Once you gone tech you ain't never going back
22.08.2010
Pro:
neue Richtung, erfrischend anders, geht sofort ins Gehör
Kontra:
nix
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Jouleska
Über sich:
Lange weg, jetzt hoffentlich wieder regelmäßig hier :)
Mitglied seit:27.09.2008
Erfahrungsberichte:177
Vertrauende:29
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Leser, wir schreiben das Jahr 2003. Ich werde 18 Jahre alt und an meinem ganz besonderen Geburtstag mal prompt von meiner damaligen Flamme verlassen. Die folgenden Wochen ertränke ich mich in Musik. Unter anderem zählt Robyn zu den Interpreten, die mir in dieser miesen Zeit den Hintern retten.
Jetzt ist 2010, ich bin 25 und weiß genau, dass mich diese Frau nicht betrügen oder enttäuschen wird. Hat sie nie, wird sie nie. Und das alles manifestiert sie in ihrem aktuellen Mini-Album „BodyTalk Pt. 1“, der neuen Supersonne in meinem Plattenschrank. Bezahlt habe ich 10€ und mehr kostet der Spaß auch nirgends. Robyn ist meines Erachtens hierzulande völlig unterpräsentiert. Die Frau ist gut. Sehr gut. Und trotzdem kennt sie hier kaum ein Schwein. Dabei hat sie ihre Finger schon fast überall drin gehabt. Sehen wir uns die Schwedin mal genauer an.
Robyn
Robyn wurde als Robin Miriam Carlsson 1979 in Stockholm geboren. Zum ersten Mal musikalisch in Erscheinung trat sie in den 90ern. Manche werden noch „Show me love“ oder „Do you know (what it takes)“ kennen. Unter BMG veröffentlichte sie drei Alben, doch konnte sie ihre Vorstellungen mit denen der Plattenfirma nicht vereinen. Robyn wollte sich austoben und gründete 2005 ihr eigenes Label „Konichiwa Records“. Sie kaufte sich aus ihrem alten Vertrag frei und haute ordentlich auf den Putz. Die Folge? Sie singt Background für Britney Spears und Snoop Dogg, tourt als Vorprogramm von Madonna und wird mit Röyksopp Nummer 1 im Vereinigten Königreich (Was echt nicht einfach ist, auf der Insel!). Sie erhält 5-fach Platin, 2 Mal Gold und wird für den Grammy nominiert. Und klar, sie lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Ob Pop, RnB, Hip-Hop Einflüsse oder wie jetzt elektronische Klänge, Robyn ist nie stehen geblieben. Mit „Body Talk Pt. 1“ veröffentlicht sie ihr erstes Studio Album nach fünf Jahren.
Let’s Body TalkDa wir es hier mit „Pt. 1“, also Teil 1, zu tun haben, stellt sich die Frage was die süße Blondine wieder ausgeheckt hat. Die Antwort ist so einfach wie nachvollziehbar. Robyn hat es einfach satt mit ihren Alben zu warten, bis sie mit dem ganzen Touren fertig ist, ewig Pause zum Erholen braucht und dann nach etlich langer Zeit mal wieder ins Studio spaziert. Nein, sie will und kann zwischen ihren Tourneen immer mal wieder für kurze Zeit ins Studio, möchte aber nicht mehrere Jahre warten bis sie vielleicht 14, 15 Songs zusammen hat um ein Album
Bilder von Body Talk Pt.1 - Robyn
zu füllen. Viel eher will sie die Songs zeitnah veröffentlichen und so natürlich auch ihre Fans nicht zu lange warten lassen.
Aus diesem Grund wird 2010 gleich eine ganze Trilogie Körpersprache herausgebracht. Teil 1 erschien im Juni, Teil 2 wird jetzt bald im Spätsommer folgen und der letzte Teil wird dann wenig später nachgeschoben.
Verpackung / OptikAuf dem Cover sehen wir Robyn im ziemlich androiden Look. Die Haare sind weiß, der Blick schwebt irgendwo im Jetzt und doch nicht in der Menschenwelt und dann hat sie da überall diese kleinen Windärchen auf dem Gesicht. Titel und Interpret sind wie mit einem abgeschrägten Edding draufgekrakelt und wenn man die ganze Sache mal umdreht, sieht man die Tracklist, die wirkt, als hättte man sie flugs mal ausgedruckt.
Interessant finde ich aber den Druck auf der CD selbst. Die sieht nämlich aus wie ein Rohling, plan Weiß mit ein paar Angaben und dann da wieder das Eddinggekrakel. Sieht aus wie selbst gebrannt. Im ersten Moment hab ich’s echt nicht geschnallt und dachte, da hätte mir jemand die Platte geklaut und was Eigenes rein getan. Das Booklet ist leider keins. Lediglich eine aufklappbare Tracklist. Keine Lyrics, schade! Ich bin doch Text-Fan!
