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Zur Musik auf diesem Album:
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Generell läßt sich diese Jazz-Best-Of-CD als sehr ruhig, verträumt und melancholisch beschreiben. Moderne Taktwechsel-Exzesse a la Dave Brubeck findet man hier definitiv nicht. Die ihn begleitenden Musiker spielen meist sehr ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Musicus über Best of Chet Baker Sings - Chet Baker 25. Januar 2003
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
nicht so toll
Klangqualität:
annehmbar
Langzeithörspaß:
mittelmäßig
Pro:
Entspannende Klänge / günstig zu bekommen
Kontra:
unter Umständen etwas zu langweilig
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Wer auf "Melancholie pur" steht, der sollte jetzt auf alle Fälle weiterlesen, denn mit diesem Chet-Baker Allbum gibt es seltenen und dafür auch äußerst schnulzig schönen Cool-Jazz.
Wer ist Chet Baker? ********************
Chet Baker wurde als Chesney Henry Baker Jr. 1929 in Yale, Oklahoma geboren und war Kind einer einfachen Familie. An seinem 13. Geburtstag überraschte ihn sein Vater mit einer Posaune. Da Chets Knabenstatur jedoch noch nicht kräftig genug für dieses riesige Instrument war, tauschte sein Vater die Posaune bald in eine Trompete um. Mit der Trompete sollte er SEIN Instrument gefunden haben. Er studierte Harmonielehre und Musiktheorie und kam nach mehreren ersten verheißungsvollen Engagements mit dem damals schon legendären Saxophonisten Gerry Mulligan zusammen. Er war nun Mitglied des Gerry Mulligan Quartet's und feirte Anfang der 50er erste große Erfolge. Leider kam er mit Drogen in Konflikt und wurde zu einer ersten Freiheitsstrafe von 3 Monaten verurteilt. Als er wieder frei war gründete er nun ein eigenes Quartett und begann neben seinem Trompetenspiel nun auch mit seinem unvergleichbarem innigen Gesang auf sich aufmerksam zu machen. Chet prägte in dieser Ära seinen eigentümlichen Stil. Er beherrschte seine Stimme im gleichen Maße, wie sein Instrument, die zwei gingen Hand in Hand. Mit beiden ging er immer äußerst gefühlvoll um, war subtil, entspannt, elegant und poetisch. Auf Photos sah man ihn des öfteren seine Trompete liebkosen wie eine zerbrechliche Geliebte. Und so spielte er sie auch. Dabei wahrte er trotz seiner ausschweifenden Exzesse immer die Form und seine Songs blieben vorwiegend melancholisch und manierlich aber auch gewandt und dynamisch - um es mit dem von ihm mitgeprägten Genre zu sagen: Cool-Jazz. Von dieser Zeit an konnte er sich verewigen - viele seine Aufnahmen sind inzwischen legendär geworden. Leider verstarb Cher Baker im Jahre 1988, als er tot auf einer Straße vor seinem Hotel in Amsterdam gefunden wurde. Ob es die Drogen oder gar ein Mord gewesen war - all dies bleibt wohl für immer ein Mystikum.
Zur Musik auf diesem Album: ****************************
Generell läßt sich diese Jazz-Best-Of-CD als sehr ruhig, verträumt und melancholisch beschreiben. Moderne Taktwechsel-Exzesse a la Dave Brubeck findet man hier definitiv nicht. Die ihn begleitenden Musiker spielen meist sehr brav im Hintergrund und fallen in der Hinsicht auf, immer wieder perfekt einen zarten Klangteppich für Bakers Gesang oder Trompetenspiel zu bilden.
Hier die mitwirkenden Musiker: Gesang, Trompete: Chet Baker Piano: Russ Freemann Bass: Joe Mondragon, Carson Smith, Jimmy Bond Drums: Shelly Manne, Bob Neel, Peter Littman, Lawrence Marable
Die Aufnahmen stammen aus der Zeit zwischen 1953 und 1956 und sind somit "mono" und fast knapp 50! Jahre alt. Doch dies soll dem ganzen wirklich keinen Abbruch tun - der Sound klingt angenehm warm und analog - etwas dumpf, aber insgesamt rund und musikalsich.
Fangen wir nun mit den einzelnen Tracks an:
01 - The thrill is gone ************************ Erstaunlich, denn direkt der erste Track ist zugleich einer der depressivsten - Herzschmerz pur, und Chet Baker klingt fast, als ob er weinen würde. Nahezu apathisch und hoffnungslos erklingen die Brushes am Schlagzeug und das Tempo ist generell sehr langsam. Ich stelle mir bei diesem Song immer eine Filmszene vor, in der gerade hart aber schmerzvoll eine Beziehung zu Ende gegangen ist...
