Have you Met the New Miss Jones?
18.05.2004
Pro:
Katie Meluas erste CD gefällt mir schon sehr gut
Kontra:
Nichts - außer vielleicht, dass die zweite CD wahrscheinlich noch kaufenswerter wird
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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In England wird sie bereits als neue Norah Jones gehandelt, und nachdem ihr Debüt-Album bereits die Charts im Vereinigten Königreich erklettert hat, findet sich "Call off the Search" nun auch hier zu Lande in den Bestverkauftenlisten: Die Rede ist von Katie Melua – die Frage ist, ob Melua den Vergleich mit Miss Jones aushält bzw. aushalten muss.
Die Künstlerin selbst gibt dazu in Interviews brav die Auskunft, sie fühle sich, da Fan von Norah Jones, zwar geschmeichelt. Ihr großes Idol sei aber die Sängerin Eva Cassidy, der sie mit „Faraway Voice“ sogar einen eigenen Track gewidmet hat. Und außerdem, sagt die 19-Jährige, sei da natürlich auch noch Ella Fitzgerald – das erfahren wir in „Katie Melua - Starting Out“, einem offenbar für Promotionzwecke produzierten, rund 5-minütigen Videoclip, den man als Dreingabe zu den 12 Tracks der CD gepackt hat und die sich deshalb auch mit dem modisch klingenden Attribut „enhanced“ schmückt. Das sind schon mal nicht die schlechtesten Vorbilder. Wäre mir gesangliches Talent in die Wiege gelegt worden, ich wüsste ich niemand, dem ich eher nacheifern wollte als Ella Fitzgerald. Und Eva Cassidy muss, so mein Eindruck, für einen Komponisten das gewesen sein, was Audrey Hepburn vielleicht in den Augen eines Modeschöpfers war: jemand, der die Stärken der eigenen Kreation optimal zur Geltung bringt. Audrey Hepburn konnte alles tragen und sah darin einfach gut aus – und Eva Cassidy ist für mich eine Sängerin, die jeden Song so klingen ließ, als sei er ihr auf den Leib geschrieben worden (beispielsweise ist ihre Version von Stings „Fields of Gold“ das, was ich zuweilen als eine „amtliche“ Version bezeichne).
Im Vergleich mit Eva Cassidy werden denn auch gleich Meluas Schwächen offenbar: Für eine bluesige Nummer wie „Crawlin' up a Hill“ ist Katie Meluas Stimme für meinen Geschmack einfach ein wenig zu kleinmädchenhaft-kieksig. Was Eva Cassidy aus dem Stück gemacht hätte, lässt sich erahnen, wenn man deren Version von „Wayfaring Stranger“ (ursprünglich veröffentlicht auf der CD „Eva by Heart“, außerdem zu finden auf der ebenfalls sehr hörenswerten Zusammenstellung „Songbird“, die ein guter Tipp für Cassidy-Neulinge ist) zum Vergleich heranzieht. Ist ein solcher Vergleich fair? Wahrscheinlich nicht – und so sollte man, zumindest einstweilen, Katie Melua nicht an ihren Vorbildern Ella und Eva messen, sondern vielleicht doch an Norah Jones. Zu deren mittlerweile zwei Alben nämlich verhält Katie Meluas erste Veröffentlichung sich wie die einer Jane Monheit zu den CDs von Diana Krall – mit anderen Worten: Wem das eine gefallen hat, dem wird sehr wahrscheinlich auch das andere zusagen. Und im Klartext heißt das wohl: Katie Meluas Debüt ist äußerst wohlgefälliger Schmusepop – mal mehr („The Closest Thing to Crazy“), mal weniger („I Think it's Going to Rain Today“) leicht angehaucht von Jazz und Blues.
