Santana - Lateinamerikanische Hitze & Meditation
03.07.2005 (27.10.2005)
Pro:
Ruhiges, etwas unbekanntes Santana Album von 1972, z . T . gute Melodien .
Kontra:
keine Boni
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 riederwald
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:60
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Santana wurden durch ihre ersten drei Alben (Santana, Abraxas, 3) zu Weltstars. Die Pop-Musik war seit Woodstock mit lateinamerikanischem Feuer fusioniert, ein Musikstil, der traditionell sonst nur auf kleine Konzerthallen und Clubs beschränkt war. 1972 besann sich der von Tourneen und ungesundem Lebensstil etwas ausgelaugte (24-jährige) Carlos Santana auf eine kreative Ruhepause. Er stand um jene Zeit um 4 Uhr morgens auf und meditierte bis zum Sonnenaufgang. Seine langen Haare schnitt er kurz und trug statt Jeans weiße Anzüge.
Da erschien zu dieser Zeit das 4. Santana-Album. Überraschend ruhig, der Sound mit südamerikanischen Jazz-Klängen auf recht ansprechende Weise angereichert . Die gesamte LP durchzieht eine meditative Stimmung , die sich gelegentlich geringfügig im Geräuschpegel zu Solis der einzelnen Musiker steigert. Auch der "normale" Santana-Hörer (Debüt, Abraxas, Moonflower) wird durchaus seine Freude an "Caravanserai" haben. TITELBESCHREIBUNG:
- Eternal Caravan of Reincarnation: Vogelzwitschern und Grillenzirpen leiten in ein einsames Saxophon-Solo. Man glaubt sich längere Zeit in einer mitternächtlichen einsamen Steppe. Finde ich einen recht schönen Beginn, auch wenn es eine eher "New-Age"-artige Soundkulisse noch ohne "Musik" ist. . - Waves Within: Wie sanfte Wellen fluten die Gitarrenklänge in Miles Davis-artige Blasinstrumente. Die meisten Tracks gehen ineinander über. - Look up (To See What's Coming Down): ein leicht funkiges nstrumental. Na ja.
- All the Love of the Universe hier setzt der Gesang der erste Mal ein. - Future Primitive: die vielschichtigen Percussions blubbern und pochen wieder stereophon, daß es eine Freude im Kopfhörer ist.
- Stone Flower: Aus Jobims bekannter brasilianischer Komposition wurde ein neuer Track: Manchmal nimmt das Piano die Führungsrolle, dann wieder Orgel und Gitarre. Interessant ist das brasilianische Percussion-Instrument "Cuica". Gefällt mir am besten. - Song of the wind hat ein schönes Solo von Carlos Santana. Wem "Europa" oder "Samba Pa Ti" gefällt ... Wahrscheinlich der bekanntest Track aus dem Album und einer der wenigen, der auf einige wenigen der Best Of Santana einen Platz fand ...
- Fuente del Ritmo klingt auch brasilianisch. Der exotische Rhytmusstrom bewegt sich zu den brasilianischen Percussions von Armando Peraza . - All the love of the universe: mit einem Solo des Organisten Gregg Rollin. Ohne seine schimmernde B3-Hammondorgel könnte ich mir auch Santanas Hits wie "Black Magic Woman" und "Jingo" nicht vorstellen.
- Every step you take: hat ein ausuferndes Gitarrensolo und der typische Percussion-Teppich Komponiert vom Schlagzeuger (der langhaarige vom Woodstock-Film). Carlos und die Percussions steigern sich zu einem dramatischen Crescrendo. Selbst nach 9 Minuten würde ich das Stück gerne noch weiter gehen lassen. Die letzten 5 Minuten von Fuente del Ritmo sind alles andere als meditativ. HINTERGRUND:
Die meisten Mitglieder der Gruppe aus der Anfangszeit waren hier noch dabei. Es hatte sich einiges geändert: Mike Shrieves Drums klingen gekonnter und jazziger. Greg Rollies spielt neben Organ auch elektrisches Piano. Und erstmals eine Vielzahl an Gastmusiker wie Rutley (akustischer Bass) für neue Farbtupfer. Das Album ist trotz der Suche nach neuen musikalischen Horizonten weit davon entfernt schräg zu sein. "Caravanserai" (die Karawane der ewigen Wiederkehr) kam damals mühelos in die Top Ten der LP-Charts. Heute ist "Caravanserai" etwas vergessen, was ich schade finde.
