Erfahrungsbericht über

Death Cult Armageddon - Dimmu Borgir

Gesamtbewertung (6): Gesamtbewertung Death Cult Armageddon - Dimmu Borgir

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Tod, Kult, Armageddon!

5  12.11.2003

Pro:
das was passiert, wenn diese Scheibe abgespielt wird

Kontra:
etwas, das ich persönlich nicht zur Musik, sondern höchstens zur Aufmachung sagen könnte und dieses im Bericht auch tue

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

Häufigkeit der Nutzung

Dieser Tonträger ist:

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marcodg

Über sich: momentan verbringe ich etwas weniger Zeit hier - mein Studioequipment fordert starken Missbrauch

Mitglied seit:29.12.1999

Erfahrungsberichte:129

Vertrauende:11

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 49 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Death Cult Campain Tour. Es sprach Shagrath am 1.10.2003 in Halle:
3 gute Nachrichten: 1. – wir sind hier... 2. – wir haben ein neues Album am Start namens „Death Cult Armageddon“... 3. – (hab ich vergessen, egal)

Aus meiner Sicht wirklich gute Nachrichten, und somit muss ich ihm im Nachhinein noch mal Recht dafür geben, auch wenn er die Englische Sprache benutzte und ich einfach mal frei übersetzte.
Denn 1. – wie unamüsant wäre die Metal Welt ohne Dimmu Borgir, zumindest für mich? Ich habe nämlich noch nie derart viel überflüssiges Geschwafel, Pro und Kontra, True und Kommerz oder total verkrampfte Styledefinitionen seitens aller möglichen Metaller gehört, oder passender Weise hier gelesen, wie im Zusammenhang mit eben dieser Band, und so war und bin einfach jedes Mal wieder aufs Neue fasziniert und erheitert zugleich, wie viele kindliche Energien freigesetzt werden können und ein Album nur dann als „true“ bezeichnet wird, wenn es mehr oder weniger beschissen abgemischt wurde und ohne jegliche Zugabe über Gitarre-Bass-Schlagzeug hinaus auskommt.
Ok, ok, sicher mache ich es mir seit jeher zu einfach und bewerte Musik nicht ob die Pseudoschubladen zu klein geraten sind, sondern nach dem Prinzip ob sie mir gefällt und gut gemacht ist. Wobei mich letzteres zur 2ten guten Nachricht und eigentlichem Thema bringt:

DEATH CULT ARMAGEDDON

Nein, kein Konzept Album. Einfach nur 11 Dimmu Borgir Songs die zum Teil ineinander übergehen. Einfach nur ein Dimmu Borgir Song, das dürfte die meisten Nachwuchsbands ja schon überfordern. Weil nur mit Schlagzeug, Bass und Gitarre kommt man da mittlerweile nicht mehr ran; spätestens seit „Enthrone Darkness Triumphant“ sollte bekannt sein, das sich das ganze wesentlich tiefgründiger, vielschichtiger und abwechslungsreicher darstellt. Es bedarf schon über den üblichen Black Metal Standart hinaus den Einsatz von mindestens einem anständigen Synthesizer und einem Soundtüftler dahinter (Anm.: alleine mit einer Workstation wie dem KORG Triton lassen sich bereits komplett eigene Songs machen), einem zweiten Sänger für das echte Wikinger Feeling, einem Textschreiber dessen Wortschatz auch solche tatsächlich existierenden Begriffe beinhaltet, die man ausschließlich in genau diesem einem Text wiederfindet, die Fähigkeit, locker fluffig verträumte Melodien oder gar Orchester Arragements genauso wie brutal harte und eingängige Riffs zu schreiben, und dann muss man all diese Komponenten erst einmal so zusammenfügen, dass letzten Endes eine Mischung dabei herauskommt, die an die Qualitäten der Skandinavier herankommt, womit ich ganz bestimmt nicht nur die Verkaufszahlen meine.
Dimmu Borgir machen aus meiner Sicht faszinierende Musik auf Black Metal Basis, die sehr viele Elemente aus noch mehr Musikrichtungen beinhaltet, trotzdem immer wieder kompromisslos eindeutig nach sich selbst klingt und seit Jahren immer die schier unglaubliche Hürde meistert, an Komplexität immer noch einen draufzulegen.

Der Nachfolger von „Puritanical Euphoric Misanthropia“, meinem persönlichen Einstieg in die musikalischen Abgründe der Band, erschien Mitte September 2003 und das gleich in diversen Auflagen: CD, Digipack, DVD-Audio im 5.1 Sound, Doppel Vinyl sowie einer speziellen Edition mit Buch für die Hardcore Fans mit ganz viel Geld und verweilte zu meinem Erstaunen sogar einige Zeit in den Deutschen Album Top 100, in der norwegischen Heimat knackte man sogar die Top 10.

