Vonda Shepards Leben und ihre Songs
05.12.2002
Pro:
Stimme, Songs, Instrumente, Vielfalt, Texte
Kontra:
mit knapp 40 Minuten zu kurz
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 pascalwho
Über sich:
Mitglied seit:28.12.2001
Erfahrungsberichte:38
Vertrauende:14
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 31 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wenn die Songschreiberin Vonda Shepard über ihr Leben singt, dann hat dies wenig mit dem bekannten Tränendrüsenballaden vieler ihrer Kollegen und Kolleginnen gemeinsam. Sie ignoriert Trends und den Mainstream auf gekonnte Weise und schafft in ihren Texten und Melodien deshalb eine Atmosphäre, die Ihresgleichen sucht. Oft wird sie mit Joni Mitchell oder Carly Simon verglichen, was ich für total dämlich halte. Viel eher lassen sich Parallelen zu der Pianistin Carole King in ihrer besten Zeit ziehen. Doch natürlich ist ein eigenwilliger, sehr persönlicher Musikstil in der Branche nicht gerade zum Vorteil, besonders wenn man Erfolg haben möchte. Dies musste Vonda Shepard über eine lange Zeit schmerzlichst erfahren. Bevor ich mich dem neuen Album „Chinatown" zuwende, versuche ich einen Überblick von Vonda Shepards Biografie zu verschaffen - denn diese ist besonders wichtig in Bezug auf ihre Songs.
RÜCKBLICK: Vonda wurde 1963 in New York geboren. Ihr Vater, ein Schauspieler, und ihre Mutter, ein junges Model, verdienten nicht mal genug, um sich einen Kinderwagen für Vonda zu leisten und trugen sie deshalb in einem Pappkarton herum. Schon als Kleinkind war Vondas Liebe zur Musik ungebremst: Sie sang den ganzen Tag, nahm Klavierstunden und wusste genau, dass sie Sängerin und Pianistin werden wollte. Später entdeckte sie auch die Freude an der Poesie und schnell entstanden die ersten Songs daraus. Ihr Vater unterstützte Vonda mit den wenigen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, doch ihre Mutter konnte dies nicht mehr. Sie brannte eines Tages durch und Vonda wuchs ohne ihre Mutter auf. 1987 entdeckte der Sänger Dan Hill die nun erwachsene Vonda und nahm mit ihr das Duett „Can't We Try" auf, welches in den USA ein Top 10 - Hit wurde. Plötzlich standen Vonda Shepard alle Türen offen, sie zog von Los Angeles nach New York und wurde von Warner Music unter Vertrag genommen. 1989 schaffte es Vondas erste eigene Single „Don't Cry Ilene" in die Charts, das Album „Vonda Shepard" folgte wenig später. Dieses Debüt überzeugte vor allem die Kritiker, die damals in Vonda eine „weiße" Whitney Houston sahen, doch leider verkaufte es sich nur sehr schleppend. Im Gegensatz zu Vondas späteren Alben wirkt es noch etwas unausgegoren, da die Songs zwischen souligen Singer/Songwriter-Pop und Mainstream/80s-Pop hin- und hergerissen zu sein scheinen, und Vondas Talent lag offensichtlich in dem ersteren Genre. Das Problem war leider die Plattenfirma, die Vondas Musik möglichst massentauglich vermarkten wollte...
1992 erschien „The Radical Light", ein Album auf dem Vondas Handschrift schon deutlicher zu spüren war. Der erste Song, „Searchin' My Soul" sollte in naher Zukunft noch zum Kultsong werden. Der Titelsong ist eine funkige Nummer, die Vondas Talent als Geschichtenerzählerin erkennen lässt. Der Song „100 Tears Away" hat das Zeug zum Evergreen und zeigt uns Vondas poetische Ader. In diesem Song, aber auch in „Out On The Town", „Clean Rain", „Good To Yourself" und „Cartwheels" singt Vonda über ihr Leben und ihre Sehnsüchte. „Out On The Town" schildert Vondas Leben als erfolglose Musikerin, die mit ihrer Band durch verschiedene Bars tingelt. Während „Clean Rain" und „Good To Yourself" auf einfühlsame Weise Vondas Innenleben schildern, befasst sich „Cartwheels" mit Vondas Mutter: Sie erinnert sich an die schönen Zeiten mit ihr und vergibt ihr trotz allem was geschehen ist... Obwohl Vondas zweite Album eine Steigerung (an Tiefgang und Poesie) darstellt, fielen die Verkaufszahlen noch magerer als beim Debüt aus. Und da Vonda auch noch so „unverschämt" war und mehr Kontrolle über die Produktion und Fertigstellung der Songs verlangte, entschied Warner sich dazu Vonda Shepard zu feuern.
