Casio Privia PX-200

Casio Privia PX-200

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Casio Privia PX-200 Digitalpiano, 88 Tasten mit Skalierter Hammermechanik, 162 Sounds, 20 Piano Styles, 128 stimmig polyphone, Hall, Chorus, DSP, Metronom, 60 interne Songs, 2 Spur...
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(+) Guter - über Kopfhörer exzellenter - Flügelklang, MIDI, Halbpedalfunktion, Tastaturabdeckung
(-) Einstellungen teilweise kaum ohne Handbuch mgl., Design etwas langweilig, Tasten nicht sehr schwer

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Starkes Einsteigergerät mit gefälligem Design
Erfahrungsbericht von dannythefool über Casio Privia PX-200
08.09.2008


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Guter Klang, gutes Spielgefühl, gutes Aussehen, USB, große Klangvielfalt
Kontra: manche Einstellungen etwas kompliziert zu erreichen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Meine Frau und ich haben eine kleine Sammlung von Musikinstrumenten, die wir alle nicht übermäßig gut spielen können. Speziell von der Geige wurde mir sogar ein dauerhaft aufrechtzuerhaltender Abstand verordnet, obwohl man damit doch so schön schräges Jaulen und so wunderbares Knarren erzeugen kann. Eine Gitarre, verschiedene Flöten und einige Mundharmonikas sind auch vorhanden. Der Kenner sieht auf den ersten Blick: Alle diese Instrumente sind in erster Linie laut. Das kann Gift für eine gute nachbarschaftliche Freundschaft sein; in unserem Fall kennen wir eigentlich keinen der Nachbarn persönlich, so dass wir noch mehr aufpassen müssen. Es musste also ein stilles Instrument her. Nur welches?

Wir sind zwar beide nicht besonders musikalisch, aber hatten beide als Kinder Unterricht auf einem Instrument (neben dem obligatorischen Flötespielen in der Schule). Meine Frau hatte Gitarrenstunden, ich selbst Keyboard. Ah! Eine Gitarre hatten wir, aber ein Keyboard nicht. Der Haken an der Sache: Mir hat das unausdrucksvolle Spiel auf den damaligen Keyboards nie gefallen und eigentlich wollte ich immer eh ein Klavier und kein Keyboard. Ein akustisches Klavier kam aber nie in Frage (siehe oben unter "laut"), und digitale Pianos waren nie gut und/oder bezahlbar. Vor etwa zwei Monaten hat mich nun mal wieder die Sehnsucht nach einem Klavier gepackt, und im Musikgeschäft haben wir festgestellt: Wow, die E-Pianos kann man ja jetzt schon fast benutzen! Kurz gesagt: Wir haben festgestellt, dass die Digitalpianos der Einsteigerklasse schon passabel klingen und nicht mehr besonders teuer sind. Entschieden haben wir uns dann nach einigem Überlegen und Ausprobieren für das Casio Privia PX-200.

Grundsätzliches

Man unterscheidet bei Digitalpianos zwischen den sogenannten Home Pianos, die vom Aussehen her an ein akustisches Klavier erinnern, allerdings weniger Raum benötigen und den Stage Pianos, die in einem kompakten Keyboard-ähnlichen Gehäuse untergebracht sind. Bei dem hier beschriebenen Piano handelt es sich um ein Stage-Piano. Im Unterschied zu einem Keyboard verfügt es über die vollen 88 Tasten eines Klaviers, deren Betätigung eine skalierte Hammermechanik auslöst. In diesem Satz sind gleich einige weitere Unterschiede implizit enthalten: Zum einen ist ein Klavier mit 88 normalgroßen Tasten ein gutes Stück breiter als typische Keyboards, die oft über 61 oder weniger Tasten verfügen oder auch etwas kleinere Tasten haben als ein Klavier. Zum anderen kann durch die Hammermechanik das Spielgefühl eines Klaviers angenähert werden. Im Gegensatz dazu finden sich in günstigen Keyboards üblicherweise Tasten, die einen Ton entweder ein- oder ausschalten können, jedoch nicht mit der Anschlagstärke die Lautstärke und die Brillianz variieren. Nicht ganz billige Keyboards verfügen über Tastaturen, die zwar über die Anschlagsstärke etwas Dynamik ermöglichen, allerdings bei der Mechanik nur relativ simple Federn einsetzen. Um Mistverständnisse gleich zu vermeiden: Das ist nicht per se schlecht, ein Keyboarder kauft ja durchaus mit Absicht ein anderes Instrument als ein Pianist. Immerhin haben wir erst einmal geklärt, um was für ein Gerät es sich hier überhaupt handelt.

