... Spannung
Der vorletzte track zielt wieder voll auf die emotionale oder esoterische Schiene ab, je nach dem wie man das sehen will. Gefällt mir persönlich besonders gut. Der Sound färbt das Stück auch wieder melancholisch düster; hier geht es darum wie jemand in den Hinterkopf seines (Ex) ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von regwiz über Der Ernst des Lebens - Ideal 03.09.2003
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
exzellent
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Pro:
s . Titel
Kontra:
- - -
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Mit dem "Ernst des Lebens" hat Ideal 1981 meines Erachtens einen Meilenstein deutscher Musik erschaffen. Auch 22 Jahre nach dem Erscheinungsdatum kann man diese CD immer wieder hören, ohne sie zwangsläufig in irgendeine Schublade stecken zu müssen. Wenn die damaligen Singleauskopplungen wie Eiszeit und Monotonie nicht in den Charts gewesen wären, würde man den Sound nicht notwendigerweise der NDW zuordnen. Es fällt mir ein wenig schwer die Musik als solche zu charakterisieren; sie ist durch die Mischung verschiedener Musikrichtungen wie Punk, Rock, Pop, Wave, Ska geprägt, enthält aber auch leicht nordafrikanisch/fernöstlich oder folkloristisch angehauchte Elemente sowie schöne breaks und offbeats. Heute würde man Ideal vermutlich in die "alternative" Schublade stopfen, was ich aber als nicht zulässig erachte. Also werde ich mich mal an die einzelnen Titel heranwagen, in erster Linie aus lyrischer Sicht, da mir Texte und die Botschaft auch immer sehr wichtig sind :
1. Eiszeit
ein Titel mit schnellem Tempo, treibender Gitarre über einen völlig abgeklärten Menschen, dessen Telefon schon ewig still steht, da er eh mit niemandem reden will; der über den Dingen schwebt ("mich erreichst du nicht"). Er fährt seinen eigenen Film im Leben, kommt nur mit sich selbst klar und kann Gefühlsduselei, unnötigem Gelaber ("alle Worte 1000 mal gesagt, alle Fragen 1000 mal gefragt, alle Gefühle 1000 mal gefühlt") nichts mehr abgewinnen ("tiefgefroren, tiefgekühlt"). Allerdings bewegt er sich im Labyrinth der Gefühls-Kommunikations-Eiszeit bei -90 Grad; und seine harte Schale kann von niemandem geknackt werden, weil er es nicht zuläßt oder es unmöglich ist ("Panzerschrank aus Diamant, Kombination unbekannt")
Hmm, der Text läßt jede Menge Interpretationsspielraum zu; entweder geht's hier um wen, der diverse negative Erfahrungen mit der Gesellschaft gemacht hat und beschlossen hat, sich von dieser abzukehren und für sich allein zu bleiben oder um einen Junkie oder sonstigen Drogenabhängigen, der nur allein klar kommt, gefühlsmäßig durch die Sucht so abgestumpft ist, daß ihm alles egal ist. Er bewegt sich in einem Labyrinth, aus dem er keinen Ausweg findet, und jeden Tag wieder "in seinem Film der Star" ist. Kann also auch als Hilfeschrei gewertet werden, was die musikalische Untermalung durchaus vermuten läßt. Insbesondere der Refrain "Eiszeit, mit mir beginnt die Eiszeit..." der mit langsameren, schrägen Sound untermalt ist, könnte diese Vermutung zulassen.
2. Schwein
Dieses schöne, beschwingte Stück handelt von einem soften Typ, der die Frauen gut versteht und zur Selbsterfahrung geht; aber in Wirklichkeit unbändige Lust hat, fies und gemein zu sein. So verstellt er sich als schüchtern und bescheiden und alle fliegen auf seine Finte, und wenn man sich auf ihn verläßt wird man (oder eher Frau ?) verlassen. Dieses Lied scheint das übliche Verstellen bei der Anbahnungsphase zwischenmenschlicher Beziehungen zu thematisieren; erst wird schön Show gemacht, aber wenn man dann Vertrauen zeigt und sich öffnet bzw. sich blenden läßt, wird man bitter enttäuscht. Musikalisch für mich nicht einzuordnen, sorry.
3. Sex in der Wüste
Bei diesem Stück fühlt man sich durch orientalische angehauchte Klänge und Kontrabaß in einen Harem oder hier treffenderweise nach Nordafrika versetzt. Auf schrille Gitarrenklänge wird verzichtet, statt dessen liegt man mit der Band narkostisiert am Strand von Tanger, in der glühend heißen Sonne. Dann heißt es ..."der Horizont rückt näher und was keiner weiß, jeder denkt das eine, doch dafür ist's zu heiß; Sex - Sex in der Wüste" Ein putziges Liedchen - für mich klingt das soviel wie fett einen geraucht (narkotisiert), und der Zustand sowie die Sonne bewirken das Übrige (alle denken nur an das eine). Aber vielleicht sind ja alle nur von der Sonne narkotisiert, wer weiß.
