Second Decay x ½ + 2 = Purwien
21.07.2008
Pro:
Musik, Texte
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 rider-of-apocalypse
Über sich:
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Waren es früher einzelne Titel wie "I´m leaving", "I hate Berlin", "Der Nerv" und einige andere, so wurde ich gegen ende der 90er Jahre nach einem Konzertbesuch im Bochumer Zwischenfall Fan der aus Christian Purwien und Michael Sippel bestehenden deutschen Wave/Elektroband SECOND DECAY und selbstverständlich finden sich auch alle Alben der Band/des Duos in meiner Sammlung. Leider wurde es dann nach der Maxi-CD/EP KALTES, WEISSES LICHT aus dem Jahr 2001 ruhig um SECOND DECAY und es folgten keine neuen Veröffentlichungen mehr. Im vergangenen Jahr hörte ich dann mehr oder weniger zufällig einen Titel, den ich zunächst ganz eindeutig WITT (den ich ebenfalls sehr gerne höre) zuordnen konnte, im weiteren Verlauf kam eine weitere Stimme hinzu, die mir irgendwie bekannt vorkam und schnell stellte sich heraus, dass diese Christian Purwien gehörte. Bei dem Titel handelte es sich um ALLE FEHLER von PURWIEN feat. WITT und so hatte ich die Hoffnung, zumindest von "der Hälfte von Second Decay" wieder etwas mehr zu hören. Meine Hoffnung sollte sich bestätigen, denn ich entdeckte nur unwesentlich später das Album EINS von PURWIEN, das ich mir sofort kaufte und das ich nun auch zum Thema meines heutigen Beitrages mache.
°°°°°°°°°°°°°°°°°° ALLGEMEINES °°°°°°°°°°°°°°°°°°
Christian Purwien dürfte dem ein oder anderen als Sänger der Wave/Elektronikband SECOND DECAY bekannt sein, mit der er zahlreiche Alben veröffentlichte. Auch wenn der Interpretenname PURWIEN den Schluss nahe legt, so handelt es sich dabei nicht um ein Soloprojekt des Sängers (als ein solches hatte es ursprünglich begonnen), sondern ebenfalls um eine Band, zu der neben Christian Purwien auch Marcel Schlepp und Steffen Neuhaus gehören. Auch im Internet sind PURWIEN vertreten, unter www.purwien.net gelangt man zum Internetauftritt des Projekts und kann hier unter anderem weitere Informationen über Musik und Musiker nachlesen Handytöne herunterladen, ... Ihr Debüt feierten PURWIEN im Jahre 2007 mit der gemeinsam mit WITT aufgenommenen Single ALLE FEHLER, das Album EINS folgte nur wenig später ebenfalls im Jahr 2007 bei Major Records / Major Records Medien GmbH (www.majorrecords.eu) und sollte auch heute noch weitestgehend problemlos im gut sortierten Fachhandel zu finden sein, wo es um 15,- € kosten dürfte. Verkauft wird das Album als CD in einem DigiPack, dessen weißes Cover lediglich Musikername, Albumname sowie die Abbildung einer grünen Stoffpuppe ziert. Im Inneren des DigiPacks findet sich ein Booklet, in dem die Texte der Titel nachgelesen werden können. PURWIEN veröffentlichten bisher (neben zwei Singles) ausschließlich das Album EINS, gemeinsam mit Michael Sippel veröffentlichte Christian Purwien als SECOND DECAY unter anderem die Alben:
- LA DECADENCE ELECTRONIQUE - TASTE - THE HUNT - DE LUXE - HOTELS - ..