02 - But not for me ******************** Dieser Song, der von George Gershwin stammt, ist schon ein kleines bißchen flotter. Schon zu Beginn kann man mit einem zarten Lächeln Bakers sanftes Trompetenspiel verfolgen. Generell klingt dieser Song aber eher sehr "rumnudelmäßig" - eigentlich genauso, wie man sich ein Radio in den 50ern vorstellen mag. Denn leider fehlt der gewisse Spannungsaufbau.. die Strophen klingen irgendwie alle gleich...
03 - Time after time ********************* Hat nichts mit dem Cyndi Lauper - Song zu tun, geht viel mehr Richtung SlowBlues und CoolJazz - Und hier stimmt auch wieder alles - eine wunderschöne Melodie, gefühlvoller Gesang, und eine Trompete, die mit ihren Tönen mehr erzählt, als hunderte von Strophen. Meiner Meinung nach eine sehr gute Anspielstelle!
04 - I get along without you very well *************************************** Dieser Song beginnt mit einer Spieluhr und ist schon fast ein Schlaflied. Eine zarte Traumwelt, zerbrechlich wie eine Seifenblase, entsteht und hüllt mich ein... Konträr dazu der Text: "Ich kann auch gut ohne dich leben" Chet Baker sucht sich anscheinend auch immer bewußt genau solche Songs heraus...
05 - There will never be another you ************************************* Nun wird soft geswingt, und Chet Baker erzählt mit unschuldiger Stimme: "Es wird nie jemand anderen geben" Trotz des nun schnelleren Rhythmus doch ein sehr schnulziger Song.
06 - Look for the silver lining ******************************** ... beginnt mit einem leicht holprigen Piano-Intro, fährt dann aber mit dem Swing-Beat von Track 5 fort. Schade, daß der Schlagzeuger seinem recht faden Stil treu bleibt, denn wären die Drums und vor allem das Piano etwas akzentuierter, dann hätte dies eine geniale Nummer werden können. So kann ich nur dazu sagen: "nett"
07 - My funny Valentine ************************ Dies ist wohl mit Abstand der bekannteste Song von Chet Baker - eine überaus ruhige Cool-Jazz-Nummer, an der sich auch Frank Sinatra und andere Künstler gewagt haben. Der Herzschmerz ist auf Chet Bakers CD "The last concert" allerdings tausend mal größer und kribbelnder. Dort ist seine Stimme alt und zerbrechlich, und zusammen mit dem dortigen Orchester ist dieser Song noch ausdruckskräftiger - dennoch ein Musikstück, daß man wirklich kennen sollte.
08 - I fall in love too easily ******************************* Auch dieser Song ist einer der bekannteren - er lehnt sich nur harmonisch sehr an "The thrill is gone" an - man bräuchte also Track 01 nur etwas umzuändern... *gääähn* deswegen gehört dieser Song eher zu den langweiligeren, auch wenn er natürlich wieder sehr zart und brav daherrieselt.
09 - Daybreak ************** Ich erwache wieder aus meinem Trance - hier geht es rhythmisch mal mehr zu Sache. Auch das Tempo ist weitaus schneller, und Baker spielt für seine "Balladen"-Verhältnisse sehr virtuos. Die Gesangsmelodie selbst ist zwar nicht wirklich eingänig, aber das tut dieser Nummer auch keinen Abbruch.
10 - Just friends ****************** Ich bin mir ziemlich sicher, diesen Song auch schon von einer Frau gesungen zu hören haben. Vielleicht finde ich auch genau deswegen den Gesang etwas fad, weil ich immer noch diese Sängerin im Kopf habe. Nunja, Chet Baker singt einfach immer wieder mit viel Luft, genauso, als ob er Trompete spielen würde, frei von Tremolo und Vibrato, einfach überaus natürlich... Dennoch ein schönes Lied zum Entspannen wie fast jeder andere Song auf diesem Album.
11 - I remember you ******************** Ein klassischer Jazz-Standard, hier eben in der Chet-Baker Soft-Swing-Version. Doch irgendwie hat dieser Titel eine Oscar Peterson - Atmossphäre, die relativ atypisch für Chet Baker ist... es swingt einfach... besonders der längere instrumentale Zwischenteil.
12 - Let's get lost ******************** Ist der Titelsong zum gleichnamigen Film. Dieser Film sollte jedoch für Chet Baker ein Experiment gewesen sein, denn er merkte sehr schnell, daß sein Schwerpunkt eher im Bereich der Musik anstatt im Schauspiel liegt. Auch dieser Song ist einer der bekannteren von ihm und überzeugt durch einen guten Songaufbau und Verhältnis zwischen Gesang und Trompeten-Instrumentals..
