Erfahrungsbericht über

Bone Machine - Tom Waits

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Bone Machine - Tom Waits

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Getroffene Hunde bellen

5  26.01.2004

Pro:
zähneknirschend, knochenklappernd, stampfend, groovend, jammernd, raunend, brüllend, kreischend .  .  .   .  .  .  GEIL !

Kontra:
Hell what?  .  .  .  allerhöchstens Affenschreie auf der 4 .  .  .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Kaess_0177

Über sich:

Mitglied seit:18.04.2001

Erfahrungsberichte:112

Vertrauende:67

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 99 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mal ungewohnterweise nun ein unmetallisches Stück Musik meinerseits. Die Rede ist heute von Tom Waits, (Pop-)Blues Dirt Rocker oder so… Jedenfalls trifft diese Bezeichnung auf sein Album „Bone Machine“ zu, welches 1992 im Alter von 43 von ihm und einer gewissen Kathleen Brennan komponiert und produziert wurde.
By the way, im selben Jahre spielte er die Rolle des Renfield in Bram Stoker’s Dracula und konnte in vielen Filmen ebenso mit seinem schauspielerischen Talent glänzen. Aber zurück zur Musik. Ähnlich düster geht es auf „Bone Machine“ zu. Während mich andere Waitsalben noch nicht fangen konnten, war Waits’ dunkelstes Album überhaupt für mich der Schlüssel zu dieser Figur.
Die folgende Dreiteilung des Albums stammt von mir, ist also eigentlich nicht wirklich als solche ausgewiesen und wird sicherlich von jedem anders, wenn überhaupt, empfunden…

01: Earth Died Screaming [9/10 ~ 3:36 min]
02: Dirt In The Ground [8/10 ~ 4:07 min]
03: Such A Scream [9,5/10 ~ 2:08 min]
04: All Stripped Down [7,5/10 ~ 3:03 min]
05: Who Are You [8/10 ~ 3:54 min]

06: The Ocean Doesn’t Want Me [9/10 ~ 1:49 min]
07: Jesus Gonna Be Here [10+/10 ~ 3:18 min]
08: A Little Rain [9/10 ~ 2:58 min]
09: In The Colloseum [10+/10 ~ 4:50 min]
10: Goin’ Out West [10/10 ~ 3:20 min]
11: Murder In The Red Barn [9/10 ~ 4:28 min]

12: Black Wings [8/10 ~ 4:35 min]
13: Whistle Down The Wind [8/10 ~ 4:35 min]
14: I Don’t Wanna Grow Up [9/10 ~ 2:31 min]
15: Let Me Get Up On It [-/10 ~ 0:53 min]
16: That Feel [10/10 ~ 3:13 min]

Der erste und „schwächste“ Batzen des Albums galoppiert in Form eines besoffenen Pferdes über grauen, nassen Asphalt. Dem kopflosen Reiter geht es nicht besser, allein röchelt und jammert er seine knöcherne Elegie, wie macht er das bloß?… Erinnert von der Stimmung an die Szenen mit der fetten Katze aus „Alice im Wundland“. So herrlich surreal erscheinen groteske Hässlichkeiten wie flugzeuggroße Raben und 3-köpfige Löwen. Hässlichkeiten halten sich allerdings im Rahmen, sodass man trotzdem eine FSK 12 vergeben könnte, wobei ich die Alice damals schon recht erschreckend fand ohne Altersfreigabe. Sagte ich etwas von ‚schwach’ gen Anfang? Frevel! Der Ansatz von ‚weniger gut’ ist wenn überhaupt beim Nächstling „Dirt In The Ground“ oder „All Stripped Down“ zu spüren.
Der Versuch der vergoldeten Bleistimme Tom Waits hoch zu wimmern klingt ebenso interessant wie im 4. Song „All Stripped Down“, weniger an den Nerven zerrend, doch nicht meine bevorzugte Variante der Waitsschen Stimmbandmalträtierung.
Wie mag ich also den Tom? Groovig raunend ist dieser Mann unschlagbar und gewiss ist „Such A Scream“ ein ultragroovendes cooles Brett dieser Machart. Hat eine lateinamerikanische feurige Rhythmik was Percussion, den Kontrabass und das bröckchenweise vorhandene Saxophon angeht, könnte aber nicht genau sagen, in welchem dieser Latino-Stile man am besten dazu abtanzen könnte. Einfach rumswingen und den Körper mal Freistil schwimmen lassen!
Besonderes Leckerli ist die Gewittermarsch-Action an den Haubauten im Mülltonnendresch-Style, blechern und mächtig dreckig! Hell yeah! Leider ist dieses Goldstück viel zu schnell vorbei…
Entspannung und eine recht „normale“ Stimme legt der gute Tom wieder bei “Who Are You” ein, eine gefühlvolle, eher träumerische Ballade mit relaxter Begleitung, ich vermisse dennoch das typische Bone Machine Trademark, hier gibt es keine knöchern-holprige Percussion. Auf jedem anderen Waits Album hätte ich den Song wirklich sehr begrüßt, hier wirkt er leider etwas deplaziert in der Grundstimmung.

