... Lange Rede, kurzer Sinn, eine der mir liebsten Anschaffungen war damals das hier vorgestellte Album "Casanova" von Udo Lindenzwerg - ähem -berg wollte ich natürlich schreiben.
Nun aber genug Zeitkolorit. Es folgt die ...
Kommentierte Songliste
1. Dirty Old Man ~ 5:27 min
Udo ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Mr_Andrew über Casanova - Udo Lindenberg 22. Mai 2008
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
nicht so toll
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Pro:
Beste Unterhaltung . Ein Ohrwurm nach dem anderen .
Kontra:
Nur 10 Titel . Schmusetitel könnten länger sein (lol) .
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Ein Album von der "Nachtigall", welches die geniale Panikerin panico noch nicht meisterhaft seziert, fachfrauisch untersucht und wieder in Berichtsform zusammengesetzt hat? Diese Chance kann ich mir einfach nicht entgehen lassen, zumal dieses spezielle Scheibe für mich einen großen persönlichen Erinnerungswert hat.
Kurze Vorgeschichte
Sommer 1989 - die große Wende in der damaligen DDR, dem heutigen Neufünfland, war schon in Sichtweite, aber noch nicht spruchreif, weilte ich mit ein paar Freunden im besten Halbstarkenalter in Ungarn. Dieses Reiseziel war damals so etwas wie der Westen des Ostens, da es hier vieles von dem gab, was in der "anständigen" DDR nur gegen harte Westmark (sofern vorhanden) bzw. weiche Forumschecks (ebenfalls sofern vorhanden) im Intershop zu erwerben war: Hamburger, Hochglanz-Magazine mit nackigen Frauen UND Westschallplatten!!!
Da mein "sofern vorhandenes" nur in etwa 5-Jahres-Zyklen auf eine Menge anwuchs, die einen Schallplattenkauf im Intershop realisierbar erscheinen lies, jedoch mein Bedarf an moderner, westlich geprägter Unterhaltungsmusik deutlich über einem Album je fünf Jahre lag, war die Fahrt ins gelobte Land für mich weniger ein Erholungsurlaub denn vielmehr eine Dienstreise zur Beseitigung der aus meiner Sicht gravierendsten Versorgungsmängel.
Original-Pressungen waren aber selbst in Ungarn aufgrund des nur sehr beschränkt möglichen Umtausches DDR-Mark in ungarische Forint für unsereinen viel zu teuer. Zum Glück gab es dort aber gutsortierte Raubkopierer-Läden, die quasi alles aktuelle Material auf Magnetkassetten überspielt hatten. Das ganze in semiprofessioneller Qualität also mit bedrucktem Label und farbkopierten Cover. Lange Rede, kurzer Sinn, eine der mir liebsten Anschaffungen war damals das hier vorgestellte Album "Casanova" von Udo Lindenzwerg - ähem -berg wollte ich natürlich schreiben.
Nun aber genug Zeitkolorit. Es folgt die ...
Kommentierte Songliste
1. Dirty Old Man ~ 5:27 min
Udo erzählt bzw. singt uns einen Schlag aus seiner Jugendzeit ("Als ich noch ein kleiner Knilch war, stand ich immer an der Milchbar ..."). Dabei geht er wie gewohnt schlüpfrig zu Werke ("... Und träumte von nem flotten Dreier. Dabei wußte ich kaum wie'n Einer geht. ...") und kokettiert mit seinem fortgeschrittenen Alter ("Doch trotzdem werden die Zeiten jetzt immer toller ... ja, son älterer Herr ist schon sehr gefragt ... "). In der Rolle des "dreckigen, alten Herrn" fühlt sich Udo hörbar pudelwohl. Selbstironie ist sowieso eine seiner großen Stärken. Der Titel swingt mit weiblichen Background-Sängerinnen, Bläser- und Rapeinlagen direkt in die Gehörgänge und animiert zum Mitwippen des Fußes. Tanzen könnte ich dazu nicht. Für mich einer der wenigen schwächeren Titel des Albums und trotzdem sehr hörenswert.
2. Die Klavierlehrerin ~ 5:32 min
Anzüglich geht es auch weiter, aber mit treibenden Drums, Synthesizerklängen und einem Solo-Piano-Thema in Ohrwurmqualität (einfache Melodie, aber sehr eingängig). Im Hintergrund wird gestöhnt und ge-La-La't und textlich gibt sich Udo erst gar keine Mühe, seriös zu sein ("Sie war so groß, war so barock - ganz breit der Arsch - ganz kurz der Rock"). Wieder wird kurz mal englisch gerapt - ein Tribut an den Entstehungsort der Platte: London. Ein absoluter Hit, der sich vor den Top-Dancefloorkrachern der 80ern nicht zu verstecken braucht.
