The World is Blind
10.03.2010
Pro:
ein technisch hochwertiges, abwechslungsreiches und modernes Thrash - Album . . .
Kontra:
. . . dem ein paar mehr Fixpunkte gutgetan hätten
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Schlucke
Über sich:
Copy & Paste-Service für alle ungeduldigen User: "sh & lg", "sh & glg", "gl...
Mitglied seit:10.05.2007
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Vertrauende:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Völlig klar: wenn man direkt zum Auftakt eines Albums Parolen wie Blood Fire War Hate entgegengebrüllt bekommt, dann weiß man genau, dass man hier die ideale musikalische Untermalung für das nächste Kaffeekränzchen bei Onkel Gerd und Tante Ruth hört. Alternativ auch Musik für die Bespaßung der Gäste bei der Kommunionsfeier der kleinen Cousine Leonie-Sophia-Laura. Brülllocke Max Cavalera (Ex-Sepultura, aktuell noch Cavalera Conspiracy und so) erfreut also seine treue Fangemeinde mit einem neuen Werk seiner 1999 gegründeten Truppe Soulfly. Gut, neu....2008 erschien das Album, geschrieben hat hier aber noch niemand dazu - da muss ich halt diesen Missstand beheben.
Wenn ihr Soulfly nun nicht kennt, dann ist das zwar bedauerlich, aber auch keine echte Bildungslücke. Die (immer wieder wechselnde) Besetzung hat sich auf verschiedene Metal-Spielrichtungen spezialisiert und wandert dabei immer wieder zwischen Thrash- und Nu-Metal hin und her. Conquer allerdings wirft praktisch allen Nu-Metal-Ballast über Bord und thrasht sich durch die komplette knappe Stunde, die es andauert.
Die musikalische Dampframme
Man kann es ruhig so ausdrücken: die Gewalt, mit der Conquer aus den Boxen dröhnt, ist bisweilen nichts für zart besaitete Ohren. Die brutalen Riffs, manchmal durch drückende Blastbeats unterstützt, setzen dem Hörer auf jeden Fall zu. Man muss also der Musikrichtung etwas abgewöhnen können - ansonsten wird man sich wohl relativ entsetzt von dieser Platte abwenden. Gleichwohl prügeln die Kerle von Soulfly nicht nur blind auf ihre Instrumente ein, sondern bauen immer wieder kleine musikalische Ideen und Abwechslung in ihre Musik ein. Was also anfänglich zu eintönig klingt, erweist sich bei näherem Hinhören als vielschichtiges Werk, das vor allem durch seine Weltmusik-Einschübe die Soulflysche Eigenständigkeit erhält. Entstanden ist das Album teilweise in Ägypten, dementsprechend darf man sich auf leichte musikalische Einflüsse dieses Kulturkreises einstellen. Flamenco-Gitarren, eine Sitar und ein Berimbau werden daher in den Songs eingesetzt, um eben diese Weltmusikelemente zu erzeugen. Während diese manchmal aber recht "angeklebt" wirken, so gibt es aber auch Songs, in denen sie kunstvoll eingewoben wurden und richtig gut zum restlichen Song passen - am besten allerdings in Doom; das thrasht lange Zeit wie ein Berserker aus den Boxen (inklusive herzallerliebster Zeilen wie Scream motherfucker), bevor es dann in ein sehr ruhiges Ende mündet, das zeitweise vom Rhythmus her sogar an Ska erinnert. Touching the Void setzt dem Ganzen die Krone auf. Das Stück beginnt extrem langsam mit sehr tief gestimmten Gitarren und schleppt sich vom Tempo her sehr langsam heraus - als Hörer wartet man immer darauf, dass irgendwann die musikalische Explosion erfolgt...vergeblich. Statt Double Bass-Gewitter und ähnlichem Gedöns erklingt irgendwann ein Duduk (ein Holzblasinstrument...ich kannte es vorher auch nicht) sowie ein Didgeridoo - Überraschung, dein Name kann manchmal Max Cavalera sein.
Aber auch auf konventionelle Art und Weise können Soulfly überraschen; so zum Beispiel in Paranoia, das mit einem irren Break aufwartet, mit dem so nicht zu rechnen war. Oder natürlich das instrumentale Stück Soulfly VI, das zum Albumausgleich beweist, das die Herren auch in der Lage sind, ruhigere Töne anzuschlagen. Weitere Abwechslung wird dadurch erzeugt, dass Max Cavalera nicht alleine am Mikro steht. In einigen Songs erhält er Unterstützung; wem die Namen David Vincent oder Dave Peters ein Begriff sind, der weiß allerdings, dass echte gesangliche Abwechslung fehlt: die anderen brüllen und röhren genauso in ihr Mikro wie Alphamännchen Max.
Stark sind Soulfly auf Conquer vor allem dann, wenn sie die Songs spielen, die am ehesten in die Kategorie Ohrwurm einzuordnen sind - auf so eine ganz verschrobene Art und Weise, versteht sich. Doch der Eröffnungstitel oder Warmageddon bleiben im Ohr hängen; solche Titel fehlen im Albumkontext allerdings schon, ein paar mehr "Highlights" wären für meinen Geschmack wünschenswert gewesen. Die textliche Planierraupe
Max Cavalera würde zwar keinen Literaturnobelpreis gewinnen, doch immerhin bringt er mit seinen Texten seine Meinung klar zum Ausdruck. Über dem bisweilen brutalen Klangteppich brüllt er all seine Wut heraus und zerstört dabei im Vorüberbrüllen scheinbar mühelos Kriegstreiber, korrupte Politiker und all diejenigern, die dafür sorgen, dass Gewalt und Ungerechtigkeit auf dieser Welt gedeihen. Ein Kampf gegen Windmühlen. Aber doch schön, dass es jemand mal auf den Punkt bringt...wobei ich doch bezweifle, dass Max dafür ein ähnlich großes Gehör findet wie P!nk, die in Dear Mr. President Kritik für die Hitparade übte. El Fãzit
Wer sich auch nur annähernd für Thrash Metal oder ähnliche Spielarten erwärmen kann, sollte zumindest einmal reinhören. Soulfly prügeln auf technisch hohem Niveau ein Thrash-Album herunter, das genügend Ideen aufweist, um nicht langweilig zu werden. Ein paar mehr Fixpunkte wären zwar schön gewesen, doch mir ist eine durchgehende Härte lieber als der offensichtliche Versuch, sich durch zu viel Melodiösität dem Massengeschmack anbiedern zu wollen. Danke, Soulfly! Anhang Soulfly - Conquer / Roadrunner Records Blood Fire War Hate Unleash Paranoia Warmageddon Enemy Ghost Rough Fall of the Sycophants Doom For those about to Rot Touching the Void Soulfly VI
Anhören: http://www.youtube.com/watch?v=VZ3TmZslLQ8 (Musikvideo zu Unleash)
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22.03.2010 17:59
"Wenn ihr Soulfly nun nicht kennt, dann ist das zwar bedauerlich, aber auch keine echte Bildungslücke" Doch, wohl! Allein schon für "El Fãzit" sollte ich dir ein BH geben, aber die ollen Ciaogangster lassen mich nicht.
15.03.2010 15:20
Noch nie was von gehört!
11.03.2010 22:14
*dir mein BH gegen Kopf werf* :) schnuppert garantiert nach parfüm *lach*