Live! Oder doch nicht?
07.11.2005
Pro:
Cooles Album
Kontra:
Nix
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 manwah
Über sich:
Keine Lust mehr auf Ciao. Im Moment blogge ich lieber:
http://blometrik.blogspot.co m
- Wer Lus...
Mitglied seit:26.10.2004
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein Live-Album auf dem man nicht einen Mucks vom Publikum zu hören bekommt. Im Gegenteil - Joe Jackson bat sein Publikum sogar um absolute Stille und darum, erst nach nach Verklingen des allerletzten Tons eines jeden Liedes zu applaudieren. Als Entschädigung sollten die Konzertbesucher 15 niegelnagelneue Songs exklusiv zu hören bekommen. Hmmmm - das ist eigentlich nicht der Grund, weshalb ich in ein Konzert meines Lieblingskünstlers gehe. Normalerweise möchte ich über die alten Songs jubeln, die Neuen begutachten und bei den unvergessenen Klassikern mitsingen.
Nun ja, bei Joe Jackson ist alles anders. Schon seine beiden Vorgängeralben waren speziell. "Night And Day" ist ein großartiges Rockalbum - auf dem keine einzige Gitarre zu hören ist. "Body And Soul" wurde "live" in einer zum Studio umgebauten Freimaurerloge eingespielt.
Die Idee zu "Big World" war danach eigentlich nur eine logische Konsequenz. Doch Jackson hatte nicht genug Material für eine komplette Doppel-LP. Also blieb die vierte Seite vollständig leer. Auf die leere Seite angesprochen meinte Jackson wörtlich: "I don't wanna have a fucking jam session on my album" - Danke Joe, das du uns das erspart hast! Der geniale Schachzug konnte sich aber erst bei der CD Veröffentlichung zu seiner ganzen Größe entfalten. Denn das ganze Konzert passt nun exakt auf eine CD, mit der man nun das komplette Konzert in einem Rutsch genießen kann.
Die entscheidende Fragen ist jedoch: Hört man, dass es live ist? Nicht direkt, weil die anwesenden Zuhörer, immerhin rund 500, wirklich still sind. Ganz live-untypisch ist der Sound sensationell, aber doch anders als bei einer Studioaufnahme. Man fühlt den Saal, man spürt die Atmosphäre - kurzum, man ist mittendrin im Konzertgeschehen und das hört man. Jedenfalls klingt diese CD explosiver und wahrhaftiger als alle Rockalben, die ich sonst kenne. Dem beiliegenden Booklet ist zu entnehmen, dass Jackson und seine Musiker die CD aus drei Konzerten zusammengeschnitten haben, jedoch ohne nachträgliche Verbesserungen vorzunehmen. Drei Konzerte waren einfach nötig, damit auch wirklich keine Geräusche aus dem Saal zu hören sind (Ausnahme war "Man In The Street" wo Jackson eine Probeaufnahme verwendete). Und ein weiterer Hinweis steht, etwas versteckt, im beiliegenden Text: "PLAY IT LOUD" Übrigens stehen neben Tonnen von Informationen auch noch alle Texte viersprachig (englisch, deutsch, französisch, spanisch) im Booklet - und womit? Mit Recht - sie sind absolut lesenswert. . Denn Jackson versteht sich nicht nur auf großartige Musik, sondern auch auf tolle Texte, die zuweilen fast die Songs ausstechen.
