Erfahrungsbericht über

Crescent - John Coltrane

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melancholische Saxophon- und Piano-Klänge

5  16.11.2008 (18.11.2008)

Pro:
Versierte Musiker, ruhige Gesamtstimmung, sehr zugänglich, kein Free - Jazz

Kontra:
etwas kurz

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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bad-guy2

Über sich:

Mitglied seit:06.03.2008

Erfahrungsberichte:3

Vertrauende:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 90 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"Crescent" (Mondsichel) ist eines der Meisterwerke des ruhigen Jazz, der Vorläufer zu dem grossen Erfolg "A Love Supreme 1965". John Coltrane ist evtl. der bekannteste Saxophon-Spieler der Jazzgeschichte, leider bereits 1967 jung verstorben. Das "John Coltrane Quartet" hier (die Gruppe bestand von 1961-66) ist nach Ansicht der Kritiker die ultimative Gruppe, in der Coltrane je spielte. Und Coltrane hatte von 1956 -67 mit so gut wie jeder Jazz-Größe irgendwann mal zusammen Platten aufgenommen.

Die Songs in der Reihenfolge des Gefallens: ________________

-- "Wise One" wird von einem sehr schönen Klaviermotiv eingeleitet, dem eine ruhige und ansprechende Tenorsaxophon-Melodie folgt. In einer Weise, die der bekannten Melodie "In a Sentimental Mood" mit Duke Ellington das Wasser reichen kann. Die breiten Piano-Ebenen, die McCoy Tyner ausbreitet, erinnern zeitweise an südliche Folklore. Trane's Spiel selbst hier ist eher bluesig.

-- "Lonnie's Lament"
In eine wehmütige Saxophon-Melodie von Trane setzt der Pianist auch hier sogleich Akzente, die den Hörer augenblicklich für das Stück einnehmen. Anschliessend folgt ein etwas "freieres" langes Pianosolo, daß aber die Atmosphäre aufrechterhält. Jimmy Garrison liefert von der Minute 6 bis 10 ein gitarrenähnliches Bass-Solo. In der Minute 11 und 12 wird auf schöne Weise das Motiv vom Anfang noch mal aufgenommen.

-- "The Drum Thing"
Der oft donnernde Schlagzeuger Elvin Jones hält sich hier an den verhaltenen und ruhigen Gesamteindruck. Coltrane spielt meditative Phrasen auf dem Sopran-Saxophon und Elvin Jones trommelt dazu leise Bassdrum-artige Polyrhytmen. Lediglich im Mittelteil spielt er ein etwas temperamentvolleres Drum-Solo, wo auch seine typische Becken-Technik zu hören ist. Am Ende wiederholt sich noch mal das ruhige Motiv des Beginns. Elvin Jones wurde übrigens noch 2007 als der weltbeste Drummer der Jazz-Historie gewählt. 41 Jahre nach Ende seines Schaffens mit dem John Coltrane Quartet.

"Crescent"
Erster Track. Crescent beginnt mit einem langen hymnischen Saxophon-Motiv, ähnlich wie "A Love Supreme" 1 Jahr später. Allerdings passt der flottere Mittelteil nicht so recht in die Gesamt-Atmosphäre. Erst in den letzten beiden Minuten wird das Stück wieder etwas ruhiger. Ich hätte eher "Wise One" oder "Lonnie's Lament" als Opener der Scheibe ausgewählt. Keine gute Wahl, obwohl der Track seine Stärken hat.

"Bessie's Blues"
passt nicht so recht zu den anderen Songs. Ein ziemlich flotter "Rhytm and Blues", auf dem ebenso schnelle Piano- und Saxophon-Soli aufbauen. Nicht schlecht, aber "Bessie's Blues" hätte besser auf eine andere Platte gepasst. Mit dreieinhalb Minuten recht kurz.

Leider ist "Song of Praise" und "Dear Lord" während den Aufnahmesessions verlorengegangen, kein Bonus auf dieser CD.


Ein paar News zu 1964 und Crescent: _____________________

Dieses Album erschien Ende 1964 und markiert einen Wendepunkt im Schaffen des John Coltrane Quartet. Die Tracks wurden während des Jahres 1964 in Konzerten erprobt und schliesslich im Studio in zwei ausgefeilten Aufnahmeterminen eingespielt. "Crescent" unterscheidet sich von Coltrane's Alben der vorherigen Zeit deutlich:

- Die entfesselte kraftvolle Atmosphäre von "Giant Steps" und "Favourite Things" weicht einer ruhigen und melancholischen Grundstimmung. Die Ur-Notizen des Materials waren übrigens Gedichte, die John Coltrane um jene Zeit gerne schrieb, z.B. an seine Frau Alice. Und das Album hat mehr als die vorherigen eine geschlossenen Aussage und spirituelle Anklänge.


