Back to life
29.04.2001
Pro:
Immer noch unterhaltsam
Kontra:
Massenware
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 freetibet
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 16 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Gags, die Lachanfälle auslösten, Pointen, die mit dem Schwachsinn im Fernsehen spielten und eine dazu passende schrille Performance. Kein Zweifel: Mit „Zapped – Ein TV-Junkie knallt durch“ spielte sich Michael Mittermeier zurecht in die Bundesliga der deutschen stand-up comediens. Im gesamten deutschsprachigen Raum zappelte und brüllte, kreischte, schwallte und lachte sich der hörbar bayrische Komiker erfolgreich durch sein Programm. Multimedial abgerundet wurde der Erfolg durch einen Live-Mitschnitt auf CD, dem ein weiterer Mitschnitt eines Auftritts in Zürich, die ebenfalls empfehlenswerte „swiss-edition“, folgte. Jetzt liegt mir auch Mittermeiers zweites überregional erfolgreiches Programms, „Back To Life“, auf CD vor. Mittermeier hat sich von der reinen Fernseh-Comedy gelöst, er verspricht uns eine Reise durchs Leben, eben „Back To Life“. Was folgt ist ein Ritt durch eine typische Jugend seiner Generation. Weder bleiben die Lügen und Halbwahrheiten der Eltern außen vor, („Sohn, onanieren macht blind!“), auch nicht die Qualen der Klosterschule („christliche marines“), der gehaßte Lateinuntericht wird ebenso aufs Korn genommen („ich kann heute auf lateinisch nicht mal mehr eine Pizza bestellen“) wie die Konkurrenzkämpfe auf dem Schulhof und natürlich und immer das comedy Thema per excellence, Männer und Frauen, Liebe und Sex. Und auch wenn er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist er alles andere als zynisch. Am Ende seines zweiten Programms leistet er sich sogar einige persönliche Töne. Mittermeier erweist als ein gewitzter Beobachter seiner Mitmenschen. Witze über ein Zungenpiercing, daß angeblich den Oral-Sex verbessern soll („Hat sich eigentlich schon mal jemand dabei zurückgelehnt und gesagt: „Och, ist das langweilig kann man da nicht mal was verbessern?“) kommen genauso vor wie über Lehrer oder Straßenpantomimen. Beeindruckende Stimmakrobatik beweist er dabei, uns zu erklären, wie er Samstag morgens um 8 klingelnde Zeugen Jehovas (Guten Tag, wir sind Zeugen Jehovas, dürfen wir mit Ihnen über Gott und die Welt reden?“ mit Hilfe von weißen Kontaktlinsen, Horrorfilmmusik und aus dem Mund triefender Erbsensuppe in die Flucht schlägt („Ich hab´auf Euch gewartet!“). Obwohl Mittermeier einige gute Gags entwickelt und das Programm im ganzen unterhaltsam ist, hat es mir weniger gefallen als das letzte. Warum? Darauf habe ich zwei Antworten. Erstens hat Mittermeier merklich die Hallengröße gewechselt. Hörte man in „Zapped“ noch einen Nahkampf mit dem Publikum in einem gesteckt vollen kleinen Theater, fehlt dem in „Schmidts Tivoli“ in Hamburg aufgezeichneten neuen Programm die dichte Atmosphäre einer Kleinkunstaufführung. Zweitens bleibt Mittermeier seiner Technik aus „Zapped“ treu, einmal erzählte Geschichten im Laufe des Programms immer wieder aufzurufen, bis er nur noch ein Wort oder ein Geräusch braucht, um dem Publikum eine Situation vor Augen zu führen und sie mit der neuen Geschichte zu verknüpfen. Diese immer weiter ins Chaos schreitende Implosion des Erzählten wurde dem Medium Fernsehen gerecht, funktioniert aber für die komische Abbildung des ganz normalen Alltags und des Aufwachsens in den achtziger Jahre nicht mehr so gut. Mittermeier fällt dem Dilemma vieler Musiker anheim, die eine erfolgreiche CD abgeliefert haben. Er hat ein zweites Programm geschrieben, daß sich einem anderen Gegenstand widmet, ist aber seinen formalen Mitteln aus dem ersten Programm treu geblieben. Die Folge ist, daß viele seiner Gags nicht mehr ins Schwarze treffen, weil seine Sichtweise sich nicht geändert hat, nicht dem neuen Gegenstand angepaßt wurde. So bleibt es bei solider Unterhaltung, die sich nun nicht mehr von dem üblichen Comedybrei abhebt. Künstlerische Weiterentwicklung dauert eben. Auf Mittermeier warte ich gerne.
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28.07.2004 19:59
Gute Kritik auch begrüdet, aber warum so abwertend?? Aber alles in allem war die show doch der Hammer.