Erfahrungsbericht über

Disintegration - The Cure

Gesamtbewertung (11): Gesamtbewertung Disintegration - The Cure

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Liebeskummer mit The Cure

5  21.04.2002

Pro:
Wunderschöne, träumerische Songs

Kontra:
-  -

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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chilislover

Über sich: Hallo Leute, wie Ihr wohl bereits gemerkt habt, beschäftige ich mich in meiner knappen Freizeit im w...

Mitglied seit:28.09.2000

Erfahrungsberichte:160

Vertrauende:14

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 52 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Sieht man sich die Geschichte dieser Band mal aus der Entfernung an, so muß man zugeben, dass diese Platte aus 1989 der kaum zu übertreffende Höhepunkt der Schaffenskunst der Mannen um Robert Smith darstellt.

Von den Anfängen als krude New-Wave-Band (Killing an arab, Boys don’t cry) über geniale und überdrehte Pophymnen wie Just like heaven oder Lovecats bis zu dieser in sich wie ein Kreis geschlossenen Scheibe scheint ein langer Weg, der alles andere als gradlinig zu sein scheint.

Laut Robert Smith gibt es nicht eine The Cure, sondern es gab mindestens 3. Er meint damit die verschiedenen Bandbesetzungen, denen nur gemein war, dass er und oft auch Simon Gallop mit von der Partie waren. Smith schreibt zwar alle Texte und ist wohl auch weitesgehend für den Stil der Band verantwortlich, die Songs aber waren immer Gemeinschaftsprodukte. Smith ist kein Diktator (so sieht er auch kaum aus), kein Alleinbestimmer. Dies erklärt die Wandlung der Stile seit den Anfängen, dies erklärt auch, warum dieses Album so harmonisch ausgefallen ist. Die hier musizierende Bandbesetzung stellte sich nämlich als recht stabil heraus....

Niemand leidet so schön wie Smith, niemand träumt so romantisch von Liebe und Zweisamkeit wie er. Niemand kann diesen Liebeskummer so schön in Worte und Musik fassen wie Smith, perfekt gelungen auf der hier vorliegenden CD.


Die Songs
---------

12 Songs bei einer Spielzeit von 72 Minuten finden sich hier, Popmusik vom Feinsten, mit der typischen Instrumentierung zu dieser Zeit: viele Keyboards füllen den Sound auf, viel Hall in den Gitarren und auch im Gesang....

Plainsong ist der Opener. Ein ruhiger Opener, fast schon zu zart für The Cure. Ganz leiser Beginn, bis etwas wie ein Gong ertönt, und die Keyboards eine ruhige Melodie anstimmen, mehrstimmig und voll. Über den Synthie-Klängen glitzert etwas, einem Glockenspiel gleich, wie kleine Sylvesterrakten explodieren sie vor dem Soundhimmel.... Dazu ein sehr hallendes, langsam Schlagzeug und eine Gitarre, die eine ruhige Melodie anschlägt... Bombastisch, träumerisch, fast 2:40 dauert es bis Smith ruhig und mit viel Hall leise einsetzt. Es gibt keinen Refrain in diesem Song, nur fast schon esoterischen Schönklang. Die Gitarre zart, der Bass zwar durchdringend, aber nicht zu laut. Schöner, träumerischer Beginn.

Pictures of you ist präziser, aber nicht weniger verträumt. Auch hier Glitzern zu Beginn, ein wenig schnelleres Schlagzeug und Bassuntermalung, die Gitarre im Hintergrund auch eher in den tieferen Lagen die Melodie ruhig pickend, bis im Vordergrund eine Leadgitarre das Thema etwas heller aufnimmt. Auch hier lange Instrumentalteile, bis der Gesang einsetzt. Die Synthies sind auch hier präsent, aber nicht so dominant wie im Opener. Der Gesang ist typischer für Smith, realer, ohne Hall. Charismatisch erzählt er von den Bildern von der Geliebten, die wohl das einzigste seien, was ihm von ihr blieb. Er beschreibt seine Erinnerungen, träumerisch und ausdrucksvoll. Immerwieder das Glitzern wie von kleinen Glöckchen, das sich über die Musik legt und dem ganzen einen himmlischen Anstrich gibt. Auch hier nur erzählen, kein Strophe-Refrain-Schema, wenn auch das Wort Pictures und die Instrumental-Mittelstücke wiederkehrende Elemente darstellen. Typsich für The Cure sind der Gitarrensound, der so gut wie unbeschreibar ist. Picking, schnell und irgendwie fast schon orientalisch anmutend, als würde jemand versuchen, mit einer E-Gitarre eine Mandoline zu immitieren. Prägend hier, und wunderschön.