Die Aufmachung des Digipack´s ist ein wenig skuril geraten, passt aber zum Albumtitel. Und es dürfte sich in meiner Sammlung erstmalig um ein Exemplar handeln, bei dem das oben zu sehende Frontcover in der Mitte aufzufalten ist...
Zumindest hat man sich Mühe gegeben die eigentliche CD gut zu verstecken und ein lustiges Bandfoto hervorzuheben, in dem es wahrscheinlich darum gehen soll die inoffizielle Meisterschaft im böse Grimassen schneiden zu gewinnen (im Prinzip könnte man den nach oben aufzuklappenden Pappteil abreißen und entsorgen, nur fehlt dann das eigentliche Albumcover).
Die Bandfotos im Booklet dann auch noch mal eher peinlich klischeebehaftet als kultig, wobei Shagrath am Jack Daniels Tropf und der Krankenschwestern-in-Latex Begleitung erfrischend witzig wirkt. Daneben gibt es massenhaft Aufschüttungen menschlicher Gebeine und okkult Blasphemisches. Aber da ist ja nun auch endlich die Cd:


Death Cult Armageddon:

Allegiance
Progenies Of The Great Apocalypse
Lepers Among Us
Vredesbyrd
For The World To Dictate Our Death
Blood Hunger Doctrine
Allehelgens Dod I Helveds Rike
Cataclysm Children
Eradication Instincts Defined
Unorthodox Manifesto
Heavenly Perverse
Satan My Master (Bonustrack)

Und was da auf knapp 64 Minuten (66 mit Bonustrack) zusammengefasst ist, kann sich mehr als einfach nur hören lassen. Die Saturn Werbung gab die wohl treffendste Kurzbeschreibung, die man dafür finden kann: sinfonischer Bombast Metal, soweit ich mich erinnere. EMP stellte das ganze als „Orchester des Grauens“ vor. Und das trifft wirklich in beinahe jeder Sekunde zu. Death Cult Armageddon ist die perfekte Fusion aus Black (or whatever) Metal und schwerer, dramatischer, klassischer Musik a la Wagner oder Beethoven.

Die einzelnen Songs (diese in unqualifizierter, plumper Weise a la „die Klaviermelodie ist vorbei und ein schnelles Schlagzeug setzt ein“ auseinander zu nehmen wäre Blasphemie an der Blasphemie und somit somit äußerst hohl) sind mehr oder weniger das, was logischer Weise nach den beiden vorangegangenen Alben „Spiritual Black Dimensions“ und „Puritanical Euphoric Misanthropia“, kommen musste, zumindest was die extrem düsteren, schweren Stimmungen, die Thematik der Lyrics, Effekteinsatz wie bspw. die Vocoder Verzerrungen auf Shagrath´s eh schon krasser Hexenmeisterstimme und den Einsatz von Samples und Klassik angeht, und dürften nun eigentlich nicht wirklich die Sensation schlechthin darstellen.
Anstelle von verwirrenden Experimenten und musikalischer Umorientierung hat man sich mal eben auf alt bewährtes berufen, dieses aber perfektioniert und ein rundherum solides Album abgeliefert. Nicht mehr und nicht weniger, jedoch hat man unglaublich an den Einzelnen Stücken gefeilt, und genau dort sehe ich die Stärken des Albums.

Egal ob brutales Blast Geknüppel, Midtempo Parts, melancholisch schwermütige Momente, satte, groovige Riffs, infernale Soundpassagen, dem Genre ausbrechende Gitarrensoli oder Vortex´ gelegentliche klare Gesangsparts, alles hat seinen Platz, passt und wirkt wie selbstverständlich. Ihre Instrumente beherrschen die Herren dazu wirklich vorbildlich.
Jedes einzelne Stück ist für sich ziemlich markant, was sich bei den ersten Höreindrücken vor allem durch diverse Intros zeigen dürfte. So bildet das appetitliche Summen eines Brummer- bzw. Fliegenschwarms den Auftakt zu „Lepers Among Us“, „Eradication Instincts Defined“ beginnt mit fast zwei Minuten pompöser Klassik bevor es so richtig kracht, den fließenden Übergang zu „Unorthodox Manifesto“ schafft ein morbides Kriegsszenario und „Heavenly Perverse“ startet mit einem Akustikgitarrensolo und dazugehöriger Krähenbegleitung.
Zum deutlich überwiegenden Teil gehen die Songs der Scheibe gnadenlos, brachial und urgewaltig nach vorne, werden zwischendurch immer wieder mal aufgelockert, um dann noch mehr abzugehen und sind durchweg von der düsteren Sorte.
Das mit Abstand an Tragik hervorstechendste Stück dürfte zweifelsfrei „Blood Hunger Doctrine“ sein, dessen Tempo zudem als einziges konstant schleppendend über die gesamte Spielzeit bleibt.
Außerdem hat man seit „Stormblåst“ mal wieder zwei Titel in norwegischer Sprache auf einem Album veröffentlicht, wobei ich zugeben muss, dass beim unbewussten Hören der Eindruck entsteht, Shagrath würde komplett auf Englisch krächz – gröhlen. Egal, denn es was, und vor allem wie es dem Hörer losgelassen wird, ist nicht unbedingt etwas für Frohnaturen und passt genau zum Albumtitel. Ein kompliziert textliches Gemisch aus Menschenfeindlichkeit und Verachtung des Christentums, das stimmlich, wie aus finstersten Abgründen, besser nicht umgesetzt werden konnte.
Wahrscheinlich dürfte sich grade hier der Effekt einstellen, dass man entweder alles genial findet oder wohl eher gar nichts.

