...don't criticize what you can't understand
11.07.2010
Pro:
eines der besten Alben aller Zeiten
Kontra:
dass dieses Konzert in Japan stattfand : - (
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 TumblingDice
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:103
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kürzlich gab es auf Arte eine sehr sehenswerte Dokumentation über meine Lieblingssängerin Joan Baez und Ausschnitte vom berühmten Newport Folk Festival aus den 60ern. Da wo sie war, durfte er nicht fehlen: der große Bobby, der die Welt veränderte. Jener pausbäckige Robert Zimmerman, der sich bald nach einem irischen Dichter nannte. Er, der selber als großer Poet auftrat und seine tiefsinnigen Texte in Lieder packte, die bald die ganze Welt nachsang. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Bob Dylan begann in den 60er Jahren als Folk-Sänger. Seine Lieder klangen anfangs etwas monoton. Seine Art, mit der Nuschelstimme zu singen, wirkte zunächst auch etwas anstrengend. Doch er arbeitete schon bald auch an seiner Performance. Niemand sollte ihm nachsagen könne, er höre sich immer gleich an. Bester Beweis ist ein Live-Album aus den späten 70ern, aufgenommen im japanischen Budokan. Damals war er schon gut 15 Jahre im Geschäft.
Meine Sammlung an LPs und CDs ist nicht gerade klein. Doch dieses Album, das ich schon über 30 Jahre mein eigen nennen darf, gehört zu den besten Platten, die ich besitze. Auch heute noch lege ich es immer wieder gerne mal auf. Ich lade Sie ein zu einer Vorstellung vom Feinsten. Den Auftakt macht er mit einem seiner bekanntesten Lieder: HEY MR. TAMBOURINE MAN gehörte zum Repertoire jedes Straßenmusikers jener Zeit. Hier geht Bob Dylan gleich in die Vollen. Wir hören den besten Sound, den Bobby bis dahin fabriziert hatte. Vorbei waren die Zeiten des Folk-Sängers, dem Akustikgitarre und Mundorgel reichten. Das ist Musik zum Abheben, da geht die Post ab, die Stimmung steigt. In SHELTER FROM THE STORM nimmt er dann diesen Schwung jedoch gleich wieder etwas heraus. Wer Dylan schon immer etwas monoton empfand, fühlt sich hier vielleicht bestätigt. Schöne Instrumentalpassagen entschädigen jedoch für dieses Stück, das ich nicht zu den besten des Albums zähle.
Dafür läuft der Meister darauf in LOVE MINUS ZERO gleich wieder in Hochform auf und Hüftschwung ist zu Mundharmonika und Violine wieder angesagt. Dagegen ist BALLAD OF A THIN MAN eher wieder für eine kleine emotionale Pause geeignet, bevor Mr. Zimmerman mit DON'T THINK TWICE IT'S ALRIGHT einen seiner Klassiker auflegt. Wahrscheinlich gibt es kaum einen Interpreten, der so oft gecovert wurde wie er. Hier covert er sich jedoch mit neuem Sound inklusive Hintergrundchor und Flötentönen quasi selbst. Besitzer der guten alten schwarzen Scheiben müssen an dieser Stelle zum ersten Mal umdrehen, bevor sie bei MAGGIE'S FARM ein musikalisches Feuerwerk erwartet. Dylan's Session ist jetzt wohl richtig in Gang gekommen und etwas Richtung Blues abgedriftet, was in dem darauf folgenden ONE MORE CUP OF COFFEE nochmal verstärkt wird. Das ist auch gerade das Schöne an diesem Album, dass es alles andere als monoton ist. Mittlerweile dominiert das Saxophon.
Der nächste Titel darf natürlich nicht fehlen. Der Stein gerät ins Rollen, seine Hymne, deren Text ursprünglich 20 Seiten lang war, schlechthin. „How does it feel?“ Prächtig, wird der Zuhörer sagen. Das Album „Live at Budokan“ ist wahrlich für Dylan dazu geeignet, seine Anhängerschaft noch zu erhöhen. Zum Zurücklehnen und Genießen ist dann I SHALL BE RELEASED. Irgendwie erinnert mich die ganze Performance hier schon an Joe Cocker, einer der anderen ganz Großen. Zu meinen Lieblingsstücken dieses Live-Mitschnitts gehört das folgende IS YOUR LOVE IN VAIN?, bevor nach dem etwas flauen GOING, GOING, GOING gar ein Plattenwechsel nötig wird. Es folgt wieder eines seiner ganz berühmten und meist gecoverten Songs. Hier präsentiert er den Zuhörern BLOWING IN THE WIND ungewöhnlich ruhig mit Hintergrund-Chor, erst zum Schluss wirkt er richtig kraftvoll. Zu den schönsten Aufnahmen dieses Auftritts gehört für mich JUST LIKE A WOMAN. Nicht nur, weil die gute alte Mundharmonika wieder mal zum Einsatz kommt. Bei diesem Lied muss ich immer etwas schmunzeln. Denn als ich diesen Dylan-Song erstmals hörte, war es auch das erste Mal, dass mir das englische Wort „fake“ zu Ohren kam. Aber die Textzeile „she fakes just like a woman“ ist gewiss nicht allen weiblichen Fakern gewidmet.