Das PX-200 wurde im Frühjahr 2007 auf einem Preisniveau von etwa 750 Euro eingeführt und ist derzeit für knappe 600 Euro auf dem Markt erhältlich. Damit ist es ganz klar den Einsteiger-Digitalpianos zuzuordnen. Sehr viel billiger geht kaum, wenn man nicht deutliche Abstriche bei Klang und Qualität machen möchte. Viele Händler haben übrigens nicht den Preis des Pianos gesenkt, sondern sind dazu übergegangen, Zubehör beizulegen. Wir haben unser Gerät bei Thomann als Set zum Preis von 749 Euro erworben. Neben dem eigentlichen Piano waren ein passender Ständer (Casio CS-66P; sehr solide, keiner von den klappbaren) sowie ein Kopfhörer enthalten. Zusätzlich haben wir die Pedalleiste SP-30, ebenfalls von Casio, erworben, die fest in den Ständer montiert wird und deren drei Pedale dann über ein Kabel am Piano angeschlossen werden. Dem Piano liegt ein einzelnes Pedal bei; der Kauf der Pedalleiste ist also nicht notwendig, wenn nur ein Sustain-Pedal benötigt wird. Wir haben uns hauptsächlich aus ästhetischen Gründen für die Leiste entschieden: Wir erinnern uns, ich hatte nur Keyboard-Unterricht, Keyboards haben sowieso keine Pedale.

Neben dem Sustainpedal ist natürlich auch ein Netzteil enthalten. Weiteres Zubehör sind ein Notenständer, der auf das Piano aufgesteckt wird, sowie die Benutzungsanleitung und ein Notenheft. Das Notenheft enthält die Noten für die 60 ab Werk einprogrammierten Songs und ist daher für etwas, das sich Heft nennt, recht dick.

Für uns wichtig war der geringe Platzbedarf des Klaviers: In die Tiefe haben wir nicht viel Raum. Das Privia PX-200 ist knapp 28 cm tief und damit relativ kompakt. Die Breite beträgt etwas mehr als 130 cm, wenig überraschend, das ist eigentlich bei allen Klavieren ähnlich, schließlich sind Größe und Anzahl der Tasten ja festgelegt. Das Piano selbst ist etwa 13 cm hoch. Das ist relativ durchschnittlich für ein Digitalpiano. Wer bisher nur Keyboards kennt, wird allerdings eventuell an 10 cm weniger gewöhnt sein. Eingebaut in den Ständer wird das Klavier weder nennenswert breiter noch tiefer. Die Höhe ist im Ständer so, dass man bequem auf einem Stuhl oder einem Klavierhocker davor sitzen kann.

Benutzungsanleitung

Die Benutzungsanleitung ist im Vergleich zum Notenheft schon eher ein Heft. Sie liegt in verschiedenen Sprachausführungen, aufgeteilt auf vier einzelne Hefte, vor. Dass sie nicht besonders dick ist, soll aber keine Kritik sein. Die Anleitung ist verständlich geschrieben, leicht zu lesen und enthält alles wichtige. Da es sich hier um ein Klavier handelt und nicht um ein effektüberladenes Keyboard, das im Standardmodus nur 0.5% seines Potentials ankratzt, kann man das Gerät aber auch einfach einschalten und (nach kurzer Wartezeit) drauflosspielen. Voreingestellt ist einer der Klavier-Sounds mit leichtem Hall. Meine Frau spielt meistens in dieser Einstellung und hat glaube ich nur flüchtig mal einen Blick in die Anleitung geworfen.

Die Anleitung enthält neben den Beschreibungen der einzelnen Features auch noch eine Tabelle mit den vorprogrammierten Liedern (60 verschiedene) sowie eine Aufstellung der wählbaren Instrumente (mehr als 150, inklusive Schlagzeug). Zu den Instrumenten schreibe ich später noch mehr.