Kommen wir zum Mittelpart der Scheibe, der locker alles an die Wand spielt, was bisher kam.
Los geht es mit dem sehr stimmigen Kurzling „The Ocean Doesn’t Want Me“. Wie aus einem Funk sickert eine dunkle zähe Flüssigkeit durch das Mikrofon, könnte man dichte Atmosphäre nennen, obwohl’s da wohl nichts mehr zu atmen gibt. Schaudert sich wunderschön auf einen der Gipfel des Albums, offiziell auch unter dem Namen „Jesus Gonna Be Here“ bekannt.
Was braucht man mehr als seine versoffene Stimme, ein paar bluesige Gitarrentöne und einen schleichenden Bass um einen naheuzu perfekten Song zu landen? Schräg, traurig, schleppend, groovend. Höllisch schwarzes Teil, nicht nur wieder an der Grundstimmung gemessen, so eine Darbietung des Gesanges würde man unter normalen Umständen nur einem Schwarzen der Orleanser Ecke zuschreiben.
Mein Lieblingsstückchen schimpft sich „In The Colloseum“ und der Name dazu spricht alles aus: Dreckiges Zähnezeigen, Brimborium der High Society, mitleidslose Beifallrufe, gnadenloses Lachen hallt wider; von der ersten Sekunde an wird man in die Manege geschubst und ist der gaffenden Menge ausgeliefert. Here you’ll be judged by a finger, ein Einblick in die groteske Atmosphäre:
„What will you be wearing there, the lion or the raven hair? [...]
This one’s for the balcony and this one’s for the floor
As the senators decapitate the presidential whore [...]
For the dead there is no story, no memory no blame [...]
It’s always much more sporting, when there’s families in the pit
And the madness of the crowd is in an epileptic fit.”
Tom zeigt sich von seiner fiesesten, schmutzigsten, unheilvollsten und ekligsten Seite und wieder scheppert die Percussion kalt und langsam. Weder Snares noch vollmundige Bassdrum - hier wird ausschließlich auf Mülltonnen getrommelt. Ganz schön viel Schleim und Geifer in der Kehle, an Tom Waits ging wahrlich ein meisterlicher Growler verloren… Aber was nicht ist, kann ja noch werden ;) Whaaarh, geiler Song!!!
„Goin’ Out West“ ist wieder ein Mitbrüller und Groover mit sehr viel Drive vor allem in der smoothen Bridge. Erneut wird hier tonnenschwer gestampft und heavier wird’s auch noch dank der fetten Stromgitarren, die sich hier tieftönend nach Belieben ausröhren dürfen.
“Murder In The Red Barn” ist ein Krimi, “In The Colloseum” nicht unähnlich in der Machart, langsam und schleppend wieder mit Betonung auf die Rhythmik, sonderbar: zugleich von äußerster Spannung und Gleichgültigkeit: Ein einfacher alter Kauz singt uns die Story, routiniert mit grauen Augen und wetterfester Haut rauchend allein in seiner Ecke… jaja, mal wieder’n Mord in der Umgebung, nichts Unübliches:
„’cause there’s nothin’ strange about an axe with bloodstains in the barn, there’s always some killin’ you got to do around the farm“
Von der Verwendung eines Banjos sollte man sich nicht täuschen lassen: Äußerst stimmig zur bluesig-ländlich anmutenden Untermalung.
“Murder In The Red Barn” - wohl eines der muffigsten, schwersten und dichtesten schwarzen Leichentücher, die locker einen ganzen Film über die rote Scheune einhüllen könnten…