4. Herrscher
Ein eher vom Keyboard dominiertes Lied, wo die Gitarre im Hintergrund agiert über den Herrscher der Welt, dem abends der Himmel und die Erde zu Füßen liegen und für den man bereit ist, alles zu zahlen, um ihn zu sehen. Doch morgens verfällt der Zauber und Monsieur hat Angst, wenn ihn ein Hund ankläfft. Tagsüber ist er klein und schwach, leidet Höllenqualen und liegt flach. Also ist er eigentlich eine Wurst. Worauf das eine Anspielung sein könnte, überlasse ich hier mal der Phantasie des Lesers.
5. Feuerzeug
Ein langsames, hypnotisch wirkendes Stück mit einem breiten Keyboardsoundteppich und Drums, die Gitarre schweigt bis auf kurze melancholische Zwischenpassagen. Jemand scheint die Sängerin zu hypnotisieren und sie verfällt in eine Art Trance, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint (Zwischenrufe "Voodoo"). Sie spürt die leichte Narkose und ist zu allem bereit. Obgleich ihr das nicht ungefährlich erscheint, kann sie nichts dagegen machen und sitzt in der Falle. Tja, ein hochinteressantes Thema, erinnert mich sehr stark auch an "Telepathie" von dem Album Ideal "Ideal". Auch dort heißt es "du drehst dich um, weißt nicht warum, dir wird ganz heiß, im magischen Kreis; Gedankensysdrom, du spürst mich schon und meine Instruktion" Scheint so als hätte Ideal einen gewissen Hang zum Okkultismus und zur Magie (bzw. Esoterik), und dort gewisse Erfahrungen gemacht, die sich in diesen Stücken widerspiegeln. Die Message lautet dann: Vorsicht, gefährlich. Kann aber auch ein geschickter Schachzug sein, um Leute, die sich mit solchen Dingen mal befaßt haben, anzusprechen, und in Wirklichkeit dreht sich alles nur um die alltäglichen Situationen in Beziehungen, die oft auch in Machtspielen und Manipulation ausarten. Oder Thema Haß<->Liebe. Bleibt offen.
6. Immer frei
Als Ausgleich zur düsteren Aussage des vorherigen Stückes bekommt man hier den Rat, wie man ganz einfach mit Streß, Schmerzen und elenden Gefühlen umgehen kann: man hat immer die Antis dabei (Anti-Streß-Kapsel, Anti-Schmerz-Tablette, Anti-Depri-Pille) und ist somit "Immer frei - mit den Antis dabei". Anstatt sich also mit den Ursachen des Elendes auseinanderzusetzen bzw. diese zu vermeiden schmeißt man sich schön was ein. Ob das wohl so gut ist ... ;-) Ein durchaus tanzbares, beschwingtes Stück mit schnellen Beats und schöner Gitarrensektion.
7. Erschießen
Ein widerum schnell gespieltes, punkiges, bedrohlich wirkendes Stück mit leicht verzerrtem Gitarrensound und der ganz klaren Aussage "Komm wir lassen uns erschießen.... Langeweile killt nur langsam, du wirst sehn es tut uns gut" Aus welcher Motivation Erschießen entstanden ist, wird mir wahrscheinlich immer ein Rätsel bleiben.
8. Monotonie
Einer der "smashhits" von Ideal. Sehr reggae-lastig mit leichter funky Gitarre, Kongas und eingängigem Text. Egal, an welche Ecke der Welt man fliegt, alles ist langweilig und eintönig, auch mit Vollpension (heute wohl eher all inclusive). Für mich spricht aus diesem Text heraus: Geld allein macht auch nicht glücklich.
9. Ich kann nicht schlafen
Wieder ein unruhiges düsteres eher gitarrenlastiges, aufwühlendes Stück, welches von einem Menschen handelt, der fertig mit der Welt und den Nerven ist ("meine Nerven sind k.o., meine Hände zittern und mein Kopf ist zentnerschwer, Gedanken laufen Amok und ich trink den Cognac leer") Besonders schlimm scheint hier zu sein, daß er nicht nur tagsüber wie ein Zombie rumläuft, sondern auch nicht schlafen kann, was von dramatischen Klängen untermalt wird ("kann nachts nicht schlafen, der Wahnsinn liegt neben mir... mein Kopf wird zum Vampir") Alles in allem ein Lied über ein ziemliches Wrack, das kurz vor dem durchdrehen ist.
