Der Gesang der Sirene
04.01.2002
Pro:
ausgewogener Musikgenuss, man kann sich nicht satthören, ein Album für jede Lebenslage
Kontra:
kontra?
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Espionne
Über sich:
"Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt." Arabisches Sprichwort >>...
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Es war ein warmer Sommertag in London, der mich musikalisch weitreichend prägen sollte. Auf dem Weg zum Hampstead Heath schlenderte ich an einem HMV vorbei und blieb kurz stehen, um die Sonderangebote durchzustöbern. Und dort fand ich es: Morcheeba’s 1998er Big Calm-Album, aus dem ich kurz zuvor bei einer Freundin einmal ein paar Takte gehört hatte. Da das, was ich daraus gehört hatte sehr vielversprechend klang, führte mich mein nächster Weg direkt zur Kasse, mit besagtem Album in der Hand. Das war vor gut anderthalb Jahren, aber sattgehört habe ich mich an dieser CD noch immer nicht, und das, obwohl ich sie ziemlich oft höre. Irgendwie hat mich diese Band verzaubert... _MUSIK UND MUSIKER___
Aber wie hat sie das gemacht? Ganz klar, durch ihre Musik. Wer Bands gerne in Schubladen steckt, der sollte Morcheeba sowohl geographisch als auch musikalisch unter Trip Hop einordnen, ganz grob jedenfalls. Portishead dürften der am häufigsten gezogene Vergleich sein. Der unumstößliche Kern der Musik ist Skye Edwards, oder genauer gesagt ihre grandiose Stimme. Sie ist eine jazzig angehauchte Sängerin, mit einer unglaublich warmen Stimme, die so voller Intensität steckt, dass sie damit Eis zum schmelzen bringen könnte. Und genau diese Stimme macht auch einen nicht unerheblichen Teil der Magie von Morcheeba aus. Auch wenn die Versuchung nahe liegt, zu sagen Skye Edwards wäre Morcheeba, so muss man dem doch deutlich widersprechen, denn auch die Brüder Paul und Ross Godfrey, die den instrumentalen Teil des Trios ausmachen, brauchen sich nicht zu verstecken. Sie bedienen sich einer schier unglaublichen Vielfalt an musikalischen Einflüssen und verstehen es, diese auf geschickte Weise miteinander zu verknüpfen. Die lange Liste der Instrumente, die die Beiden selber spielen, spricht eigentlich schon Bände. Sie arbeiten viel mit Live Drums und Gitarre, was einen nicht unerheblichen Teil des Charmes der Musik ausmacht, denn sie kommt dadurch weitaus natürlicher rüber, als dies bei reinen DJing-Projekten der Fall ist.
Man könnte glauben, das musikalische Motto von Morcheeba lautet "Erwarte das Unerwartete", denn jedes Morcheeba-Album klingt irgendwie anders. Ließ sich der erste Longplayer namens Who can you Trust noch eindeutiger in die Trip Hop-Ecke schieben, so findet man auf dem aktuellen Album Fragments of Freedom einen stärker poppigen Einfluß. Big Calm dürfte sich irgendwo dazwischen befinden, sowohl zeitlich, als auch musikalisch. Eins haben jedoch alle Morcheeba-Alben gemeinsam: Sie sind unglaublich facettenreich und man muss sie einfach vom ersten bis zum letzten Song durchhören. Ich kann mich zumindest nicht erinnern schon einmal die Skip-Taste gebraucht zu haben, wenn ich Morcheeba gehört habe... _DAS ALBUM___
Big Calm ist ein insgesamt sehr abwechslungsreiches, ausgewogenes und größtenteils recht ruhiges Album, dass einen mit fast jedem Song durch die Vielfalt der Einflüsse neu überrascht: Mal gibt es Streichersätze, mal eine Sitar, mal eine Flöte, mal Bläsersätze oder auch mal eine Prise Blues, Reggae oder Hip Hop. Genau diese bunte Mischung vielfältigster Einflüsse macht den Langzeithörspaß des Album aus. Und über all dem thront die grandiose, verzaubernde Stimme von Skye Edwards... Die Grundstimmung des Album wurde auch auf dem überwiegend roten Cover sehr schön umgesetzt. Es zeigt eine Frau in einem Tarnparka, die sich in einen Sessel lümmelt. Im Hintergrund sieht man neben einem Ledersessel auf einem Sideboard einen Plattenspieler und eine Buddhaskulptur stehen. Die Frau in dem Sessel scheint, ihrem Gesichtausdruck nach zu urteilen, gerade dem wunderschönen Sirenengesang von Skye Edwards zu lauschen, denn sie scheint irgendwie in einem Zustand geistiger Umnebelung zu sein... ;-)
Aber kommen wird zu den Songs... #01__THE SEA The Sea bietet ein ruhigen Einstieg in das Album: Streichersätze, elektrische Gitarre, ein schlichter Drumbeat und gelegentliche Scratches bilden das Grundgerüst des Songs und die perfekte Untermalung für einen zuckersüßen Gesang.
