Hallo! Dies ist ein Hörerfahrungsbericht zum Album Belfast der spanischen Band Mägo de Oz.
Inhalt dieses Berichtes:
1. Die Band
2. Das Album
3. Fazit
1. Die Band
Mägo de Oz zählen in Spanien bereits zu den absoluten Stars der Folk-Rock-/Metal-Szene, während sie hierzulande (leider) ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von MacDevil über Belfast (Cd Dvd) - Mägo De Oz 08.11.2008
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
gut
Langzeithörspaß:
wird nicht schnell langweilig
Häufigkeit der Nutzung
häufig
Dieser Tonträger ist:
durchschnittlich für den Künstler
Pro:
abwechslungsreiche Cover - und Neuaufnahmen - Sammlung
Kontra:
zwei, drei Ausrutscher in schmalzige Gefilde
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Hallo! Dies ist ein Hörerfahrungsbericht zum Album Belfast der spanischen Band Mägo de Oz.
Inhalt dieses Berichtes: 1. Die Band 2. Das Album 3. Fazit
1. Die Band
Mägo de Oz zählen in Spanien bereits zu den absoluten Stars der Folk-Rock-/Metal-Szene, während sie hierzulande (leider) noch immer den Status einer »Hä, wer?«-Band haben.
Jesús María Hernandez »Txus Di Fellatio« Gil gründete 1988 die Gruppe. 1992 belegten Mägo de Oz auf einem Rockfestival in Madrid den ersten Platz und avancierten in Spanien zu einer der erfolgreichsten »Heavy«-Bands überhaupt. Nach einem Auftritt beim Wacken 2001 und der Veröffentlichung des Live-Albums Fölktergeist wurden die Spanier auch in Deutschland bekannt.
2. Das Album
Das 2004 erschienene Album Belfast tritt ein wenig aus der für Mägo de Oz typischen Reihe von Konzeptalben heraus. Jesús de Chamberí, La Leyenda de La Mancha, Finisterra und die beiden Gaia-Alben verfolgten alle ein mehr oder weniger geschlossenes Konzept oder erzählten eine Geschichte. Auf Belfast hingegen veröffentlichen Mägo de Oz neue Arrangements einiger ihrer größten Hits (die Orchester-Versionen), versehen bekannte Lieder mit eigenen Texten und komplett neuen Thematiken (z.B. Dama Negra und Todo Irá Bie) oder covern Lieblingsstücke und -melodien (z.B. Somewhere over the Rainbow).
Das mag ungewöhnlich klingen, aber wer sich für den Stil der Spanier und einige alte Hits begeistern kann, wird auch an Belfast seine Freude haben.
2.1. Die Aufmachung
Ein edler schwarzer Pappschuber mit einem noch viel edleren 28-seitigen Digibook erwarten einen bei Belfast. Wunderschön anzusehen!
Nebst einer Introducción (Einleitung) von Txus und den üblichen Danksagungen enthält das Digibook zu jedem einzelnen Stück die kompletten Lyrics, die jeweilige Besetzungsliste und ein paar Informationen zu den Gründen, warum dieses Lied mit auf das Album genommen wurde, was die Band dabei bewegt usw. Sehr informativ und liebevoll gemacht!
2.2. Die Stücke im Einzelnen
1. Intro: Irish Pub (3:00) [8/10]
Das instrumentale Intro basiert auf dem Stück »Seren« der bereits 1972 gegründeten bretonischen Folk-Gruppe Gwendal. Nach einer Hast durch den Regen laden Flöte und Violine im Irish Pub zu einer gemütlichen Sangesrunde ein. Schöner Melodie für einen schönen Einstand.
2. Belfast (4:54) [7/10] Got to have a believin'!
Bei Belfast handelt es sich tatsächlich um ein Cover des Boney-M.-Klassikers aus den 70ern und gleichzeitig um eines der wenigen Stücke, die Mägo de Oz komplett auf Englisch singen. Rockig aufgepeppt und mit dem mitreißenden Instrumental-Thema aus dem ebenfalls von Boney M. stammenden Rasputin gewürzt, überzeugt Belfast durchaus, einzig die rauchigen Stimmen gefallen hier weniger. Die musikalische Untermalung ist jedoch top.
3. La Rosa De Los Vientos [Metal Versión] (6:21) [9/10] Será difícil arrancar la maldad de tu alma si echó raíz.
Txus meint, die erste Stimme, die ihm als perfekte Besetzung für diesen Song in den Sinn kam, sei die des Frontmannes der asturischen Metal-Band WarCry, Víctor García (ehem. Sänger bei Avalanch), gewesen. Recht hat er! Der ultraeingängige Rhythmus gepaart mit leichter Querflötenmelodie und den Stimmen des Mägo-Sängers José Andrëa und Víctor Garcías ergibt eine perfekte Mischung. Dieses Lied macht einfach Spaß!
4. Dame Tu Amor (3:26) [6/10] Hubo un tiempo en que creí que el primer beso era un contrato.
Dame tu Amor ist ein Cover des Hits Guilty in Love von David Coverdales (ehem. Sänger bei Deep Purple) Band Whitesnake. Ein rockiges Stück mit Ohrwurm-Refrain, aber verhältnismäßig langweiligen Strophen. Erst im letzten Viertel nimmt Dame tu Amor nach einem ruhigen Zwischenpart nochmal richtig Fahrt auf.
