Orientierung am Ich
Noa ist eine israelische Künstlerin, auf die ich im Zuge des Projektes "Begegnungen" von Peter Maffay aufmerksam geworden bin. Dort sang sie mit ihm gemeinsam den Titel "Savior" und hat mich dabei sehr beeindruckt. Als ich dann die Chance bekam, zwei CD´s von ihr zu ergattern, habe ich sie genutzt. Hier folgt also die Besprechung der ersten CD, die ich von ihr besitze.
### Begleitheft/Inlay ###
Nun, das "Begleitheft" ist in diesem Fall eher ein Faltblatt. 2x4 Seiten, wobei die Innenseiten alle Texte in sehr kleiner Schrift enthalten. Das Cover ist ansprechend, die wichtigen Informationen sind enthalten, also hält es sich insgesamt in der Mitte.
### Die Titel im Einzelnen ###
1. U.N.I. (4:13)
Leise Musik. Noa's Stimme setzt ein. Ebenfalls sehr sanft. Die Musik ist nur Untermalung für die Stimmakrobatik der Sängerin. Sie ist sanft, sie ist mitreißend, sie ist anregend. Eine Ballade, die ins Herz geht.
Der Titel steht für "you and I"
"How does my north connect to my south
How does my heart connect to my mouth
How does my skin connect to my soul
Is the sum of my parts
Anything whole?
...
How can we live with anguish and fear
How can we shelter all that is dear
How can we take our fate in our hand?
I'm talkin' to you
You'll understand.
...
The universe begins with you and I..."
2. Too proud (4:19)
In erster Linie leises Schlagzeug. Eine Stimme. "concentrate, concentrate". Noa's Stimme singt den Text. Chorus durch weitere Stimmen. Das ganze ist nicht ganz melodisch, hat einen gewissen Ethnotouch. Ungewohnt, aber hörbar.
"Too proud to admit that love is gone
Too proud to admit the falling from Eden
Too proud to admit, and much too strong
The landing was rough,
And the seat belt unfastened."
3. By the light of the moon (5:39)
Leiser Beginn. Gitarre, Schlagzeug, Bass. Leise Schreie im Hintergrund (von einer Frau ausgeführt, aber klingt wolfsähnlich). Leiser Sprechgesang der Sängerin. Eigentlich zieht sich nur ein Grundrhythmus durch den gesamten Song. Die Stimme kommt ohne größere Erhebungen oder Betonungen aus. Zum Ende hin wird es dann noch etwas schwungvoller. Insgesamt aber etwas langweilig.
"By the light of the moon
I sing to you
By the light of the moon
I raise my voice
I raise my voice
By the light of the stars
In a big black void
And straight into your heart."
4. Lama (4:19)
Auch hier etwas ungewohnte Zusammenstellung: Kräftiges Schlagzeug und etwas, das wie eine Mischung aus Gitarre und Streichern klingt. Fernab der üblichen musikalischen "Farben" muß man sich hier an den Stil erst einmal gewöhnen. Wenn die Stimme der Sängerin ins Spiel kommt, wird die Musik leiser, so daß man den Text gut verstehen kann. Das Tempo ist gemäßigt und die Stimme wirkt etwas dünn und zittert, was aber Absicht ist. Gewöhnungsbedürftig.
Der Song selber setzt sich wohl mit dem Dalai Lama auseinander:
"He's so compassionate
He's oh so kind
All in peace, he says
All in Time
He's wrapped in wisdom
And wisdom he speaks
So compassionate that I could freak
Time is running out on him
God is out to lunch
Time is running out on his decision
Every day that passes
Proves that God has lost his glasses..."
5. Space (3:50)
Fröhliches Gitarrenspiel. Eine muntere Stimme steigt ein und lädt zum Mitschwingen ein. Schönes Tempo mit einer schönen Stimme. Endlich mal ein Lied, welches man öfter hören möchte. Die Stimme auch hier wieder hoch, aber einfach passend. Und auch die orientalischen Elemente stören nicht wirklich, sofern man ethnischer Musik etwas abgewinnen kann. Ein fröhlicher Titel für die Seele. Ein Lied der Freude.