Dritte Phase läutet sich ein mit “Black Wings”, einem netten Western-artigen Auflockerer, dem die Last genommen wird, der sich dümpelnd durchschaukelt, besonders die Passage mit tiefen Streichern sagt zu. Nichts Überragendes, aber etwas Entspannung tut gut.
Auch bei „Whistle Down The Wind“ kann man mit einem Gläschen Whisky die Beine hochlegen und den Tag mit einem pseudo-wissendem Lächeln reflektieren. Relaxt, entspannt, lockere Percussion, bisweilen sogar melodisch. Ist man nicht in der Stimmung, kann’s hier jedoch dem ein oder anderen doch mal etwas langweilig werden.
„I Don’t Wanna Grow Up“ ist schon beinahe fröhlich und kindlich naiv, ein lockerer Rocker in trotziger Dickkopfattitüde. Auch hier ist es neben der eingängigen Simplizität little Tommy, der unbeschwerte Laune macht.
Vorm würdigen Abschluss gibt es noch ein kleines Intermezzo in Form der Instrument- und Jaulcollage „Let Me Get Up On It“, was schließlich nach 53 Sekunden in die ersten beschwingten Töne von „That Feel“ mündet. Und was auch immer dieses Gefühl sein mag, welches man nicht verlieren kann, Tom Waits jammert und jammt mit Keith Richards um die Wette und was dabei herauskommt ist ein Duell der Unstimmen mit ganz viel Feeling… And that feeling is something they can’t lose…

Die Quintessenz des Ganzen spricht von bellenden, jaulenden, wimmernden, knurrenden Hunden im Gefecht mit grinsenden Skeletten und dreiköpfigen Löwen, mal als edles Jäckchen, schleichend-eleganter Tod oder brüllende Tötungsmaschine. Die erdrückend schwere Gesamtstimmung ist sicher nicht für jeden was, dennoch unterscheidet sich fast jeder Song erheblich vom anderen, sodass für jeden das Richtige dabei sein sollte in diesem grotesken Sammelsurium.
Selbst auf Atmosphäre erpichte Metaller sollten ein Ohr riskieren, niemand ist in seiner Schmutzstimme so variabel wie Tom Waits.
Die Sterilität einer blitzblanken Maschine trifft auf die Organik der menschlichen Knochen, nennen wir es einfach „Bone Machine“…

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Das_Ky

Das_Ky

13.06.2006 09:19

Hab ich dir eigentlich schon mal gesagt, wie sehr du mir/hier fehlst? Du fehlst mir UND hier sehr-sehr und ganz arg und wenn ich sowas hier lese könnten mir die Tränen kommen, so gut ist das. Und so schade dass du nur noch alle Schaltjahre mal vorbeikommst. Und komm mir nicht mit Metalius, nur Schau is Schau.

logan

logan

23.03.2004 22:47

*zurumbewertungklicke* Die Begründung kennst Du ja bereits. So, nun ist auch die Balance des Universums wiederhergestellt. Spürst Du schon, wie ein besseres Zeitalter anbricht? ["Black Rider" ist übrigens mindestens ebenso schräg und thematisch finster. Allerdings hält er sich da mit dem krassen Drumstick-Fratzengeballer etwas zurück.]

gnoi

gnoi

29.01.2004 23:54

Na ja, mal sehen, aber wohl erstmal nicht. Und wenn es keine Blastparts hat, ists eh nix ;)

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