Brainsaw
10. Jul 2009
Pro:
Auch ohne Sahne lecker !
Kontra:
Kann dick machen .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 hlemmur
Über sich:
zizi ist auch bubu.
Mitglied seit:06.07.2003
Erfahrungsberichte:151
Vertrauende:40
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden." - Kant "Crooked Timber". Das gefühlte siebzigste Album im gefühlten 200-jährigen Bestehens THERAPY?s. Kaum eine andere Band hat sich jemals effektiver und effizienter in den kommerziellen Selbstmord getrieben. Mehrmals. Konsequent. Ohne Scheu und ohne Reue. Die Iren haben eben Spaß. Spaß daran, sich ständig zu verändern und damit auch Leuten vor den Kopf zu stoßen, wenn es denn sein muss. Klar, das kann weh tun. Aber auch gut gehen. Langweilig wird es jedenfalls nie. Nie. Nie.
Und so gibt es Leute, die es doch glatt wagen zu behaupten, dass THERAPY? - abgesehen vom verängstigten "Shameless"-Album - noch nie wirklich enttäuscht haben. Und so gibt es Leute, die "Troublegum", den beinahen Durchbruch, geliebt haben und danach nie mehr zu THERAPY? gefunden haben. Und dann vielleicht wieder bei "High Anxiety" aufgehorcht haben, aber bei "Never Apologise, Never Explain" weghören mussten. Und dann gibt es Leute, die "Suicide Pact - You First" für ein mutiges, grandioses Werk halten. Vielleicht sogar das beste der Iren. Andere wiederum finden das Album unhörbar und schrecklich. Und dann gibt es noch die Alben zwischendrin. Die, die polarisieren, aber nicht unbedingt erschrecken.
"Crooked Timber" ist keines davon. Auch wenn der direkte Vorgänger "One Cure Fits All" nicht unbedingt die Eingängigkeit in Person war: Freunde der eher seichteren THERAPY?-Unterhaltung konnten bestimmt den ein oder anderen Hit im Gebräu finden (wie kann man bei "Unconsoled" nicht schwach werden?). Nichts deutete jedenfalls auf einen zweites "Suicide Pact - You First" als Nachfolger hin. Obwohl "Crooked Timber" musikalisch nicht wirklich viel mit dem Werk von 1999 gemein hat, so ist es doch ähnlich radikal und schockierend. Der nächste große Haken in der hoffentlich ewigen Geschichte der Band.
"Crooked Timber" wirft souverän so gut wie alle melodischen Ansätze über Bord. Unglaublich sperrig, leicht lärmig (aber im Vergleich zu den Frühwerken oder dem "Suicide Pact" doch recht sauber) und dermaßen Rhythmus-verliebt, dass man manchmal weinen möchte. Weenie Beenie Heenie. Einen so verqueren Song wie "The Head That Tried To Strangle Itself" an den Anfang zu stellen ist gleichzeitig leichtsinnig, dumm, perfide und raffiniert. Besser kann man den Hörer nicht spüren lassen, wie sehr man ihn an den Eiern hat. Mit dem furztrockenen "Enjoy The Struggle" gibt dann zwar zur milden Versöhnung einen angedeuteten Hit aber viel mehr Kompromisse werden THERAPY? im Laufe der 50 Minuten nicht eingehen. Viel mehr: Das Album ist so schwarz wie das spartanische Artwork. Sänger/Gitarrist Andy Cairns haut zwar ein fettes Riff nach dem anderen raus, aber die Stars dieser Scheibe sind eindeutig Bassist Michael McKeegan und Drummer Neil Cooper. Beide glänzen und strahlen. Beide fusionieren zu etwas Größeren, das der Scheibe ihren unvergleichlichen Drive gibt. Ein Song wie das perkussive, an frühe KILLING JOKE erinnernde "Exiles" zeigt wunderbar, was der Welt entgangen wäre, wenn die Band sich dazu entschlossen hätte, stets den poppigen, punkigen Rock des kommerziell erfolgreichen "Troublegum"-Albums zu kopieren und aufrecht zu erhalten. In dieser Band steckte schon immer soviel mehr. Passenderweise wurde die Scheibe von Andy Gill produziert, der auch schon Bands wie eben KILLING JOKE und THE JESUS LIZARD soundtechnisch veredelte. Gute Referenzen. Und FUGAZI. Aber die haben immer wieder mal vorbeigeschaut.
"Magic Mountain" ist die nächste große Überraschung. Ein zehnminütiges Instrumental. Von THERAPY?. Das muss man erstmal verdauen. Und sich dann der Schönheit öffnen (Stichwörter: Flug, Berg, Luft). Die findet man z.b. auch im Titeltrack, zu dem die Band ein tolles Video gedreht hat. Es ist ja nicht so, dass "Crooked Timber" ein furchtbar unzugängliches Album bleibt. Man muss sich eben nur um das Album kümmern. Traurig, dass das dafür meistens die Geduld fehlt. So versinken die Perlen im Meer. Der Abschlusstrack "Bad Excuse For Daylight" ist wahrscheinlich der beste THERAPY?-Rausschmeißer seit "30 Seconds" von "Infernal Love". Wundersamerweise werden Assoziationen wach, obwohl die beiden Songs musikalisch und strukturell so gut wie nichts miteinander zu tun haben. Licht gibt es immer am Ende des Tunnels. "Crooked Timber" überrascht nicht nur durch seinen Stil, sondern auch durch die Qualität. Denn irgendwie war es fühlbar und greifbar, dass die Band nach "One Cure Fits All" möglicherweise endgültig ihr Pulver verschossen haben könnte. Nein. Nein. Nein. "Crooked Timber" ist definitiv ein Neuanfang, kein Abgesang. THERAPY? haben sich immer durchgebissen. Denn die Steine, die haben sie sich selbst in den Weg geschmissen. Aber dabei immer ihr Gesicht bewahrt. Das verdient Respekt. Egal, wie man nun zu den verschiedenen Phasen und Launen der Band steht.
Ein wunderbares Erlebnis. ---------------------------------
THERAPY? - Crooked Timber DR2 Records/Global Music 2009 01. The Head That Tried To Strangle Itself 02. Enjoy The Struggle 03. Clowns Galore 04. Exiles 05. Crooked Timber 06. I Told You I Was Ill 07. Somnambulist 08. Blacken The Page 09. Magic Mountain 10. Bad Excuse For Daylight
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Ausgabedatum: 2009-03-20, Audio CD, DR2 Records (Intergroove)
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01.09.2009 16:28
Sind Krummholznager eigentlich auch bubu und zizi? Dein Bericht macht nicht übel laune, mich mal daran zu versuchen. Ich mag ja "Troublegum", "Shameless" und den ein oder anderen weiteren Song wie 'Teethgrinder' oder so. Mich kann nichts schrecken außer vielleicht Beliebigkeit.
20.07.2009 10:56
Danke für den Tipp, Therapy? könnte ich eigentlich auch mal wieder hören und wiederentdecken.
11.07.2009 12:04
Ich kenne Therapy nur als Spiel....;o) LG!