"Space
Gimme wide open space
With the sun and the rain in my hair
And the wind in my face, oh...
...
Space to cross, no pain, no fear
Space to cross, far away from home."
6. Too painful (4:51)
Sehr leise Klänge von der Gitarre. Die kurz darauf einsetzende Stimme ist das tragende Element. Vorerst bleiben die beiden alleine. Eine sanfte Ballade. Als das Schlagzeug einsetzt, wird das ganze etwas kräftiger. Die Intensität, auch des Gesanges, steigt. Die Worte "never" und "no choice" stechen heraus. So langsam wird es ein Klagelied mit dem Schreien der Klagen gegen den Himmel? Eindringlich, anklagend und doch schön. Irgendwie. Mitnehmend. Anteilhabend. Auch durch das öftere Wechseln der Stimmlage von sanft zu laut und zurück. Das Ende klingt wieder sehr sanft aus. Das Lied kehrt zu seinem musikalischen Ausgangspunkt zurück.
"If I were to go to the sea
With an open wound
The salty waves would sting
It's too painful
Too painful
But I haven't learned a thing
I haven't learned a thing
I'll never, never learn..."
7. Calling home (3:43)
Kraftvoller Einstieg. Bass und Gitarre. Die Stimme steigt ein und singt dagegen an. Anfangs noch scheinbar unterlegen. Doch hält sie sich so gar nicht an den Takt, was aber nicht wirklich stört. Irgendwie kommt sie immer mal zurück. Außerdem ist sie die einzige, die sich bewegt. Der Rhythmus bleibt mal wieder gleich. Später steigt im Hintergrund noch eine Männerstimme mit ein. Aber wirklich nur als Background. Das Interessante an dem Song ist die Stimmmodulation.
"...
Tell me what's going on
It's hard for me to feel you
When you're far away
You know, I worry...
Are you sad or all alone again?
I would do anything just to know -
Are you happy where you are?
I would do anything to be there
When you need me."
8. Mark of Cain (4:34)
Wieder die leise Gitarre. Diesmal gleitet die Stimme an den Klängen der Musik entlang und bildet eine schöne Ergänzung dazu. Ruhig und doch intensiv wird die Botschaft vorgetragen. Viel mehr geschieht dann auch nicht mehr. Ein bißchen Chor, ein bißchen mehr Intensität...
"It happened long ago
Thought it seems like only yesterday
I had come back home
After years of wandering astray
Walked familiar streets
Never knowing fate would find me there
And ever since I've been crippled
`Neath this burden i must bear.
The mark of Cain
The child of pain
Of trouble and of war
Mother nature cannot comfort..."
9. All is well (3:22)
Gitarre und Besen (Schlagzeug). Die Stimme in ständigem Auf und Ab. Wieder lebt das Lied von der Stimmmodulation. Es ist interessant und ungewohnt. Auch wenn es letztlich nicht so "vom Hocker reißt".
Der Text sagt: Alles ist so wie immer, alles ist langweilig, alles ist gut.
10. Camilla (3:14)
Stimme und leise Schläge des Schlagzeuges. Langsam ansteigendes Tempo und Intensität. Dann plötzliche "Härte" in der Instrumentierung. Auch die Stimme schwillt an. Im Text geht es wohl um jemanden, der ständig nur wegschaut, soweit ich das verstanden habe.
11. Manhattan - Tel Aviv (3:48)
Orientalische Klänge. Sowohl musikalisch als auch stimmtechnisch. Der Refrain dann wieder "westlicher" angehaucht. Das wechselt immer mal. Gewöhnungsbedürftig.
"Manhattan - T.A.
With a detour to the deep southside
Where it's very violent
A bouquet of violets
Lies trampled to the ground
Falling, calling, tryin' to survive
Doin' a quick-step
Keeping in stride...
...
Manhattan - T.A.
