Good buy Mr. Robert Palmer
01.12.2003
Pro:
Das Ohr will nicht mehr loslassen
Kontra:
Leider die letzte Platte
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 mongerbino
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:64
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 38 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Meine sehr verehrten Damen und Herren, im Nachruf des im September 2003 leider zu früh verstorbenen Mr. Robert Palmer fühle ich mich gemüßigt, ein paar Worte über seine kurz vor seinem Tod vollendete letzte Platte zu schreiben.
Robert Palmer war der Gentleman-Rocker schlechthin. Immer korrekt gekleidet. Er hätte der Bruder von Brian Ferry sein können. Aber nur was die Anzüge anging. Palmer interpretierte Heavy-Metal, Rock, Reggae, Blues, Jazz usw. Einfach alles, was das Ohr begehrt. Robert Palmer fiel mir zum ersten mal 1979 auf, als er sang „Doctor, doctor, give me the news I got a bad case of loving you“. Seitdem Folgezeit verfolgte ich seine Neuerscheinungen. Ja sogar mit Teilen von Duran Duran arbeitete er zusammen: „Some like it hot“. Da flogen 1985 die Fetzen.
Den ein oder anderen Titel des begnadeten Musikers wird wohl jeder kennen: „Simply irresistible“, „Addicted to love“, „Every kind of people“ usw. Vorgelegt wird aktuell mit „Drive“ eine Bluesplatte, in jeder Konsequenz. Bereits in der Vergangenheit fiel Palmer mit Konzeptalben auf. Palmer war immer gut für die Überraschung, was nun auf der Platte zu hören war, wenn diese herauskam. Bereits 1990 legte er die Platte „Don’t explain“ vor. Zunächst ging der Brite sehr rockig zur Sache. Im Mittelteil dann eher gemäßigt mit Titeln wie „Mercy, mercy me – I want you“, einer der herausragendsten Medleys der Musikgeschichte. In einer unglaublichen Perfektion wurden zwei Titel zusammengesetzt, so als hätten diese nie getrennt existiert. Am Ende gipfelte die Platte im reinsten Blue Note Jazz. Im Anschluss erschien 1992 eine reine Jazzplatte. 1994 dann krachten wieder verzerrte Gitarren. (Also die Musik, die Sie zu Hause nicht auflegen dürfen, wenn Ihre Frau da ist, meine Herren!). Nach dem von der Kritik verrissenen Ausflug in den Rythm ‚n’ Blues Bereich 1999 nun Blues. Der echte Blues. Und damit zurück zu dieser Platte.
Bitte verwechseln Sie jetzt nicht Blues mit dem Knutschtanz, den wir als vorpubertierende Teenager Ende der Siebziger in der Garage geschwoft haben, um die Mädels unauffällig anzugraben. Was das mit Blues zu tun haben sollte, ist der Fachwelt unbekannt geblieben. Blues kann auch zur Sache gehen, da hört man Bass, Schlagzeug, E-Gitarren. Zu den Titeln:
Robert Palmer legt beim Opener gleich richtig los. Und er singt kratzig und dreckig, fast besser als Tom Waits in seinen besten Tagen: „Mama talk to your daughter“. Jau! „Why get up?“ kommt ruhiger daher, mit akustischen Gitarren. Sicher die allseits herrschende Frage, warum muss ich morgens aufstehen. Bietet das Leben nicht genug Elend?
Ich persönlich bedaure meistens, wenn eine Platte vollgepfropft ist mit Coverversionen. Leider sind auch hier einige zufinden. „TV Dinners“ kennt das geschulte Ohr bereits von den alten Rockblues-Krachern ZZ Top. Das sind die beiden Weihnachtsmänner mit den um sich selbst drehenden fellbewachsenen Gitarren. Vielleicht hätte sich Palmer die Interpretation von Elvis Presleys „Hound dog“ sparen können. Eigentlich ist das Stück schön interpretiert und produziert. Die Komposition ist jedoch – zumindest nach meinem Geschmack – zu abgelutscht. Aber bei Coverversionen muss man immer damit rechnen, dass der ein oder andere das Stück schon kennt. ... Und nicht mehr hören kann! Aber drücken wir weiter.
„Stella“ ermahnt das nach diesem Lied oder umgekehrt benannte Girl, sich besser zu benehmen. Das hätte Harry Belafonte nicht besser interpretieren können. Bitte drücken Sie jetzt auf die Nummer 9: „Ain’t that just like a woman“. Und drehen Sie die Volume auf. Wenn Ihnen jetzt nicht die Ohren wegfliegen, weiß ich auch nicht weiter.
Auf die weiteren einzelnen Titel und deren Namen möchte ich gar nicht weiter eingehen. Ich betrachte eine Platte immer als Gesamthöreindruck. Hier ist das Thema Blues weitgehend behandelt. Kein Stück klingt wie das andere. „Drive“ darf in einer gut sortierten Plattensammlung nicht fehlen. Produziert hat Mr. Palmer die Platte selbst für seine Firma Remlap (Bitte rückwärts lesen) wie schon in den letzten Jahren in Italien. Palmer singt und spielt Bass auf dieser Platte. An der Gitarre hören Sie Carl Carlton, Mauro Spina und James Palmer am Drum, Dr. Gabs am Keyboard, Franco Limido an der Harmonika und wie immer Mary Ambrose trällert im Background.
In memorian: Mr. Robert Palmer. Starb am 26. September 2003 im Alter von 54 Jahren. Leider viel zu früh. Er war ein Genie.
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21.10.2009 19:31
Spät, aber nicht zu spät noch entdeckt... die CD und deinen Bericht. Du hast so recht mit dem, was du schreibst. Auch schade, dass du hier nicht mehr aktiv bist, Bino.... bye bye. :-)
15.05.2007 21:55
definitiv zu früh verstorben. guter bericht. lg TOM
23.08.2004 13:26
Mir hat um seinen allzu frühen Tod auch leid getan. LG Claudia