Animal Attraction - Reckless Love

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Animal Attraction - Reckless Love

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Think you're safe, but you're wrong!

2  04.10.2011

Pro:
Teil der Retro - GlamRock Welle

Kontra:
Zu beliebig, teilweise fragwürdige musikalische Ausrichtung der Songs

Der Autor besitzt das Produkt

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Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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JimPanse1986

Über sich: And the snow it comes down... ...And it muffles the sound... ....Of dreams on their way to tomorro...

Mitglied seit:10.04.2002

Erfahrungsberichte:42

Vertrauende:20

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Oktober ist noch jung, doch die ersten Kracher stehen ins Haus. Brainstorm's "On The Spur Of The Moment" ist ein heißer Kandidat für die Power Metal Top 5 des Jahres, Wednesday 13 hat sein Grab für eine weitere Runde Schockrock/Horrorpunk verlassen und Pain of Salvation beschreiten mit "Road Salt Two" weiterhin den (sehr erfolgreichen) Weg des Vorgängers. Und weil das Jahr so wenig Hard Rock Veröffentlichungen vorweisen kann, gibt's von mir also heute eine Retro-Hardrock Bedienung aus dem Hause Reckless Love. Das Album nennt sich "Animal Attraction" und könnte vom Titel und Cover her aus der Scorpions Discographie stammen. Reckless Love wurden allerdings erst 2001 in Finnland gegründet und haben bis auf ihr im letzten Jahr erschienenes Debütalbum noch nichts Nennenswertes vorzuweisen. Der Originalsänger der Band wanderte 2007 ab in Richtung CRASHDIET (wohlwissend was da kommen soll?). Überdurchschnittlich viele Singles und eine Tour, die durchweg auf positive Resonanzen stieß und der Band eine kleine Fangemeinde beschert hat, führt ihr Weg also unweigerlich zu Album Nummer 2.

Reckless Love waren bereits auf ihrem Debütalbum im letzten Jahr so sehr in die 80er versunken, das man sie kaum von Bands wie Ratt oder Poison unterscheiden konnte (nagut, Brett Michaels ist der bessere und vor allem markantere Sänger). Aber das muss ja gar nichts schlechtes sein, sofern die Qualität denn stimmt. Überhaupt hat die Musikwelt in den letzten Jahren diese Retrowelle überschwappt. CRASHDIET zum Beispiel sind ein großartiger Vertreter des Retro-Glam/Hardrocks. Ausnahmslos klasse Alben. Und jetzt schieben Reckless Love ihr 2. Album hinterher und wollen weiterhin auf der Welle mitschwimmen (was hab' ich’s heute mit der Welle? Gruß an die Welle, Kumpel!).
Wo CRASHDIET sehr spielfreudig sind und kleinere Finessen in die Songs einbauen (kleine Gitarrenschnipsel, textlich der eine oder andere Seitenhieb), bewegen sich Reckless Love auf dem immer gleichen Level, selbst die Texte sind purer 80er Love-Schrott, durchgehend. In normalen Zeiten würde ich das Album also als Retro-Gurke abstempeln und sagen: Danke, Nächster! Aber (und jetzt kommt’s!): die rockig metallische Musiklandschaft wird zusehends von mehr schlechten als rechten Nu-Metal und x-Corebands zugemüllt, dass ein wenig Abwechslung wirklich gut tut, eben die angesprochene Retrowelle. Oder altgediente Helden (das neue Alice Cooper Album "Welcome 2 My Nightmare"!), die neuen Scheiben der Prog Rock Legenden Dream Theater/Opeth/Symphony X und Metal made in Germany (Sinner "One Bullet Left", Powerwolf "Blood of the Nations", Solar Fragment "In Our Hands"). Das sind allesamt Veröffentlichungen auf einem extrem hohen Niveau und bedienen eben nicht den Core-Schrott. Geschrei kann ich auch auf'm Markt haben und bekomm' am Ende sogar noch was obendrauf, nämlich schmackhafte Zutaten. Zum Essen.
Reckless Love's "Animal Attraction" ist also wieder eine Erholung vom Lärm, der sonst über die Ladentische wandert. Die Songs sind alle durch die Bank bemerkenswert unauffällig. Ganz selten nur flackert hier und da etwas auf, das man Abwechslung oder zumindest eine Überraschung nennen könnte. Die ersten Klänge von "Hot" haben mich gar an Pokerface von Lady Gaga denken lassen. Der starke Synthie-Einsatz macht den Song fast zu einer Spätsommerradionummer. Dirty Dreams klingt schwer nach "Powerpop", so würde Madonna mit fetten Riffs klingen. Nicht besonders anspruchsvoll, aber voller Harmonie und mit einem gewissen Ohrwurmfaktor (im negativen Sinn). Auch der könnte durchaus im Radio laufen, in Schweden. Dance ist in seiner Art dem vorherigen Dirty Dreams ähnlich, nervt aber mit einer furchtbaren Grundmelodie, ist selbst im Refrain langweilig und sollte erschossen werden. Von mir, mit einer Schrotflinte, stundenlang mit wachsender Begeisterung. Selbst ein sehr gut gespieltes aber viel zu kurzes Solo kann da nichts mehr retten. Der beste Song des Albums ist kurioserweise das konservativste aller Stücke: On the Radio inklusive Radio Oh Oh Gesängen im Refrain. Hier stimmen aber Melodie und Härte im Zusammenhang zur Songstruktur. Coconuts als Rausschmeißer zeigt noch mal, wie man gekonnt viel Potential verschenkt. So etwas würden Poison im gleichen Stil wesentlich besser und spaßiger hinbekommen. Und dann gibt's ja noch die Rockballaden. Ich glaube sowieso, dass Rockmusiker die schönsten und qualitativ hochwertigsten Balladen schreiben können, das ist keine Popdomäne mehr! Man kann zwar meckern, dass ja sowieso jede Ballade nach der anderen klingt. Ja mag sein, aber es stört auch nicht. Außerdem sind die Texte so unendlich kitschig, da macht das mitsingen nämlich Spaß und zaubert immer wieder ein Grinsen ins Gesicht (Cosmay, willst du mich heiraten?).