3. Airport (Dich wiedersehn...) ~ 4:18
An dritter Stelle eine der typischen Lindenbergischen Balladen. Mit viel Gefühl und Schmacht in der Stimme singt uns Udo von seiner großen Sehnsucht nach seiner Herzensdame ("Und jetzt bin ich total perplex, - Dein Gesicht und Dein süßer Sex - läßt mich einfach nicht mehr in Ruh', - und ich vermiß' Dich so sehr"), die er erst vor wenigen Stunden am Airport verlassen hat. So ein Dussel aber auch, passiert Udo ja nicht zum ersten Mal! Die Bläser etwa in der Mitte des Liedes lassen hinreichend romantische Seelen einfach dahinschmelzen und die süße weibliche Gesangsstimme tut ihr übriges. Mein Engtanz-Favorit von "Casanova", der nur einen Fehler hat, das Lied ist für Schmusekater und -katzen viel zu kurz ...
4. Eifersucht ~ 5:36 min
Die nächste ruhige Nummer. Ein eifersüchtiger Mann wartet auf seine Geliebte ("Ich sitz am Telefon - seit Stunden schon - und warte auf dich") und lamentiert vor sich hin. Das ist sehr eingängig arrangiert und erhält unerwartete Tiefe durch einen für mich von Ennio Morricone entliehenden Frauenchorus (Thema der Claudia Cardinale in "Spiel mir das Lied vom Tod"). Zum Ende steigert sich die Intensität des Songs sowohl textlich als auch musikalisch. Die letzten ungläubig und anklagend zugleich intonierten Zeilen find ich so Klasse, dass ich sie hier mal komplett zitieren möchte:
"Das ist mir bisher noch nie passiert Sonst war immer ich der Typ, auf den gewartet wird Der mit nem kessen Spruch und mit entwaffnendem Blick morgens an der Tür stand von ner schnellen Jagd zurück... Und der einfach sagt: War doch nur ne Nacht... Bin wieder da! Alles klar?"
5. Bist Du vom KGB ... ? ~ 3:46 min
Und schon wieder ein Hit. Kein Wunder, klingt es musikalisch doch sehr nach Pet Shop Boys, meiner Lieblingspopband. Möglicherweise hatten die sogar ihre Hände mit im Spiel, denn die Schritte zu Beginn, wie bei deren Hit "West End Girls" können doch kein Zufall sein, oder? Casanova Udo liebt eine geheimnisvolle Frau und fragt sich bzw. sie: "Bist du vom KGB - oder vom MAD - oder vom CIA? - Man weiss es nicht genau - geheimnisvolle Frau - weil du so cool bist". Cool ist auch der richtige Ausdruck für dieses Lied, an dessen Ende Udo noch ein paar unsinnige, aber lustige Abkürzungen rapt ("Vielleicht bin ich vom TIA oder DLLRG, DGB, MIS, CIA FBI...")
6. Wenn Du mein Kind wärst ~ 4:29 min
Für mich eine der schönsten Balladen vom Meister, die später auf dem Album "Belcanto" mit leicht geänderten Lyrics und Orchester-Begleitung zur vollen Reife und Schönheit gedieh. Anrührend und zu Herzen gehend, wie Udo (s)eine Gefährtin mit einem Kind, einer Schwester und seiner Mutter vergleicht und zum Schluß kommt: "Du bist das alles alles für mich - und darum sag ich: Ohne dich könnt ich zwar leben - aber nicht so richtig... " Sparsam instrumentalisiert mit einer wunderschönen Solo-Violine. Gänsehautfeeling garantiert!
7. Frauen ~ 5:06 min
Orientalisch angehaucht mit ethnischen Melodien gleich zu Beginn werden die Vorzüge des weiblichen Geschlechts besungen und bedauernd festgestellt: "FRAUEN - denkt ein jeder Mann - SCHADE- dass man sie nicht alle lieben kann". Englisch gerapt wird auch wieder. Abgesehen von den exotischen Klängen eine für mich eher durchschnittliche Nummer, aber sehr tanzbar und eingängig. Inhaltlich passt das Lied perfekt zu "Casanova" und bereichert ja durchaus auch das Klangspektrum des Albums.
8. Vopo ~ 3:27 min
Ein schon Anfang der 80er geschriebener Song, der hier das erste Mal als Studiotrack veröffentlicht wurde. Erst darf Udo getragen (mit rollendem Rrrr) und nahezu unplugged seine homoerotischen Fantasien auf einen ostdeutschen Grenzsoldaten artikulieren (Die Bezeichnung VoPo = Volkspolizist passt da zwar nicht wirklich, aber reimt sich natürlich herrlich auf Popo - lol), danach rockt Nina Hagen denselben Text zu kreischenden Gitarren und schnellen Drums. Ein echter Höhepunkt der Platte. Übrigens Udo mit nahezu prophetische Gabe sagt den Fall der Mauer quasi voraus: "Ich stell mir vor, dass er die Knarre runterreißt und in den Gulli schmeißt ..." Eine wahre Perle lindenberg'schen Musikschaffens!