#02__SHOULDER HOLSTER Shoulder Holster wird von einer dumpfen Bassline eingeleitet, zu der Skye singt. Dennoch dürfte das auffälligste Merkmal dieses Song wohl eher in den Sitar-Klängen zu suchen sein, die dem Song ein besonderes Flair geben. Dazu gibt es wieder Scratches, Drums und etwas Stromgitarre. #03__PART OF THE PROCESS Eingeleitet von einem sich ständig wiederholenden Slide auf der Gitarre, entwickelt dieser Song eine eher poppige Seite des Albums. Gitarren und Drums sind die Hauptelemente, begleitend tritt noch eine Geige auf, mal mehr im Hintergrund, mal im Vordergrund. Gesalzen wird das Ganze mit der warmen, manchmal eher hauchenden Stimme von Skye Edwards.
#04__BLINDFOLD Blindfold startet mit einem sehr ruhigen Intro, das von Skye's Gesang dominiert wird. Dazu gibt es seichte Keyboardklänge, vereinzelte Scratches, einen klaren Drumbeat, und im weiteren Verlauf des Song Streichersätze. Ein Song, der sich in seinem Verlauf schön zu steigern weiß und ein volles, breitgefächertes Klangspektrum bietet. #05__LET ME SEE Hier dominieren zu Beginn Drums und Scratches, begleitet von leisen Flötenklängen. Die Melodie wird im Laufe des Songs vor allem von einer begleitenden Gitarre, der besagten Flöte und leichten Keyboardklängen getragen, die den perfekten Hintergrund für Skye's Gesang bieten.
#06__BULLET PROOF Bullet Proof baut von Beginn an eine gewisse Spannung auf, die von einer einfachen Keyboardmelodie etwas aufgelockert wird. Eine verzerrtes Gitarrenriff, ein klarer Drumbeat und die Keyboardmelodie aus dem Intro wechseln sich im Verlauf des Song mit ausgiebigen Scratches ab. Skye fällt in diesem Song vor allem dadurch auf, dass sie gar nicht zu hören ist. #07__OVER AND OVER Ein sehr schöner, aber mit 2:20 recht kurzer Song, dominiert von Streichersätzen, Gitarrengeklimper, einem Horn im Hintergrund und Skye's einmal mehr zuckersüßem Gesang.
#08__FRICTION Bei Friction lässt sich ein eindeutiger Reggaeeinfluss nicht von der Hand weisen. Dieser schlägt sich vor allem in Gitarrenriff und Bassline nieder und wird darüber hinaus von kräftigen Bläsersätzen betont. Abwechselnd zum Gesang von Skye gibt's auch noch etwas Sprechgesang. Neben Part of the Process, Blindfold und Fear and Love einer meiner Lieblingssongs des Albums. #09__DIGGIN' A WATERY GRAVE Eine weitere sehr kurze Nummer des Albums, bei der auch die Sitar wieder zu hören ist. Insgesamt scheint dieser Song etwas vom Blues infiziert zu sein. Alles in Allem stellt er aber mehr eine Art Zwischenspiel, als einen eigenständigen Song dar.
#10__FEAR AND LOVE Fear and Love beginnt mit Streichersätzen. Dazu gibt es auch hier wieder Gitarrengeklimper, das den Gesang geschickt untermalt. Dominierend sind allerdings eindeutig die Streicher und eine Trompete, die im Verlauf des Songs einsetzt. Ein sehr schöner und irgendwie sehr melancholischer Song. ("Fear can stop your Love, Love can stop your Fear… But it’s not always that clear.") #11__BIG CALM Der Ausklang des Album und gleichzeitig das längsten Stück. Auch hier kommen Hip-Hop-Einflüsse wieder stärker zum Tragen, denn nach einem recht langen, sich aufbauenden Intro gibt es einiges an Scratches und Sprechgesang, kombiniert mit Schlagzeug und einer leicht angezerrten Gitarre. Ein Song, der einen mit einem schönen Gefühl der Ausgewogenheit in die anschließende Stille entlässt...
_FAZIT___ So vielseitig wie dieses Album ist, so langanhaltend ist auch der Hörgenuss. Big Calm ist ein rundum gelungenes Album, dass man zu so gut wie jeder Gelegenheit hören kann, vor allem aber in ruhigeren Stunden, wenn man es sich gemütlich macht oder auch beim Arbeiten am PC. Ich jedenfalls möchte es nicht mehr missen, in keiner Lebenslage.
Wer immer eine Schwäche für Portishead, Massive Attack, oder allgemein für Trip Hop und Downbeat hat, dem kann ich dieses Album nur ans Herz legen. Es bietet einen vielfältigen und ausgewogenen Hörgenuss, der sich so schnell nicht abnutzt. Dafür vergebe ich gerne und voller Überzeugung fünf Sterne...
So long, Meike
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05.03.2004 21:22
Noch einmal hallo, Espionne, ich konnte nicht wiederstehen, zu gucken, ob Du auch zu diesem Album einen Bericht gechrieben hast. Du hast - und wieder einmal sehr ausführlich. Zu Morcheeba hab ich ja im anderen Kommentar schon etwas gesagt. Liebe Grüße, der halcion
31.05.2003 23:28
kommt mir vom namen her bekannt vor. lg, Quark
16.07.2002 19:50
Schon die neue Morcheeba "Charango" gehört? Wieder etwas ruhiger, mgeht mehr in Richtung des Debuts. Sehr schön, und fast so gut wie Big Calm, aber anders. Deshalb hab ich die heute auch gleich gekauft. :-] gruss, logan.