... Der martialische Name ist durchaus Programm für das roughe Auftreten der Frankfurter. Die Mixtur aus harten, englisch-, deutsch- und türkischsprachigen Reimen und harten Beats steht stellvertretend für die Ghetto-Attitude der Headz aus der Mainmetropole. Die Warriors sorgen 1994 mit der beim ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von I-c-h über Der Bozz (Ltd.Pur Edt.) - Azad 18.08.2004
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Häufigkeit der Nutzung
so oft wie möglich
Dieser Tonträger ist:
der beste des Künstlers
Pro:
übelst geil !
Kontra:
Warheit enttäuscht einen ! : (
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Wer sich in der deutschen Rap-Szene umsieht trifft oft auf die Städte Berlin, Hamburg, Stuttgart und auch Dortmund. Frankfurt wird oft als zweitklassig angesehen, doch das ist ein großer Fehler. Azad ist das beste Beispiel dafür, dass Frankfurt eine übelst geile Rap-Szene hat. Az ist ein kurdisches Flüchtlingskind der nur schlecht Anschluss findet, doch nicht aufgibt. Seine Hiphop-Roots kann man bis ins Jahr 1988 zurückverfolgen. Bereits mit 14 rockt er zusammen mit A-Bomb, Combad und D-Flame als Cold-N-Locco so manche Shows. Zwei Jahre später wird der Name in Asiatic Warriors geändert. Der martialische Name ist durchaus Programm für das roughe Auftreten der Frankfurter. Die Mixtur aus harten, englisch-, deutsch- und türkischsprachigen Reimen und harten Beats steht stellvertretend für die Ghetto-Attitude der Headz aus der Mainmetropole. Die Warriors sorgen 1994 mit der beim Ruff'n'Raw-Label gedroppten EP "Told Ya!" überregional für Aufsehen. Kurz danach löst sich die Gruppe aber leider auf. Danach geht Az mehr oder weniger wieder unter. 1997 unterschreibt er einen Vertrag bei Moses Pelhams Label 3p. Er profitiert von den Features bei Bruda Sven und Illmatic und man hört ihn auch auf diversen Mixtapes. Aber Az kann mehr als nur rappen. Er freestylet, macht eigene Beats und ist auch an den Turntables sehr talentiert. Gemeinsam mit seinem seit Jahren erfolgreich rollenden Turntablism-Team "Transformers" (mit DJ Drago, Twister und Release) gewinnt er 1998 den "Da Swing DJ Battle" und veröffentlicht mit diesem bis Ende des Jahres 2001 eine Maxi. Sein erstes Album "Leben" ist ein großer Erfolg und Az macht immer weiter. Auch sein zweites Album „Die Faust des Nordwestens“ wird ein Erfolg und seine Single-Auskopplung „A“ kommt in die Charts. Nun ist er mit seinem neuen Album „Der Bozz“ zurück. Das Album wollte er ursprünglich über Optik Records rausbringen. Doch er konnte das Angebot von Universal nicht abschlagen und so ist er jetzt dort gesignt. So wie Bushido, der kürzlich bei Aggro Berlin ausgestiegen ist. Jetzt können sich die Fans auf eine gemeinsame Tour und wahrscheinlich auch zukünftig auf gemeinsame Projekte freuen. Azad hat zudem vor ein Album zusammen mit Kool Savas herauszubringen, aber es steht noch kein Releasdate fest. Sein neues Album ist auf jeden Fall das Beste, es hat einen viel besseren Flow. Er spricht wesentlich deutlicher als auf den alten Alben :-) und er bringt Beleidigungen auf höchstem technischen Niveau. Die Beats kommen diesesmal nicht mehr ausschließlich von Azad, auch drei bis dato noch relativ unbekannte Producer an Bord des Bozz Musik Teams namens MILAN und STI und MARTELLI haben sich aktiv beteiligt.
Das Cover: Azad ist mit verschränkten Fingern vor dem Gesicht und einer Kappe auf dem Kopf zu sehen. Man sieht praktisch nicht viel mehr, als seine Hände und seine Augen. Links oben ist sein fettes Logo weiß aufgedruckt und darunter steht Der Bozz. Ganz unten links ist noch klein BOZZ draufgeschrieben. Der Hintergrund ist schwarz. Ich habe für die CD 16.99€ bezahlt. Man bekommt sie eigentlich in jedem Musikladen oder im Internet.
