Hartz Eins
14.02.2005
Pro:
keine gute, aber eine sehr markante Stimme
Kontra:
Nur Steine leben lang
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 LosGatos
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:253
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 113 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hans Hartz lebt nicht mehr. Er starb schon vor über 2 Jahren am 30.11.2002. Nicht einmal 60 ist er geworden. Auch er gehört zu denen, den der Krebs viel zu früh hinweggerafft hat. Manche von Ihnen werden jetzt meinen, Hans Hartz sei für sie ein unbeschriebenes Blatt. Die meisten von Ihnen haben ihn aber sicher schon einmal gehört. Er singt auch heute noch in der Bierreklame im Fernsehen immer wieder sein „Sail away! Dream your dreams! You will always find a chance to make your feeling come true!” Also doch, ich sag’s ja…. In den 60ern sang Hartz in der Rock-Band Lake, er war Seefahrer, Bauarbeiter, Sozialpädagoge. Von allem ein bisschen, aber kein Star, eher ein Mensch wie Sie und ich. Der Name Hans Hartz wurde in Deutschland in den 80ern Jahren quasi über Nacht bekannt. Es war nicht die Neue Deutsche Welle, der er angehörte, er war eher Nordseewelle. Aber es war wohl in etwa die gleiche Zeit. Jedenfalls erschien 1982 sein resignierend und frustriert klingender Kracher DIE WEISSEN TAUBEN SIND MÜDE. Ja, dieses Lied beginnt so ruhig und melancholisch, und dann explodiert er regelrecht mit anklagender Stimme. Love & Peace das war einmal. Und was hat es gebracht? Schließlich lief das Wettrüsten in den frühen 80ern noch auf vollen Touren und Ronald Reagan ließ uns freundschaftlich wissen „Germany, you’re not alone“.
Es war nicht nur dieser Kultsong, der ihn mit einem Schlag so bekannt machte. Es war vor allem seine raue Stimme. Sein Markenzeichen. Der deutsche Rod Stewart sozusagen. Der Seemann Hartz war auch der blonde Hans. Oder der raue Hans. Oder einfach Hartz Eins. So gerne ich auch heute noch „Die weißen Tauben sind müde“ höre, es ist längst nicht mein Lieblingssong von ihm. Viel schöner finde ich z.B. seinen Auswanderersong KANADA. Ein Abschiedslied von einem, der mit allem bricht, aber alles geregelt zurücklässt, ob Schulden oder die Liebschaft. Jetzt wird alles gut,
„denn in Kanada, in Ottawa, da werd’ ich schnell vergessen, da zählt nichts von dem, was einmal war, da werd’ ich Kaiser, König, Zar, und ihr, ihr sterbt indessen.“ Hartz war ein Rocksänger, Tendenz Softrock, aber er war kein Schmusesänger. Das gab seine Stimme nicht her, auch wenn er sich schon mal zwischendurch in Sprechgesangspassagen ausruhte, um hinterher immer wieder zu explodieren. Und vor allem kam es ihm darauf an, nicht irgendwelche gefälligen Texte herunterzuträllern. Alle seine Lieder hatten immer eine Botschaft. Zuhören empfohlen. Denn meistens sang er ja deutsch. Bis „Sail away!“ kam.
Mein absoluter Favorit ist der Feel-Good-Song 8:10. Hier mischen sich zwischendurch gar südliche Klänge unter die Rockmusik. Und dann darf geträumt werden zu der roten Sonne, die nur noch 5 Minuten Zeit hat. Und wenn wir schon bei den aufmunternden Liedern sind, auf die sich Hartz so verstand, verspricht MUSIK AUS DER FERNE... DACAPOS IM WIND weitere Zuversicht. „Ich hör’ sie so gerne“ bringt es auf den Punkt.
Und sonst? Schlechte Songs gibt es auf dieser CD nicht. Only the Good die young. Und NUR STEINE LEBEN LANG. Das hat Hans Hartz jedenfalls früh erkannt. Schade, dass es auf ihn selbst zutreffen musste. Klar, dass das Nordlicht Hartz sich entsprechenden Themen wie STURM (Blow cold wind blow) oder WENN MÖWEN SCHREI'N, weil mal wieder ein Öltanker eine Umweltkatastrophe verursacht hat, widmet. UNSER LAND war, soweit ich mich erinnere, Titelsong der Fernsehserie „Schwarz, Rot, Gold“, wo Uwe Friedrichsen einen Zollfahnder mimte. Wir sind das Volk, das aus kleinen Würstchen oder besser Bananen besteht, die in dieser Republik von ein paar Geldhaien zerquetscht werden. So oder so ähnlich ist hier die Botschaft. Auch in AUF EIN WORT ist Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wieder sein Thema. Bloß keine falschen Freunde. Und ICH LEBE NOCH: das hat sich leider erledigt.
Das „Beste von Hans Hartz“ liefert knapp 60 Minuten Erinnerungen an den Mann aus Husum. Hier die 13 Empfehlungen im Überblick: 1.Die weißen Tauben sind müde 2.Nur Steine leben lang 3.Sturm 4.Kanada 5.Sein Problem 6.8 : 10 7.Unser Land 8.Wenn Möwen schrei'n 9.Winter Nr. 34 10.... und nannten es Glück 11.Auf ein Wort 12.Ich lebe noch 13.Musik aus der Ferne... Dacapos im Wind
Hans Hartz war ein Lichtblick am deutschen Rockhimmel. Aber leider nur eine Sternschnuppe, die schnell erlosch. Copyright LosGatos Erstveröffentlichung 14.2.2005 Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
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14.05.2005 20:17
Ja, an die weißen Tauben erinnere ich mich. Die haben mir auch sehr gut gefallen. Aber den Namen Hartz verbinde ich mit jemandem anderem ;-) Gruß Klaus
20.03.2005 14:17
Guter Bericht! Leider kenne ich die Musik nicht. Gruss,Markus
18.03.2005 18:08
also ich kenne hans hartz und finde seine musik absolut großartig, aber das er das in der werbung singt, wußte ich bis jetz noch nich:-) man lernt nie aus... mein lieblingslied: 95 tage