Die Songs glänzen durch Abwechslung, sind perfekt arrangiert und besitzen eine unbeschreiblich gute Dramatik, die sogar schon Leute aus meinem Bekanntenkreis begeistern konnte, die mit diabolischer Musik eigentlich gar nichts freiwillig anfangen.
Vielleicht ist eine mögliche Ursache dafür das Bandgefüge, das sich mit Shagrath, Silenoz, Galder, Mustis, Vortex und Nick Barker erstmals nicht von Album zu Album verändert hat und so wie es ist, mehr als gut zu funktionieren scheint. Zumindest kann ich mir es nicht anders erklären, wie sonst ein Haufen satanistischer Alkoholiker, von denen so ziemlich jeder kompositionstechnischen Anteil an den einzelnen Stücken hat, derart geile Musik zu Stande bringen kann.

Nun zum sensationellen Teil, nämlich das was die Produktion angeht.
Klanglich stellt das Werk der Norweger mit Abstand Alles in den Schatten, was ich aus dem Genre bisher gehört habe. Darüber hinaus zumindest trifft es ca. so ziemlich genau meinen Nerv. Das Prager Philharmonie Orchester, das für die klassischen Parts engagiert wurde, klingt in Verbindung mit Dimmu Borgir derart düster, wuchtig, infernal, gewaltig und ist zu jeder Zeit einfach nur so perfekt eingearbeitet, dass ich mich ernsthaft frage wie man das eigentlich jemals toppen soll.
Bereits auf einer mittelmäßigen Anlage klingt die CD schon mehr als einfach nur gut, druckvoll, gradezu berauschend intensiv und wirklich bombastisch.

Spontan fallen mir zwei Vergleiche ein. Das Cradle Of Filth Album „Damnation and a Day“ war zwar schon nicht schlecht, der Mix der Klassik Elemente in den einzelnen Stücken wirkt aber einfach nur blass und dezent dagegen (und ich möchte bemerken dass ich dieses Album schon sehr, sehr geil finde).
Metallica´s „S&M“, eine Sache bei der Budget garantiert außen vorstand, „glänzt“ in meinen Augen dagegen durch reichlich unpassende Arragements, die zum Teil fast stören.
Bei Death Cult Armageddon hingegen könnte man meinen, dass Dimmu Borgir nie ohne orchestrale Begleitung gearbeitet haben. Stücke wie „Progenies Of The Great Apocalypse“ oder „Eradication Instincts Defined“ lassen eine Mischung entstehen, die ausgereifter nicht sein könnte.

Und um es abschließend noch mal auf den Punkt zu bringen: ich finde dieses Album einfach nur geil, und dieses komplett und ohne Ausnahme! Live kommen die Stücke gut rüber, im Auto sowieso und in meinem PC läuft das Ding auch ständig hoch und runter. Meine Favoriten sind mindestens die Hälfte aller Songs, wobei mich „Eradication Instincts Defined“ von der genialen Machart her am meisten beeindruckt hat.

Wer nicht weiß, wer Dimmu Borgir sind (ja, DU ließt hier doch nicht alleine, Wissende/r), unter www.dimmu-borgir.com gibt es neben Soundsamples und dem Link zum Videoclip von „Progenies Of The Great Apocalypse“ die kompletten Lyrics, Bilder usw.
Ein zugegeben irgendwie beschissener Schluss, den dieses tadellose Meisterwerk eigentlich nicht verdient hat. Was solls....

Danke fürs Interesse
Marco Danneberg


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
logan

logan

11.12.2003 20:22

hmnjooohnaaja. überbewertet. bombastrock ohne überraschungen.

Kyria

Kyria

04.12.2003 11:09

Jaha jaha, ich weiß ja schon länger dass es die neue gibt, aber ich habe sie bisher nicht gekauft. Weil ich momentan nicht viel mit BM am Hut habe, nicht mal wenn er von Dimmu stammt. Hm. Nun werde ich doch wankelmütig. Ich halte ja nix von Weihnachten, aber mich selber beschenke ich jedesmal ziemlich reichhaltig (irgendwohin muss das Weihnachtsgeld ja geblasen werden, wer soll die deutsche Wirtschaft denn ankurbeln, wenn nicht ich?!?). Also, sie steht schon aufm Wunschzettel und wird wahrscheinlich sogar noch heute gekauft (Geheimadresse für Metalartikel allgemein: www.lifemailorder.de, günstig und sehr zuverlässig, haben sogar Shirts und DVDs und alles weitere mögliche). Schön mal wieder von dir zu lesen, Lieber, in gewohnt hervorragender Qualität. Seufzzzz, wann bist du endlich fertig mit Studiomissbrauch???

gnoi

gnoi

14.11.2003 21:41

Jaja, ich hab bis jetzt nur ein paar MP3s, aber die sind allesamt richtig goil ;) Ich hab einen Song mal meiner Omma vorgespielt und die fands ned schlecht, goil wa?

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