Aufbau

Für Interessenten, die nur das Klavier ohne Zubehör im Auge haben, gibt es hier recht wenig zu sagen. Das Piano ist nach dem Auspacken sofort spielbereit. Wer mag, kann den Notenständer einfach oben auf das Piano aufstecken oder das Sustainpedal anschließen, beide Schritte sind aber nicht notwendig.

Soll das Gerät in dem oben erwähnten CS-66P-Ständer montiert werden, müssen zunächst die Seitenteile abgeschraubt werden. Dafür müssen auf jeder Seite zwei Schrauben gelöst werden. Die Montage in den Ständer gestaltet sich recht unspektakulär, ich möchte lediglich warnen, dass das Gerät fest eingebaut wird und sich nach der Montage nicht so ohne weiteres herausheben lässt. Um das Klavier später wieder aus dem Ständer zu entfernen, muss mindestens eine Seitenwand vom Ständer abmontiert werden. Das ist nichts schlimmes, aber vielleicht gut zu wissen.

Die erwähnte Pedalleiste lässt sich nur zusammen mit dem Ständer einsetzen, ist also nicht freistehend. Der Ständer kann allerdings ohne die Pedalleiste benutzt werden. Wer sich für die Leiste entscheidet, muss im wesentlichen ein paar Schrauben mehr anziehen und zwei Kabelführungsclips ankleben. Die Leiste kann auch unabhängig vom Rest montiert werden, d.h. zur Montage der Leiste zu einem späteren Zeitpunkt ist keine komplette Demontage des Ständers erforderlich. Lediglich eine Handvoll Schrauben an den Füßen des Ständers müssen gelockert werden. Man kann sie also auch durchaus später nachkaufen.

Da wir alle drei Teile hatten, hatte ich dagegen das volle Programm auf einmal. Der Aufbau gestaltet sich relativ geradlinig; wer schon einmal bei IKEA Möbel gekauft hat, hat hier keine Probleme. Für mich neu war, dass Teile der Styropor-Puffer aus der Verpackung des Ständers zum Aufbau desselben eingesetzt wurden. Zu diesem Zweck sind auf den entsprechenden Teilen Markierungen, an denen das Styropor zu brechen ist, angebracht. Aus Versehen schonmal wegwerfen kann man die entsprechenden Teile kaum, da eine in großen Lettern gedruckte Warnung auf ihnen angebracht ist. Auch wenn sie auf anderem Wege verloren gehen sollten, ist das kein Beinbruch. Das Styropor wird zum Abstützen der Konstruktion eingesetzt, solange sie während dem Aufbau auf dem Boden liegt; da findet sich mit Sicherheit im Notfall auch Ersatz. Insgesamt habe ich etwa eine Dreiviertelstunde benötigt, allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt auch keine Hilfe. Es gab keine Unfälle und alles hat auf Anhieb geklappt.

Aussehen

Das Aussehen des Pianos würde ich als eher modern bezeichnen. Die Grundfarbe ist Stahlgrau, der obere hintere Teil mit den Lautsprechern ist mit einem etwas dunkleren grauen Stoff bezogen. Oberhalb der Tastatur befindet sich eine Holzimitatapplikation, die auch die Schalter und das LED-Display beherbergt.

Im Vergleich mit anderen Stagepianos sieht dieses Piano meiner Meinung nach noch vergleichsweise gut aus und lässt sich, vor allem in dem erwähnten Ständer, durchaus auch als ästhetisch zumindest nicht störendes Möbelstück aufstellen. Wer sich schonmal umgeschaut hat: Stagepianos kommen auch gern mal komplett in Schwarz daher, oder sehen gerne mal aus wie ein überdimensioniertes Keyboard. Dieses hier nicht. Trotz LED-Display und den ganzen Schaltern sieht es nicht auffällig technisch aus.

