... Den ersten Sampler von „Bozz Music“ musste ich natürlich sofort haben, was aber schwerer war als gedacht, da viele Geschäfte ihn nicht verkauften. Aber zum Glück gibt es Amazon...
-----BOZZ MUSIC:-----
1998 war Azad zum ersten Mal auf einer 3p-Veröffentlichung zu hören – auf dem Album ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von SVoigt2000 über Bozz Music Vol.1 - Various 2. Februar 2005
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nicht schnell langweilig
Häufigkeit der Nutzung:
häufig
Dieser Tonträger ist:
einer der besseren des Künstlers
Pro:
Viele gute Tracks, viele gute Artists, guter Querschnitt über das Bozz - Repertoir, nachdenklichere und härtere Tracks
Kontra:
46 Minuten Spielzeit ist ein Witz
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Als großer Fan von vor allem deutschem Rap und dem Frankfurter Rapper Azad, habe ich mich natürlich sehr gefreut, als ich hörte, dass er sein eigenes Label gegründet hat und eine Schar Gleichgesinnter um sich versammelte, um zukünftig nicht nur musikalisch gemeinsame Wege zu gehen. Den ersten Sampler von „Bozz Music“ musste ich natürlich sofort haben, was aber schwerer war als gedacht, da viele Geschäfte ihn nicht verkauften. Aber zum Glück gibt es Amazon...
-----BOZZ MUSIC:----- 1998 war Azad zum ersten Mal auf einer 3p-Veröffentlichung zu hören – auf dem Album „Geteiltes Leid 1“ von 3p-Labelchef Moses Pelham. Im Jahr 2000 erschienen dann über 3p die ersten Solo-Tracks von Azad über 3p und schon bald wurde gemunkelt, der Frankfurter Rapper wolle sein eigenes Label gründen. Namen geisterten viele durch die Gerüchteküche und genauso viele Versionen, wo das Label beheimatet werden sollte. Als 3p-Fan wäre es mir am liebsten gewesen, wenn Azads Label ein Sub-Label von 3p geworden wäre, aber soweit kam es leider nicht.
Im Januar 2004 sollte Azad eine EP über Kool Savas' Label „Optik Records“ veröffentlichen, wozu es aber nicht kam. Die EP wurde so umfangreich, dass Azad gleich ein Album daraus machte – „Der Bozz“. Als er dann von Universal das Angebot bekam, sein eigenes Label unter dem großen Major-Dach an den Start zu bringen, entschloss Azad sich, dies zu tun und sein Album nicht über „Optik Records“, sondern schon über sein eigenes Label „Bozz Music“ zu veröffentlichen.
Dies geschah, das Album war sehr erfolgreich und es folgte eine Tour mit dem Berliner Rapper Bushido. Außerdem erschien schon eine Mix-CD von einem weiteren Bozz-Music-Künstler – Jonesmann. In Zukunft sollen weitere Bozz-Musiker ihre Solo-Scheiben veröffentlichen und dann wäre da noch die Bozz-Crew „Warheit“, von der noch einiges zu hören sein wird. Von dem Berliner Pop-Rap-Label „Aggro Berlin“ konnte man aber lernen, dass Labelsampler zum einen als Promotion für weniger bekannte Artists sehr gut sind und dass diese sich zum anderen auch sehr gut zu Geld machen lassen. Und so erschien Ende 2004 „Bozz Music Vol. 1“...
-----COVER / BOOKLET:----- Das Cover zeigt erstmal einen schwarz gekleideten Vermummten (Azad?), auf dessen Maske das Azad-Logo zu sehen ist. Er greift in Richtung der Kamera (des Hörers) mit der Hand. Darüber sieht man auf weißem Grund das rote „Bozz Music“-Logo. Das alles wirkt schon bedrohlich, gefährlich – wie Underground-Rap und Bozz-Music eben rüberkommen möchte.
Das Booklet enthält leider nicht die einzelnen Songtexte, dafür aber zu jedem Track ein Foto der Artists, die den jeweiligen Song performen. Die Künstler werden also nicht nur musikalisch einer breiteren Masse vorgestellt. Künstlerisch also ein schönes Booklet, aber leider fehlen eben die Songtexte – ein Service für die CD-Käufer, der meiner Meinung nach eigentlich Standart sein sollte.