Man mag das plötzliche Interesse von Carlos Santana (und John McLaughlin) an östlicher Meditiation unter der Schirmherrschaft eines Gurus etwas distanziert betrachten.. Doch sicherlich keine so schlechte Alternative zu dem öden Alkohol- und Rauschmittelsumpf der vorherigen Jahre. Ein wenig seltsam schon, inmitten einer Kultur (besonders Lateinamerika) - die seit mehr als 1000 Jahren von einer religiösen Lehre der einmaligen und ganz individuellen Einheit von Leib / Körper / Seele (christliche Lehre) geprägt ist. Jenes plötzliche Interessen an östlicher Reinkarnationslehre. George Harrison hatte bereits 1971 mit den famosen Hiterfolgen von "My sweet Lord" und "What is life" in der Beat-Welt diesen Trend ausgelöst.
Einiges an schöner Musik hat diese Welle der Nachwelt auf jeden Fall geschenkt ! Im Santana-Lager in San Francisco kamen in dieser Phase (1972-74) der Suche nach innerer Ruhe und neuem Frieden . "Caravanserai" empfehle ich nicht nur Santana-Hörern, auch Liebhaber von Jazz mit brasilianischem Einschlag (Flora Purim, Stan Getz, Astrud Gilberto) oder Bossa Nova können hier ein interessantes Neuland entdecken. Caravanserai ist auch geeignet nach einem Salsa-Abend aufgelegt zu werden, wenn die Leute langsam müde werden, die Gläser aufgeräumt und etwas ruhige Musik im Hintergrund zum Ausklang laufen soll. Nur die letzten 5 Minuten der CD ausblenden, sonst fangen die Leute (die man ja heimschicken will) noch mal zu tanzen an. Der Sound ist gut.
Wem das Album gefällt, sollte sich auch "Welcome" von 1973 anschaffen, wo etliche prominente Jazz Größen mitspielen. In dem gleichen meditativen Stil wie hier , noch eine Spur mehr "maduro" (reifer). Ach ja, das persönliche: Mich hatte zugegebenerweise als Kind das beeindruckende Sonnen-Cover auf diese Platte aufmersam gemacht (groß abgebildet in POP, auf schwarzem Hintergrund). Gekauft habe ich sie mir allerdings erst 1 Jahrzehnt später. Heute besitzte ich die CD.
MUSIKER: Carlos Santana (vocals, guitar, percussion) James Mingo Lewis (vocals, piano, bongos, congas, percussion) Rico Reyes (vocals) Doug Rauch (guitar, bass) Douglas Rodrigues, Neal Schon (guitar) Hadley Caliman (saxophone) Gregg Rolie (piano, organ) Wendy Haas, Tom Coster (piano) Tom Rutley (acoustic bass) Mike Shrieve (drums) Jose "Chepito" Areas (bongos, timbales) Armando Peraza (bongos, percussion) Lenny White (castanets).
ALLE TITEL in Reihenfolge: 1.Eternal Caravan of reincarnation 4:28 2. Waves within 3:54 3. Look up (to see what's coming down) 2:59 4. Just in time to see the sun 2:19 5. Song of the wind 6:02 6. All the love of the universe 7:36 7. Future primitive 4:13 8. Stone flower 6:14 9. La fuente del ritmo 4:33 10. Every setp of the way 9:04
Es gibt zwar keine Boni, doch die Spielzeit dauert ca. 50 Minuten, nicht schlecht schon zur Vinyl-Zeit. . "Caravanserai" wird meist unter 10 Euro angeboten, vorausgesetzt der CD-Laden hat sie. Persönlich würde ich den Kauf des CD-Doppelpacks (zusammen mit "Welcome") empfehlen. Wem diese ruhigere Phase von Santana gefällt, kaufe auch noch "Borboletta" (1974) mit dem blauen Schmetterling.
ANSPIELTIPS: Stone Flower, Song of the Wind, Waves within.
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02.11.2005 10:46
Von denen kenne ich noch nicht viel, aber klingt gut. LG, Yosy
14.09.2005 14:29
Santana fand ich damals auch so super schön... müsste mal meine alten Platten aus dem Keller holen;-) glg angela
12.09.2005 16:18
Du kennst Dich aus mit guter Musik