Es brachen harte Jahre für die Musikerin an. Wieder ganz unten, schlug Vonda Shepard sich mit Live-Auftritte in New Yorker Clubs und Bars durch. Oft spielte sie auf ihrem Keyboard für ein Publikum, das glatt in ihr Wohnzimmer gepasst hätte. (Ironischerweise spielte sie manchmal wirklich in Wohnzimmern.) In den 80ern tourte Vonda Shepard mit Jackson Browne, der Vonda 1996 sein Studio zur Verfügung stellte, damit sie ihr neuestes Album für ein Independent-Label aufnehmen konnte. Das fertige Werk heißt „It's Good, Eve" und ist für viele Vondas bestes Album. (In Deutschland erst 2001 erschienen.) Die Website „Home of Rock" schreibt über das Album: >>It's Good Eve, Vonda Shepards 3. CD, ist das Album des Jahrzehnts in der Rubrik "weibliche Interpretin". Es ist in seiner Art perfekt [...]. Vonda Shepard hat Gesang und Piano studiert. Dieses Studium schließt Kompositionslehre mit ein, was deutlich zu hören ist. Und die Stimme! Quart, Quint, Oktave hinauf oder hinunter, für Vonda Shepard scheint dies kein Problem. Und wie das Piano oder auch die Gitarre die Melodien, die Stimme mitspielt, das sucht schon seinesgleichen. Und es ist klar zu hören, dass die Komposition, das führend-begleitende Instrument und der Gesang von Vonda Shepard sind. Erst dies macht eine derart perfekte Musik möglich. [...]Es gibt jede Menge an Feinheiten zu entdecken. Sparsam dosiert, werden Banjo, Violine, Cello, Akkordeon, E-(WahWah-)Gitarre, Orgel und mehr bei einzelnen Liedern eingesetzt, sehr intelligent arrangiert. Aber immer im Vordergrund, und dies absolut zu Recht, ist ihre Stimme. Wer Schönheit der Musik, eine Fülle von Melodien (zum Teil hochkompliziert), perfekten Gesang, entdecken möchte, dem kann ich nur sagen: Kauf' Dir das Teil und spiel' es, bis Du davon träumst. Schönere Träume hast Du nie gehabt.<< Dieser Kritik stimme ich voll zu!
Es war auch dieses Album, das Vonda Shepard eines Abends in einem New Yorker Club vorstellte, als Vondas alte Schulfreundin Michelle Pfeiffer, zusammen mit ihrem Mann David E. Kelley das Konzert besuchte. Dieser entwickelte gerade eine TV-Serie namens „Ally McBeal" und war sofort hin und weg von Vondas Songs und ihrer Stimme. Lieder wie „The Wildest Times of the World" oder „Maryland" strahlten genau die Mischung aus Melancholie und Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus, die auch Kelleys Charakter verkörpern sollte. Schon wieder änderte sich Vondas Leben von Grund auf. Bei „Ally McBeal" spielt sie sich selber, auch wenn sie nur in der Bar der Kanzlei zu sehen ist, wo sie die Liebesleiden und Neurosen der schrillen Charaktere musikalisch untermalt. Aber auch in vielen anderen Szenen ergänzt Vondas Musik geradezu die Handlung. Waren in den ersten Folgen besonders oft Vonda Shepards eigene Songs zu hören, wurden diese später immer mehr durch Cover-Versionen alter Klassiker ersetzt. Doch der Titelsong zur Serie, „Searchin' My Soul" stammt aus Vondas Feder und war auch schon auf ihrem 92er Flop-Album „The Radical Light" zu hören. 1998 ruhte die Single wochenlang auf Platz eins der US-Charts und ist somit Vondas größter Hit. Im selben Jahr erschien auch der Soundtrack zur Serie, „Songs From Ally McBeal", auf dem Vondas eigene Songs wie „Searchin' My Soul", die „It's Good Eve"-Songs „Maryland" und „Wildest Times of the World" und ein neues Lied namens „Will You Marry Me" vertreten sind. Weiterhin sind auf dem Album Cover-Versionen von alten Klassikern wie z.B. „Tell Him", „You Belong To Me" oder „I Only Want To Be With You". Der Soundtrack war (und ist noch heute) in vielen Ländern ein Bestseller. Und Vonda verschaffte dieser späte Erfolg die Möglichkeit jährlich die Welt zu umreisen, um die Cover aus der Serie, aber vor allem ihre eigenen Songs einem Publikum von bis zu 8000 Menschen pro Konzert vorzustellen.
