Massenware a la Kai Tracid
27.03.2003
Pro:
ziemlich eingängige, massentaugliche Trance - Tracks
Kontra:
10 Tracks sind zu wenig für ein Album, der Multimediapart ist Speicherverschwendung, die Musik ist absolut anspruchslos
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 andilein77
Über sich:
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Nach Kai Tracids letztem Album („Trance&Acid“) hab ich mir eigentlich geschworen, keine seine Platten mehr zu kaufen, ich war ja noch nie so richtig ein Fan seiner Musik, sein letzter Longplayer hatte mich aber richtig enttäuscht. Mal sehn, vielleicht schreib ich darüber auch mal noch einen Bericht... Hier und heute werdet ihr aber etwas zu Kai Tracids neuestem Werk „Contemplate The Reason You Exist“ lesen. Der Kauf war wie gesagt überhaupt nicht vorgesehen, eigentlich hab ich auch gar nicht damit gerechnet, das Kai Tracid nach seinem letzten Album so schnell wieder ein neues herausbringt, Auf einer Internetseite konnte man sich allerdings schon vor dem Release sein frisches Werk anhören und ich war doch recht angetan, weshalb ich mich dann auch zum Kauf durchringen konnte. Ob „Contemplate The Reason You Exist“ eine Steigerung zum Vorgänger darstellt und wie mir die einzelnen Lieder gefallen, dass erfahrt ihr hier. <<<Kai Tracid>>>
In meinem Bericht über eine seiner älteren Singles „Life is to short“ habe ich ja schon einiges biographisches über den erfolgreichen DJ und Produzenten geschrieben, wer daran interessiert ist, der sollte doch mal reinschauen. An dieser Stelle erspare ich mir jedenfalls den Lebenslauf... <<<Zum Album selbst>>>
Manche Künstler lassen sich doch recht viel Zeit bei der Produktion eines kompletten Albums, nicht so Kai Tracid. Innerhalb eines Jahres zwei Longplayer auf den Markt zu bringen, zeugt entweder von sehr viel Kreativität und Arbeitlaune oder von Fließbandmusik. Bei Kai Tracid kommt noch dazu, dass er vor kurzem die Plattenfirma wechselte, bei der neuen wollte man wohl sofort mit einem Album starten. In einen Interview hat er jedenfalls kürzlich zugegeben, dass er sich für sein aktuelles Werk gern mehr Zeit genommen hätte. Auf den Longplayer haben es dann immerhin 10 Tracks geschafft, die Spielzeit von 69 Minuten klingt auch nicht so schlecht. Beim Design von Booklet und Cover hat Kai Tracid oder wer auch immer dafür verantwortlich ist sich aber sicherlich kein Bein ausgerissen. Auf der Frontseite sieht man ihn sitzend zwischen allerlei netten Effektgeräten, die Kai bestimmt alle perfekt beherrscht in nachdenklicher Pose, was will uns der Gute damit nur sagen? Ich weiß es nicht. Im Booklet findet man darüber jedenfalls nichts, wer sich aber die bedeutungsschwangeren Texte oder die komplette Tracklist anschauen will, der wird hier fündig.
_Die einzelnen Tracks___ [01.] Welcome (1.23)
Ja, da ist er wieder, der typische Opener einer elektronischen Produktion, natürlich abgewandelt auf Kai Tracid-Niveau. Mit ambietartigen Klängen, die sich während der knapp 1 ½ Minuten Spielzeit leicht auf den ersten richtigen Tack zuspitzen und einer männlichen Stimme, die uns in englischer Sprache und wenn ich mich nicht irre mit einen leicht seltsamen Dialekt behaftet einen bedeutungsschwangeren Redeschwall vorträgt. Gleich im ersten Satz wird hier zum Hinhören aufgefordert ( „Listen carefully...“), damit man auch ja nichts von Kais Lebensweisheiten verpasst, getreu dem Namen des Albums lässt er sich hier über den Sinn des Lebens aus, wobei gerade die letzten Worte („Will you control your life or will your life control you...“) so dermaßen ausgeleiert klingen, dass ich mich hier schon mal auf den zweiten Track freue. Schlecht ist der Opener aber auf jeden Fall nicht, wenn man sich einmal damit abgefunden hat, das der Text vielleicht doch nur „dabei“ ist, damit der Opener nicht so bedeutungslos erscheint (so nach dem Motto „Ist ja sowieso nur Techno“) und einfach so tut, als wenn man der englischen Sprache nicht mächtig ist, dann passt „Welcome“ schon recht gut. 05/10