13 - Long ago and far away *************************** Nun strahlt wieder der große George Gershwin hinein - der Gesang beginnt erst sehr spät - denn endlich darf sich Baker mal an der Trompete austoben. Etwas schade finde ich, daß bei Gesangeinsatz die anderen Instrumente plötzlich alle so leise werden. Man hört regelrecht den Kompressesor pumpen - abgesehen von dieser Aufnahmeschwäche gehört dieser Song aber wieder zu den besseren auf diesem Album.
14 - You dont know what love is ******************************** Ist der längste Song auf diesem Album (4:48), und zugleich einer der langweiligeren. Da war Gershwin doch etwas abwechslungsreicher. Russ Freeman am Piano hat zum Glück schon weniger hinundhernudelnde Solos gespielt. Im Endeffekt ist dieser Track nichts neues.
15 - That old feeling ********************** Ein weiterer Song nach dem Muster: Strophe, Solo, Strophe Gut für nebenbei zum berieseln, aber kein Song der Intensität wie "Funny Valentine" oder "the thrill is gone". Besonders das Ende ist zu plötzlich.
16 - It's always you ********************* Jetzt geht die Musik wieder mehr Richtung Bar-Jazz. Romantisch und slow - genau das richtige zum Herumträumen und im Gegensatz zu den beiden Titeln davor wirklich wieder sehr hörenswert. Der Hörer gerät wieder unter Bakers zarten Bann.
17 - I've never been in love before ************************************ Dieser Song ist ebenso ruhig... schleppt nur meiner Meinung nach wieder einen Tick zu sehr vor sich hin.. Doch über die sanfte Stimmung besteht kein Zweifel: auch dieser Track ist wieder zum Träumen und Abschalten vom häufigen Trist des Alltags. Mittlerweile fällt es mir echt schwer unter all den vielen Songs noch zu differenzieren.
18 - My buddy ************** Die Trompete klingt diesesmal leider so als hätte sie Wasser geschluckt.. Auch das Schlagzeug klingt sehr harsch. Lieber schnell weiterspringen, denn auf Grund des abnormen Klanges wird die schöne Stimmung von Track 17 wieder zerstört :(
19 - Like someone in love ************************** Dieser Song ist eine verträumte Klavierballade, die durch Chet Bakers Stimme erneut dieses "Night-Bar-Feeling" bekommt, das ich persönlich sehr schön finde. Aus irgendeinem dämlichen Grund haben die Leute vom Tonstudio jedoch den Hall des Klavieres abgeschnitten - somit ist das Ende viel zu plötzlich und der Hörer wird wieder aus der Bar geschmissen ;)
20 - My ideal ************** Den Abschluß dieses Album bildet ein weiterer Lovesong. Er ist extrem ruhig, und bekommt durch den Spieluhrsound die Wirkung eines Schlafliedes... Sanft schlummere ich bei den letzten verträumten Trompetenklängen ein...Sonstiges: ***********
Dieses Album kursiert unter mehreren verschiedenen CD-Titeln, mit jedoch gleichem Cover und selber Songauswahl - deswegen also nicht wundern...
Das Schlußfazit selbst fällt mir diesesmal recht schwer. Einerseits ist dieses Album ein wichtiges Zeitdokument des Cooljazzes, andererseits ist die Musikauswahl auf diesem Album meiner Meinung nach nicht immer so glücklich. Leute, die jedoch einfach ein schönes RUHIGES Jazzalbum suchen und sich mit Bakers sehr zarten Stimme anfreunden können, die liegen mit diesem mittlerweile sehr günstig erhältlichen Album genau richtig. Metal & Rockliebhaber, die mit Jazz eh nichts anfangen können, sollten dieses Album jedoch allenfalls als wirkungsvolles Schlafmittel verwenden. Alle anderen Jazzer die Baker nicht kennen sollten, jedoch eher auf Polyrhythmik und Jazzvirtuosen eines Dave Brubeck stehen, die werden Chet Baker einfach als zu soft und einfallslos empfinden. Da dieses Album nun also eher "nett" als genial ist, jedoch verglichen mit anderen Cool Jazz - Alben ganz gut abschneidet, werde ich knappe 4 von 5 Sternen vergeben. Viel Spaß beim Träumen und Einschlummern
Euer (c) Musicus@ciao, Lamertien@dooyoo, Christoph Harmuth (25.01.2003)
P.S.: Schnellklicker und Faker werden nach ihrem Einschlafen nie wieder wach werden *g*
P.P.S.: Rechtschreibfehler sind im Fall der Fälle nur deswegen entstanden weil ich beim Album-Hören kurzzeitig eingeschlafen bin ;)
Pro: Musik für leicht melancholische Momente Kontra: Wen die Götter lieben ... Chet Baker verstarb vor seiner Zeit
...ich doch irgendwie ...?" Karl greift ins Regal und drückt mir "The Best of Chet Baker Sings" die Hand: "Bring' die die Tage mal wieder zurück." In memoriam Chet Baker
und meine alte Stammkneipe ... ;-) ...
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