* Aus: Pistol Whipped
Warnhinweis: Bewertungen sind – wie immer – tagesabhängig!
Blabla und die Band
Seit etwa einem Monat will ich nun schon über das neue Album der amerikanischen Band Marilyn Manson , die irgendwo im härteren Rockbereich angesiedelt sein dürfte. Fällt es mir schon bei anderen Bands schwer, sie zu kategorisieren, so gibt es bei dieser Band um den gleichnamigen Sänger, der mit bürgerlichem Namen Brian Hugh Warner heißt und deswegen eventuell von mir in diesem Bericht manchmal als „Herr Warner“ auftaucht, noch größere Probleme als sonst. Auf wikipedia wird Alternative Rock und Alternative Metal vorgeschlagen…. Da die Band, die mittlerweile auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat, nicht in den Metal-Archives gelistet wird (es sei denn, ich bin blind oder dofo [Absicht], tendiere ich dazu, das eher Alternative Rock mit Elementen des Hard Rock und des Metal zu nennen. Oder so. Ist ja auch egal. Wichtig ist eigentlich nur, dass der Sound mir zusagt.
Wer jetzt noch etwas über Kontroversen bezüglich der Band erwartet, der ist bei mir an der falschen Stelle. Wer ernsthaft glaubt, dass ich Stellung dazu nehme, dass es achsoböse Skandälchen um die Band gegeben hat, von denen die wenigsten wirklich begründet waren und sind, der bekommt von mir nur das Folgende zu lesen: Leute, das ist Show und der Herr Warner ganz bestimmt nicht Schuld, wenn Leute so blöd sind, Amok zu laufen etc.
Diese CD
Ich stand ganz ausnahmsweise dieses Mal wirklich am Veröffentlichungstag im Laden und habe die CD für knapp 15€ mitgenommen. Normalerweise pflege ich ja eher, mir die zuschicken zu lassen, aber da ich es etwas kurzfristig mitbekommen hatte, dass es was Neues gibt, musste es halt dieser Weg sein.
Etwas „bestürzt“ war ich, als ich gesehen habe, dass sie von vornherein bei den „Top-Sellern“ gelegen hat…
Die Aufmachung
Es ist wohl am einfachsten, wenn ich eine SMS, die ich am Tag der Veröffentlichung schrieb, hier paraphrasiere:
Der Herr Warner und seine Band scheinen es sich nicht leisten zu können, die Lyrics mitdrucken zu lassen. Und für ein Booklet hat es auch nicht gereicht. Ja, in der Tat: Man hat hier nur Pappe, die man aufklappen kann. In anbetracht der Tatsache, dass sich hier nur eine CD drin versteckt und sonst nichts, sogar zu viel Pappe. Ja toll. Ansonsten gibt es nur die üblichen Copyrighthinweise etc. Wer die Lyrics haben will, der wird auf die Seite
www.bornvillain.com
verwiesen, die bei mir nicht funktioniert, weswegen ich mir den Umweg über az-lyrics zumuten musste. Übrigens lohnt es sich diesmal auch nur bedingt, sich die Lyrics durchzulesen…
An sich bin ich schon seit dem Tag der Veröffentlichung
Bilder von Born Villain - Marilyn Manson
der Meinung, dass es der Download aufgrund der wirklich kargen Ausstattung auch getan hätte.
Die Lieder
Hey, Cruel World…
Der Opener des Albums beginnt recht ruhig, wenngleich auch aufgrund des rhythmischen, schnellen Geräusches zugleich ein wenig nervös und hibbelig. Mansons Gesang, der nach einigen Sekunden einsetzt, ist von der ruhigen Sorte, wie man ihn teils auch von den „Balladen“ her kennt, und an sich noch genauso wie man es von ihm gewohnt ist. Nach etwa einer Minute wechselt der Gesang dann in das Lautere, für Manson so Charakteristische und auch die Musik wird dichter und dumpfer, irgendwie auch eindringlicher. Leider wirkt das Ganze ein wenig sehr bekannt für Manson-Fans und Kenner der vergangenen Alben, denn hier wurde leider vergleichsweise nach Schema-F gearbeitet. Ich persönlich fühle mich hier besonders an den Fight Song erinnert. Glaube ich zumindest.
Das Ende ist recht plötzlich.
3,5/5
No Reflection
ist die erste Single aus dem Album und war mir bis etwa eine Woche vor Veröffentlichung der CD extrem unbekannt, obwohl sie schon seit März auf dem Markt ist. Ich bekomme auch echt nichts mehr mit.
Auch hierbei handelt es sich um ein für die Band recht typisches Lied, aber es hat sich irgendwie leichter als der Opener seinen Weg in mein Herz gebohrt (ja, es war ein schmerzhafter Prozess), denn es sagt mir sowohl von der Stimmung als auch vom Gesang, vom Rhythmus und von der Art der Instrumentverwendung her deutlich mehr zu. Es handelt sich um ein für Manson typisch rockiges Lied ohne wirkliches Schreien und einer Mischung aus eindringlichem und vergleichweise ruhigem Gesang. Stilistisch erinnert es mich persönlich zum Beispiel an Personal Jesus - nur besser.