Das Album selbst hat drei Teile. Solch eine Fülle an neuer Musik, dazu auch noch schallplattenfähig konnte die Band um Joe Jackson nicht am Stück spielen, so dass nach je fünf Stücken eine kleine Pause eingelegt wurde. Part 1 ~~~~* 1. Wild West 2. Right And Wrong 3. (It's A) Big World 4. Preciuos Times 5. Tonight And Forever
Jackson startet, ganz höflicher Engländer, in seinem Gastland USA mit einer Hymne an den Wilden Westen, ein wenig countrylike anschleicht ehe der Rockhammer kommt. Ein wenig leiser geht's weiter mit einer Anklage gegen den amerikanischen Präsidenten (damals Ronald Reagan) - und schon muss man noch mal hingucken, ob das Album wirklich schon zwanzig Jahre alt ist. Der Text startet schon prima: "Stop everything I think I hear the president The pied piper of the TV screen…" Verpackt in einen ironisch poppigen Song, der immer mal unversehens explosiv abgeht. Im Titelsong nimmt uns Jackson in chinesischer Art mit auf die Reise um die Welt "It's A Big World - so much to see" . Der abgefahrene Rhythmus macht den Song richtig würzig. Übrigens wird der chinesische Zinnober nur mit einer elektrischen Gitarre (Vinnie Zummo) gezaubert. Ein wenig schneller, etwas rockiger wird's bei "Precious Time". Tatsächlich wird hier dem damals wirklich neuen "New Wave" gefröhnt. Ein wenig reggaeartig, aber um den Faktor 30 beschleunigt mit nur kurz angedeuteten rhythmischen Motiven (Meister dieser Spielart waren "The Police") Bei Jackson wirkt es ein wenig akademisch - fetzt aber trotzdem. Noch ein wenig schneller, aber diesmal richtig rockig mit geilem Gitarrenriff und sensationell gespieltem Bass (Rick Ford) fegt der Song aus dem ersten Teil. Ein klasse Song, der wirklich nur sehr laut gehört funktioniert. Part 2 ~~~~* 6. Shangai Sky 7. Fifty Dollar Love Affair 8. We Can't Live Together 9. Forty Years
Ganz großes Kino eröffnet den zweiten Teil. "Shanghai Sky" haut schon soundmäßig aus den Socken. Jackson am Klavier, im Hintergrund atmosphärische Gitarren und ein großartig getimtes Schlagzeug (Gary Burke) schaffen in rund drei (von fünf) Minuten die richtige Atmosphäre. Hier hört man am deutlichsten, dass der Song in einer großen Halle gespielt wurde. Man spürt auch, wie sehr sich alle konzentrieren müssen, um den Song richtig auf die Bühne zu bekommen. Klasse!!! Auch die 50 Dollar Affäre spielt sich im Balladenbereich ab, doch eher auf einer französischen Ebene. Jackson versucht sich am Rockchanson. Der Beginn mit Akkordeon führt auf die falsche Fährte. Sehr schön gelinge die Übergänge vom unisono gespielten Rocksong zu den solistischen Brücken. Beim dritten Song dieses Teils wird Jackson von seinen Backgroundsängerinnen an die Wand gespielt. Er ist nicht der ganz große Sänger (in der Definition von Nicole schon: "Einen Ton treffen und dann einigermaßen halten"), und muß sich manchmal in den Ton reinsingen, aber bei dieser Soulballade wird er von Joy Askew und Nikki Gregoroff einfach weggesungen. Dazu ein klasse Gitarrensolo ehe mit "Forty Years" übergangslos in eine traumhafte Melodie geleitet wird. Der Song ist genial. Ein wunderbarer Text, der auf Verstimmungen zwischen den USA und Europa anspielt und immer noch aktuell ist, verbunden mit einer klassisch anmutenden Komposition. Part 3 ~~~~* 10. Survival 11. Soul Kiss 12. The Jet Set 13. Tango Atlantico 14. Home Town 15. Man In The Street
Nach der kleinen Balladenecke im zweiten Teil kann nun wieder der Pogo ausgepackt werden. "Survival" heißt Punk und ist der Übergang in den wieder etwas komplexeren Soulpart. Schön aber ein wenig glücklos kommt der "Soul Kiss" an. Bei der kleinen Rockbesetzung vermisst man die Bläsersektion und das wird auch nicht durch das jazzige Klavier entschädigt. Klingt wie aus dem "Pulp Fiktion" Soundtrack geklaut. Also eine "Surfgitarre" untermalt den abermals herrlich ironischen Text, der auf Englisch als Weltsprache abhebt. Damit der Stilmix des dritten Teils komplettiert wird, kommt uns Jackson hier südamerikanisch. Der Tango ist wirklich einer - und doch ganz anders. Denn der Text ist weniger feinsinnig als eher bitterböse und tiefschwarz. Ein Meisterwerk! Daneben geht das feinsinnige Wunderwerk "Home Town" fast unter. Kurzer Flug über den Atlantik und ab nach Kapstadt. Auch Joe Jackson hat die Gumboots gehört, die sich Paul Simon für sein "Graceland" Projekt zum Vorbild genommen hat. Gar nicht so schnell, aber dennoch mitreißend und stimmig. Zum Immerwiederhören!!! Der letzte Song hat eine Sonderstellung. Auch er wurde in den Konzerten gespielt, gelang aber nie plattentauglich. Auch bei dieser Version muß Jackson die Einsätze anzählen. "Man In The Street" ist ein irre kompliziertes Soundkonstrukt, mit sehr verschachtelten Rhythmusteilen, die teils ineinander überlappen. Der Song erinnert fast an manche Zappa Songs, nur ohne die schrägen Texte. Im Vordergrund steht Zummos fantasievolle Gitarre im Verbund mit dem (meistens) Offbeat-Schlagzeug. Daneben war es wohl auch als Abschlusshymne gedacht. Doch da hat Joe Jackson sich ein wenig viel vorgenommen, weil beides eben nicht geht. Musikalisch anspruchsvoll und dann noch Hymne ist nicht mal Queen gelungen...