Unterschiede zu anderen Coltrane-Alben jener Zeit: ____________

- Die ebenfalls ruhige LP "Ballads" war 1962 ein Auftragswerk, das auf Initiative der Plattenfirma gemacht wurde. Mit kurzen Saxophon-Versionen bekannter Fremdkompositionen aus Musical, Jazz und Schlager. Im Gegensatz zu Ballads bietet "Crescent" ausschliesslich Eigenkompositionen des John Coltrane Quartett, die im Schnitt ca. 10 Minuten lang sind. Crescent wurde auf Drängen der Gruppe selbst aufgenommen, nicht auf Intitiative der Plattenfirma.

- Daß John Coltrane sich mit damals mit spirituellen und religiösen Themen beschäftigte merkt der Hörer erstmals auf Crescent.
Wenn diese religiöse-hymnische Aussage auch noch nicht so forciert wurde wie auf der Nachfolge-LP "A Love Supreme", die "das Album des Jahres 1965" wurde. Einige Hörer halten Crescent gar für den Schaffens-Höhepunkt von John Coltrane, obwohl dieser Preis meist an "A Love Supreme" geht.

- "Crescent" kann man auch Leuten vorspielen, die keine Jazz-Fans sind. Die ideale Musik für eine elegante stilvolle Bar um 2 Uhr nachts. Musik, die niemanden vergraulen kann. Junge Menschen von heute können es als "Kuschel-Jazz" bezeichnen. John Coltrane hatte auch Einfluss auf die Popmusik.

Zusammenfassung: ____________________________________

Ich kann "Crescent" jedermann empfehlen, der auf melancholische Musik von ausgezeichneten Instrumentalisten steht. Man muss nicht mal Jazz-Liebhaber sein. Die CD bietet auf mehr als 80 % ihrer Zeit diesen ruhigen Charakter. Persönlich stelle ich "Crescent" noch über "A Love Supreme", Geschmackssache. Ähnlich wie ich das unbekannere ruhige "In a Silent Way" von Miles Davis über das erfolgreichere Folgewerk "Bitches Brew" stelle.

Wem der ruhige John Coltrane gefällt ... der sollte sich auch
"Ballads", "The John Coltrane Quartett Plays", "John Coltrane and Johnny Hartmann", "Duke Ellington & Coltrane", "Bags and Trane", "Coltrane plays the Blues" und "Lush Life" anschaffen.
Sowie "Kind of Blue", "Cookin'" und "Relaxin'" in seiner Zusammenarbeit mit Miles Davis.


Details: ______________________________________________

Aufnahmeperiode: April - Juni 1964

John Coltrane - Tenor-Saxophon, Sopran-Saxophon
Jimmy Garrison - Bass
Elvin Jones - Schlagzeug, Percussion
McCoy Tyner - Piano

Dauer: 40:10
Label Impulse Records
Preis: sehr unterschiedlich, im Angebot von 12 - 25 Euro


Anmerkung: Diese Rezension habe ich auch bei einer anderen Community veröffentlicht. Für Ciao.de habe ich "Crescent" überarbeitet. Mein Motiv war, daß es so gut wie keine Rezensionen über die Klassiker-LPs des melodischen Jazz gibt.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Wachbergindianer

Wachbergindianer

10.11.2009 20:18

War mir bisher völlig unbekannt. Aber Jazz mag ich ohnehin nicht so sehr. Ausnahme: Herb Alberts Tijujana Taxi! ;-) LG

roadster135

roadster135

20.03.2009 12:37

Schön, einen Bericht von jemandem zu lesen,der sich mit Jazz beschäftigt und auch auskennt. Crecent ist zweifellos ein Meilenstein in der Jazzgeschichte, obwohl mir persönlich der Coltrane in seiner "sheets of sounds-Phase", z.B. auf "Giant Steps" noch ein wenig besser gefällt.

knopfi.de

knopfi.de

26.02.2009 10:56

Ich muss gestehen, dass ich von ihm übnerhaupt noch nichts gehört habe. Aber ich höre in das Album rein! Danke für den Tipp! merci@knopfi

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  1. roadster135
  2. tapio-maunzi
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