Closedown beginnt mit Synthies und einem fast schon wirbelnden Schlagzeug, aber nur auf dunklen Fills geschlagen, also auch nicht hart klingend, hier sind die Synthies wieder im Vodergrund, füllen fast den kompletten Sound aus, stellen 80% der Steine in dieser Wall of Sound. Klar, die typische Gitarre schlägt auch hier wieder soft zu, und Smith singt einen nur aus 6 Zeilen bestehenden Text, der Rest ist Instrumentierung. Wie die ersten beiden Songs erreicht dieser hier seine beste Wirkung bei einem dunklen Zimmer, einer ruhigen Stimmung, vielleicht ein Bier oder ein Glas Rotwein in der Hand und Sehnsucht im Herzen....

Lovesong ist einer der Höhepunkte der Platte. Ein konkretes, auf den Punkte gespieltes Stück Musik, ein Smith, der verzweifelter klingt als zuvor, die Synthies spielen zwar die Melodie, stehen aber doch eher im Hintergrund. Vordergründig das Schlagzeug, das sich hart und unbarmherzig durch den Song treibt. Die Stimmung nicht träumerisch, sondern traurig. Ein Song darüber, das die Geliebte weg ist, man allein ist und verzweifelt. Ein Song, der nahe geht, der die Tränen in die Augen treibt. Das Gitarrenspiel ist gekonnt, zielgenau und spärlich eingesetzt, ins Herz treffend. Nach 3:30 ist der Song vorbei, kein Ausufern, nur der perfekte Popsong.

Last Dance schlägt in die gleiche Kerbe, was die Stimmung angeht. Hier sind die Synthies wieder an der Reihe, sie schweben wie Nebelschwaden, ja wie eine Nebelwand durch den Raum. Die Gitarre ist härter als in den vorhergehenden Songs, der Sound insgesamt bedrückender, die Drums lauter, und Smith verzweifelt und flehend, schneidender irgendwie. Ausufernder ist dieser Song angelegt, erneut weit vom üblichen Strophe-Refrain-Schema weg.

Lullaby war ein Megahit, eine wunderschöne Pitoreske, aus Gitarren, die wie Mandolinen spielen und vielleicht auch Mandolienen selbst, Streichern, einem Marschschlagzeug, das sich durch den Song gräbt, während Smith erzählt, wie er von einer Spinne verspeist wird, was hier eine Metapher darstellt, für eine Situation, in der er von jemandem vereinnahmt wird, ohne das zu wollen. Wunderschön der wortlose Refrain, eine helle Synthiemelodie, über die ein schnelles Picking, wie von gezupften Geigen ertönt. Smith, wie gesagt erschütternd erzählend, flüstert, haucht und singt beklemmend und traurig. Auch dieser Song ein Meisterwerk, ein Meilenstein für die Band.

Fascination Street ist ein harter, trockener Track. Ein hartes, schnelles Schlagzeug bestimmt den Rhythmus, die Synthies auch hier eingesetzt, aber eher kalt als träumerisch und die Gitarre eher sägend als bezaubern. Dazu der fast schon wütende Gesang von Smith, ein Aufwecker sozusagend. Fast schon schreiend pflügt sich Smith durch diesen Song, ein harter Gegensatz zu den ersten Songs...

Prayers for Rain hat eine ähnlich kalte Stimmung, wenn auch viel ruhiger als in Fascination Street. Langsam, aber donnernd auch hier die Drums, Synthies und Streicher sorgen für einen gehaltvollen Soundhintergrund über die Smith kalt und anklagend singt. Beängstigend und hoffnungslos.

