Über sich:Mein jüngster Bericht: "Pu der Bär" (Buch). +++ Bitte keine Leserunden-Angebote. +++ Ich h...
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Vierter und letzter Teil der Hörspielserie zu Geschichten von Edgar Allan Poe. Diesmal ist das Thema "Die Maske des Roten Todes", eine der bekanntesten (und am meisten kopierten) Geschichten Poes. Statt ins frühe 19. Jahrhundert wird der Zuhörer diesmal in die Epoche des italienischen Barocks entführt - das suggeriert zumindest die Hintergrundmusik, die vom Barockorchester Berlin vorgetragen wird. Die Regie führten wie stets Christian Hagitte und Simon Bertling.
Das Cover °°°°°°°°°°
Das monochrome Titelbild (Simon Marsden) zeigt einen grinsenden Totenschädel, der einen meterbreiten schwarzen Hut trägt, ein Halstuch kaschiert die Wirbelsäule und verschwindet unter dem grauen Mantel. Die Gestalt trägt einen weiteren Schädel auf einem Stab wie ein Zepter vor sich her: König Tod himself.
Das Booklet °°°°°°°°°°°°°°
Jede CD enthält ein vierseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch wird hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf.
Die Sprecher °°°°°°°°°°°°°°
Ulrich Pleitgen spricht die Figur des "Fremden", der den Namen E.A. Poe annimmt. Hier interpretiert er zudem den Fürsten Prospero, der sich den Einflüsterungen seines Hofmeisters hilflos offen zeigt. Hofmeister: Peter Groeger Küchenmagd Louisa: Yara Bümel Dr. Templeton: Till Hagen Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze
Handlung °°°°°°°°°°°
Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und jetzt entlassen wird. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Er ist im Hafen angelangt, von dem sein Schiff in den Fernen Osten abfahren soll. Dr. Templeton drängt ihn zwar, hierzubleiben und seine Identität herauszufinden, doch E. A. Poe lehnt ab. Er besäuft sich im nächstbesten Wirtshaus. Dort hat er eine venezianische Maske an der Wand hängen sehen. Der rote Fleck auf der Maske stamme von Blut, sagt der Wirt. Dann beginnt Poe zu träumen...
Der Erzähler findet sich eingeschlossen in einem großen Palast vor - einem venezianischen Palazzo: Er ist Fürst Prospero. Seine Hoheit freut sich über die fremden Händler und Gaukler, die seine schöne Stadt beehren. Insbesondere den Feuerwerker würde er gerne kennenlernen. Während sich die Küchenmagd Louisa und ein Gaukler näher kennenlernen, beginnt einer der Fremden zu husten - es ist der Feuerwerker. Der Arzt stellt den Roten Tod fest. Fürst Prospero vernimmt die Nachricht mit größtem Bedauern, aber da kann man wohl nichts machen.
Schon wenige Tage später fallen der Seuche, die schlimmer wütet als die Pest, dreißig Einwohner und Fremde zum Opfer. Louisa flüchtet sich ebenso wie der Hofstaat in den Palast und wagt sich nicht mehr heraus. Der Hofmeister rät, die Tore zu verriegeln. Vor den zugemauerten Toren stirbt die im Stich gelassene Bevölkerung an der furchtbaren Seuche. Wochenlang.
Der Fürst jedoch hat sich mit all seinem Hofstaat von der Außenwelt abgeschlossen, um dem Roten Tod zu entgehen. Auf Anraten seines schlauen Hofmeisters veranstaltet er einen Maskenball (masque), um den Hofstaat aufzuheitern und auf andere Gedanken als an den Tod zu bringen. Ein prächtiges Spektakel beginnt. Am Vorabend stürzt sich Louisa von den Mauern.
Die Party ist in vollem Gange und man amüsiert sich prächtig, doch unter den Gästen nimmt der Fürst plötzlich eine Maske (masque) wahr, die keiner zu kennen scheint. Und als sie dem Ablenkungsmanöver des Fürsten Hohn sprechen wolle, handelt es sich um die Maske des Roten Todes. Der Fürst ist empört und lässt dem todeswürdigen Maskenträger die Fratze abreißen: Doch da ist kein Gesicht...
Mein Eindruck °°°°°°°°°°°°°°°°
Die Binnenerzählung, der Traum des E.A. Poe, vermittelt durchaus gelungen das Gefühl nahenden Verhängnisses: die steigende Zahl der Erkrankungen, das fehlende Heilmittel, die unterbleibenden Hygienevorkehrungen, schließlich die verstreichenden Wochen des Eingemauertsein. Louisas Abschiedsworte bringen es auf den Punkt: Sie kann dieses Gefühl, lebendig begraben zu sein, nicht mehr ertragen und springt hinaus aus ihrem Gefängnis - in den Tod.
