Die "alten" Chicago
12.06.2001
Pro:
Teilweise experimenteller Rock
Kontra:
keines
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Posdole
Über sich:
"Gier!" Mein neuer Kriminalroman, Books on Demand
ISBN 978-3-8448-1556-6, Paperback, 312 ...
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Erfahrungsberichte:1275
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wenn heutzutage überhaupt noch jemand etwas von der Gruppe »Chicago« weiß, dann vermute ich Assoziationen mit seichter, zähflüssiger, honigtriefender Disco-Musik à la »If you leave me now«, Motto: »Hu hu hu hu hu, baby please don't go«. Doch das war nicht immer so. Die ersten fünf Alben der Band – entstanden zwischen 1969 und 1972 – waren der Versuch (ähnlich wie bei »Blood, Sweat and Tears« oder auch »If« und »Traffic«), eine Art Synthese zwischen Rock und Jazz, teilweise auch Anklängen an die Musik von Varèse (so z.B. ein Stück auf »Chicago V« »A hit by Varése«) zu versuchen. Besonders die Alben Chicago I und III, teilweise auch V waren hier gelungene Ansätze. Chicago, ursprünglich »Chicago Transit Authority«, wurden 1968 gegründet. Die Musiker hatten teilweise Musik studiert oder in Jazzorchestern (Woody Hermann, Maynard Ferguson) gespielt. Ihr Produzent war James William Guercio, vormals bei den »Mothers of Invention«. Er holte die Band nach Los Angeles, um sie im »Whisky a Go Go« zweimal die Woche zum Erfolg zu führen. Und der blieb nicht aus, vor allem unter Studierenden. Bis zu 200 Mal spielte die Band auf dem Campus pro Jahr. 1971 war die Carnegie-Hall in New York sechs Tage lang ausverkauft, als »Chicago« live spielte. Dieses Konzert wurde als »Chicago IV« aufgezeichnet auf vier LPs. Ihr Image als University-Band hatte die Gruppe bald weg.
»Chicago« bestand damals aus folgenden Musikern: Robert Lamm (Orgel, Piano, Gesang) Terry Kath (Gitarre, Gesang) Jim Pankow (Posaune) Walter Parazaider (Saxofon, Klarinette) Lee Loughnane (Trompete, Flügelhorn) Daniel Seraphine (Drums) Peter Cetera (Gesang, Bassgitarre) Die erste LP der Gruppe (1969 erschienen) ist noch von relativ langen, zum Teil harten und rhythmusbetonten Rockstücken gekennzeichnet (etwa »Listen« oder »Introduction«), unter die sich aber auch melodisch eingängige Songs (vor allem geschrieben von Robert Lamm) mischten (»Does anybody really know what time it is«). Die Bläser haben auf dieser ersten LP eher eine Art Big-Band-Funktion. Daneben gibt es zumindest zwei Stücke, die als experimentelle Versuche vor allem des hervorragenden Gitarristen Terry Kath anzusehen sind: »Free Form Guitar« (gespielt auf einer Fender Stratocaster) und »Liberation«, einen Live-Mitschnitt. Die Stücke sind bis auf eines ausschließlich von Chicago-Musikern komponiert. Nur »I'm a man« stammt von Steve Winwood (»Spencer Davis Group« und »Traffic«) und J. Miller. Besonders dieses Stück, mit viel Percussion-Soli unterlegt, reißt mit und trug zum Erfolg der Gruppe wesentlich bei.
Besonders diese erste LP der Gruppe war zudem geprägt von den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, z.B. vom Kampf gegen den Rassismus, Vietnam-Krieg usw. So finden sich auf der LP als »Prologue« und »Someday« zwei Stücke, die auf die Proteste gegen den Parteitag der Demokraten am 29.8.1968 Bezug nehmen, Proteste eben gegen Rassismus und Vietnam-Krieg. Zu hören sind in »Prologue« die Rufe schwarzer Militanter »God give us the blood to keep going. Let's go.« Und als die Polizeikräfte versuchten, die Demonstranten auseinanderzutreiben: »The whole world's watching.« Auch »Chicago« trieb – wie viele andere Bands auch – auf der Welle des politischen Protestes mit – bis die Gruppe dann einige Jahre später in seichtere U-Musik abfiel (ab dem sechsten Album 1973). »Chicago« waren zu dieser Zeit eine meiner Lieblingsbands; für den heutigen Geschmack klingen viele Stücke vielleicht etwas holprig und »versuchsweise steckengeblieben«. Das mindert meiner Meinung nach nicht die Bedeutung dieser Band für die weitere Entwicklung der Rockmusik.
Das erste Album gibt es auch als CD und war eine Zeitlang bei »Zweitausendeins« zu erhalten, vielleicht noch heute. Ansonsten kann sie noch über amazon im Internet bezogen werden.
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28.06.2005 19:28
auch ich habe diese band damals gut gefunden und gehört! diesen steinalten bericht von dir fand ich eben zufällig beim googlen - schicke dir gleich ein paar originallinks zu seiten, die was mit "posdole" zu tun haben ...