Der Vergleich mit Home-Pianos sieht freilich anders aus. Man sieht dem Privia PX-200 zwar auf den ersten Blick an, dass es sich um ein Klavier handelt - von klassischer Klavier-Optik kann aber nicht die Rede sein. Mit dem Ständer stellt das Aussehen des Klaviers meiner Meinung nach einen guten Mittelweg dar: Es sieht zwar wie ein Klavier aus, d.h. es hat ungefähr das Ausmaß einer Kommode, hat die richtigen Tasten an den richtigen Stellen und die richtigen Pedale am richtigen Ort. Auf der anderen Seite ist es aber kein massiver Holzkasten, sondern eher recht schlank. In unsere Wohnung (moderner Chaosstil mit klaren Linien und viel Unordnung) passt es besser als ein Klavier im klassischen Look, aber das ist natürlich Geschmackssache. Homepianos sind übrigens normalerweise auch deutlich schlanker als ein akustisches Klavier, der massive Look eines echten Klaviers ist also mit einem solchen in der Regel auch nicht drin.

Meiner Meinung nach wichtigster Unterschied zu einem Home-Piano: Es gibt keine Tastenabdeckung; wer die Tastatur abdecken will, muss ein Tuch drüber legen. Viele Home-Pianos haben dagegen analog zum Vorbild Klappen oder andere Vorrichtungen, die sich über der Tastatur schließen lassen und somit den Staub draußen (und die Katze fern der Tasten) halten.

Klavierspiel

Das Gerät wird über einen Schalter an der Seite eingeschaltet. Nach kurzer Wartezeit, auf die über das eingebaute LED-Display auch hingewiesen wird, ist es spielbereit. Nach jedem Einschaltvorgang setzt das Piano seine Einstellung auf den werkseitigen Default zurück: Die erste Klavierstimme als Instrument, etwas Hall, keine weiteren Effekte. (Die Lautstärke wird mit einem Drehregler eingestellt und natürlich nicht zurückgesetzt, wie praktisch.)

Das Spielgefühl kann ich nicht direkt mit einem akustischen Klavier oder Flügel vergleichen, dazu habe ich mit diesen Instrumenten einfach zuwenig Erfahrung. Meiner Meinung nach kommen die Tasten des PX-200 schon recht nahe ran. Jemand, der regelmäßig auf einem großen Flügel spielt, mag hierzu eine andere Meinung haben. Sojemand hat dann vielleicht aber auch ein Budget, das nicht bei 750 Euro aufhört. Man darf auch nicht vergessen, und das ist auch der Grund aus dem ich das Spielgefühl nicht gut vergleichen kann, dass es auch bei akustischen Klavieren durchaus größere Unterscheide bei den Tastaturen gibt. Im Vergleich mit akustischen Klavieren sind die Tasten des PX-200 mittelschwer gewichtet. Insgesamt ist mein Eindruck gut. Die Tasten wackeln nicht und das Piano reagiert schnell und genau.

Einen einzigen leichten Minuspunkt gibt es für die Tasten: Andere Digitalpianos haben durchaus leisere Tastaturen. Beim PX-200 ist jeder Anschlag mit einem deutlichen Klacken hörbar. Das möchte ich aber auch gleich wieder relativieren: In der Praxis ist bei uns das Klavier entweder laut genug um das Klacken zu übertönen - dazu braucht es nicht viel - oder wir setzen Kopfhörer ein, durch die es sowieso vollkommen unhörbar wird. Wenn ich direkt neben dem Klavier arbeite und meine Frau mit Kopfhörern spielt, ist das Geräusch leise genug um nicht zu stören. Zusammengefasst: Andere Digitalpianos sind hier leiser, aber ich habe auch schon akustische Klaviere gehört, die lauter waren.

Zum Klang. Vorneweg: Wer einen Konzertflügel erwartet, wird leicht enttäuscht sein. Für alle anderen bietet das Privia PX-200 jedoch einen guten, klavierigen Klang, auch bei dynamischem Spiel. Wichtig ist hier zum Beispiel, dass die angeschlagenen Noten bei kräftigem Spiel auch brillianter erklingen. Die Zeiten, in denen Digitalpianos hier nur und alleine die Lautstärke variiert haben, sind offenbar vorbei. Die ersten drei der einstellbaren Instrumente sind Flügel-Klänge und heißen entsprechend "Grand Piano 1" bis "Grand Piano 3". Diese drei Instrumente sind in relativ hoher Qualität aufgenommen worden; unter anderem wurde für jede Note der entsprechende Ton des Referenzgerätes aufgenommen. Zum Vergleich: Viele billige Keyboards haben einen oder nur eine Handvoll Aufnahmen für jedes Instrument, diese Aufnahmen werden dann in der Tonhöhe verzerrt wiedergegeben. Die drei Klavierstimmen des PX-200 geben den Klang eines Klaviers wesentlich besser wieder. Die drei Flügel unterscheiden sich auch durchaus nennenswert: Das Grand Piano 1 bietet einen ausgewogenen Klavier-Sound, das Grand Piano 2 klingt etwas gedämpfter, das Grand Piano 3 dagegen etwas brillianter und lebendiger.