Insgesamt bleibt das Album sehr unauffällig. Nicht langweilig, wie angesprochen, sondern vielmehr solide. Manchmal ditscht das Werk zwischen Dance, Powerpop und Heavy Rock hin und her. Die Art und Weise, wie das vorgetragen wird, kann bei normalen Hörern nach kurzer Zeit zur Ermüdung führen (ausprobiert, mehrmals). Ich will den Musikern ihre Fähigkeiten nicht absprechen. Aber dann muss ich dem Songwriting die Schuld geben, trotzdem wären kleine Feinheiten doch durchaus möglich gewesen. Hier eine kleine E-Gitarre, die durch den Klangeinheitsbrei schneidet (würde mit Sicherheit sofort auffallen) oder da mal einen kleinen Witz auf Kosten des Genres. Das hätte vielleicht Wunder gewirkt. Oder eine engagiertere Leistung des Sängers? Vielleicht wäre auch mit mehr Aggressivität mehr drin gewesen. Verschenkte Punkte, wirklich schade. Wie man ein Album fabriziert, das Bestand hat, haben CRASHDIET mit Rest in Sleaze 2005 gezeigt.




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ascot1975

Ascot1975

13.03.2012 10:38

Gut geschrieben

KoRnchick

KoRnchick

10.10.2011 09:40

Klasse berichtet, dein Bericht gefällt mir wirklich sehr gut. =) Liebe Grüße

MissVega

MissVega

09.10.2011 09:39

Lach...ich hab zwar kaum was von Deiner Fachsimpelei verstanden, da ich mich in dem Genre so gar nicht auskenne (zumindest, was die aktuellen Sachen angeht), aber vielleicht hat mich gerade das so beeindruckt. Klasse geschrieben, mit viel Sach- und Fachverstand und überhaupt, einfach wunderbar. Was die Absätze angeht, muss ich meiner Vorrednerin allerdings recht geben. Also ehrlich...;-)

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