With a detour, 18 years old
Caught under the wheels
It's a pretty bad deal
But this is my hometown."
12. Cascading (3:38)
Gitarre und "Säge". Kennt Ihr das Geräusch von einem schwingenden Sägeblatt: Blubb, blubb. ;-) Schöner harmonischer Gesang. Bei diesem Dreiklang bleibt es letztlich auch. Das blubb, blubb ist eine witzige Idee, nervt aber auf Dauer ein wenig. Dafür ist die Melodie und der Gesang sehr schön.
Das fröhliche Plätschern des Lebens findet hier seinen Weg...
13. Savior (3:49)
Wieder einmal die leise Gitarre, gepaart mit einer sanften ausdrucksvollen Stimme. Das Lied, durch das ich auf die Künstlerin aufmerksam geworden bin. Ruhig und kräftig zugleich. Eine Stimme, die genau weiß, was sie tut. Die weiß, wovon sie singt.
Eine wundervolle Ballade zum Abschluß...
"Savior, my savior
Pouring out over desert sands
Through parched skin
And madness
On chamber after chamber
`Til it's all run out
But, oh, my savior
My savior
You said: remember
You said: remember, remember
When you're all dried out
That which was sacred
That which was sacred
Remember..."
### Titelliste und persönliche Wertung ###
1. U.N.I. (4:13) ==> sehr gut
2. Too proud (4:19) ==> gut
3. By the light of the moon (5:39) ==> geht so
4. Lama (4:19) ==> geht so
5. Space (3:50) ==> sehr gut
6. Too painful (4:51) ==> sehr gut
7. Calling home (3:43) ==> ok
8. Mark of Cain (4:34) ==> gut
9. All is well (3:22) ==> geht so
10. Camilla (3:14) ==> geht so
11. Manhattan - Tel Aviv (3:48) ==> ok
12. Cascading (3:38) ==> gut
13. Savior (3:49) ==> sehr gut
### Schluß und Fazit ###
Hier ein Fazit zu ziehen fällt etwas schwer. Noa hat eindeutig eine Stimme, die zu faszinieren vermag. Trotz den fremdartigen Elementen in der Musik hört man meistens gerne zu. Aber doch gibt es eben ein paar Passagen, mit denen man nicht unbedingt etwas anfangen kann. Die Texte sind durchdacht und nicht nur auf Herzschmerz ausgelegt und zeugen davon, daß hier jemand wirklich etwas aussagen möchte. Von daher wird es ein sowohl als auch.
Keine CD, die man unbedingt komplett haben muß, aber bei einigen Stücken wäre es schon schade, würde ich sie nicht kennen. So sei es jedem selber überlassen, vorher noch einmal reinzuhören, was ich hiermit eindeutig empfehle. Und das Lied "Savior" empfand ich gemeinsam mit Peter Maffay auf seiner CD "Begegnungen" wesentlich intensiver. Auf jeden Fall bereue ich es nicht, mich näher mit dieser Musik auseinandergesetzt zu haben. Und im Hintergrund sind alle Titel gut zu hören. Beim Konzentrieren auf die Musik fallen dann auf Dauer halt ein paar Stücke raus.
Hört einfach mal rein. Es gibt auch noch mehr CD´s von der Künstlerin, die dann insgesamt vielleicht besser gefallen werden.
20.08.2004 / 26.07.2005
by Himmelssurfer
25.08.2004 19:37
Super Bericht, da fehlt nichts was ich für eine Entscheidung bräuchte. lg, Nadja
23.08.2004 15:56
Ich wüsste nicht, was da fehlt, auch wenn das mein erster Musikbericht bei Dir war, so fand ich absolut klasse.
23.08.2004 01:21
Finde es schön wie du die Textstellen einsetzt , wo man die Worte , selbst wenn man die Melodie nicht dazu hat , so schön sich mit der Vorstellung verbinden kann und man somit auch ein wenig erfährt was dich anspricht ! *smile* Liebe Grüße Jenny