Wichtig ist hier noch, dass das Gerät zwei kleine 8-Watt-Lautsprecher eingebaut hat. Während es also bei normalem Spiel zuhause durchaus gut klingt, wird es nicht laut genug, um in einer großen Halle gegen die Umgebungslautstärke anzukämpfen. Das ist keine Kritik, sondern genau was ich erwarten würde, ich fand es nur erwähnenswert. Vor Publikum empfiehlt sich der Anschluss eines Verstärkers, den hierzu notwendigen Line-Ausgang bringt das Klavier mit. Falls sich hier PC-Aktivboxen-Geschädigte in der Leserschaft befinden: Die eingebauten Lautsprecher sind durchaus in Ordnung, der Klang ist recht gut, keine Angst.

Instrumente und Effekte

Wenn es sich bei dem Privia PX-200 um ein akustisches Klavier handeln würde, wäre dieser Bericht hier schon fast zuende. Digitalpianos bringen dagegen üblicherweise zumindest noch einen Hall-Effekt mit. Ein Stagepiano, wie auch dieses Gerät eines ist, bringt darüber hinaus noch einige weitere Effekte und auch andere, völlig unklavierige Instrumente mit. Die Verwandtschaft zum Keyboard ist kaum verkennbar.

Um mit den Instrumenten anzufangen: Neben den oben bereits erwähnten drei Klavier-Klängen sind auf jeweils eigenen Tasten noch weitere, in ähnlich guter Qualität aufgenommene Instrumente vorhanden. Die nächsten drei Tasten enthalten beispielsweise drei E-Piano-Klänge, auch ein Cembalo ("harpsichord"), eine Orgel ("pipe organ") und ein Vibraphon (vergleichbar mit Marimba oder Xylophon) sind enthalten. Hier sind auch schon Instrumente enthalten, die nicht dynamisch gespielt werden können. Das geht im Original weder mit einer Orgel noch mit einem Cembalo, dementsprechend auch nicht in der Simulation. Das ist nur fair.

Neben den wenigen Instrumenten, die über eigene Tasten erreichbar sind, gibt es noch eine weitere Taste für alle anderen Instrumente zusammen. Und "alle anderen" meint hier durchaus nicht nur eine Hand voll: Es sind noch etwa 150. Eingestellt werden diese Instrumente, indem man die Taste gedrückt hält und die Nummer des Instrumentes über eine Aufwärts- und eine Abwärts-Taste einstellt. Klingt jetzt ärgerlich, geht aber dann doch recht flott. Diese zusätzlichen Instrumente unterscheiden sich in ihrer Qualität recht deutlich. Instrument Nummer 7 ist beispielsweise ein verstimmtes Klavier; wer in den alten Western-Filmen bei den Saloon-Szenen aufgepasst hat, weiß genau, was ich meine. Dieses Instrument gefällt mir sehr gut und eignet sich für bestimmte Musikarten vorzüglich. Instrument Nummer 12 ist eine weitere Orgel, die etwas voller klingt als das "pipe organ" auf seiner eigenen Taste. Die große Mehrheit der zusätzlichen Instrumente ist jedoch entweder nicht besonders interessant, nicht dynamisch, oder nur als einzelnes Sample vorhanden das dann in der Tonhöhe verzerrt wird. Manche sind auch einfach nur albern, so gibt es beispielsweise eine Stimme die "dü" singt. Von manchen hätte ich mir eine bessere Qualität gewünscht, beispielsweise von der Overdrive-Gitarre. Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu negativ: Natürlich gibt es auch noch einige Perlen, die ich nicht eigens erwähnt habe. Letztendlich ist das alles ohnehin als Dreingabe zu sehen: Bei Digitalpianos ist eine große Instrumentenauswahl nicht üblich. Abziehen würde ich für die schlechteren dieser Instrumente keine Punkte; als Klavier klingt das Gerät ja prima, ich freue mich abundzu über eins der Zusatzinstrumente, wer sie nicht braucht wird aber auch nicht gestört.

