Blood and Tears - Cash, Johnny

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JOHNNY CASH Balladen der Amerikanischen Indianer

5  01.02.2002

Pro:
einzigartige Balladen über Indianische Kultur von einzigartigem Künstler

Kontra:
nichts, außer man haßt Indianer und ihre stolze Kultur

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Über sich: Getreu meinem traditionellen Motto: "Mit HERZ und HUMOR" das ganze Jahr irgend-wie jeck se...

Mitglied seit:29.10.2001

Erfahrungsberichte:231

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 121 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Johnny Cash, der große alte Mann des Country und Western Stiels der in den Jahrzehnten, nahezu einem ½ Jahrhundert seines Künstlerlebens mit seiner einzigartig markanten, dunklen Bassstimme und seinem unverkennbaren, rebellischen Auftreten, hat sich Zeit seines Lebens mit seinem Eintreten für verlorenen Feinde gemacht, jedoch erheblich mehr Freunde erworben, Millionen und Abermillionen teils echt überzeugt fanatischer Anhänger.

Er wurde zu dem Vertreter der armen, Entrechteten, der Knastbrüder, er wurde der Man in Black, - der Mann in Schwarz, der das Unglück und das Elend der Leidenden formulieren und herausschreien konnte wie kein anderer vor oder nach ihm.

Er hatte viel Erfolg, zu viel, stürzte ab, es ging ihm sehr schlecht, er fand mit June Carter und der Carter Familie, (vergleichbar einer Jackson Familie späterer Jahre, nur menschlich intakter), fand als der ewige Einzelgänger einen neuen Halt, eine Heimat, eine Kraft spendende Familie, kam zurück, erfolgreicher und größer denn je, - über Jahrzehnte, mit Hunderten von einzigartigen typischen Johnny Cash Songs, - alle mit einem echten Anliegen, einer echten Aussage. Wie mancher sagen würde, Johnny Cash steht für Johnny Cash, und der ist schon seit vielen Jahren eine lebende Legende, eines der wichtigsten Denkmäler der guten alten Kultur des Amerikanischen Westens.

So hat es sein leben lang jedes heiße Eisen angefasst, von dem er glaubte, dass er sich für dieses helfend einsetzen könnte.

So erkannte er auch relativ früh, dass in Amerika den Indianern über Jahrhunderte Unrecht geschah, und diesen kaum jemals eine taugliche Möglichkeit gegeben wurde zu ihrem Recht zu kommen oder auch nur ihre Schmerz, ihr Klagen und ihr Unglück herausschreien zu können, so dass ihnen überhaupt jemand zuhört.

So machte er sich mit einer Reihe einmaliger Balladen zu den Kulturellen Themen der stolzen Amerikanischen Ureinwohner zu deren wirksamstem Sprachrohr, zur Stimme der „vanishing race“ – des untergehenden (z.h. zum Untergang verurteilten) Volkes (der Indianer).

Seinen massivsten Ausdruck fand dies in einer scheinbar nur in Amerika herausgekommenen CD mit dem Namen „Blood and Tears“ (Blut und Tränen) oder „Bitter Tears“ (Bittere Tränen in Anlehnung an den Zug der Tränen, die Austreibungen der Indianer aus ihren Heimatregionen in fremde unwirtliche Regionen hunderte Kilometer von daheim).

Eine meiner liebsten Gedichtzeilen stammt aus der ersten Ballade über den Betrug der USA an den Seneca-Indianern, Ostküste-Indianerstamm, der immer wieder weiter enteignet wurde, gebrochen wurden die Verträge mit George Washington, die für die Ewigkeit sein sollten:

As long as the moon shall rise,
As long as the rivers flow,
As long as the sun will shine,
As long as the grass shall grow,

auf Deutsch:

So lange, wie der Mond aufgeht,
So lange, wie die Flüsse fließen,
So lange, wie die Sonne scheint,
So lange wie das Grass wächst,

schöner kann man Bilder der Natur nicht, im indianischen Stiel, umschreiben.

Apache Tears, Tränen der Apachen, erzählt vom traurigen Schicksal der Apachen,

Die Sache einmal anders stellt „Custer“ dar, - „ich bin kein Fan von Custer“, der stolze, arrogante General machte seine taktischen Fehler, die wird er nicht mehr machen, er hat sie bezahlen müssen, - da die Indianer unter Crazy Horse und Sitting Bull am Little Bighorn siegten, nannte man es ein Massaker, hätten die Weißen gewonnen, so würde man es „glänzender Sieg“ nennen, so seltsam ungleich ist das Urteil wenn es um die Indianer geht, hier also irgendwie eine Ballade der heimlichen Schadenfreude des Indianers über den glänzendsten Sieg der Indianerkriege, ein Lied über die Sioux,

Mit „Talking Leaves“ (Sprechende Blätter) erzählt er einfühlsam die Geschichte von Sequoya, dem Cherokee Indianerjungen der mit 16 Jahren zum ersten Male „sprechende Blätter“ sieht, - diese vermitteln dem Weißen Mann aus der Ferne schlechte und gute Nachrichten, sagt ihm der Vater, und er arbeitet sein Leben lang, bis er ein alter, fast erblindeter Häuptling geworden ist, an dem einzigen, übrigens wirklich existierenden Indianer-Alphabet, dem Cherokee-Alphabet, einer einzigartigen kulturellen Leistung dieses klugen und begabten Häuptlings.