Fazit ~~~~* Ein Livealbum, das gar keins ist. Jedenfalls nicht der landläufigen Definition nach. Keine Songs, die man vom Konzertbesuch kennt. Man hört das Publikum tatsächlich nicht, spürt aber dessen Anwesenheit. Man fühlt den Saal und Konzentration der Band, die Aufnahmen möglichst perfekt zu spielen, ohne den Spaß vermissen zu lassen. Der Sound ist gigantisch, aber ganz ohne die Mankos mancher echter Livealben. Kein zischelndes Schlagzeug, keine Rückkopplung, kein vernuschelter Gesang - statt dessen perfekt aufgenommene Musik, die dazu noch wirklich spannend und spaßig ist. "Big World" macht gute Laune, weil Joe Jackson eine einzigartige Symbiose aus herrlich ironisch/zynischen Texten, verbunden mit feiner Musik gelingt. Dieses Album ist auch knapp 20 Jahren nach seinem Erscheinen in jeder Hinsicht aktuell.
Der Sound ist vom Feinsten, die Musik nach wie vor relevant und die Texte topaktuell. Kurz: Ein fast perfektes Album!
Mal wieder ein Dankeschön an Kasopeia, deren A-ha Album Bericht mich auf die Idee gebracht hat mal wieder die Joe Jackson CD zu hören
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27.11.2005 01:05
Titelmäßig dürfte ich wohl so spontan nichts kennen oder erkennen, egal ... Den Vergleich mit The Police verstehe ich nicht, kenne aber auch die Band nur bedingt ... Was sind Gumboots ? Ja, ich kenne Paul Simon's Werke nur teilweise ... Was sind Offbeat-Drums bzw. ist ein Offbeat-Schlagzeug ? Anyway, 4 Sprachen als Texte, ist das nicht etwas übertrieben ? Na ja, textlich kann ich das jetzt nicht nachvollziehen, müßte mal Googlen ... Egal, zuletzt muß ich richtig meckern, Wolf Maahn & Deserteure haben auch auf der letzten Plattenseite kein Material gehabt, doch da war immerhin ein Studio-Song zu finden, um den Platz nicht ganz zu verschwenden ... Dennoch, das macht mich richtig sauer, ist auf dem Album sehr viel Material und die CD, ja, es paßte dort nicht auf eine CD, hat fast die Hälfte der Songs nicht dabei und noch schlimmer, man hat dort keine Doppel-CD in den Verkauf gegeben, Frechheit, Plattenfirma + Künstler verhauende Grüße, Sven
27.11.2005 00:58
Hi Uwe, eigentlich könnte ich mich dem Vorgänger anschließen, erinnere mich da an das durchaus prägende Konzert aus Essen, was ich auch irgendwo noch auf VHS rumschwirren habe ... Egal, den letzten Satz verstehe ich gerade ganz und gar nicht, wie kommt man von AHA auf Joe Jackson ? Ich komme ja momentan nicht einmal auf U2, und das heißt was, lach, vielleicht sollte ich den entsprechenden Bericht lesen, damit ich's verstehe ... Egal, back to topic, ich finde das Vorhaben erstaunlich und idiotisch zugleich, denn 1. ich liebe Live-Alben und die Atsmosphäre dabei, kann mir echt nur schwer vorstellen, wie das dann doch live klingen kann ... 2. ich finde genau das seltsam, denn ich wäre wohl aufgestanden und gegangen bzw. gegangen, wenn ich sowas bei einem Konzert hören würde ... 3. 20 Jahre ist dabei eine Menge ... So, damit zu meinen Fragen und zu einem Widerspruch, ich denke, perfekte oder anspruchsvolle Musik und eine Hymne geht schon, ich denke, Queen hat die auch mit der "Bohemian Rhapsody" geschafft, aber vielleicht habe ich, obwohl ich das Lied nicht mag, eine andere Vorstellung von Anspruch und / oder Perfektion, oder ?
12.11.2005 14:49
meine güte .... joe jackson hab ich damals live in der rockpalast nacht in der grugahalle erlebt, aber ein album von ihm hab ich nicht .... :-( .... *schäm ..... :-) lg mozarteum