Der Spieler muss sich übrigens nicht für ein Instrument entscheiden. Es ist auch möglich, bei jedem Anschlag zwei verschiedene Instrumente erklingen zu lassen. Dazu müssen die entsprechenden Tasten gleichzeitig betätigt werden. Dadurch wird es allerdings unmöglich, zwei der Zusatzinstrumente auf der letzten Taste gleichzeitig zu spielen; eines der beiden Instrumente muss immer eines der Hauptinstrumente mit eigener Taste sein. Es ist ebenfalls möglich, zwei Hauptinstrumente zusammen zu spielen.

Bei den Effekten hat das Klavier ebenfalls etwas zu bieten. Hall ist bei Digitalpianos fast immer vorhanden.
Bei diesem Gerät kann die Stärke des Effekts in vier Stufen variiert werden. Das ist ausreichend. Voreingestellt ist Stufe 2 ("kleiner Saal"). Direkt neben dem Hall-Knopf ist der Chor-Knopf. Der Chor-Effekt lässt sich ebenfalls in vier verschiedenen Variationen betreiben. Der dritte Knopf in der Reihe steuert die Brillianz und erlaubt es, den Klang wieder in vier Stufen etwas brillianter zu gestalten. Es existieren auch noch weitere Zusatzeffekte, die sich nicht direkt über eine eigene Taste aktivieren lassen. Für ein Piano ist das recht flexibel, wer Keyboards gewöhnt ist, wird aber Abstriche machen müssen.

Begleitung

Wer sich beim Klavierspiel gerne selbst begleitet, ist bei diesem Piano nicht auf mehrstimmiges Spiel mit einem einzigen Instrument beschränkt. Zum einen ist es möglich, die Tastatur in zwei Teile aufzuteilen und jedem Teil einen eigenen Klang zuzuweisen. Wo diese Aufteilung stattfindet ist hierbei frei wählbar.

Zum anderen verfügt das Piano über einen Begleitmodus. Dieser ist etwas komplexer. Es gibt die Möglichkeit, das Piano einfach nur einen vorprogrammierten Schlagzeugrhythmus abspielen zu lassen. Dabei können auch verschiedene Auftakte und Fill-ins auf Tastendruck ausgelöst werden. So flexibel wie bei einem guten Keyboard ist das ganze natürlich nicht, aber ansonsten gar nicht schlecht. Wer möchte, kann auch eines der 60 einprogrammierten Lieder spielen und die zweite Stimme dabei vom Piano übernehmen lassen.

Als dritte Möglichkeit, die Begleitautomatik zu betreiben, existiert der Akkord-Modus. Hierbei wird alles vom Spieler selbst gespielt, das Piano unterstützt jedoch beim Spiel der Akkorde. Ich persönlich lasse hier lieber die Finger davon und schlage die Akkorde wie bei einem akustischen Klavier an, das heißt, indem ich alle beteiligten Tasten drückte. Für fingerfaule Spieler oder Leute, die aus einem Orgel-Notenheft spielen oder andere Noten mit nur durch ihre Namen dargestellten Akkorden haben, bietet das PX-200 aber mit der Akkordautomatik auch die Möglichkeit, die Akkorde mit vereinfachten Fingersätzen auszulösen. Diese Automatik kann wieder in verschiedenen Modi betrieben werden. Der einfachste Modus ist der "Casio Chord"-Modus, bei dem durch Drücken einer Taste der entsprechende Dur-Akkord gespielt wird, durch Drücken von zwei direkt nebeneinander liegenden Tasten der entsprechende Moll-Akkord, und so weiter. Es gibt auch den "Fingered"-Modus, bei dem die Akkorde mit den normalen Fingersätzen gespielt werden, das Klavier achtet allerdings beim Spiel darauf dass diese Kombinationen auf der Begleitseite der Tastatur erkannt werden und als Akkorde gespielt werden, auch wenn die Tasten nicht exakt gleichzeitig getroffen werden. Apropos Begleitseite: Die Aufteilung der Tastatur ist wie beim Spiel mit zwei verschiedenen Instrumenten auch frei wählbar. Der dritte Modus ist der "Full Range Chord"-Modus, bei dem das Klavier über die gesammte Breite der Tastatur versucht, die Akkorde zu erkennen.