4-4,5/5
Pistol WhippedEin sehr ruhiger Anfang mit interessanten Geräuschen. Nichts Neues, aber immer wieder nett.
Erst nach etwa 50 Sekunden geht es „richtig“ los und Herr Warner hechelt ein wenig ins Mikro. Klingt abfällig, ist aber nicht so gemeint.
Bisher handelt es sich bei diesem Lied um das gefühlt bassreichste auf dem Album und ich persönlich mag den leicht schleppenden Charakter, der irgendwie gar nicht so schleppend ist, wie er beim ersten Hören noch wirkt. Tatsächlich handelt es sich bei dem Lied um eines der Lieder, die mich persönlich innerlich mitwippen lassen und die mir sogar vom Text her noch mal ganz gut gefallen. Also…. Vergleichsweise.
4,5/5
Overneath the Path of MiseryKlingt doch schonmal nach einem typischen Manson-Titel, nicht wahr?Ist es auch.
Mehr gibt es dazu eigentlich nicht wirklich zu sagen, weswegen ich nur ein paar Stichworte in den Raum werfe:
Am Anfang nettes düsterhaftes Geschwafel, das man von Manson irgendwie kennt und das an eine Böse-Nacht-Geschichte erinnert; kraftvolle Musik mit Bässen; leichte Abgehacktheit; „partytauglich“.
3,5/5
Slo-mo-tiongefällt mir wirklich ausgesprochen gut.
Passend zum Thema ist das Lied etwas schleppend, weist aber auch einige leicht verspielte Elemente auf, wie man sie vor allem auf dem Album
Mechanical Animals finden konnte. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass dieses Lied auf diesem Album tatsächlich ganz gut aufgehoben gewesen wäre, wenngleich sich auf dem genannten Tonträger die Stimmungen doch um einiges leichter zu verbreiten wussten. Das soll jetzt nicht heißen, dass sich die Stimmung hier nicht auch durchzusetzen wisse oder womöglich, dass gar keine Stimmung aufkomme - nein, so ist es nicht; aufgrund des - von mir so empfundenen - leichten Hin - und Hers dauert das nur etwas länger als notwendig.
Der Gesang wechselt zwischen vergleichsweise ruhig, den hohen Tönen, die Manson ja mittlerweile doch eher sporadisch einsetzt, Schreien und ein paar sehr verzerrt wirkenden Passagen.
4,5-5/5
The Gardener
Dieses Lied hat lange gebraucht, bis es mich überzeugen konnte. Ich sollte vielleicht mal erwähnen, dass ich eigentlich schon am ersten Wochenende über die CD schreiben wollte, es aber nicht nur aus Faulheit nicht schaffte, sondern es auch einfach nicht übers Herz brachte, eine recht vernichtende Kritik zu schreiben, da mir das Album die ersten Male, die ich es gehört habe, so kaum gefallen mochte. Mittlerweile habe ich es aber ungelogen (! Wahrscheinlich sogar öfter) mindestens dreißig Mal gehört (es lebe die Dauerschleife). Entweder ist das dann jetzt Gewöhnung oder die Lieder entfalten sich erst nach einiger Zeit, wenn man die passenden Stimmungen dazu selbst beim Hören durchlebt hat, aber mittlerweile gefällt mir dieses leicht experimentelle Lied, dessen Refrain sehr eingängig und dessen Strophen fast erzählend sind. Auch mit der Bridge konnte ich mich zuerst überhaupt nicht anfreunden – heute liebe ich sie und Mansons vergleichsweise klare Stimme dabei.
4/5
The Flowers of Evil
Manson, wie man sie liebt oder hasst.
Dieses Lied erinnert an die Stimmung auf dem Album Eat me, drink me , könnte also seinen Platz da finden.
Auch mit diesem Lied hatte ich durchaus lange meine Probleme und so richtig kann es mich nach wie vor nicht überzeugen. Allerdings fällt es mir auch schwer, zu beschreiben, weswegen, denn eigentlich müsste ich es lieben. Der Refrain mag zwar vielleicht schon ein wenig „poppig“ daherkommen und hat es sogar in einer Pro-7-Vorschau (der ich übrigens verdanke, dass ich dieses Album überhaupt kenne) geschafft und die Strophen sind vergleichsweise minimalistisch und mit einer netten Zwischendurchmelodie gespickt, aber irgendwie… fehlt mir da etwas.
3,5-4,5 (wegen absoluter Ratlosigkeit)/5
Children of Cain
Mag ich.
Hier wurde die Stimmung von Holy Wood mit der von Mechanical Animals vereint. Außerdem lassen sich noch The High End of Low - Einflüsse finden, was das Ganze noch genialer macht.
Die Stimmung ist beinahe verträumt und zugleich melancholisch – depressiv. Resignation und Wut stehen nebeneinander.