Die Trackliste: 1. Intro 2. Der Bozz 3. Flieh 4. Mein Block 5. Toni El Shout 6. Phoenix 7. Peiniger 8. Judgement Day 9. Reflektionen (In Meinen Augen) 10. Blackout 11. Skit 12. Kopf Hoch 13. Zahltag 14. Outro
1. Intro 0:38 : Ein Intro eben, was soll man dazu sagen... :-)
2. Der Bozz 3:35 : Mit "Ich hab eure Zeit gelassen zum Spielen, ihr konntet euch wie jemand fühlen. Ich war weg, doch der Bozz ist back", sorgt Azad im Opener "Der Bozz" über dramatisch bösen, fett produzierten Eastcoast-Sound für klare Verhältnisse. Er zeigt mit seiner aggressiv tiefen Stimme wer der Beste im Business ist. Der militärisch klingende Beat passt gut zu dem zweiten Teil des Refrains „Kniet nieder! Salutiert! Steht stramm! Ihr wisst dass es hier nur einen geben kann yo, der Bozz ist back.“ Mit seinen bösen Rhymes schüchtert er jeden Wannabe ein.
3. Flieh 3:48 : Auch bei diesem Track geht es darum, dass andere Leute hier keine Chance haben, weil Az „Der Bozz“ ist. Der einzige Track bei dem er einige Wortspielereien hat. Bsp: Atomkraftrap.
4. Mein Block 3:32 Mittlerweile kennt man ja schon Blöcke in der Isarmetropole, Schöneberg, im Märkischen Viertel und in Mönchengladbach. Jetzt kommt noch Azads Block in der Frankfurter Nordweststadt dazu. Eindrucksvoll schildert er das „Ghetto-Leben“ in der kriminellsten Stadt Deutschlands. Er sagt, dass aus seinem Block der Beste Rap der Welt kommt. Man sieht, die Straße härtet ab und er redet selbst von seinem „Revier“. In einem Interview mit einer Hip Hop-Seite erklärte Azad zwar, dass der Track vor Sidos gleichnamigen Megahit entstanden sei. Nach der Attacke auf den Hip Hop-Open muss sich seine Version jedoch mit der des Berliners messen lassen. Und meiner Meinung nach, ist Azads Block viiiel geiler als der Track von Sido dem Toy.
5. Toni El Shout 0:21 : Toni L Verarschung! Azads Konkurrenz wird eben nicht verschont! :)
6. Phoenix 3:13 : Die erste Singleauskopplung aus dem Album. Eine Zeile aus dem Refrain der ersten Single "Phoenix" vertieft die Motivation des Frankfurters: "Ich will nach oben, Homie". Über einem melancholischen Piano-Loop öffnet Azad seine Seele und erzählt nach den vorangegangenen Hasstiraden von seinem Struggle: "Ich schreibe Zeilen mit dem Blut des Lebens, will das Gute seh'n. Ich kenn es gut, das Elend." So musste er eine Zeit lang auf dem Boden seines kleinen Musikstudios schlafen. Nach dem Universal-Deal sieht Azad jedoch Licht am Ende des Tunnels und fordert in "Phoenix": "Ich will kein Käfer, ich will AMG fahren, Leder, großes LCD für Navigator, dickes Haus und fett Monetos." Es ist einer der wenigen ruhigeren Tracks, was sich beim Anhören aber keineswegs schlecht auswirkt.... und für den Producer Martelli schon mal vorab ein dickes Plus an Talent und Sympathie entwickelt. Es ist ein unglaublich atmosphärischer Beat für die Wiederauferstehung Azads produziert, welcher mit treibendem Drumset und extrem melodiösen Samples überzeugt und Azads Raps Einzigartigkeit untermalt. Der Beat hypnotisiert und jeder der Rap nicht nur nebenbei sondern mit Leib und Seele hört sollte bei diesem Lied die Augen schließen und einfach lauschen. Hammer, wenn Azad sein Leben erzählt. Auch das Video dazu ist super gemacht.