Weiterhin verfolgte Vonda Shepard das Ziel ein neues „eigenes" Album zu veröffentlichen, denn sie hatte ein einschneidendes Erlebnis in dreizehn Songs verarbeitet, die genau ihre Erlebnisse und Gefühle aus einem Jahr beinhalteten. Zusammen mit ihrer Managerin gründete Vonda die eigene Indie-Plattenfirma Jacket Records und veröffentlichte 1999 das experimentierfreudige „By 7:30" - ein Album, auf dem Vonda textlich und vor allem musikalisch einzigartige Wege beschreitet, die mit dem Mainstream nicht viel zu tun haben. Dies mutet zunächst etwas ungewohnt an, doch gewinnt das Album mit jedem erneuten Hören eine musikalische und auch poetische Schönheit, die man so noch nie vernehmen konnte. Durch alle 13 Songs zieht sich ein roter Faden, der mit der Vorfreude auf ein Date beginnt („By 7:30"), über die Enttäuschung den besten Freund dadurch verloren zu haben („Cross To Bear", „This Is Crazy Now"), zu der dadurch entstandenen Depression und Leere („Venus Is Breaking", „Newspaper Wife"), bis zum Finale, in dem sie endlich lernt loszulassen („Soothe Me", „Souvenir"). Obwohl die Stimmung sehr viel düsterer als auf ihren Vorgänger-Alben ist, gewinnt „By 7:30" dadurch noch mehr an Authenzität - und überzeugt auf allen Linien. Jedoch ist das Album wohl nichts für Lebhaber simpler Melodien und nichtssagender Texte. Noch im selben Jahr erschien der zweite „Ally McBeal"-Soundtrack „Heart & Soul", auf dem neben „100 Tears Away" (aus „The Radical Light") und drei Songs aus „By 7:30" auch ein neuer selbstgeschriebener Song namens „Read Your Mind" zu hören ist, der als Single sogar Hitpotential hatte. Des weiteren sind auf dem Album jedoch nur Cover-Versionen zu hören, wie „Crying", „This Old Heart of Mine" oder „Vincent".
Im Jahr 2000 tourte Vonda auch zum ersten Mal in Deutschland und stellte fest, dass sie hier (durch „Ally") noch erfolgreicher war als irgendwo sonst auf der Welt. Auch ihre alten Alben wurden neu aufgelegt und verkauften sich als „Nice Price"-Ausgaben relativ gut. „By 7:30" schaffte es sogar auf Platz 80 in den deutschen Charts - eher ungewöhnlich für eine Indie-CD. Auf ihren Konzerten überraschte Vonda Shepard ihr Publikum mit ihrer unkomplizierten, natürlichen Art und ihrer fantastischen Stimme, die live sogar noch besser als auf ihren Studioalben ist. Anfang 2001 erschien der „Ally"-Soundtrack „For Once In my Life", auf dem neben Vondas „By 7:30"-Song „You And Me" die üblichen Cover-Versionen („Home Again", „Don't Think Twice", „Alone Again" u.a.), aber auch andere Soul-Künstler wie Al Green, Barry White oder Tina Turner vertreten sind. Während ihrer Europa-Tournee schlägt Vonda erstmals kritische Töne gegenüber dem „Ally"-Wahn an. In Interviews beteuert sie, dass sie nicht als die „Cover-Sängerin aus dieser Anwaltsserie" bekannt sein möchte und dass sich das „Ally"-Publikum eher weniger für ihren eigenen, ungewöhnlicheren Musikstil begeistern lässt. Manchmal fühle sie sich wie in einem „goldenen Käfig". Bei den 15 Konzerten in Deutschland (alle ausverkauft), sang sie größtenteils ihre eigenen Lieder, meistens jedoch die bekannten aus „Ally McBeal". Die Stimmung stieg jedoch besonders bei den Cover-Songs an, die ungefähr 10 der 24 Songs ausmachten. Während dieser Tour schrieb Vonda auch schon vier Songs für ihr neues Album, welches 2002 erscheinen sollte.