Im direkten Vergleich mit Norah Jones fehlt mir an Katie Meluas Stimme allerdings ein wenig die Wärme: Katie Meluas Stimme ist heller und höher als die von Norah Jones und hat mich zuweilen auch an Blossom Dearie oder Silje Nergaard erinnert. Spätestens an dieser Stelle ist wohl folgende Anmerkung angebracht: Wem keiner dieser Namen etwas sagt, wird ggf. auch nicht zu den Plattenkäufern zählen, die das Label „Dramatico Records“ in erster Linie ins Auge gefasst haben dürfte, als es Katie Melua unter Vertrag genommen hat. Wer aber bei dem einen oder anderen Namen innerlich genickt hat, wird wohl auch zu dem Schluss gelangt sein, dass Katie Melua sich, musikalisch gesehen, in durchaus illustrer Gesellschaft befindet. Kann noch werden, was nicht ist? Mein Eindruck: Aus dem, was bereits da ist, kann und wird jedenfalls sicherlich noch mehr werden. Entgegen dem, was die Aufforderung des keck anmutenden CD-Titels „Call off the Search“ nahelegt, fängt, so mein Eindruck, Katie Meluas Suche aber gerade erst an: Vom Honkytonk-Blues eines „My aphrodisiac is you“ und dem bluesigen „Mockingbird Song“ über Mitternachts-Tresensteher-Jazz („Learnin’ the Blues“) bis zu Edel-Pop wie z.B. „I Think it's Going to Rain Today“ von Randy Newman ist „Call off the Search“ gleichermaßen abwechslungsreicher Streifzug durch verschiedene Stile wie vielversprechendes Debüt – und die liebeskummervolle Single-Auskopplung „The Closest Thing to Crazy“ von Mike Batt (der übrigens für einen Großteil des Materials auf „Call off the Search“ verantwortlich zeichnet und dem wir mit dem seinerzeit von Art Garfunkel unvergleichlich seelen-, schmalz- und schmachtvoll eingesungenen „Bright Eyes“ u.a. eine der größten Edelschnulzen der Popgeschichte verdanken) ist wirklich ein sehr schönes Stück Musik.
Mein persönliches Fazit: Katie Melua wird vielleicht noch ein bisschen suchen und ausprobieren müssen, um herauszufinden, wo ihre Stärken wirklich liegen, hat aber mit „Call off the Search“ bereits ein bemerkenswertes Debüt hingelegt. Die ganze CD hat bei mir einen überaus positiven Gesamteindruck hinterlassen, wobei mir das als Single ausgekoppelte „The Closest Thing to Crazy“ besonders schnell ins Ohr gegangen ist. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die aus Katie Meluas eigener Feder stammende Hommage an Eva Cassidy, der man Meluas Verehrung für Eva Cassidy (und, das meine ich herauszuhören, insbesondere Cassidys Version von Stings „Fields of Gold“) deutlich anhören kann (ihre Stimme erinnert hier teils an die von Eva Cassidy, in einigen Momenten klingt in meinen Ohren auch ein wenig Jewel Kilcher an). Mit „Call off the Search“ hat die gebürtige Georgierin einen überaus hörenswerten Erstling abgeliefert. Ob es Katie Melua gelingt, sich als feste Größe zu etablieren, wird davon abhängen, ob sie den hohen Standard von „Call off the Search“ (neben dem Namen von Mike Batt finden sich außerdem die einer Reihe von weiteren sehr hochkarätigen Studiomusikern, die zum guten Gelingen beigetragen haben) halten kann. Man darf gespannt sein, welchen Weg Katie Melua in Zukunft einschlagen wird. Meine Ansicht: Im Gegensatz zu den Stimmen ihrer erklärten Vorbilder Ella Fitzgerald und Eva Cassidy klingt Katie Melua m.E. nicht schwarz genug, als dass sie sich allzu sehr aufs Bluesige kaprizieren sollte. Für die Zukunft wünsche ich ihr, dass sie auch bei ihrer zweiten CD wieder eine gute Hand für die Auswahl von geeignetem Songmaterial beweist - und dass auch der Nachfolger wieder mit eigenem Material aufwartet.
Als Inspirationsquelle für ihre eigenen Stücke führt Katie Melua übrigens Joni Mitchell und Bob Dylan an; wer’s „bluesey, folky and chilled“ („Melua über Melua“) mag, kann mit „Call off the Search“ eine der interessanteren CD-Neuerscheinungen im Frühjahr 2004 entdecken (als Anspieltipp neben den bereits genannten Stücken empfehle ich „Tiger in the Night“) – und mit Katie Melua eine Newcomerin, von der man in Zukunft vielleicht häufiger hören wird.
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Call Off the Search - Katie Melua
Vermutlich hat sich Katie Melua inzwischen daran gewöhnt, dass man sie als die ...
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Melua, Katie - Call Off The Search (Dramatico) CD Album
Release: 25.03.2004, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller: ...
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Call Off The Search, Melua Katie (CD)
Spieldauer: 41 MinutenIn England ist es bereits bekannt: Die 19 jährige Katie ...
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26.07.2005 17:15
Hallo, ich freue mich auch schon auf die zweite CD... :-)
25.04.2005 14:05
Ich hätte ähnlich geurteilt, mit dem Unterschied, dass ich gerade "Crawling up a hill" total gern mag. Ein paar andere Lieder finde ich etwas zu belanglos. Insgesamt aber eine schöne CD. Gruß Sabine
03.12.2004 12:24
Ich liebe dieses Album!!! vlg Jazzy