The Same deep Water as you ist ebenfalls ruhig, aber doch etwas freundlicher in der Stimmung, wenn auch hier die Verzweiflung regiert. Smith singt über Liebeskummer, über das Flehen zum bleiben, über den Abschiedskuss, er darbt und leidet und weint fast... Traurig und regnerisch die Instrumentier, man hört ein Gewitter im Hintergrund, viel Synthies und ein hallendes Schlagzeug.

Wie als ob sich die ganze Platte drauf zubewegt hätte kommt schließlich Disintegration, der Titelsong, hart und hämmernd, ausufernd, schnell und hart, zupackend. Ein hartes Schlagzeug gibt hier flott den Tackt vor, darüber pulsierend der Bass, die Gitarren setzen Soundsplitter hinzu, die Synthies sind nur Beiwerk, dieser Song ist Rock. Wie ein Fels. Smith beginnt ruhig und leidend, ruhig schon fast, singt davon, was er alles vermisst, was der Unterschied zur Beziehung darstellt. Die 2. Strophe ist schon lauter und fordender, schmerzender. Er erklärt, das er nie erklärt hätte, bis zum Schluß zu bleiben, das er sie verlassen würde. Rechtfertigend schlägt er uns die Argumente um die Ohren, wütender werdend schon fast. Der Song hält die Geschwindigkeit des Beginns hypnotisch fast durch, wird eher noch härter gegen Ende zu, so wie Smith immer wütender wird, bis er die Zeilen how the end alway is.... singt, fast schon die Zusammenfassung der Ganzen Platte. Das Ende schmerzt immer, es ist wie es immer ist.... Fantastischer Song, ein weiterer Höhepunkt, über 8 Minuten lang und jede Sekunde packend...

Was soll dannach noch kommen? Ruhe, Gediegenheit regiert in Homesick, ein klassischer Klavieranfang, zu ruhiger Gitarre und einer träumerischen, wenn auch traurigen Melodie. Das Klavier trägt auch den Song, die Gitarre im üblichen Stil darüber spielend, bis nach 1:40 eine schwärmende Lead-Gitarre einsetzt und endlich auch ein trauriger, scheinbar erschöpfter Smith anfängt zu singen. Schmerz und Verletztheit ist deutlich aus seinen Worten rauszuhören, diesmal wieder in der Situation verlassen zu werden...

Unititled ist der Abschluß, ein sehr schöner sogar, hoffnungsvoll schon fast zu nennen. Ein auf einem Harmonium gespielter Anfang, eine kleine, romantisch schöne Gitarrenmelodie und eher zurückhaltende Synthies treiben den Midtemposong dahin. Zwar auch hier Schmerz und das Verlassenwerden, aber doch mit Hoffnung und Schönklang in der Stimme. Für mich neben Lovesong der schönste Song dieser CD, in der Harmonieführung wunderbar und nur von dieser Band realisierbar.


Fazit
-----

Ein Platte mit viel Sehnsucht, Schmerz und Gefühl, wohl die schönste Scheibe, wenn man Liebeskummer hat. Hier findet jeder sein persönliches Schmerz-Lied, seine Linderung in der Gewissheit, dass dieser seltsam geschminkte, dickliche Mann mit den wirren Harren und den großen Händen mit uns leidet und mit uns den Schmerz erträgt. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

Eine große Scheibe, 5 Sterne wert.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ZordanBodiak

ZordanBodiak

27.05.2002 22:37

Mal das Video zu "Lullaby" gesehen? Ein genialer Klassiker! So, morgen werde ich mich wohl mal weiter in deiner umfangreichen Berichtesammlung umschauen... carpe diem - JENS

BettyPage77

BettyPage77

17.05.2002 20:06

oh mann, lovesong ist für mich einer deeeeer songs überhaupt und der gehört auch in jede gute sammlung...gruss, icke

Lachgeist

Lachgeist

29.04.2002 15:30

guter, ausführlicher bericht. -lachgeist-

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