Wem das jetzt alles zu kompliziert klingt: Keine Angst, man kann wie gesagt auch einfach die Begleitautomatik aus lassen und ganz normal wie bei einem akustischen Klavier die Akkorde spielen. Wenn man es kann ;-)

Weitere Spielhilfen

Das Piano verfügt über einen Metronom, der in frei wählbarer Geschwindigkeit wahlweise durch Blinken oder Klicken den Takt signalisiert.

Darüber hinaus gibt es nicht mehr viel Unterstützung. Andere Pianos aus der Privia-Serie können zum Teil über das Display Hilfestellung geben und Feedback, ob die Tasten richtig getroffen wurden; dieses hier nicht.

Weitere Features

Für mich ganz wichtig war die MIDI-Schnittstelle. Ich bin nunmal so ein Computermensch. Auch bin ich mit dem Atari ST großgeworden, wer sich nicht erinnert: Die Atari-Rechner hatten damals alle standardmäßig MIDI-Schnittstellen. Über die MIDI-Schnittstelle kann das Klavier an einen Computer angeschlossen werden. Damit stehen alle Funktionen zur Verfügung, die man so von einem MIDI-Instrument erwartet: Geeignete Software vorausgesetzt, kann das eigene Klavierspiel im MIDI-Format aufgenommen werden, oder aber das Klavier kann als Ausgabegerät für MIDI-Aufnahmen eingesetzt werden.

Ein großer Pluspunkt für das PX-200 ist der ebenfalls enthaltene USB-Anschluss. Über diesen kann das Piano auch an Rechner angeschlossen werden, die keine MIDI-Schnittstelle haben, und dann mittels einem für Windows mitgelieferten USB-MIDI-Treiber auf die selbe Weise angesteuert werden. Somit entfällt der Kauf einer MIDI-Karte oder eines USB-MIDI-Adapters, das Piano kann sofort an irgendeinen Rechner angeschlossen werden.

Beim USB-Anschluss gibt's allerdings auch gleich einen Minuspunkt: Es ist nur ein Treiber für Windows enthalten. Für Mac-User gibt es von Casio nichts offizielles. Allerdings existiert ein Open-Source-Treiber für Mac OS X, einfach unter dem Suchwort "casiousbmididriver" mit den gängigen Suchmaschinen zu finden. Wir setzen diesen Treiber ein und bisher sind auch keine Probleme aufgetreten. Lediglich nach dem Beenden einer MIDI-Anwendung hakt das Spiel manchmal etwas, als ob das Klavier vergeblich auf eine Rückmeldung warten würde. Kein Problem: Stecker raus oder Rechner aus. Ob der Windows-Treiber das gleiche Problem aufweist, kann ich leider nicht sagen, nachdem der Mac-Treiber funktioniert habe ich den Windows-PC dann doch in der Abstellkammer gelassen.

Weit weniger wichtig, um nicht zu sagen gänzlich unwichtig, war mir der SD-Karten-Slot. Dieser ermöglicht das Aufnehmen des eigenen Spiels auch ohne PC auf einer SD-Karte. Allerdings verfügt das Klavier auch ohne eingesetzte SD-Karte schon über etwas Speicher für eigene Aufnahmen (für eine begrenzte niedrige Anzahl von Stücken).

Technobabble

Im bisherigen Verlauf des Textes konnte ich ein paar Zahlen noch nicht unauffällig einbauen. Eine davon ist die 128-stimmige Polyphoniefähigkeit des PX-200. Das bedeutet, dass das Klavier 128 Töne gleichzeitig machen kann. Wer das Konzept "Töne machen" bisher nur von Babies kennt, wird jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fragen, wofür das denn notwendig sein soll. Das kann aber recht schnell gehen: Spielt man mit Stereo-Instrumenten, sind es schonmal nur noch halbsoviele. Legt man zwei Instrumente übereinander halbiert die Zahl sich ebenfalls. Und wenn man das Sustainpedal mag, stößt man mit allen Digitalpianos schnell an die Grenze der Polyphonie. Im Vergleich mit anderen Geräten muss sich das PX-200 aber nicht verstecken, 128 ist eine ganz gute Zahl und sollte für die meisten Anwendungen reichen. Im Vergleich mit Geräten in der selben Preisklasse sind 128 Stimmen sogar ziemlich gut; viele ähnliche Geräte verfügen nur über 64 oder 32 Stimmen.