5. Mujer Amante (7:04) [10/10] Corazón sin Dios, dame un lugar en ese mundo tibio, casi irreal.
Nach eigener Aussage halten Mägo de Oz die argentinische Band Rata Blanca für die beste amerikanische Gruppe aller Zeiten, weswegen sie hier eins ihrer Stücke covern. Mujer Amante ist auf jeden Fall ein Anspieltipp dieses Albums. Sehr, sehr eindringliche Melodie und wunderschöne klare Stimme von Sänger José Andrëa. Auf einer Gefühlsskala von 1 bis 10 bekommen die sieben Minuten Mujer Amante definitiv eine 12!
6. Alma [Versión Orquestral] (6:50) [9/10] Es tan duro saber que en tu cuerpo también hay fecha de caducidad.
Dieser Version von Alma hört man das Sinfonie-Orchester wirklich an. Das Stück baut einen dichten Klangteppich auf, der sowohl von energischen Gitarrenriffs als auch von Andrëas Stimme perfekt kontrastiert wird. Querflöten und Streicher lockern das Ganze dann wieder auf. Ein sehr, sehr kraftvoller Song, in den man unbedingt mal reinhören sollte.
7. Más Que Una Intencón (7:19) [9/10] Siento que tú me miras; a veces dudo si me ves.
Das Asfalto-Cover Más Que Una Intención beginnt Mägo-typisch mit Gitarrenriffs und Flötereien, dann setzt aber bald auch schon Sänger Andrëa ein und jagt einem mit »ahora da igual, estoy pensando en mí«-Passagen in den Strophen Schauer über den Rücken. Auch der ruhige Zwischenteil ist sehr gefühlvoll, wird aber von einem energischen »¡necesito estar en paz!« beendet. Super arangiertes Stück!
8. Dama Negra (5:04) [10/10] Y aunque cueste una eternidad que te respeten por pensar, sigue adelante y lucha; no estás sola, ¡somos más!
Ja, man hat sich nicht verhört. Es ist wirklich Uriah Heeps Welthit Lady in Black, der einem da auf Spanisch entgegenschallt. Doch Mägo de Oz singen ihn nicht blindlings nach, sondern Txus hat einen komplett neuen Text geschrieben, den er seiner Freundin gewidmet hat und allen »rockeras que tienen que luchar cada mañana contra la incomprensión y el rechazo por ser distintas«. Dama Negra ist wahrscheinlich der Song mit dem tiefsten Inhalt des ganzen Albums. Aber auch, wer sich nicht für den Text interessiert, kann sich an der astreinen Umsetzung des alten Klassikers erfreuen!
9. Todo Irá Bien (5:20) [2/10] Que al despertarte ya no habrá dolor.
Elvis Presleys Can't Help Falling in Love war schon schmalzig, Todo Irá Bien ist es auch. Mag das Singen eines Einschlafliedes einen auch noch so magischen und intimen Moment schaffen (um mal frei das Booklet zu zitieren); das ändert nichts daran, dass ein von Streichern und Flöten nur so überquellendes Elvis-Einschlaflied einfach nicht gefallen will.
10. Se Acabó [Instrumental] (2:54) [2/10]
Das Leño-Cover Se Acabó macht genau dort weiter, wo Todo Irá Bien aufgehört hat. Da ich de natura kein Freund von Instrumental-Stücken bin, wenn sie nicht absolut mitreißend, dynamisch und wiedererkennbar daherkommen, kann ich auch mit diesem hier nicht viel anfangen und freue mich auf den Moment, wenn es seinen Titel in die Tat umsetzt.
11. Hasta Que Tu Muerte Nos Separe [Versión Orquestral] (5:33) [10/10] Es tan fina la barrera entre el odio y el amor.
Hasta Que Tu Muerte Nos Separe war der erste große Erfolg der mägischen Spanier und wird hier großartig aufgearbeitet. Das ist einer der kraftvollsten und intensivsten des Albums; definitiv ein Anspieltipp! Eingängige Riffs, phänomenale Gitarren-Soli mit Streichereinlagen und Andrëas klare Stimme machen in meinen Augen auch die Versión Orquestral zu einem absoluten Hit!
12. Somewhere over the Rainbow (4:35) [5/10] Birds fly over the rainbow. Why then, oh, why can't I?
Mit Somewhere over the Rainbow findet sich auf Belfast noch ein weiteres der sehr seltenen englischsprachigen Stücke von Mägo de Oz - passenderweise ein Song aus dem Film »El Mago de Oz« (»Der Zauberer von Oz«) von 1939. Dieses Stück ist absolut unheavy und die Begleitung beschränkt sich hauptsächlich auf eine Akustikgitarre. Wahrscheinlich einer der untypischsten Songs für Mägo de Oz, aber wer den spanischen Akzent im englischen Text ignorieren kann, der findet eine nette, ruhige Version dieses Klassikers. Zumindest ein guter und passender Abschluss für dieses Album.
3. Fazit
In Spanien zählen Mägo de Oz zu den Größen des »Folk-Metals«. Nicht alles an ihnen ist vielleicht so »heavy«, wie man in Spanien gern glauben mag (dort ist auch Ritchie Blackmore »heavy«), Belfast ist definitiv auch nicht das schwermetallischste Album der Gruppe. Doch von einigen Ausrutschern abgesehen bietet es feinste Unterhaltung und eine nette Mischung aus alten Hits in mägischem Gewand.
Empfehlenswert für alle, die Mägo de Oz' allgemeinen Stil mögen und Gefallen an alten Hits haben.
Nicht empfehlenswert für alle, die innovativste Neuentwicklungen im Bereich des Folk-Rock/-Metal erwarten.