-----DIE CD:----- Nun wieder meine Einzeltrackbewertung, die, wie immer, von „+“ (grottenschlecht) bis „+ + + + +“ (übergeil) reicht.
1.INTRO Nach einem bedrohlich verfremdeten Lachen hört man eine ebenso bedrohlich verfremdete Stimme die Namen der Bozz-Artists sagen. Ein sehr atmosphärisches Intro – geil. BEWERTUNG: Keine
2.BOZZ MUSIKER – Sti, Jonesmann & Jeyz Der Beat dieses Tracks ist durch einen sehr dumpfen und pumpenden Beat dominiert. Zu hören sind schon mal drei Artists, die sich, Bozz-Music und ihren Flow repräsentieren. Ein guter Track, bei dem aber sowohl Beat als auch Raps auch nicht unbedingt top sind. BEWERTUNG: + + + +
3.STIMME DES KRIEGERS – Chaker Und wieder ein sehr dumpfer Beat, der wieder ordentlich pumpt – so gefällt mir das. Chaker rappt darüber wie gewohnt mit seiner tiefen Stimme sehr stimmig und mit mittlerer Schnelligkeit. Flowmäßig kann der Mann sicher noch etwas lernen, aber dafür sind seine Texte immer hörenswert. Er rappt von sich, seiner Musik, der Versagensangst und dem Musik-Geschäft. Ein insgesamt sehr atmosphärischer Track, der absolut hörenswert ist. BEWERTUNG: + + + + +
4.THE DAY AFTER TOMORROW – Lunafrow Früher hatte Lunafrow eine Stimme, die ich mir für ein, zwei Tracks anhören konnte, bei der ich mir aber nicht vorstellen konnte, sie auf Albumlänge zu hören. Mittlerweile ist seine Stimme tiefer geworden, aber immer noch sehr markant – und das ist gut so. Der Beat ist wieder dumpf, pumpend und mittelmäßig schnell. Er klingt fast, wie Trommeln... Lunafrow rappt von seiner Musik, die natürlich besser ist, als die der anderen Rapper und davon, dass er endlich auch seinen Teil des Games haben will. Kein harter Battletrack, eher wohl eine Representer-Nummer, die dank Lunafrows Stimme und dem Beat hörenswert ist. BEWERTUNG: + + + +
5.MACH PLATZ – Sezai Hier pumpt der Beat auch wieder, ist aber schneller als bei den bisherigen Tracks. Dominieren tut hier aber ein sehr helles und hohes Sample. Sezai flowt und battled wie gewohnt auf hohem Niveau und unter der Gürtellinie. Die gesungene Hook stammt von J-Luv, der den Track fast zu einem Ohrwurm macht. Sehr gelungen... BEWERTUNG: + + + + +
6.ON MY MIND – Sti Hier ist das Instrumental nun auch mal musikalisch und melodisch. Sti rappt hier von sich, seinem Leben, seiner Musik und was er aus diesem Allen machen möchte. Ein sehr guter und stimmungsvoller Track. Sti schafft es, seine Wünsche gut in Worte zu fassen und für den Hörer fühlbar zu machen. BEWERTUNG: + + + +
7.STUNDE DER WARHEIT – Warheit Hier nun die Crew der Bozz-Artists – Warheit. Und wo Warheit draufsteht, ist harter Rap drin. Der Beat ist hart, relativ schnell und geht nach vorn. Die einzelnen Rapper repräsentieren sich, Bozz-Music und ihre Crew Warheit. Dabei flowen und battlen sie auf hohem Niveau. Dies ist sicher einer der besten Tracks des Albums. BEWERTUNG: + + + + +
8.STAUBIGE STRASSEN – Jonesmann Jonesmann kann auch deep. Das Instrumental pumpt vom Beat her, aber dazu hört man auch melancholische Streicher. Jones rappt von den staubigen Straßen, von denen er nun durch die Musik weg ist und er rappt davon, was auf der Straße falsch läuft und wie das Leben dort ist – Drogen, Hoffnungslosigkeit, Tod. Sehr geiler Track... BEWERTUNG: + + + + +