Alles Neu macht Robyn
Während das Vorgängeralbum „Robyn“ frech und sehr beatlastig war, betreten wir mit „Body Talk Pt. 1“ die elektronische Welt. Das Album klingt wie 30 Jahre in die Zukunft und doch irgendwie ein wenig 80er. Der gelebte Retrofuturismus. Was 2005 auf „Robyn“ mit „Robotboy“ begann, wird hier weitergeführt. Zuckerpop vom Feinsten, unterlegt mit klingelnden Synthies und Beats, die die Füße zum Wackeln bringen. Klingt anfangs etwas ungewohnt, aber schnell offenbaren sich die satten Hooks, die sprühenden Lyrics tun ihr Übriges und dann hat man, auch wenn man sich erst drauf einlassen muss, 100% Robyn im Ohr. Tracklist 1. Don’t fucking tell me what to do 2. Fembot 3. Dancing on my own 4. Cry when you get older 5. Dancehall Queen 6. None of them feat. Röyksopp 7. Hang with me 8. Jag vet en dejlig rosa Gesamtspieldauer: 30:47 Minuten
“Not drinking is killing me!”, geht Track 1 los. Der treibende, dunkle Beat gesellt sich prompt dazu und wir hören, was Robyn noch so alles über den Nerven-Jordan bringt. Ihr Freund, ihr Manager, der Fernseher, ihre Diät, ihr Ego, ihr Telefon..eigentlich so ziemlich alles. Was uns allerdings überaus gut gefällt ist, dass der erste Song schon voll reingeht. Der Beat ist total catchy, da wackelt die Hüfte vom ersten Takt an. „Don’t fucking tell me what to do“ ist ein einfacher Song, entfaltet sich in einer Monotonie, die einen gefangen nimmt. Viel Abwechslung gibt es hier nicht, weder textlich noch musikalisch. Das tut dem Song aber gar nicht weh, denn er lebt davon. Und wir gehen mit bebenden Beinen in den zweiten Song. „Fembot“ eriennert mich ziemlich an „Robotboy“ vom selbstbetitelten Vorgängeralbum. Robyn rappt zu einem treibenden Elektrobeat, arbeitet mit Stimmverzerrern um im Chorus dann mit ihrer puren, engelsklaren Stimme zu punkten. Der Text erzählt uns vom „aktuellsten Modell“, das „frisch aus der Box“ alle Vorzüge eines Fembots aufzählt. „In fact I'm a very scientifically advanced hot mama” sing uns Robyn da und auch der restliche Text lässt mich vermuten, sie hat vorm Schreiben stundenlang „Chobits” geguckt. Am Anfang hat mir der Chorus nicht gefallen und mir den Song versaut, inzwischen mag ich ihn aber ziemlich gerne. Der Song ist positiv, flott und macht gute Laune. Er ist selbstbewusst und weiblich stark.
Die 80er Jahre Kanone „Dancing on my own“ behandelt den Verlust einer Liebe, die sich wiederum eine neue Liebe gesucht hat. Man muss in der Ecke stehen, ungesehen, und wird weiterhin alleine tanzen. Das Lied wurde als Single ausgekoppelt und beweist sein Hit-Potenzial besonders im Chorus. Der flehende Gesang, die verwirrte Verletztheit tragen sich über die Synthie-Melodie mit den hellen Glöckchen. Bleibt sofort im Kopf. Auch wenn der Bass trommelt als hätte man da zwei ganz flinke Finger an den Saiten, wird’s nie nervig. Der Gesang nimmt Tempo raus und macht den Track zu einer tanzbaren Nummer mit Potenzial zum Wegträumen auf der Tanzfläche. „Was Deine Mutter dir nie gesagt hat ist, dass Liebe weh tut wenn du richtig handelst.“ Die Kernaussage von „Cry when you get older“ mag nicht gefallen, ist aber gar nicht mal so verkehrt. Auch hier haben wir wieder leicht computerisierte Stimmen. Melodisch ist der Elektro-Pop Song angereichert mit Rap-Parts, die zuckersüßer nicht sein könnten. Allgemein eine Nummer, die gerade durch ihren Chorus punkten kann und sich schnell im Gehör festsetzt. Leichtfüßig schwebt man durch den Song, der gute Laune zu verbreiten mag.