[02.] Express Your Hidden Passion (6.57) Nun geht’s also richtig los, nachdem man die schwülstige Ansprache aus „Welcome“ überstanden hat, wird man als Hörer auf den ersten richtigen Track losgelassen. Bevor ich euch erzähle, wie sich das Lied anhört, möchte ich allerdings noch kurz einen Blick auf den Tracknamen werfen, „Express Your Hidden Passion“. Oh je, das klingt so, als geht es hier mit sinnvollen und ausdrucksstarken Texten da weiter, wo „Welcome“ aufhört. Na ja, hören wir mal rein... „Express Your Hidden Passion“ klingt jedenfalls so, wie ein typischer Kai Tracid Track zu klingen hat, Effekte, Beat und Bass sind nicht neu, sondern bestenfalls gebraucht und schon tausend Mal mehr oder minder erfolgreich an Großraumdisco-Publikum getestet worden. Der Track beginnt recht ruhig, mit einer netten Einleitung, bis zu dem Punkt, wo der Bass einsetzt, den man in mindestens zehn anderen Liedern schon mal gehört hat. „Express Your Hidden Passion“ entwickelt sich dann mit kleinen weiteren Effekten auf die erste Strophe zu, bei der eine weibliche Stimme, wie ich es fast schon geahnt habe uns wieder Kais Weisheiten in englischer Sprache zum besten gibt. Den Text im einzelnen möchte ich euch ersparen, wenn ich das so richtig erfasst habe, geht es hier um die Konflikt zwischen angepasstem Leben und einem Stück Freiheit, was ja bereits gut mit dem Tracktitel ausgedrückt wird. Nach der ersten Strophe darf sich dann der Beat erstmal richtig austoben und spielt allein mit der Melodie, im ganzen geht das dann schon in die Richtung von „auf die Fresse-Techno“. Ja, die Bezeichnung gibt es wirklich, soll wohl nicht ganz so billig klingen wie Scooter-Techno, gemeint ist damit aber das gleiche, auch wenn Kai Tracid wohl doch noch eine Spur anspruchsvoller ist. Na egal, nach der Melodie, die recht belanglos ist, darf die „Sprecherin“ dann noch mal ran und gibt uns die zweite Strophe aus Kais großem Weisheitenfundus zum besten, diese handelt dann sinngemäß davon, dass man erkennen soll, dass man doch endlich seine versteckten Gefühle und Sehnsüchte auslassen soll. Mein Gott, warum hab ich es nur übersetzt?
Auch wenn es so klingen mag, aber so schlecht ist „Express Your Hidden Passion“ nicht, überhört man den Text, erwartet einen immer noch ein einigermaßen eingänglicher Trance-Track mit einer netten Melodie und dem typischen Kai Tracid-Soundgerüst. 06/10
[03.] Follow Me Freely (6.12) Vom Verriss des ersten richtigen Tracks des Albums kommen wir auch schon zu meinem Lieblingstrack auf „Contemplate The Reason you Exist“. Wer angesichts des Liedtitels wieder schwülstige Texte erwartet (mir ging es ja auch nicht anders), der sei hier beruhigt, „Follow Me Freely“ läuft komplett ohne Vocals. Und so folge ich also freiwillig einer ruhigen Trancenummer, die (zum Glück) nur bedingt nach Kai Tracid klingt. Der Track beginnt mit einem recht treibendem Beat, der einen erwartungsvoll hoffen lässt, dass der Rest des Liedes gut klingen möge. Dazu gesellt sich dann nach ein paar Sekunden neben diversen Flächen auch ein Effekt, der auf jeden Fall dem Lied einiges an Eigenheit gibt. in der Form hab ich das noch nicht gehört, klingt wirklich gut. Der Track entwickelt sich also weiter, bis zu einer kurzen Phase, in der man ein leichtes Meeresrauschen vernimmt, soll wohl so eine Art Zwischenstop sein. Danach macht „Follow Me Freely“ da weiter, wo der Track vor dem Meeresrauschen aufgehört hat, ich lausche der ruhigen Trancemelodie und sie gefällt mir bis zum Schluss.
