Spiel mir nicht das Lied von Dario G. !!
04.06.2001
Pro:
Flotter Dance - Sound
Kontra:
Schlecht geklaute Morricone - Melodie
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 68 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Schlimm, aber wahr: Ein Remix, der Ennio Morricones ‚Spiel mir das Lied vom Tod’ verschandelt, erobert derzeit unsere Radiostationen. Wieder eine Produktion aus der ‚War-das-wirklich-nötig’-Reihe, die hoffentlich bald in Vergessenheit geraten wird.
Es gibt ja zurzeit schon wirklich viel Schrott in Radio und Charts, doch immer wieder schafft es irgendeine Arbeit, da noch einen draufzusetzen und das ganze Gedudel zu toppen. Dario G. hat das meiner Meinung nach mit ‚Dream to me’ vollbracht und nötigt uns dazu, seine Veralberung eines Musikklassikers anzuhören.
Seltsamerweise wird der Song nämlich mehrmals täglich von allen Radiostationen rauf und runter genudelt, und die wenig gefühlvolle Selbstbedienung an ‚Spiel mir das Lied vom Tod’ ist wirklich erschreckend. Doch daran scheint sich keiner zu stören... Dario G. schnappte sich für ‚Dream to me’ seinen Drumcomputer, ließ treibende Beats in synthetische Weitenklänge fließen und hätte mit dem Einsatz einer akzeptablen weiblichen Stimme sicher einen netten Hit gelandet. Doch er hat den entscheidenden Fehler gemacht, den Westernklassiker-Song eines Top-Filmmusikkomponisten aus dem Jahre 1969 zu verfremden.
Wer kennt nicht die traurig-schöne Titelmelodie aus ‚Once Upon A Time In The West’ (so der Originaltitel), in der zu cembaloartigen Klängen diese makellose Sirenenstimme die grenzenlose Prärie nahezu erlebbar macht. Melancholie und Hoffnung wurden selten auf so eindrucksvolle und epische Weise in einer Melodie miteinander vereint.
Auf dem Original-Soundtrack wird in dem Lied ‚In una stanza con poca luce’ (in etwa: In einem Zimmer mit Schummerlicht) das Thema erneut aufgegriffen und mit einem hellen Vibraphon-Gesang, der sich mit einer Violine ein Wechselspiel liefert, virtuos und traurig-sentimental in langsamem Spiel wiedergegeben.
Und dann kommt die nach einem Fußballtrainer benannte Gruppe Dario G. daher, wagt es, diese Melodie anzutasten und zu verhackstücken und landet auch noch einen Hit damit. Das Schlimme ist ja nicht, dass sie überhaupt den Morricone-Song herangezogen haben, sondern das ‚Wie’:
Die Melodie wird nicht ganz ausgespielt, es werden Noten weggelassen (!!), und die ehedem sowieso bereits einfache Melodie wird dadurch nur noch simpel und stumpf. Daher ist es nicht weiter beeindruckend, dass sich dieser abgekappte Sound sogleich bei aller Welt als Ohrwurm einschleicht, denn sofort stellt sich der ‚Irgendwoher-kommt-mir-das-doch-bekannt-vor?’-Effekt ein. Viele Youngsters von heute kennen wahrscheinlich nicht einmal das Melodie-Original und werden auf diese kommerzielle Art an einen vergewaltigten Klassiker herangeführt. Dabei war man von der Formation Dario G. bisher Besseres gewohnt: Der Party-Song ‚Sunchyme’ war 1997 ein Gute-Laune-Hit, der rund um die Welt erfolgreich war. ‚Carnaval De Paris’ war quasi die Erkennungsmelodie der Fußball-WM 1998 und ‚Voices’ aus dem Film ‚The Beach’ bot fast soul- oder gospelartigen Ethno-Sound. Alle diese Songs hatten gemeinsam, dass Dario G. hier viele Einflüsse aus aller Welt recht einfallsreich miteinander verknüpft hatte und gegenüber ‚Dream to me’, zum Teil sogar mit Gospelchören, zu neuem, poppigen Leben erweckt hatte.
Dagegen mutet der neue Song recht armselig an, denn von feinsinniger und umfangreicher Instrumentierung oder gefühlvoller Gesangseinlage kann hier keine Rede mehr sein. Diese Tatsache wandelt das Stück leider in ein totales Kommerzwerk, das meiner Meinung nach hätte viel besser sein können.
Wie man der Presse kürzlich entnehmen konnte, hatte sich Ennio Morricone bisher erfolgreich gegen Remixes seiner Werke gewehrt, jetzt allerdings auf penetrantes Drängen doch die Zustimmung gegeben. Grausiges ist zu befürchten, denn nun planen DJs die kollektive Seichtpop-Verhökerung seiner Werke. Drohen uns nun von ‚Der Profi’ bis ‚Es war einmal in Amerika’ Techno-Arien seiner Filmmelodien? Ich hoffe es nicht, das hat Morricone auf sein Altenteil nicht verdient...
‚Dream to me’ mag ja für manche Techno-/House-Feten eine angesagte und flotte Nummer sein, aber mich hat die Verhohnepipelung eines Liedes mit absolutem Kultstatus sehr geärgert. Sieht dann mal ein ‚Dream to me’-Konsument den oben erwähnten Western, wird er nämlich im schlimmsten Fall in seiner Unwissenheit behaupten, dass das Thema bei Dario G. geklaut ist...
Daher wünsche ich der Gruppe Dario G., dass sie sich mit nächsten Songs auf ihre bereits bewiesenen besseren musikalischen Qualitäten besinnt und nicht mehr so gefühllos das Hauptaugenmerk auf die Vermarktung ihrer ‚Ware Popsong’ richtet – auf Kosten anderer Lieder und Künstler.
Daher gilt für mich:
Spiel mir nicht das Lied von Dario G. !!
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03.01.2002 15:50
Na dann ist ja gut, dass ich den Song eh nicht kenne, was? Liebe Grüße !!
08.11.2001 13:41
Oh, das Lied vom Tod war mir gar nicht aufgefallen, ich hatte immer nur noch den Cranberries-Song in den Ohren, jedesmal wenn ich genervt das Radio ausgestellt habe... Warum wird sowas nicht verboten ? Gruß, Thomas
16.10.2001 16:48
wie so oft.. es geht nichts über das Original