Was hier jedoch fehlt, ist die Stimme eines Erzählers, der dem Zuhörer das drohende Unheil, das über Prospero hereinbricht, näherbringt. Louisa, der Küchenmagd, gelingt dies leider nicht, obwohl es ihre Aufgabe wäre - sie wurde extra dafür erfunden, denn meines Wissens kommt sie in der Originalstory nicht vor. Dennoch: Ihr Tod rührt uns, und das ist wichtig.
Auch der Augenblick höchsten Grauens, als der Rote Tod in aller "Pracht" hervortritt, ist wenig geglückt umgesetzt. Das Grauen bleibt beim Zuschauer jedenfalls aus. Und der Rücksturz in den Traum des E.A.Poe in seinem Kaffeehaus erfolgt völlig übergangslos, so dass der Zuhörer für einen Moment desorientiert ist.
Am wichtigsten ist jedoch die Fehlinterpretation der Figur des Füsten Prospero durch Ulrich Pleitgen. Seinen Fürsten könnte ein idealistischer Goethe oder Schiller erfunden haben, so freundlich und großzügig gibt er sich zunächst, wird nur durch die Einflüsterungen seines skrupellosen Hofmeisters zu der infamen Abschottung veranlasst. Keine Spur also von schicksalsverachtender Überheblichkeit, die die Götter als frevelhafte Hybris durch das Senden des Roten Todes zu bestrafen trachten. Der Fürst tut uns Leid, und das ist das Letzte, was diese Horrorstory vertragen kann.
**Der Song
Das Stück klingt wieder mit H.R. Kunzes Lied über E.A. Poe, den "Weißen Raben", aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit "singender Säge" unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.
Im Hintergrund der szenischen Hörspiels erklingt hin und wieder Musik. Es handelt sich um Barockmusik, die das Leben feiert. Aber auch eine Memento mori gibt es: Das Kirchenlied "Dies irae, dies ille" ("jener Tag des Zorns" [Gottes]) ist dem leser sicherlich durch Mozarts Vertonung in seinem "Requiem" bekannt. In zahlreichen Abwandlungen wird es eingestreut und unterlegt. Hinzukommen Punktuationen: ein Klang, der eine Szene von der nächsten abtrennt, beispielsweise eine Glocke.
Unterm Strich °°°°°°°°°°°°°°°
Dieser letzte Teil der aufwändig inszenierten Hörspielreihe verpasst die obligatorische Gelegenheit, die Reihe mit einem Paukenschlag abzuschließen. Man hat auch hier wieder auf gepflegten Grusel setzen wollen, aber das Geschehen plätschert so vor sich hin, bis es zum logischen Endpunkt gelangt - und gleitet dann wieder in die Rahmenhandlung zurück, die auch nichts mehr von Bedeutung zu bieten hat.
Dabei gäbe es doch so schöne Stories zu verarbeiten! Man braucht sich nur Alan Parsons Auswahl aus seinem Album "Tales of Mystery and Imagination" anzusehen: "The System of Dr. Tarr and Professor Feather", "The Tell-tale heart" und ganz besonders "Das Fass Amontillado" eignen sich ebenso zur Hörspielbearbeitung wie die Frauen-Stories "Morella", "Ligeia" und "Eleonora".
Wer die härtere Horror-Gangart sucht, wird von Lübbe aber auch bedient: Lovecrafts Cthulhu-Stories sind ebenso zu haben wie "Necroscope" von Brian Lumley. Ich bin sicher, wir werden noch mehr Gruseliges von Lübbe auf die Ohren bekommen...
Der Autor °°°°°°°°°°
Edgar Allan Poe (gestorben 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science Fiction, Short Story. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. ("Allan" ist übrigens kein Vorname, sondern der Familienname seines Ziehvaters.)
Wieso sollte denn die Folge mit einem Paukenschlag beendet werden. Sie ist ja nur die vorerst letzte Folge. Die Serie wird ja im November 2004 fortgesetzt.
03.09.2004 15:31
Wieso sollte denn die Folge mit einem Paukenschlag beendet werden. Sie ist ja nur die vorerst letzte Folge. Die Serie wird ja im November 2004 fortgesetzt.
19.07.2004 15:10
Ich kann mich noch erinnern, daß ich den mal als Teenie gelesen habe, da fand ich das echt schwierig. gruß, carmen
09.02.2004 14:07
Ein klasse Bericht!! Danke...;.))