbe Motiv - doch alles ist höchst verblüffend miteinander verschachtelt - Bongos? und Xylophon dabei geben dann letzendlich eine einmalige Mischung. Insgesamt klingt alles also eher rhythmisch anstatt einprägsam melodisch - aber mal unter uns, die meiste Filmmusik in letzter Zeit ist eh nur noch Abklatsch von großen orchestralen Soundtracks wie Star Wars, Indiana Jones, Psycho, oder dem WeißenHai,... in sofern ist es wirklich mal sehr angenehm ANDERE Filmmusik zu haben, Musik, die auch für sich selbst sprechen kann und nicht ständig die Bilder dazu braucht. Track 08 - American beauty *********************** Hier hört man ein ganz weich gespieltes Klavier, sowie leise sphärische Synthieflächen im Hintergrund. Der Titel lebt von der Intensität und der Spannung - hervorgerufen durch das fast immer gleiche Klavierspiel. Nicht jeder wird diesen Track hier verstehen - es gibt bestimmt viele die einfach sagen werden: "langweilig" "kann ich nichts mit anfangen" Aber es ist im Grunde genau diese Einfachheit - diese Schlichtheit, die doch einmal so entspannend und belebend sein kann - wenn man dabei noch den Film in den Augen hat, der weiß, daß diese Musik wirklich perfekt zugeschneidert ist.
Im Grunde ist jeder Track ziemlich einzigartig, manchmal eine musikalische Weltreise, manchmal nur Musik zum Augenschließen und manchmal nur stupides (aber bewußtes) Wiederholen einzelner Rhythmik-Pattern. Produktionstechnisch ist diese CD perfekt - sämtliche Instrumente sind derart transparent und sauber aufgenommen, daß ich immer direkt orten kann, wo die einzelnen Musiker wohl sitzen müssen - es gibt sogar richtigen Subbass - wenn auch diesesmal einen akustischen! Auch in den Höhen ist dieses Album sehr klar und kristallen - die Triangel und diverse Percussion-Sounds klingen wirklich "knackig" - eine wirklich audiophile Aufnahme!
FAZIT: ooooooo
Es fällt schwer diesen Soundtrack zu beschreiben, aber ich hoffe, daß es mir dennoch gelungen ist, ihn einordnen zu können. Ich kann ihn vor allem als Backgroundmusik empfehlen - auch Leute, die es gerne etwas multikulturell haben wollen oder Worldmusic a la "Friedemann" mögen, können hier bedingungslos zugreifen. Personen, die Bombast wie in Braveheart oder Starwars erwarten sind mit Sicherheit enttäuscht - so ist es mit einer Weiterempfehlung eher etwas teils-teils. Auf Grund der Einmaligkeit sollte man trotzdem einmal hineinhören - der Oskar ist durchaus gerechtfertigt. Wem die beiden Anspielstellen gefallen, der wird auch den Rest mögen - ich bin gespannt, wie dieser Soundtrack euch gefallen wird. Viel Spaß beim Hören! © Musicus@CIAO, Lamertien@DOOYOO, Christoph Harmuth
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19.11.2002 16:06
Der Film hat die Prämierung ausnahmsweise tatsächlich verdient. Im Gegensatz zu solchen Gurken wie Braveheart gebe ich der Jury hier mal Recht. Grußens
19.11.2002 15:32
guter film und ein guter soundtrack
19.11.2002 14:44
Das "Saz" ist ein türkisches Instrument (Saiteninstrument) welches metallische und surrende Töne von sich gibt und ein Ewi ist glaub ich so ne Art Saxophon =) (--> Hab mich mal schnell über Google schlau gemacht ;) Lieber Gruß, Estrella