Stilistische Experimente mochte Robyn schon immer und „Dancehall Queen“ stellt das erneut unter Beweis. Reggae meets Elektr-Pop. Der Gesang schleppt sich lässig durch die Beats, die aufgepeppt mit einer Pop-Note immer noch jamaikanisch genug sind um dem europäischen Hörer die Rastas wachsen zu lassen. Ein gelungenes Lied, ungewöhnlich aber mit eigener Note. Thematisch geht’s hier darum, dass Robyn sich ganz alleine auf in den Club macht und die Nacht zu durchtanzen. „I came to dance not to socialize“ heißt es hier. Na dann machen wir doch gleich mal mit. Kennt jemand den Mojito Song von Robert Abigail? Den aus dem TV-Spot mit dem Barkeeper, der die Minze im Glas zerstößt und daraufhin der ganze Club abgeht? So in etwa müsst ihr euch den Beat hier vorstellen. Er ist düster, darüber legt sich der gelangweilt melodische Gesang. Er quält sich durch den Song und das ist auch total gewollt, denn hier besingt Robyn ihre Langeweile mit der übrigen Musik. „None of these beats are raw None of these beats ever break the law, None of them kicks go boom, None of them bass lines fill the room” singt sie und beschwert sich über Kommerzmusik ohne Seele und Tänzer, die ihr nichts Neues bieten. Ich finde gerade die Strophen grandiose gesungen und auch thematisch kann ich ihre Aussagen nur dick und fett unterstreichen.
Wir beschreiten wieder alte Pfade und kehren zurück zu der ganz soulig poppigen Robyn. „Hang with me“ ist eine Ballade erster Güte, getragen von leisen Klaviertönen und ihrem glasklaren Gesang. Sie handelt von den Voraussetzungen um mit Robyn zusammen zu sein. Der Song handelt vom Partner, der sie auf den Boden zurückholen muss, ihr Kontra geben muss wenn sie es braucht – ja, wenn er das kann, dann kann man zusammen sein. Diese Nummer ist sacht, zärtlich und steht in keiner Verbindung zu den Songs vorher auf der Platte. Fans ihrer vorigen CDs werden hier ihren ersten Anlaufpunkt finden. Dass es „Han with me“ auf die CD geschafft hat, finde ich auch sehr positiv, immerhin kann Robyn so erneut ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Und weil wir uns so schön eingekuschelt haben in die leisen Töne schließt Robyn das Album…. …mit „Jag vet en dejlig rosa“. Heißt soviel wie „Ich weiß ein’ schöne Rose“ und wird komplett auf Schwedisch gesungen. Es ist ein altes Volkslied und hier wunderbar aufbereitet, weil a capella. Nur hin und wieder ein Glöckchen streift die zarten Töne und verleiht dem Lied den Deckmantel eines Schlaflieds. Thematisch geht es um die Liebe, die man im Herzen trägt, um Sehnsucht zu einer Person. Robyns engelsgleicher Gesang streichelt sich durch den Text und erwärmt unser Herz. Ein schöner, heimeliger Abschluss der EP und absolutes Kontrastprogramm zu den vorherigen Songs. Ich freue mich, dass sie den Song auch mal auf Platte gebrannt hat, da ich ihn von ihren Auftritten schon länger kannte, aber nie eine CD-Version davon hatte. Schön!
Fazit
Und wieder einmal orientiert sich Robyn neu und fährt eine überraschend erfrischende Schiene. Sie schafft es ihren poppigen Wurzeln treu zu bleiben und sie mit zuckersüßem bis düsterem Elektro zu vermengen. Klingt wie eine Symbiose aus Retrofuturismus und heutiger experimenteller Pop-Musik. Fern von Retortenklängen an denen man sich im Radio satt gehört hat bricht die Schwedin mit eingefahrenen Linien und experimentiert gekonnt mit verschiedenen Stilen. Sie verliert ihren eigenen dabei nie aus den Augen und drückt jedem Song ihren Stempel auf. Der Fan erkennt sie sofort heraus, jeder Bass, jede Zeile 100% Robyn. Aufs erste Hören vielleicht nicht ganz einfach, geht „Body Talk Pt. 1“ schnell ins Ohr und klebt sich fest. Beim zweiten Durchgang kann man bereits mitsingen, die Hooks entfalten ihre volle bannende Wirkung und dann macht die Platte einfach nur noch Spaß.
Alles in allem mal wieder ein großartiges Album der Schwedin, das hierzulande hoffentlich noch mehr Hörer und Fans findet. Kurzweilig, aber erfrischend anders. Volle 5 Sterne und eine dicke Kaufempfehlung! Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren, Fembot Jou
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Body Talk Pt.1 - Robyn
Ausgabedatum: 2010-06-18, Audio CD, Ministry Of Sound (Warner)
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Release: 18.06.2010, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller: ...
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