Anfang 2002 wurde „Ally McBeal" eigestellt und Vonda Shepard war wieder „frei", wie sie auf einigen Konzerten lachend von sich gab. Die Tour im Juni 2002 stand auch ganz im Zeichen von Vondas eigenen Alben und dem neuen Album „Chinatown", das in den USA im September erscheinen sollte. Und die Kritiken waren alle einer Meinung: Ally McBeal ist tot - es lebe Vonda Shepard! DAS NEUE ALBUM „CHINATOWN":
Cover: Das Cover-Design ist hellrot und bildet Vonda auf den Straßen von LA's Chinatown ab. Sie hat einen ernsten Gesichtsausdruck und trägt eine dunkle Sonnenbrille und einen schwarzen Mantel. Außerdem befinden sich chinesische Schriftzeichen auf dem Cover. Auf der Rückseite sieht man eine weniger ernste, vielmehr lachende Vonda. Innerhalb des Booklets sind weitere schöne Bilder von Vonda Shepard zu betrachten. Die Songs (mit Ausschnitten aus den Lyrics):
RAINY DAYS: Der Song erinnert ein wenig an „Read Your Mind", ist allerdings sehr viel melancholischer. Die Melodie ist aber eingängig genug für eine Single-Veröffentlichung, die ja bald auch folgen soll. Beim Hören der Lyrics kommt in mir das Gefühl auf, dass Vonda mit dem Song auf einen Charts-Erfolg schielte, da „Rainy Days" wenig aussagt (untypisch für Vonda), dafür jedoch eine simple Melodie zum Mitsingen vorweist. Dies finde ich nicht allzu schlimm, da ich Vonda Erfolg gönne, und sei es nur um zu beweisen, dass sie auch ohne „Ally McBeal" zurechtkommt. Mittlerweile benutzt VOX den Song des öfteren als Hintergrundmusik zu den Trailern der neuen „Ally McBeal"-Staffel. „Now I'm taking a train Shooting through the rain Amazed that I'm alone here Once Again
Remember all these rainy days We saved them up But tomorrow never came And now these rainy days Are clouding up Even, even the clearest of days" CHINATOWN: Den schnellen Titelsong des Albums hat Vonda zusammen mit ihrem Gitarristen Val McCallum geschrieben und wirkt dadurch natürlich sehr akustisch. Endlich beeindrucken wieder Vondas typische „Storytelling"-Lyrics, die auf exzellente Weise die inspirierenden Straßen Chinatowns beschreiben. Diese Beschreibung ist jedoch gleichzeitig auch voller Metaphern für Vondas Seelenzustand oder ihrer Gefühlswelt. Im typischen Shepard-Stil gewinnt der Song beim mehrmaligen Anhören an Qualtät.
„Miles away there's another world I know I am the luckiest girl Found my heart in Chinatown Take you over to my side of town Show you how the real world gets down Trouble I thought I could hold you down All the way to Chinatown"
MY WHOLE WORLD: Das erste Highlight auf dem Album! Der Song beschäftigt sich inhaltlich mit Vondas Abhängigkeit von der Liebe ihrer Mutter, blickt auch auf ihre Kindheit zurück und beschäftigt sich mit ihrem Musikerleben. All dies ist in einer wirklich gelungenen, sehr schnellen Melodie verpackt, die - anders als auf „By 7:30" - auch den Mainstream-Zuhörern gefallen könnte. Wunderbar! „I was born in '63 With a peace sign on my knee I said 'mama I was born to sing' And I rocked till the dawn With my baby clothes on I said 'mama tell me what to think'
My whole world comes down to this To live in Inspiration Without checking off a list Can anybody manage to live like this? Well, music is my life And love it is my drive On my shoulders I don't feel no weight Now I'm dreaming again And exaggerating Can you save me long enough to behave?"