7. Peiniger 3:13 : Wieder einer der böseren Tracks. Azad ist für den Kampf bereit. Druckvolle Reime battlen seine Konkurrenz. Er rappt davon, dass ihn keiner stoppen kann und er der Bozz ist. Seine Feinde nennen ihn den Peiniger, sagt er.
8. Judgement Day feat. Warheit 3:21 : Der Track fängt schon mit “Ihr Fotzen” an. Das Lied enttäuscht einen. Azads Crew „Warheit“ benutzt den Schimpfwortschatz von A-Z und das ist eigentlich das, was den deutschen Rap schlecht macht. Sie machen einen auf Oberchecker und auf pubertäre Kinder. Und der Flow lässt auch zum Wünschen übrig... Sorry, das ist Aggro Berlin-Niveau und hat mich echt enttäuscht.
9. Reflektionen (in meinen Augen) 3:36 : Weiter geht’s mit einem sehr chilligen Beat mit Instrumenten und Trommeln eingebaut ... Azad erzählt über einen Tagesablauf von ihm und wie oft er an einem Tag mit seinen alten Zeiten konfrontiert wird. Wo er noch arm war und ein schlechtes Leben führte und das er dies niemals wieder haben will. Er erzählt das negative an seinem Alltag. Lyrisch ein absoluter Hammer.
10. Blackout 3:04 : Bei "Blackout" indes knallt die Prügelei mit Sido wie eine rechte Grade in den Kopf des Zuhörers. "Du bist ein Opfer, das am Mic ein großes Maul kriegt. Ich zeig dir die Realität und zwar direkt mit meiner Faust, Bitch." Er disst Sido zu Recht, schließlich hat er ihn beim diesjährigen HipHop Open angegriffen und trotzdem abgeloost. Sido ist ihm körperlich genauso wie rapmäßig total unterlegen und deswegen verliert er den Kampf auch chancenlos.
11. Skit 4:24 Die ersten 2 Minuten und 12 Sekunden zählt er seine Homies auf. Dann bekommt man noch kurz sein Talent zu spüren. Er rappt einige Verse so schnell, dass einem die Ohren abfallen. Als ich das das erste Mal gehört habe bin ich fast vom Stuhl gefallen! :)
12. Kopf hoch feat. Jonesman Diesen Track widmen Azad und Jonesmann all den Menschen die fertig mit der Welt sind, keine Perspektiven haben und keine Lust mehr am Leben haben. Sie möchten diesen Leuten wieder Mut machen und das es immer etwas gutes im Leben gibt ... auch wird bei diesem Thema von den beiden über Gott gerappt. Sie rappen davon, dass man nicht aufgeben soll und Gott jeden liebt. Zwischen den Parts der beiden erklingt ein R&B Hook der sehr gut zu dem ruhigen Beat passt. Schon der Beat hypnotisiert und der Text dazu regt zum Nachdenken an. Wenn es einem schlecht geht muss man nur dieses Lied hören, schon geht es einem besser. Man kann sich richtig ermutigen lassen.
13. Zahltag 3:42 : Der Beat ist etwas langweilig, aber das macht nicht viel aus, da der Sound sich sehr im Hintergrund hält und die Stimme von Az alles übernimmt. In dem Text rappt er davon, dass er zu jedem den er nicht kennt nett ist und gerne seinen Frieden teilt. Er will das machen, weil es schon zu viel Shit auf der Welt gibt. In dem Track battlet er diejenigen, die vorne herum nett zu ihm sind und die hinten rum einen auf Dicken machen. Im Refrain rappt er davon, dass er mit diesen Leuten abrechnet („Heut ist Zahltag“) und er über sie rollen wird, wie ein Panzer.
14. Outro 0:14 Outro eben, so wie Intro! *g*
Fazit: Supergeiles Album. Das beste von Azad und meiner Meinung nach das Album des Jahrhunderts! Sind zwar wenige Tracks, aber diese burnen dafür umso mehr und sind echt oberfett. Vom Lyrischen gesehen absolut höchstes Niveau und auch so noch um einiges besser als die bisherigen Alben. Meiner Meinung nach ist Azad der beste Rapper überhaupt. Er rappt, schreibt, freestylet, mach seine eigenen Beats und scratcht hammermäßig. Das Talent des Jahrtausends.