I'm On Fire
16.09.2006
Pro:
alles
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Dutcherl
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:23
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Also gut, 10 Erfahrungsberichte für eine CD/Platte sollten eigentlich reichen. Möglich, aber ich will die Fußball-Feldmannschaft hier voll kriegen und (- das ist der richtige, wichtige Grund) meine Lieblingsscheibe gebührend huldigen: Bruce Springsteens "Born In The U.S.A." Born In The U.S.A. Bruce Springsteen & performed by the E Street Band: Roy Bittan, Clarence Clemons, Danny Federici, Garry Tallent, Steve Van Zandt, Max Weinberg
Tracks: 1. Born In The U.S.A. (4:39) 2. Cover Me (3:26) 3. Darlington County (4:48) 4. Working On The Highway (3:11) 5. Downbound Train (3:35) 6. I'm On Fire (2:36) 7. No Surrender (4:00) 8. Bobby Jean (3:46) 9. I'm Goin' Down (3:29) 10. Glory Days (4:15) 11. Dancing In The Dark (4:01) 12. My Hometown (4:33) Nun denn, die Platte stammt schon mal eigentlich aus "vor meiner Zeit". 1984 geboren, war ich anno dazumal kaum im entsprechenden Alter, diese Musik zu genießen. An meinen Ohren gelangten damals noch mechanisch aufziehbare Glockenspielchen und Konsorten, keine Rockmusik.
Inzwischen gehören eher die mainstreamigen Ausrichtungen von Jazz, Blues, Swing & Folk zu meinen Favoriten (Diana Krall, Peter Cincotti, Katie Melua, Michael Bublé, Norah Jones & Co.). Doch ausgerechnet eine 80s Rockplatte sollte zum Lieblingsalbum mein avancieren… Da ich ein Plattenspieler mein eigen nicht nenne, musste ich auf die CD zurückgreifen und ihr liegt auch der Erfahrungsbericht zu Grunde. Der Vorteil an der CD, abgesehen von der schön klaren Klangqualität, ein schönes Booklet mit den zugehörigen Liedtexten.
Im Internetradio erreichte mein Ohr einst das Liedchen "Born In The U.S.A." Es gefiel mir. Ich musste die CD sogleich kaufen. Mir ist inzwischen klar, dass das Album weltberühmt ist und Bruce Springsteens wohl größter Erfolg war/ist. Gelesen habe ich nunmehr auch, dass dieses Album sein sich auch mehr am Mainstream orientiert hat, als andere Springsteen-Ergüsse. Trotzdem, als Musikrockkulturbanause kam die CD zu mir, wie das Kind zur Jungfrau oder umgekehrt. Da sie bei Amazon nur 8 Teuronen kostete, verzichtete ich darauf, weitere Stücke anzuhören. Ich war überzeugt, wer ein Lied wie "Born In The U.S.A." machte, kann kein schlechtes Album drum herum gestrickt haben können müssen tun. Boah und wow (weitere jugendliche Begeisterungsbekundungen darf sich der Leser an dieser Stelle selbst ausmalen), das waren meine Reaktionen. Im Windows Media Player darf der Pseudo-Fachmann seine Musikstücke bewerten. Erstmals bekamen alle Lieder eines Albums bei mir mehr als 4 Sternchen, davon durfte der Großteil das Maximum an 5 Sternchen rausschlagen (Das als unwichtiges Detail am Rande).
Ich hörte die CD hoch und runter, zuhause am PC, unterwegs zur Arbeit im Auto und per Gedankenübertragung auf der Arbeit. Schnell kristallisierten sich meine Lieblingssongs heraus: Born In The U.S.A., Cover Me, Darlington County, Working On The Highway, Downbound Train, I'm On Fire, No Surrender, Bobby Jean, I'm Going' Down, Glory Days, Dancing In The Dark, My Hometown… Ja, ja, ich schätze die "Message" kam an … Kurzum, die ganze Scheibe ist ein Hit. Gibt es sogar bei meinen bevorzugten Jazz & Co. Interpreten Melua oder Cincotti Stücke, die ich überspringe, ist dies hier nicht der Fall.