LOSE MY WAY: Die erste Ballade auf dem Album würde ich jetzt schon als Klassiker im Stile von „Maryland" einordnen und ist unbeschreiblich schön und sehr persönlich. Vonda singt über ihr Verlangen einmal alles hinter sich zu lassen und neue Wege zu beschreiten. Mich würde es nicht wundern, wenn sie den Song während ihrer stressigen Zeit bei „Ally McBeal" geschrieben hat. Die Musik besteht hauptsächlich aus Vondas Klavierbegleitung, doch auch Gitarren, Violinen und Cellos kommen subtil zum Einsatz. „I wanna lose my place In this world I've created To know who I am It's so overrated Wanna break away Until my longing has faded And change my fate
Wanna dream again Go out dancing I wanna laugh again Till I lose my mind I thought I found, found me a home But all I want is to run away Run from my life Tonight"
RAIN OR SHINE: Eine sehr schöne, melodische Ballade, die jedoch meiner Meinung nach eher auf ein „Ally"-Soundtrack passt, da die Lyrics „nur" eine Liebeserklärung darstellen - Kitsch, den man eigentlich eher von Celine Dion und Co kennt. Aber irgendwie überzeugt der Song trotzdem, wahrscheinlich gerade weil dieser kommerzielle Stil ungewöhnlich für ein Album von Vonda Shepard ist. „When I feel afraid In my own parade That marches through me And I don't recognize A single face
There is a reason We came together Rain or shine I'll love you all my life We'll weather the seasons We'll laugh and cry Rain or shine I'm yours, you're mine I'll love you all my life" DOWNTIME: Der Song beginnt sehr ruhig mit einem Gesang der gerade noch an Sprechgesang grenzt, nimmt mit dem Refrain jedoch an Tempo zu. Vonda befasst sich hier mit ihrer Jugend und mit ihrer Sehnsucht nach diesen unkomplizierten Tagen. Die Lyrics, die fantastische Stimme und vor allem die Melodie bleibt einem noch lange nach dem Hören im Kopf.
„There was a time when I was uncluttered In my mind and my heart and my soul were fine I would sit with Alan and have a smoke But I didn't smoke, so I'd usually choke And Alan and I would talk about life We never really kissed, never stayed the night Now I'm twisted into a perfect knot The pace is a maze and I'm totally caught
We'd write till 3 in our reverie We liked simple things He saw the art in me So I saw it in myself Was a woman of wealth Had no money, just Alan and me Now I work all day and I think all night In a complicated life, will I ever get it right?"
GYROSCOPE: Weniger die Lyrics als der fantastische Gesang Vonda Shepards sticht bei diesem Lied hervor. „Gyroscope" erinnert ein wenig an den Song „The Radical Light", doch geht einen eigenen Weg. Am besten ist der Song mit Anastacias Up-Tempo-Hits zu vergleichen, da er sehr funky und vor allem laut daherkommt. Vondas Stimme steht hier eindeutig im Mittelpunkt, was man besonders daran merkt, dass sie zum Schluss Wörter wie „No" oder „Yeah" geradezu aus sich herausschreit. Kann es kaum erwarten den Song im nächsten Jahr live zu erleben. „You're my gyroscope Leveling out my fear Making the blurry clear Make the far seem near"
IN JULY: Wo ich gerade von Vondas Live-Konzerte schreibe: Der Song „In July" thematisiert ihre jährliche Europa-Tournee. Dabei singt sie von der Freude, die sie dabei empfindet, aber auch von dem Verlangen wieder nach Hause zurückzukehren und einfach mal Ruhe vor all dem Stress zu haben. Ein sehr langsamer, nachdenklicher Song. „We go city to city The sun sets over Copenhagen On a bus ride through heaven Maybe we'll get in by eleven
Take a sip of inspiration Trigger my imagination Turn over the pages in my hand I just wanna be in a great band I'm waiting for July Were we just passing by? I'll see you in July
We go country to country Moon rise over Barcelona My best friends surround me I can see how this life can own you" THE SUNSET MARQUIS: Der absolute Höhepunkt auf dem Album ist „The Sunset Marquis", ein Song, der sowohl textlich als auch melodisch überzeugt und beweist, dass Vonda Shepard auf den Olymp der Singer/Songwriter gehört. Die Lyrics erzählen wie Vonda in ihrer Jungend mit einem aufstrebenden Sänger immer in der LA-Bar „Sunset Marquis" zusammentraf, um zusammen zu träumen und Gedichte zu schreiben. Sie singt:
„Then I scribble down some poetry On a book of matches Cause I realize I am sitting with One of the finest catches And suddenly in the background it was you Playing on the radio Burning on that stereo In the bar at the sunset marqis"