9. Goodbye Sailor ~ 5:07 min
Und kurz vor Schluss die vierte Ballade des Albums, die wiedermal den Abschied zum Thema hat. Diesmal nicht am Airport, sondern an der Waterkant, was auch mit Akkordeonklängen und Meeresrauschen musikalisch eindeutig unterstrichen wird. Nichts umwerfend Neues, aber in schon fast gewohnter Ohrwurmqualität wird es sentimental: "Jetzt stehn wir hier - schwer bemüht, dass der andere keine Träne sieht - Doch weisst du, was das Grösste ist, - Dass du echt mein bester Freund geworden bist!" Der spürbar schnellere Rhythmus lässt trotz Schmuse-Appeal keinen Engtanz zu, sondern eher einen flotten Foxtrott.
10. Es war einmal eine Liebe ~ 3:08 min
Reprise zum Titel "Eifersucht". Textlos, aber trotzdem aufwühlend: Lateinamerikanische Blechbläserklänge und der Ennio Morricone bestens zu Gesicht stehende Frauenstimmen-Chorus auf einem Synthesizer-Klangteppich. Ein Soundtrack par excellence, aber meines Wissens noch nie verwendet. Zu unrecht, denn das Stück ist einfach genial!
Fazit
Das Album Casanova wurde Lindenberg-untypisch komplett in London eingespielt und verzichtet ebenfalls eher untypisch größtenteils auf Rock zugunsten von Balladen und leicht schlüpfrigen Einlagen. Synthesizer und englische Raps findet man sonst ebenfalls eher selten bei Udo. Mit knapp 47 Minuten Spielzeit fällt dieses Album nicht gerad episch aus. Das muss es aber auch gar nicht, denn so wie es konzipiert ist, schleicht es sich wunderbar eingängig, um nicht zu sagen poppig, in die Gehörgänge. Nahezu jedes einzelne Lied hat einen sehr hohen Wiedererkennungsfaktor und wird mir zumindest auch beim x-ten Hören nicht überdrüssig. Ein Album ohne echte Niete, dafür mit vielen Top-Nummern!
Pro: z.T. schöne Balladen Kontra: mehr für Fans, als für durchschnittliche Hörer
...Frauen jeglicher Couleur und Herkunft. Casanova wäre stolz gewesen auf die Leistungen die Udo hier besingt.
Meine Wertung: 7/10
Wenn man sich Nina Hagen zur Unterstützung holt, kann man sich eigentlich schon vorstellen was geschieht. Entstanden ist der Song „VoPo“ schon 1983 und darum ist natürlich das Thema DDR allgegenwärtig. Eigentlich sind es zwei Songs in einem. Zuerst singt Udo den Test langsam und dann rockt es Nina noch einmal wobei sie ... ...einen Song über das Ende der DDR interpretieren ist zwar das kürzeste aber auch mit das Beste was man auf dieser Scheibe geboten bekommt.
Meine Wertung: 9/10
Leichte Akkordeonklänge begrüßen den Hörer in „Goodbye Sailor“. Ähnlich wie bei Airport geht es natürlich auch hier um Abschied. Diesmal ist es allerdings Udo der geht. Musikalisch macht er hier auch keine Experimente. Der altgewohnte Balladensound geht wie immer sofort ins Ohr.
Meine Wertung: ...
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Pro: Eine Handvoll wunderbarer Songs Kontra: Eine Handvoll sagen wir mal "seltsamer" Songs
...Casanova musste schon für ein Album von UdoLindenberg hinhalten. Warum zum Teufel dann also noch eins? Ausgelutschter Titel, betörender Inhalt. "The Divine Comedy" waren 1996 noch so etwas wie eine klassische Band mit Line-Up. Aber Singer/Songwriter Neil Hannon gab schon den Ton an. Gottlob.
01: Something For The Weekend
Der perfekte Einstieg für ein heißes Wochenende voller Party-Stimmung und dem Kennenlern-Feeling, das wir alle lieben.
Die Orgel gibt den Ton an, das treibende Hintergrundgetrommle hätte auch zum "Bolero" von Ravel gepasst. Und der Chor gibt uns den Rest. Der Text wird wunderbarst vorgetragen von einem gediegen-ironischen Hannon. Sixties - powered by the 90s. Mitten im Brit-Pop-Wahn so ein Retro-Stück. Wäre heute wieder modern, irgendwie. Klassiker.
02: Becoming More Like Alfie
Der gemeinte Alfie ist...
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