Ein wunderbares Stück, das mich schon mal sehr bewegen konnte. Langsam habe ich das Gefühl, dass ich es mag, wenn man Mansons Stimme auch mal in höher hört - solange es nicht ständig ist.
5/5
Disengaged
Willkommen bei dem Lied, das man auch auf The Golden Age of Grotesque hätte finden können – zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.
An sich gibt es nicht viel mehr dazu zu sagen außer: schleppend, aber nicht melancholisch.
Leicht spartanisch kommt es auch daher.
3,5/5
Lay down your goddamn arms
Man muss die Band manchmal wirklich einfach wegen der Titel mögen, oder?
Das Lied selbst hat mal wieder einige Zeit gebraucht, bis es Anklang bei mir gefunden hat, da ich es doch etwas …. Nichtssagend fand. Es plätscherte in meinen Ohren einfach ein wenig dahin; nichts passierte. Sicherlich, es klingt nicht schlecht, aber auch gleichzeitig furchtbar belanglos und zu oft dagewesen. An sich hat sich meine Meinung da nicht wirklich geändert, aber ich habe mich offensichtlich damit abgefunden.
3-3,5/5
Murderers are getting prettier everyday
An sich könnte ich hier den Text von eben wiederholen, dabei aber einbauen, dass es sich um eines dieser etwas provokanteren Lieder handeln dürfte. Oder so. Zugleich ist es dann auch flotter und weist diesen typischen dumpfen Mansonsound auf, so dass es nicht plätschert, sondern trampelt dahin – ohne Rücksicht auf Verluste. Es kracht halt.
Das war’s eigentlich dazu.
3-3,5/5
Born Villain
Man könnte das Lied für langweilig halten – aber das stimmt nicht.
Ich persönlich mag es sehr, dass ich hier sogar mal richtig schön die Gitarren zu hören bekomme und eine Stimmung präsentiert wird, die irgendwo zwischen LSD-Trip mit Flugsequenzen und dem Weg runter zur Hölle liegt.
An sich hinterlässt das Lied aber leider nur bedingt bleibenden Eindruck.
3,5-4/5
Breaking the same old ground
I love it. Love it. Love it.
Dieses Lied mit dem leichten Spieluhrsound dürfte mein absoluter Liebling des Albums sein.
Die Melodie ist so schön verspielt; Mansons Stimme verzerrt-klar, depressiv-verzweifelt-hoffend, beruhigend-aufreibend, in gewisser Weise sogar zum Reinlegen.
Gott, habe ich bei dem Lied schon flennen müssen, weil es sich genauso anhört, wie ich mich fühlte.
Schon allein dafür haben sich die 15€ dann doch gelohnt.
Tut mir Leid, aber für mehr fehlen mir hier wirklich die Worte, denn ich will mir das Lied nicht kaputtanalysieren.
6/5
You’re so vain
Beinahe schon partytauglich-mainstreamhaft und mit einer klaren Basslinie kommt dieses Carly-Simon-Cover-Lied daher, zu dem ich nicht viel zu sagen habe, außer: nett. Aber das bin ich ja von Manson - Covern eigentlich gewohnt; und so reiht sich auch You're so vain in die muntere Reihe guter Cover wie Sweet Dreams oder Working Class Hero ein. Ehrlich gesagt muss ich gestehen, dass ich das Original aber bisher auch entweder nie oder nur sehr sehr selten mal gehört habe. Wie so oft gefällt mir die Manson-Version sogar besser. Eindeutig.
Und ich werfe mal den Namen Johnny Depp in den Raum. Wer wissen will, weswegen, den verweise ich auf: http://www.invadermag.com/2012/04/25/marilyn-manson-feat-johnny-depp-youre-so-vain/
Fazit
In diesem Album vermischen sich fast alle bisherigen Werke der Band, weswegen es mich wohl zunächst auch nur bedingt erfreut hat. Mir kam einfach alles zu bekannt und dann doch zu wenig einheitlich vor.
Mittlerweile mag ich das Album aber durchaus, wenngleich es natürlich nicht an Größen wie
Holy Wood oder auch das von mir geschätzte
The High End of Low herankommt.
Nett ist es allemal und Anspieltipps (
Children of Cain ;
Breaking the same old Ground ;
No Reflection ,
Slo-mo-tion ) gibt es durchaus.
Für Fans ein Muss (wenngleich wegen des oben genannten Punktes der Download auf jeden Fall reichen sollte – an sich) ; alle Anderen sollten wohl vorher auf jeden Fall erstmal reinhören.
Sehr gute drei Sterne und der Hinweis, dem Album eine Chance zu geben, sollte es beim ersten Hören nicht gefallen.
14.09.2012 21:39
Grüße von der Schnecke ;o)
27.05.2012 12:11
"bh" von uns ! Liebe Grüße - und schöne Pfingsttage ... Edith und Claus
23.05.2012 20:40
BH!LG Anett