Sie hörten ein Lied des aufstrebenden Sängers im Radio während sie in dieser Bar saßen. Weiter singt Vonda, dass sie Jahre, vielleicht Jahrzehnte später, in die Bar ihrer Jugend zurückkehrte. „There was a party in my head Where did everybody go? One night in the blue light I sat there all alone And I tried to remember The smell of your coat"
Die nächsten Verse sind eher als Metaphern zu verstehen, die auf die Wendung im Ende des Songs hinweisen: „Then I touched my hand and I Whispered into my own ear, my own ear In the background something familiar Something was so clear, so clear"
Wie kann man sich selbst ins Ohr flüstern? Hier die Antwort: „And I realized that it was me Playing on the radio Burning on that stereo In the bar at The Sunset Marquis Singing 'bout All the laughs we once had darling Oh the way it felt to me In the bar at The Sunset Marquis"
Ähnlich wie in ihrer Jugend saß Vonda in der Bar, die es übrigens wirklich gibt, und hörte sich selbst im Radio über eben diesen „Freund" singen. Persönlich glaube ich, dass sie „Read Your Mind" gehört haben muss, da dies - soviel ich weiss - der einzige Song ist in dem sie von glücklichen Tagen in einer „Art" Beziehung singt. Er wurde auch als Single veröffentlicht, und da Radios meistens nur Singles spielen... (Was man sich so für Gedanken macht.) Jedenfalls ist „The Sunset Marquis" sowohl von den Lyrics als auch von der Musik ein einzigartiges Singer/Songwriter-Stück. 7 DAYS: Dieser Song vereint Vondas metaphorische Lyrics mit einem musikalischen „Best of" ihrer beiden letzten Alben „It's Good, Eve" und „By 7:30", enthält aber vom Aufbau zusätzlich noch eine neue Dimension, die stark an alte Klassiker erinnert - die Erfahrung bei „Ally McBeal" hat zum Glück ihren Stil nicht verwässert, sondern nur ihrer musikalischen Offenheit gutgetan. Die leichten Piano-Passagen mit akustischer Untermalung erinnern hauptsächlich an „It's Good, Eve", während hier und da auch mal ein verträumtes Akkordeon und andere exotische Instrumente zum Einsatz kommen - was in jedem „By 7:30"-Verehrer Erinnerungen weckt. „7 Days" handelt von einer Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist, auch wenn man es nicht wahrhaben möchte. Im Gegenteil, man zählt jeden Tag, den man überstanden hat mit.
„Swimming through the days While the world goes crazy No wonder the state I'm in Am I wrong to wanna dream Myself into Oblivion, sweet Oblivion? 7 Days I am amazed Tomorrow will be 8 I feel like I'm counting The Raindrops in a hurricane"
PROMISING GREY DAY: Im Stil von „It's Good, Eve" wird dieser Song nur von Vondas Klavier begleitet, ist teilweise fast schon autobiographisch und reflektiert noch einmal Vondas Werdegang, bis hin zu einem sehr nachdenklichen Schluss. Hier ein Auszug vom Ende des Songs und des Albums: „I had a dream That made me move to New York City Cause I wasn't about to About to let this magic slip away
But he did anyway He was kind of illusive that way Like clouds on a promising grey day The Beauty of my life A moment that is long gone But so much a part of me Oh, how I wish it weren't history
I wish it were my future Rolling, rolling my way Like clauds on a promising grey day" FAZIT: Obwohl Vonda Shepards Musik schon früher oftmals die Grenze zur Perfektion überschritten hatte, ist ihr mit „Chinatown" endlich gelungen Songs zu schreiben, die ihren Stil und die Qualität der Lyrics beibehalten, jedoch aus dem Schatten des Indie-Underground hervortreten können, um auch eine breitere Hörerschaft anzusprechen. So würde es mich nicht verwundern, wenn auch noch in zehn Jahren Vondas Publikum größtenteils aus den „Ally McBeal"-Fans von heute besteht. Nur werden diese dann euphorisch Konzerte besuchen bei denen kein einziges Cover aus der Serie gespielt wird und trotzdem ihren Spass haben. In „Promising Grey Day" wünscht sich Vonda, dass das Schöne im Leben in ihrer Zukunft liegt und nicht in ihrer Vergangenheit. Wenn sie weiter Alben wie „It's Good, Eve", „By 7:30" und „Chinatown" veröffentlicht, brauch sie sich um ihre Zukunft wirklich keine Sorgen machen!
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20.06.2004 15:52
Schöner Bericht - sehr viele Infos über ihren Lebenslauf, aber die Lyrics hättest du weg lassen können..
01.05.2003 02:23
Ich finde es super, dass du etwas über Vonda Shepards Vergangenheit schreibst! Finde es immer wichtig auch etwas über die INterpreten eines Albums Beshcied zu wissen, um deren Musik auch zu verstehen!! LG
03.03.2003 14:33
Du hast dir ja wirklich ne Menge Mühe gegeben. :o) Solltest viel mehr bewertet werden und die beiden hilfreich kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Hab das Album auch seit ein paar Monaten und ich liebe es. :o) Liebe Grüße Tutsie