10/10 [4.] 4 Just 1 Day (6.12)
Kai Tracids erste Singleauskopplung aus diesem Album geistert ja schon ein paar Wochen durch die Dancecharts, warum allerdings gerade „4 Just 1 Day“ zu diesen Ehren kommt, kann ich angesichts „Follow Me Freely“ nicht verstehen. Nun gut, mein Geschmack scheint sich wohl nicht mit dem von Discogängern zu decken, denn „4 Just 1 Day“ verkauft sich doch, wie alle vorangegangenen Kai Tracid-Singles recht gut. Der Track beginnt ebenfalls wieder recht ruhig, nach ein paar Sekunden höre ich allerdings dann wieder einen der typischen Kai Tracid Beats Typ „hätten sie es gern etwas härter“ gefolgt von etwas billig wirkendem Vocals, von genau der Stimme die uns schon im zweiten Track akustisch „verwöhnt“ hat. Die Stimme klingt allerdings leicht verzerrt, na gut macht dann zumindest schon mal auf die meisten Leute den Eindruck, als haben hier mehrere Sänger/Sprecher am Album mitgearbeitet. Nach einem kurzen Zwischenstück hört man dann schließlich die erste Strophe, der Text wird auch hier nicht sinnvoller als beim Opener, ich erspar euch also meine Interpretation. Einer ersten Strophe folgt natürlich eine zweite und nachdem man diese überstanden hat, darf man erstmal die Melodie von „4 Just 1 Day“ genießen, mehr oder weniger. Das Klaviergeklimpere hat durchaus seinen Reiz und die sich daraus ergebene Melodie ist auf jeden Fall auch wieder sehr eingänglich, mehr aber auch nicht. 6/10
[6.] Drift Deep Into Your Own Thoughts (8.00) Nun gut, dann steigen wir mal ganz tief in Kai Tracids Gedanken ein, während wir diesem überlangen Trance-Track lauschen. Vom ganzen Sound-Gerüst erwartet uns hier wieder nichts überraschendes, ich könnte aber nicht sagen, das Beat, Bass, Flächen und Effekte nicht zusammenpassen. Nein, vielmehr bringen sie „Drift Deep Into Your Own Thoughts“ doch recht gut voran, lassen aber auch genug Spielraum um leicht ins Träumen zu geraten. Dazu passt dann auch die herrlich quietschige Melodie, die mir fast so gut gefällt, wie die meines Lieblingstracks „Follow Me Freely“. Am Track gibt es also wenig zu meckern, bis auf die Tatsache, das bei „Drift Deep Into Your Own“ ein paar mal ungekonnt mit der Lautstärke gespielt wurde, aber nicht so, dass man den Eindruck hätte, dass müsse so sein. Nein, eher klingt es so, als macht unterwegs mal eine Box schlapp, in der Zeit wo ihr die Lautstärke wieder aufdreht, wird allerdings auch das Lied wieder laut, irgendwie passt es nicht...
08/10 [7.] I Don`t Want To Live 4 Ever (6.15)
Auch wenn der Tracktitel des siebten Liedes auf diesem Album, wieder geradezu zum Schmunzeln und Verreißen einlädt, ich lass es jetzt einfach mal, ich hoffe jedenfalls, dass sich wenigstens Kai Tracid bei der Betitelung etwas gedacht hat. Dem Track merkt man dies nämlich nicht an, wie auch ich wüsste auch nicht, wie ich es in einem Lied ausdrücken wollte, dass ich nicht für immer leben möchte. Zwar klingt der Track teilweise leicht melancholisch, aber auch gleichzeitig soll relaxt, dass man das absolut nicht ernst nehmen kann. Auf jeden Fall ist „I Don`t Want To Live 4 Ever“ aber wieder einer der besseren Kai Tracid-Tracks, sein Hang zu treibenden Beats kennt man ja nun schon zur Genüge, außerdem hat er sich hier eine ganz nett klingende Stimme in Studio geholt, die die 08/15 Vocals der ersten Tracks in allen Belangen übertrifft. 08/10
[8.] Pure Acid (8.13) Ich könnte mich ja jetzt noch aufregen, wenn ich an die Betitelung seines letzten Albums denke, „Trance&Acid“ hieß es und ich dachte beim Hören immer nur, okay nach Trance klingt es, aber wenn das Acid sein soll, was Kai da produziert hat, dann werden einige DJs, die die alten Acidscheiben „früher“ gespielt haben, in schallendes Gelächter ausbrechen. Dem Tracktitel nach versucht er es sich bei diesem Album wieder an dieser Stilrichtung, aber zum Glück halt nur bei „Pure Acid“. Nach Acid klingt es dann allerdings wieder kaum, „Pure Acid“ ist vom ganzen Soundgerüst eher wieder eine Trancescheibe mit einigen nicht so recht passenden Acid-Elementen, es quietscht und rollt zwar recht nett, aber das passt nicht und es klingt auch nicht nach Acid, pasta. „Pure Acid“ hat fast gar nichts von den alten Klassikern aus diesem Gerne, wer Acid-Tracks kennt, der wird wissen, dass die meisten Nummern maximal treibend und meist so verschnörkelt sind, dass man die Vibes beim Clubbing bis in die letzte Gehirnwindung gespürt hat, davon ist Tracids „Pure Acid“ aber auf jeden Fall 1000 Extasypillen weit entfernt.
