...ain't nothin' gonna take my road away...
12.11.2002
Pro:
rockig, eigenständig, angenehm, musikalisch locker, textlich nachdenklich
Kontra:
einfache Songs
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 logan
Über sich:
ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...
Mitglied seit:21.02.2000
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Der 'Attidtüdenfreie Altpunk'(tm) James Osterberg verwöhnt mit eingängigem AlternativePostRockPunkPop (häßliches Schubladenlabel) die Ohren all derer, die sich niveauvoll unterhalten lassen wollen. Ideale Musik zum entspannten rumlaufen durch schöne Städte, längere Bahnfahrten oder die Hängematte im Sommer.
Das Album beginnt mit 'Character': Iggy is "some character" - genau davon handelt das Lied. Er macht halt sein Ding. Wer ist Iggy eigentlich? Ruppiger Straßenköter oder sensibler Denker? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Rauhbeinig-charmanter Rocksong.
'Wild America' heißt der nächste Song, und klingt zwar locker und spaßig, aber doch recht bieder. Vielleicht will der Song aber auch genau das ausdrücken, den Gegensatz zwischen Freiheit und Konformität und das Lebensgefühl dort. Das Album klingt allgemein amerikanisch; damit meine ich diese lockere Erdverbundenheit entgegen britisch-verkopftem Understatement - bestes Beispiel: "Beatles" vs. "Stones". Damit meine ich NICHT Ami-Punk a la Sum41. Wenn schon ein Vergleich innerhalb des Genres, dann sei Joey Ramone als Referenz genannt. Doch Iggys Sound klingt vollmundiger, runder und wärmer. 'Mixin´ the colors' ist ein ziemlich relaxter Song, der trotzdem eine hypnotisch-strudelnde Anziehungskraft entwickelt. Wenn alle sich locker machen und frei vögeln, dann hat sich das Thema Rassismus in ein paar Generationen erledigt. Nette Vision, ziemlich naiv aber in einigen prüden Kreisen der Vereinigten Staaten sicherlich immer noch kontrovers.
'Jealousy' - "Here it is: jealousy, baby..." Die Eifersucht schleicht sich ganz langsam und harmlos ein, plötzlich wird sie wahrgenommen und läßt einen so schnell nicht wieder los. Sehr menschlich und lakonisch besungen, passend zur sich vorsichtig steigernden Musik. 'Hate' kommt etwas kantiger rüber, was dem Thema ja auch angemessen ist. Iggy bringt rüber, dass es nichts bringt zu hassen, aber dass man sich davon nur schwer frei machen kann. Eindringlich und simpel.
'It´s our love` und die läßt man sich nicht wegnehmen, nicht kaputtreden und es ist egal, was da noch kommt "'cause it's our love". Ein schöner, gemütlicher Rocksong ohne Schnörkel. Nichts besonderes, aber angenehm zu hören. 'Plastic & Concrete' ist wieder wütender und kratziger, schließlich wettert Iggy hier auch gegen künstliche, zubetonierte Lebensstile an. Ziemlich einfach strukturiert, aber nicht schlecht. Einer der punkigeren Songs, die anderen sind eher in Richtung Rock gelagert.
'Fuckin´ alone' ist nach meinem Empfinden eines der Highlights des Albums. Iggy nölt im Sprechgesang der Strophen von seinem Befinden, alles sehr lakonisch und sich selbst nicht allzu wichtig nehmend (also KEINE Selbstmitleids-Orgien wie in neueren Strömungen). Es ist halt alles nicht so toll für den Guten, man kann das auch nach- und mitfühlen, aber unwillkürlich schleicht sich dennoch ein sardonisches Grinsen ein. Kennt man ja: Man fühlt sich scheiße, weiß dass es albern ist, und trotztdem... Einfach Iggy hören, sich verstanden fühlen und mal wieder über sich selbst lachen. Eine schönere Singalong-Melodie zu "I am so fuuuuuckin' alone" muß man erst mal finden. Schlichtweg genial.
'Highway Song' bringt den Topos des lonesome travellers ins Spiel. Nicht wirklich countryesk, aber eben doch one for the road kommt der Song im passenden Wanderrhythmus daher. Hochmelodiös und ideal zwischen Resignation und Fröhlichkeit pendelnd. Hier hat jemand, der sich nirgends akzeptiert fühlt / bzw. einfügen kann, doch noch sein zu Hause gefunden: In sich selbst, immer auf der Suche nach Verwirklichungsmöglichkeiten: "I'm addicted to the highway, 'cause I just can't do it their way." Ein richtig schöner, locker-flockiger, in moll (ist doch moll?) gehaltener Rocksong im Midtempobereich ist dafür nun mal der perfekte Ausdruck. Da kann selbst der unmusikalischste Mensch der Welt (ich) ganz ungeniert mitsingen, wenn es heißt "Ain't nothin' gonna take my road away, ain't nothin' gonna take my road away, ain't nothin' gonna take this road outta my heart." 'Beside you' könnte es fast auf einen Kuschelrocksampler schaffen, wenn denen der schwülstige Scheiß ausgeht. Im Hintergrund ein weiblicher Country-Chor, ziemlich durchproduziert, aber ein solcher Song geht in Ordnung. Die Ideologen, die bei jeder kommerziellen, romantischen Ballade "Ausverkauf!" schreien, werden Iggy sowieso nicht mögen.
'Sickness', 'Boogie Boy', 'Social Life' und 'Louie Louie' bringen dann keine neuen Konzepte mehr ins Spiel, man kann sie sich aber durchaus anhören, ohne in Langeweile zu versinken. 'Caesar' lässt das Unverständnis und die Arroganz eines machtgeilen Herrschers gegenüber dieser komischen neuen Generation von Weltverbesserern raushängen, die dann auch den Löwen vorgeworfen werden. Naja, die waren wohl ohnehin kaum lebensfähig. Das ist natürlich Zynismus pur, und wer Iggy kennt, weiß, dass er damit eigentlich die Selbstzufriedenheit und muffige Stimmung anklagt, die auch heute noch jugendlichen Idealismus im Keim zu ersticken droht. Zum Glück wird der Grandfather des Punk nie wirklich alt.
'Girls of N.Y.' ist natürlich eine Hommage an die holde Weiblichkeit. Die darf auf keinem Iggy Album fehlen, und ist als Kompliment gemeint. Wer darüber Entrüstung zur Schau stellt ist entweder verklemmt oder ein Heuchler. Fazit: Netter Feel-Good-Rock mit punkigem Einschlag und kritischen Texten, der keinem Menschen wehtut, wohl aber Laune macht, auch wenn man gerade in nachdenklicherer Stimmung ist.
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11.07.2006 00:36
zeitlos, unterhaltsam - und genau meine Welle... Wild America hab ich bis zum Abwinken gehört!
19.11.2002 09:48
Die Iggy-ologen, hihi ... und die werfen ihrem Meister immer schreckliche Dinge vor, dabei ist er doch immer begeisternd, immer wunderbar. Denke ich mir zumindest, allzuviel Berührung hatte ich noch nicht. Nun ja, kommt Zeit kommt Rat. Bericht ist jedenfalls oberfett, einer der greatest. Schön.
12.11.2002 19:20
#brrr# bloß nicht der... irgendwie sieht er aus wie eine Kreuzung aus alter Schuhsole und vergammeltem Kochschinken... von seinen Songs gar nicht zu kotz...äh, sprechen! :)