Weitere Zahlen, teilweise schon angedeutet: 88 Tasten, 162 Sounds, 60 einprogrammierte Songs, zwei 8W-Lautsprecher. Oh, und der eingebaute Recorder ist zweispurig, d.h. man kann sich zunächst beim Spiel einer Stimme aufnehmen und danach separat auf der zweiten Spur die zweite Stimme aufnehmen.

Anschlüsse

Das PX-200 verfügt über einen Line-Ausgang zum Anschluß an einen Verstärker. Zusätzlich können auch über zwei 3.5mm-Klinkenbuchsen Kopfhörer angeschlossen werden; solange ein Kopfhörer eingesteckt ist, sind die internen Lautsprecher nicht aktiv.

Ein MIDI-Eingang und ein MIDI-Ausgang gehören wie oben angedeutet ebenfalls zur Ausstattung, auch ein USB-Anschluss für USB-MIDI ist enthalten. Wichtig: MIDI- und USB-Kabel liegen nicht bei. Bei dem USB-Anschluss handelt es sich um eine große Typ-B-Buchse, wie sie bei vielen größeren USB-Geräten, z.B. Druckern und Scannern, zum Einsatz kommt. Nur falls jemand gleich losrennen will um ein Kabel zu kaufen ;-)

Des weiteren gibt es einen Anschluss für das mit dem Gerät zusammen ausgelieferte Sustainpedal, sowie einen weiteren Anschluss für die oben beschriebene Pedalleiste. Ein Anschluss für das Netzteil ist natürlich auch vorhanden.

Die wichtigeren dieser Anschlüsse, also die, die öfter mit den Händen erreicht werden müssen, befinden sich auf der linken Seite. Ausnahmen bilden die Buchsen für die Pedale, die sich links hinten am Klavier befinden, sowie der USB-Anschluss rechts hinten.

Fazit

Wir haben uns erst nach einigem Überlegen für dieses Gerät entschieden und unsere Erwartungen wurden insgesamt auch eher übertroffen. Somit kann ich eine klare Empfehlung aussprechen. Es handelt sich um ein solide verarbeitetes, nicht zu teures Digitalpiano, das einen ordentlichen Klang und ein gutes Spielgefühl bietet und zudem durch Anschlussvielfalt und viele Einstellungsmöglichkeiten glänzt. Für uns ist es zur Zeit das perfekte Gerät, durchaus auch wegen dem geringen Platzbedarf.

Auf eine Problematik will ich dennoch eingehen: Während meine Frau und ich das Spielgefühl dieses Gerätes mögen, sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Ich habe schon oft Meinungen über Klaviere gehört oder gelesen, bei denen im Wesentlichen als erstes ein schlechtes Spielgefühl angeführt wurde und auf dieser Basis das komplette Instrument schlecht geredet wurde. Ähnliches gilt für den Klang. Ich möchte dringend vorschlagen, ganz allgemein bei Testberichten zu Klavieren, aber auch bei auf anderen Wegen eingeholten Meinungen, Äußerungen zum Klang und zum Spielgefühl erstmal außen vor zu lassen. Es ist unendlich aufschlussreicher, einfach mal im Musikgeschäft verschiedene Klaviere auszuprobieren. Wer weiß, vielleicht ist der ultimative Flügelklang den der Konzertpianist so gelobt hat ja in Wirklichkeit gar nicht das, was man sich vorstellt? Oder vielleicht ist die wunderbar klavierige Tastatur dann doch für den Anfang einen Tick zu schwer zu spielen, weil die Finger einfach nicht stark genug sind? Das gilt natürlich auch für diesen Artikel. In diesem Sinne: Danke für's lesen, ich hoffe es war nützlich, aber auf jeden Fall mal im Musikladen alles ausprobieren. Und dann eine Woche später nochmal probieren: Beim zweiten Mal klingt ein Klavier gerne mal ganz anders als man es eigentlich in der Erinnerung hatte...   


Casio Privia PX-200

Haupteigenschaften

Hersteller: Casio

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