10. Spannung
Der vorletzte track zielt wieder voll auf die emotionale oder esoterische Schiene ab, je nach dem wie man das sehen will. Gefällt mir persönlich besonders gut. Der Sound färbt das Stück auch wieder melancholisch düster; hier geht es darum wie jemand in den Hinterkopf seines (Ex) oder zukünftigen Lovers kriecht, seine Konzentration stört, in dessen Kopf liest und ihm Worte auf die Haut schreibt, aber nicht um ihn zu verführen oder zu berühren, nein, die Liebe ist zu banal, es geht nur um die Spannung ("... bis die Hände zittern")
11. Spion
Zum Abschluß noch ein düsteres Portrait zwischenmenschlicher Beziehungen, abermals unterlegt durch verzerrte, leicht schrammelige Gitarrenpassagen und spacige Keyboardsounds. Da hilft auch nicht das rote Licht einzuschalten, denn der Spion schaut in deine Seele, wo ein Blick für 2 Sekunden so lang ist wie 1000 Jahre. In diesem Spiel gibt es keine Regeln und nur Verlierer, die Sehnsucht bleibt verschwiegen. Puuh, also dieses Lied kann ich auch nicht wirklich einordnen.
So, daß war jetzt mein ausführlichster Bericht, ich hoffe daß der ein oder andere doch mal bei Ideal reinhört, weil ich den "Ernst des Lebens" einfach genial finde.
gruß
regwiz
weitere Erfahrungsberichte
Sex in der Wüste Bewertung für Der Ernst des Lebens - Idealvon
Falo
Pro: super 80er Musik Kontra: --???---
"Sex in der Wüste" ist zusammen mit "Monotonie" wohl das bekannteste Stück auf dem zweiten Album von Ideal (1981). Die Band um Annette Humpe glänzt wieder mit provokativen Texten, so wenn sie sich nach Schüssen an der Mauer sehnen. Oder der "Herrscher" de ...
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Pro: einfach IDEAL Kontra: experimentelle Musik, die man einfach mögen muss...
...gegeben und verweigert; Der Unterschied von Integration und Isolation ist schwimmend: Bi Nuu.
BI NUU - IDEAL
[BESETZUNG]
Annette Humpe (Keyboards),
Frank Jürgen Krüger ("Eff Jott", Gitarre)
Hans Behrendt (Schlagzeug)
Ernst Ulrich Deuker (Bass)
[SINGLES]
"Wir stehen auf Berlin" (1980)
"Blaue Augen" (1980)
"Eiszeit" (1980)
"Monotonie" (1982)
"Keine Heimat" (1982)
[LONGPLAY]
"Ideal" (1980)
"Der Ernst des Lebens" (1981)
"Bi Nuu" (1982)...
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Pro: Geniale Symbiose aus 70'is und electronic Kontra: ----
...Hi,
mein Musikgeschmack ist ziemlich breitgefächert; zunächst habe ich im zarten Alten von 10/11 die NDW begeistert verfolgt (meine "all time favourites" aus dieser Zeit sind die Alben von Ideal "Ideal", "Der Ernst des Lebens" sowie von Spliff "85555") Dann habe ich mich intensiv mit Rock und 70'is aller Genres (außer dem Pop-Geraffel) befaßt, den üblichen Sachen wie Led Zeppelin, Stones, Deep Purple, Pink Floyd, Uriah Heep, UFO, Jimi Hendrix, David Bowie etc. aber auch abgefahrenem "psychedelic" und electronic Sound wie Can, Amon Düül II, Nektar, Brainticket, Gong, King Crimson, Kraftwerk, Tangerine Dream und natürlich Frank Zappa (R.I.P). Weiterhin habe ich auch einige schöne Funk/Soul Sachen von James Brown, Curtis Mayfield, Funkadelic/Parliament (George Clinton) sowie jazzy stuff von Miles Davis, Herbie Hancock, Jimmy Smith...
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Pro: War gut und neu - und es spielte mit Wiederholungen Kontra: Ist jetzt alt - und andere wiederholen es
...mittlerweile stramm auf die 50 zu ? oder sind schon drüber. Frau Humpe hatte gleich nach der Band-Auflösung mit zwei Österreichern und ?Codo? einen furchtbar albernen Riesenhit, danach wurde es auch um sie ruhig. Immer mal wieder taucht sie irgendwo auf, doch die bessere Musik machte fürderhin ihre Schwester Inga. Die hat sogar mal was für Kylie geschrieben und ist gerade in den letzten zwei Jahren mit dem alten Partner von Andreas Dorau, Tommi Eckart, als Zweiraumwohnung erfolgreich (verdient).
Wohl angeregt durch Zweiraumwohnung erinnerte ich mich auch irgendwann im letzten Jahr mal der Humpe-Schwestern, und beschloss etwas von Ideal auf CD zu kaufen, so als Erinnerungsstück. Die sinnvollste Wahl dabei: ?Eitel Optimal?. Diese Best-Of-CD vereinigt zwar nicht alle Tracks der beiden entscheidenden LPs (?Ideal? und ?Der Ernst des Lebens?) aber doch...
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