OH SISTER ist bestimmt kein Ohrwurm. Wenn beim Blues der Wunsch zum Tanzen aufkommen sollte, stimmt etwas mit dem Blues nicht, so war es beim Bericht über das Newport Festival zu hören. Bevor die Zuhörer den Blues bekommen, klingt SIMPLE TWIST OF FATE mit schönen Saxophon-Spiel wieder versöhnlicher. Das nächste Lied wurde erst durch Jimi Hendrix so richtig berühmt, auch wenn der ALL ALONG THE WATCHTOWER natürlich ganz anders interpretierte als der Autor Bob Dylan. Um hier dem Gitarrengott zu huldigen, wird jetzt instrumental besonders viel geboten, u.a. E-Gitarre, Flöte und Violine. Ein Lied zum Zurücklehnen und Entspannen, das besonders unter die Haut geht, ist I WANT YOU. Es gibt kaum Dylan-Songs, die wir nicht auch von anderen Interpreten kennen. So ist es auch im letzten Viertel nicht anders. Eine Band, die sich sehr stark des Repertoires von Bob Dylan bediente, waren die Byrds um Roger McGuinn und David Crosby. Mag es nicht zu Dylans ursprünglichen Zielen gezählt haben, Tanzmusik zu schreiben, stellte er einst beim Hören der Byrds-Version von ALL I REALLY WANT TO DO fest, dass der Hüftschwung auch bei seinen Liedern möglich war. Entsprechend rhythmisch präsentiert er dieses Stück auch in diesem Konzert. Bob Dylan hat sogar mal in einem Western mitgespielt, für den er auch die Musik schrieb. Dass KNOCKIN' ON HEAVEAN'S DOOR so berühmt wurde, lag sicher nicht nur an dem Film „Pat Garrett jagt Billie the Kid“. IT'S ALRIGHT MA I'M ONLY BLEEDING war ebenso mal Teil eines Soundtracks, nämlich dem zum legendären Road-Movie „Easy Rider“, dort jedoch wieder von Roger McGuinn vorgetragen.
Zum großen Finale gehören zwei Hymnen, die ich nicht so schnell aus meinen Ohren wieder heraus bekomme, wenn sie mal wieder dort hineingeraten sind. Es handelt sich zum einen um FOREVER YOUNG. Ich finde dieses Lied, egal ob von Bob Dylan, Joan Baez oder gar André Heller nicht nur wunderschön, es ist für mich auch eine Art Lebensmotto und ein Lied, das mich in meiner Tätigkeit als Lehrer bestärkt. Das Stück, das das Ende des Konzerts bildet, gehört zu den legendären Songs des Philosophen Bob Dylan. Ich denke, sein Text ist von bleibendem Wert und gilt heute wie damals. Ich möchte es einem Ciao-User widmen, der nicht immer verstanden wurde, der jedoch zu den nettesten und urigsten Typen gehört, die ich hier in den letzten Jahren kennengelernt habe, und den ich sehr vermisse. Vielleicht war sein Handeln nicht immer ganz „stubenrein“, wer weiß das schon. Jedenfalls wurde er Opfer eines zweifelhaften Schiedsrichters, der letztlich jedoch mehr Dreck am Stecken hatte als er selbst.
Come gather 'round people Wherever you roam And admit that the waters Around you have grown And accept it that soon You'll be drenched to the bone. If your time to you Is worth savin' Then you better start swimmin' Or you'll sink like a stone For the times they are a-changin'. Come writers and critics Who prophesize with your pen And keep your eyes wide The chance won't come again And don't speak too soon For the wheel's still in spin And there's no tellin' who That it's namin'. For the loser now Will be later to win For the times they are a-changin'.
Come senators, congressmen Please heed the call Don't stand in the doorway Don't block up the hall For he that gets hurt Will be he who has stalled There's a battle outside ragin'. It'll soon shake your windows And rattle your walls For the times they are a-changin'. Come mothers and fathers Throughout the land And don't criticize What you can't understand Your sons and your daughters Are beyond your command Your old road is Rapidly agin'. Please get out of the new one If you can't lend your hand For the times they are a-changin'.
The line it is drawn The curse it is cast The slow one now Will later be fast As the present now Will later be past The order is Rapidly fadin'. And the first one now Will later be last For the times they are a-changin'.
Für Arnie (der für mich übrigens auch der beste Spieler der deutschen Mannschaft in Südafrika war :-)
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Bob Dylan at Budokan - Bob Dylan
Bob Dylan hat ja selbst prophezeit "the present now will later be past", und es ...
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Dylan, Bob - Bob Dylan At Budokan () CD Album
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12.09.2010 12:52
Ein großartiger Künstler! LG
01.09.2010 15:13
Bob Dylan - ich besitze CD's, eine LP und ein Video - "Tribute to Bob Dylan", "wo andere SängerInnen anläßlich seines Jubiläums bei Sony seine Lieder singen, wie zB. Jonny Cash, Winter, Kris Kristoffersen, George Harrison uva. mehr. Das habe ich mir einmal aufgenommen und ich höre es immer noch gerne. Ich denke auch an den herrlichen Rotwein meines Sitznachbars in einem Riesenplastikbehälter bei einem Dylon-Konzert. Der Sitznachbar war nicht neidig damals und versorgte die Umgebung. Und Dylans Texte geben mir auch sehr viel. lg - Maria
29.08.2010 14:06
Sehr kompetent, sehr unterhaltsam, sehr innig. Ungewohnt finde ich, dass du die einzelnen Titel aufzählst, hast du das schon immer getan? // Dylan gehörte zu den Interpreten und Künstlern, die ich in meinem Elternhaus auch ausgiebig hören durfte, ich nenne allerdings keine einzige CD von ihm mein eigen, das sollte ich wohl ändern. ;)