6/10
[9.] Running Through Your Veins (5.25)
Wow, beim neunten Track hat es Kai Tracid doch tatsächlich geschafft, mal einen Titel sinngemäß zu bezeichnen. Auf jeden Fall geht „Running Through Your Veins“ endlich etwas weg von der ausgeleierten Tracid-Trance-Schiene, vielmehr wird es hier richtig progressiv bis experimentell. Der Track ist recht minimal aufgebaut, ein paar Elemente reichen, um diese düstere Stimmung zu vermitteln. Eine richtige Melodie ist dann auch nicht auszumachen, vielmehr baut sich das Soundgerüst mehrmals neu auf, wobei einzelne Elemente und Flächen immer mal wieder gern aus der Reihe tanzen. Für Kai Tracids Musikkünste ist der Track auf jeden Fall schon fast als superexperimental zu bezeichnen, auf jeden Fall beweist er mit „Running Through Your Veins“, dass er auch noch was anderes kann, als Einheitstrance zu produzieren. 8/10
[10.] Contemplate The Reason You Exist (3.05) Zum Ende gibt es also den Track, der diesem Album seinen Namen verlieh. Und wer den Track zuerst hören würde, müsste doch recht enttäuscht vom den anderen neun Titeln sein, oder zumindest erstaunt, weil „Contemplate The Reason You Exist“ anders als das klingt, was man sonst noch auf dem Album hören kann. Als richtigen Track würde ich das ruhige Klavierspiel und die eingestreuten Flächen nicht bezeichnen, für das Ende eines Albums ist es aber allemal passend.
07/10 _Der Multimediapart___
Na da wird wohl nicht einer selbst darauf gekommen sein, dass 10 Tracks für ein Album recht wenig sind, oder wie habe ich den Multimediapart zu verstehen? Viel nützliches gibt es allerdings hier nicht zu erforschen, gerade mal das Video zu „4 Just 1 Day“, ein Screensaver und ein paar Bilder haben es noch auf das Album geschafft. Beim Bilderanschauen konnte ich mir aber auf jeden Fall nicht den ein oder anderen Lacher verkneifen, Kai Tracid sollte auf jeden Fall noch etwas an seinem Gesichtsausdruck arbeiten, oder hat er nur einen? <<<Fazit>>>
Nicht wenige richtige DJs werden über Kai Tracid denken, dass er den Ausverkauf der elektronischen Musik mit seinen Produktionen ein gutes Stück vorantreibt und nach dem Album kann ich mich dem nur anschließen. 10 Tracks, die zum großen Teil noch recht ähnlich klingen, sind schon etwas dünn, dass ganze geht nicht mal als Konzeptalbum durch. Zudem ist „Contemplate The Reason you Exist“ natürlich wieder Wasser auf die Mühlen der Leute, die behaupten elektronische Musik ist anspruchslos. Bei Kai Tracids Album haben sie auf jeden Fall recht, wenn man mit 10 ähnlichen Lieder ankommt, die teilweise die ganze Bandbreite von dämlichen Texten bis zu billigen tausendmal gehörten Effekten haben, braucht man sich auch nicht wundern, wenn jemand behauptet, dass sei „Kaufhaustechno“. Nun gut, sehe ich mal von den merkwürdigen Texten/Liedtiteln und anderen Mängeln ab, „Contemplate The Reason you Exist“ tut dem Freund elektronischer Musik auf jeden Fall zumindest einen Gefallen, zum relaxen sind die Trancemelodien relativ gut geeignet und als Hintergrundmusik stört Kai Tracids neuestes Album auch wenig. Bei neueren Produktionen sollte er sich aber mal mehr von der ganzen Bandbreite elektronischer Musik inspirieren lassen, denn noch ein Album mit immer gleichen Sounds werde ich bestimmt nicht kaufen.
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11.08.2003 13:21
kommt ja noch ziemlich gut weg bei dir
02.04.2003 19:41
Die neueren Tracid-Scheiben finde ich nicht so besonders... da gab es wesentlich bessere. gruss Bastian
31.03.2003 18:10
Nun ja, nicht mein Geschmack, aber die können ja verschieden sein. gruß, carmen