9.ES IST ZEIT – Jeyz Das instrumental pumpt wieder ordentlich und klingt trotzdem auch wie ein Triumph-Marsch. Jeyz repräsentiert hier auch wieder seine Musik und Bozz-Music und battled dabei natürlich auch wieder. Leider sind sowohl Beat als auch Flow eher durchschnitt. BEWERTUNG: + + +
10.SKYLINES – Sti Und hier wieder ein nicht so deepes und dumpfes Instrumental, über das Sti auch recht erfrischend rappt. Er repräsentiert sich und seine Musik auch wieder, macht das aber sehr gut und – wie gesagt – erfrischend. Trotzdem klingt das ganze irgendwie nach einem Mixtape-Track. Absolut top ist der Song also nicht, obwohl er sicher mit seinen ständigen Wiederholungen im Text („Damn, damn, damn ... man, man, man ... bang, bang, bang“) live sicher Spaß macht, wenn das Publikum mitrappt. BEWERTUNG: + + + +
11.FICK DICH – Jonesmann Jonesmann singt ... und wird von einer Gitarre begleitet – und das bei Bozz Music? Ja! Und es klingt übergeil. Jonesmann, der nach seinem Rap-Album auch ein Gesangs-Album veröffentlichen wird, singt von seiner Ex, die ihm untreu war u.s.w. Da es sich hierbei um Streetsoul handelt, ist die Wortwahl entsprechend, wie man schon am Titel erkennen kann. Trotzdem – oder gerade deswegen – ein sehr geiler und authentisch Track. BEWERTUNG: + + + + +
12.KUGELHAGEL – Warheit Und noch ein Track von Warheit – wieder sehr opulent und aggressiv produziert. Dazu flowen und battlen die Crew-Member entsprechend und die Hook von Lunafrow mit seiner markanten Stimme rundet die Ganze Sache ab. Hier bekommt man mehr Lust auf weitere Warheit-Veröffentlichungen. BEWERTUNG: + + + + +
13.TRIUMPH – Azad Nun darf der Labelboss auch einmal solo ran. Der Synchie-Beat klingt treibend und geht ganz gut nach vorn. Azad rappt auf dem hohen Niveau von „Der Bozz“ von seinem Triumph – seinem Erfolg als Rapper und vom Erfolg mit Bozz-Music. Klar: Bozz wird triumphieren und alle Neider und Gegner vernichten. BEWERTUNG: + + + + +
-----KOMMENTAR:----- Mit diesem Album schießt sich „Bozz-Music“ an die Rap-Spitze des Landes. War für mich bisher „Optik Records“ das beste Label, was Rap in Deutschland angeht, muss ich nun sagen, dass die Bozz-Musiker um Azad vielseitiger und besser sind. Das liegt aber vor allem daran, dass ich härteren und rohen Rap liebe. Wer also da andere Vorlieben hat, wird sich vielleicht eher für „Optik“ etc. entscheiden.
Wie man an meiner Einzeltrackbewertung sieht, sind fast alle Tracks meiner Ansicht nach auf hohem Niveau. Klar, dass es ein, zwei Ausrutscher gibt. Das kann man verzeihen. Weniger verzeihen kann ich allerdings die Tatsache, dass dieser Sampler mit 13 Tracks und 46 Minuten Laufzeit sehr kurz geraten ist. Auf dem Splash 2004 haben Warheit zum Beispiel einen Burner-Track gespielt, der auf das Album gut gepasst hätte. Und auch der ein oder andere Bozz-Artist hätte noch einen Solo-Track zulegen können. Azad hält sich hier etwas im Hintergrund und überlässt seinen Kollegen die Show, was gut und auch richtig ist, aber ein weiterer Azad-Track wäre doch drin gewesen, oder? Chaker hätte ich auch gern nochmals gehört...
-----FAZIT:----- Ein absolut hochwertiger Sampler, der einen guten Ausblick auf die weiteren Bozz-Music-Veröffentlichungen gibt und Lust auf mehr macht. Man kann gespannt sein...