Ein Spitzendebüt
08.09.2007
Pro:
lauter Sahnestücke
Kontra:
zwei schmecken nicht ganz so süß
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 manwah
Über sich:
Keine Lust mehr auf Ciao. Im Moment blogge ich lieber:
http://blometrik.blogspot.co m
- Wer Lus...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 90 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
1972 - Steely Dan veröffentlichen ihr Debüt. Song Nr. 1 des ersten Albums ist "Do It Again". Ein Klassiker, von dem andere Bands ein Leben lang zehren würden. Doch Donald Fagen und Walter Becker haben andere Pläne. Sie wollen perfekte Synthesen aus Rock, Pop, Jazz, Soul und Blues schaffen. Das sie ihre Meisterschaft bereits auf ihrem ersten Album eine gewisse Perfektion verpassen ist typisch für die beiden Songwriter, Arrangeure, Tüftler.
Doch zurück zum Anfang. Steely Dan traten als Einheit auf. So sehr, dass viele Kritiker vermuteten, dass der Künstler Steely Dan hieße und zusammen mit seinen Sidemen, diese genialen Kleinode verfasst hat. Doch Steely Dan waren immer ein Duo mit ständig wechselnden Gruppenmitgliedern. Die beiden Protagonisten sind: Donald Fagen (Keyboards, Gesang) Walter Becker (Gitarren, Bass, Gesang)
Mir fällt es immer noch leichter, ein Album als LP zu hören. Deshalb habe ich extra noch mal die Vinylversion rausgekramt. Seite 1: ~~~~~* "Do It Again" ist ein unglaublicher Einstieg, der eine Legende begründete, mit der sich Steely Dan immer mehr herausnehmen konnten. Auf späteren Alben machten sie sich einen Spaß daraus, Gastmusiker einzuladen und ihnen ihre Grenzen zu zeigen - und ihre Einspielungen zu vernichten.
Aber was macht den Song nun aus. Sicher der eingängige Refrain, die scheinbar einfache, aber doch verschachtelte Melodie. Ganz bestimmt der feinsinnige Rhythmus. Aber vor allem das alles zusammen. Wenn man es dann zum zweiten Song geschafft hat, wird man von einem Countryrock Schunkler verblüfft, der die Eagles mal kurz verblassen läßt. Hier gibt es nicht nur eine irre Melodiehookline, sondern auch noch die "Schweineorgel" als Intro gratis dazu. Daneben einen umwerfenden, schwelgerischen Bläsersatz. Aber die Melodie steht ebenbürtig neben dem Einstiegsong.
Hatte ich schon über die genauso spannenden Texte geschrieben. Kein Liebesgeschwurbel - also auch, aber nicht primär. Statt dessen kreisen die Songs um Drogensucht, die Schwierigkeiten damit, aber auch um ganz zwischenmenschliche Fragen. Die beiden nächsten Songs sind, gemessen an den meisten anderen Songwritern immer noch exzellent, doch gemessen am Einstieg ein wenig schwächer. Beide weisen ausgezeichnete Melodieführungen auf, beide sind eingängig und auf allerhöchstem Niveau eingespielt. Aber eben nur Füllsel, die den genialen Ersteindruck wieder auf Normalmaß zurückholen.
"Only A Fool Would Say That", der letzte Song der ersten Albumseite lebt vor allem von Beckers exaltiertem Gesang, der kongenial von einer Les Paul Gitarre begleitet, verdrängt und wieder begleitet wird. Das alles verbreitet ein leichtes Gefühl von Endless Summer. Seite 2: ~~~~~* Mit Beginn der zweiten Seite kommt die eigentliche Überraschung des Albums. "Reelin' In The Years" gehört vermutlich zu den geilsten Rocksongs ever. Aber ich kenne keine Band, die ein geniales Gitarrenriff so verschwendet. Es stünde ebenbürtig neben "Smoke On The Water", "Satisfaction" oder "My Generation" wenn die Herren Becker und Fagen es in dem fast fünf Minuten langen Song mehr als dreimal spielen würden. Aber nein - es wird zweimal am Anfang und einmal inmitten eines verzweigten, sehr komplizierten Gitarrensolos gespielt (übrigens nicht von Becker, sondern von Gastmusiker Elliott Randall). Statt dessen kommt nach 40 Sekunden ein gigantisches Dreiakkord Klavier, dass einen genauso aus den Socken haut. Darunter ein treibender Beat und ein mindestens halbautobiographischer Text, in dem der Autor beklagt, dass ein Kumpel (oder er selbst?) sein Leben mit nutzlosem Kram vergeudet. Aber wie das in einen Song verpackt wird, angereichert mit verwirbelten Soli und krachenden Harmonien ist einfach toll. Für mich ein Jahrhundertsong.
Der folgende Song heißt "Fire In The Hole" und der Titel legt ebenso wie der Text nahe, dass es sich um eine ausgemachte Sauerei handelt. Aber immerhin ist der schwere Jazzblues ziemlich passend dazu ;-) Danach folgt eine coutryeske Hommage an Brooklyn. Weiß der Geier, was Michael Brecker, der den Song singt, geritten hat, einem Lied über Brooklyn ein Countrykleid zu verpassen. Klingt nett, aber etwas gefällig. Eine Pflichtübung ebenso wie den beiden letzten Songs "Change Of The Guard" und "Turn That Heartbeat Over Again" denen man die Nähe zu den damals noch aktuellen Beatles deutlich anmerkt. Heute würde man die Songs als Britrock bezeichnen. Leider nichtganz so genial wie die besten drei Songs des Albums. Dabei hat der letzte Song wenigstens ein paar raffinierte Tempowechsel in petto. Hübsch aber eben auch ein wenig arg kunsthandwerklich.
Aber das sind auch unschlagbare Überflieger. Welche Band schafft es schon auf ihr Debütalbum drei Rockevergreens zu bekommen. "Do It Again" kennt heute noch jeder, der seine Nase länger als eine halbe Stunde in die Geschichte der Rockmusik gesteckt hat. "Dirty Work" wurde x-mal gecovert. Die meisten werden dieses tolle Original kaum kennen. Dabei lohnt es sich. "Reelin' In The Years" ist aber der ungekrönte König des nicht gespielten Gitarrenriffs. Dieses Original wird vermutlich allen ambitionierten Saitenjüngern immer in der Seele schmerzen. Aber auch hier gibt es Coverversionen zuhauf. Can't Buy A Thrill? Doch man kann und der Thrill stellt sich beim Anhören dieses Albums regelmäßig ein. Das liegt nicht nur an den unglaublichen Songs, sondern auch an der famosen Klangualität. Das Album ist schon 35 Jahre alt und klingt dennoch, wie frisch produziert. Jedenfalls braucht es sich nicht hinter aktuelle Alben verstecken. Und die Coverart ist ebenfalls klasse. Leichte Mädchen, ein sicher nicht Saft trinkender Mund. Eine feine Anspielung auf den Inhalt.
Dieses Album ist eines der besten Debüts der Rockgeschichte.
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17.12.2007 15:03
Super Bericht, lg miniemi1
13.12.2007 00:52
Ewig her, daß ich die Truppe mal gehört habe, aber iiiirgendwo muß hier auch noch eine Vinyl rumfliegen...
07.12.2007 17:04
Hey Klasse Bericht, das ist natürlich ein SH von mir. WÜrd mich über gegenlesen freuen !