Die Melodien sind im großen Ganzen eigentlich simpel, aber wunderbar schön eingängig. Großartig ist die raue und kraftvolle Stimme von "The Boss" Bruce Springsteen. Da können Mr. Adams und Jovi einpacken. Hinzu kommt viel (E-)Gitarre und manch lange Saxaphon-Einlagen (z.B. "Bobby Jean" - das bringt das jazzig beeinflusste Herz in mir zum Jauchzen). Nicht dass die Scheibe wirklich Jazz-Feeling aufkommen lässt, eher Country-Feeling, abseits des "puren Rocks." Das z.B. ist der Fall bei den eher ruhig gehaltenen "I'm On Fire" oder "My Hometown". Seit dem ausgiebigen Konsum einschlägiger 80s-Movies ("Top Gun", "Beverly Hills Cop", "Leben und Sterben in LA" oder "Straßen in Flammen") hat sich bei mir eine Zuneigung für die Drums- und Schlagzeugbetonte Musikrichtung jener Epoche entwickelt. "Born In The U.S.A." stammt aus den 80s. Über viel Schlagzeug darf ich mich so beispielsweise bei "Born In The U.S.A.", "Cover Me" oder "No Surrender" (u.a.) erfreuen. Das sind echte Kracher und würden sich als so genannte Stadionhymnen nicht schlecht machen.
Und damit sind wir bei einer weiteren großen Stärke des Albums: Die Musik eignet sich auch hervorragend dazu, sein Gehirn auszuschalten, nicht auf den Text zu hören und einfach den melodischen "Lärm" zu genießen. Da kommt Stimmung auf, sei es im Auto oder in den geschlossenen vier Wänden. Wenn man denn mag, kann in solchen Momenten der Refrain schön mitgegrölt werden (z.B. der einfältige Chorus Sha la la zum gar nicht einfältigen "Darlington County"). "…Gott in a little hometown jam So they put a rifle in my hand Sent me off to a foreign land To go and kill the yellow man …"
Bei dieser Herangehensweise täte man dem großartigen Album aber Unrecht an, das sei gleich gesagt (bevor hier die Springsteen-Puristen Sturmlaufen). Die größte Kraft liegt unbestritten in den exzellenten Texten. Springsteen zeigt sich sozialkritisch und politisch. Dabei vergisst er Ironie und feiner Humor nicht. Es ist nun nämlich nicht so, dass "Born In The U.S.A." ein von missionarischem Eifer getriebenes Politpamphlet geworden ist. Manche Lieder sind richtig zynisch, manche schön tragisch. Herzschmerz goes Anspruch. Die bekanntesten Lieder des Albums dürften der etwas andere Lovesong "I'm On Fire" , das legendäre "Born In The U.S.A." und - you can't start a fire - "Dancing In The Dark" sein.
Der Song "Born In The U.S.A." übrigens wurde mancherorts (in den Vereinigten Staaten off course) verzweifelt als patriotische US-Hymne vermarktet. Das allerdings ist Humbug, wie der kritische Text verrät. Ziemlich deutlich und durchaus bitter setzt sich das Lied mit dem Vietnam-Krieg auseinander. Alles in Allem ist das Album ein grandioses Stück Musikgeschichte und - so behaupte ich mal keck - ein Must-Have für jeden Rockmusikliebhaber.
Wer sich für den genauen Inhalt der Texte interessiert: Im mit der Ciao-Perle prämierten Erfahrungsbericht "The Boss at his best" von BobMarley2001 stehen die übersetzten Texte im Angebot. (Und nein, ich kenne BobMarley2001 nicht und bin auch nicht sein Alter Ego). Da es sich bei diesem Beitrag um einen Begeisterungs-Schnellschuss handelt, bitte ich um Ignoranz gegenüber jegliche Fehlerteufelchen, die es sich in diesem Text heimelig gemacht haben.
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19.10.2006 16:52
Must have? I have! :-) Mir gefällt auch der Bericht. Spontan, ein wenig unsicher, aber insgesamt gut.
18.09.2006 15:28
B. S. konnte ich noch nie leiden. Der macht mir zu sehr auf Arbeiterklasse.
17.09.2006 21:53
es gibt zwei wie ich finde großartige cover von "I'm on fire": Eins von Johnny Cash und eins von Heather Nova...wunderschön, jedes für sich.