Die nächste Ballade erzählt die Geschichte von Ira Hayes, dem höchstdekorierten Indianer-Kriegers des zweiten Weltkrieges, - zu Hause in der Salt River Reservation (Phoenix, Arizona) für sich und seinen Stamm, die Pima-Indianer, eine den Azteken verwandte Gruppe, der lebenswichtigen Wasserrechte beraubt, so meldet er sich im 2. Weltkrieg freiwillig zu den US-Fahnen, und wird zum Helden von Iwo Yima, - einem der wenigen Überlebenden der Erstürmung der pazifischen Insel, des Soldaten, der dort die US-Flagge aufrichtet, - geehrt mit einer in zig Millionen herausgegebenen Sondermarke, wer Amerikanische Briefmarken sammelt, der wird sie kennen, olivgrüne Farbe, wird er nach dem Kriege zuerst als toller, tapferer Kriegsheld durch das Land herumgereicht, dann aber, wieder zu Hause, geht das Dilemma weiter, er wird gedemütigt, zum Trinker, zum für Weiße immer wieder betrunken die Flagge aufrichtenden Narren, - so ertrinkt er, als noch jungen Mensch angetrunken, in einer Pfütze, die nicht einmal 20 cm tief Wasser führte. Titelzeile: Was ist er, ein tapferer Marine der in den Krieg zog, oder nur ein stinkender, Whisky trinkender Indianer.

„Drums“ (Trommeln): Sie erziehen mich in der weißen Mittelschule, sie schneiden meine Haare kurz, nennen mich Billy, obwohl ich einen indianischen Namen habe. Weißer Lehrer, Du denkst ich sei Amerikas letzter Narr, ich könnte Dir Geschichten erzählen, vom Donner der Indianischen Trommeln, die Du nicht hören kannst, hinter den Bergen, von Sequoya, Sitting Bull, Mangas Colorados, Geronimo, Crazy Horse, die Legende, Ihr Weißen könnt sie nicht hören, aber sie kommen näher, lehre Du mich die Geschichte dieses Landes, wir haben sie euch vorher beigebracht, nur nicht das brechen von Verträgen, in unserem Verlieren finden wir stolz, in eurem siegen findet ihr Schande.

„White Girl“ (Weißes Mädchen) erzählt von dem hübschen stolzen Indianerjungen, der gegen der Rat der Freunde sich in ein blondes, weißes Mädchen verliebt, „er hält sie, wie Könige ihre Königinnen hielten“, durch sie lernt er zu trinken, für sie tut er alles, er liebt sie, und fragt sie, ob sie seine Frau werden will, doch sie bedankt sich für die Ehre der Nachfrage, aber sie will keinen Indianer zum Ehemann, als geprügelter Hund kommt der Außenseiter zu seinem Stamm zurück, der ihn wieder liebevoll aufnimmt.

“The Vanishing Race“ (die untergehende Rasse) nähert sich einem Toten- oder Sterbegesang auf die stolze Indianische Nation.

Die verschiedensten Lebens- und Problembereiche der Konfrontation zwischen Indianischer und Weißer Kultur, gesungen von einem Johnny Cash, in einem Stiel als hätte Manitu ihn erfunden um das Sprachrohr der leidenden Indianischen Nation zu sein,

Mit dieser Stimme und diesem Interpreten, die Musik schlicht gehalten, mit einfacher Gitarrenbegleitung, z. T. mit leichtem, weiblichem Hintergrundchor, stellt diese Album eine einzigartige Zusammenfassung Pro-Indianischer Darstellung Geschichte und Geschichten erzählender Indianischer Kultur. Wie es sie nie wieder geben wird.

Das ist leider, was den großen Sänger selbst angeht, auch wahr und zutreffend. Vor etwa drei Jahren, als ich zu einem Besuch zu ihm kommen sollte, um ein Projekt für die Foundation for the Preservation of Native American Culture (Indianer-Kultur-Stiftung) zu besprechen, wo er eine symbolische Fördererrolle übernehmen sollte, - man stelle sich vor: eine hübsche, hochgewachsene junge Indianerprinzessen (für die Nation, des Lebens), zu ihren Füßen ein Grauer Wolf (als Symbol für Manitu, den Gott, die Natur), im Hintergrund versteinert-starr, hochgewachsen, würdevoll stehend unser Johnny Cash (als der weiße alte Indianer-Häuptling, das Symbol) als das Symbol des weisen alten Häuptlings. Wir hatten einen Termin gemacht, seine Frau June sagte uns, dass er sich schon sehr darauf freue, dann bekamen wir eine traurige, absagende E-Mail von seiner lieben, treu sorgenden Frau June, er musste den Termin absagen, seine Krankheit verschlechterte sich zu schnell und zu sehr, - Zeit kam dazwischen, heute wissen wir, er wird nicht nur nicht mehr nach Europa kommen, um hier für seine vielen Fans zu singen, er wird nie, nie mehr aktiv auf der Bühne stehen, für uns öffentlich singen können, - diese Zeit ist leider, für immer und ewig, vorbei.

Geblieben ist uns nur, wenn wir es so sehen wollen, das Bild des hoch aufgerichteten versteinerten alten Häuptlings, der (mit Wolf und junger Indianerin) übder das Schicksal der Indianischen Nation, der „Native (Eingeborenen) Americans (Amerikaner)“ wacht, -

und

seine unvergessenen Lieder und Balladen, nicht zuletzt seine einzigartige Sammlung von auf unvergängliche Tonträger gebannten unerreichbaren Bildern eines „untergehenden Volkes“.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
LeoSch

LeoSch

16.03.2002 14:48

toll, einfach toll

otto0816

otto0816

17.02.2002 02:29

Mensch, Du hast schon viel erlebt, danke für diesen Bericht, Jörg

ElviraK

ElviraK

05.02.2002 22:43

wirklich toller bericht, gruss elvira

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