°°°°°°°°°°°° PLAYLIST °°°°°°°°°°°°
Das Album EINS von PURWIEN enthält folgende Titel:
- DUMMHEIT (1:16) - ALLE FEHLER (4:10) - BEI DIR (3:51) - RAUM 12 (3:42) - FRÜHER (1:16) - SO KALT (3:50) - VIELLEICHT IST ES SO (3:38) - KONSUM (1:33) -
Bilder von Eins - Purwien
LEB WOHL (4:11) - ICH KANN SEHEN (5:05) - MEINE MEINUNG (1:24) - UM MICH (3:54) - ALLE FEHLER (mit Witt (4:59)) - BEI DIR (Reprise (4:40)) - E.I.N.S: (4:16) - BEI DIR (Blutengel Remix (5:02)) - BEI DIR (Joke J. Remix (5:16)) - BEI DIR (Welle Erdball Remix (3:45)) - BEI DIR (Polytune Remix (5:04)) - ALLE FEHLER (Oktonaut Remix (5:40))
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° ANMERKUNGEN °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Auf www.wikipedia.de wird die Musik von Christian Purwiens erstem Projekt, SECOND DECAY, als Wave bezeichnet und dies ist sicher nicht ganz unzutreffend (na ja, ist ja auch ein recht grober Oberbegriff), allerdings meine ich, wären, insbesondere bei schnelleren Stücken, auch Elemente des Synthiepop zu erkennen. So ganz unähnlich ist auch die Musik PURWIENS nicht, was allerdings wohl auch an der recht unverkennbaren Stimme des Sängers liegen dürfte. Aber auch bei PURWIEN handelt es sich um rein elektronische Musik, die wohl auch im weiteren Sinne dem Wave zugeordnet werden könnte (durchaus aber auch mit Pop-Elementen) und die sich durch absolut zuhörenswerte, deutschsprachige Texte auszeichnet.
°° ALLE FEHLER °° °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Innerhalb weniger Sekunden wird aus dezenten Synthieklängen eine klar erkennbare, recht elektronische Melodie von etwa mittlerem Tempo und Christian Purwien beginnt mit dem Gesang seines Textes, wobei er diesen zunächst mehr spricht und nur im Refrain deutlich melodischer singt. Im weiteren Verlauf, in dem immer wieder auch kleinere Synthieeffekte eingespielt werden, geht Christian Purwien zu einem melodischeren Gesang über alle Textstellen hinaus hin. Im Duett mit Witt klingt die Instrumentierung des Titels etwas dichter und düsterer, dabei aber nicht weniger melodisch, und irgendwie hatte ich immer den Eindruck, das Instrumentenspiel wurde ein wenig an den Stil WITTS angepasst, der hier den Gesang des Textes übernimmt und diesen mit seiner markanten Stimme in einer Form am Rande des Sprechens vorträgt. Den Refrain singt auch hier Christian Purwien, dessen Stimme und melodischer Gesang hier einen gelungenen Kontrast zum Gesangpart WITTS darstellt. Im Oktanauten Remix wirkt die Instrumentierung deutlich synthetischer, rhythmischer und der Titel scheint in dieser Fassung etwas schneller zu sein, als in den beiden anderen Fassungen. Der Gesangspart scheint hier ebenfalls beschleunigt - irgendwie sicher eine nicht uninteressante Fassung, allerdings bleibt das Duett mit WITT (das hier auch die Basis für diesen Remix bildet) unerreicht. Insgesamt ist ALLE FEHLER ein sehr gelungener Titel, in der Fassung mit WITT sogar ein echtes Highlight.
... Wenn keiner lenkt Die Richtung weist Ich bin bereit und folge stumm Den Rest der Zeit ... Alle Fehler sind gemacht Und viele hab ich längst bereut Ich wünsch mir heute immer noch Ich hätte damals mehr gewagt ... °° BEI DIR °° °°°°°°°°°°°°°°
Die Synthies spielen von Beginn an eine sehr ruhige und eingängige Melodie, zu der Christian Purwien mit leicht traurig wirkender Stimme seinen Text vorträgt. Im weiteren Verlauf steigert sich die Instrumentierung ein wenig, lässt der Stimme des Sängers aber auch weiterhin den Vortritt. Jeweils zum Refrain, der sehr eingängig ist, steigert sich die Instrumentierung erneut und macht BEI DIR zu einem zweiten Highlight auf diesem Album. Als Reprise tritt die Instrumentierung noch weiter in den Hintergrund und es sind fast nur einige pianoähnliche Töne als Instrumentieung zu hören, was den Titel in dieser Fassung noch ein wenig trauriger klingen lässt - absolut gelungen und wunderschön. Das genaue Gegenteil zum Reprise stellt der Welle Errdball Remix dar. WELLE ERDBALL (die ich ja bekanntlich ebenfalls zu meinen bevorzugten Musikern zähle) ergänzten die Instrumentierung um die typischen Klänge des Commodore C-64 und schafften es, den eigenen Stil in den Titel einzuarbeiten, wodurch dieser Remix wohl die am fröhlichsten wirkende Fassung des Titels darstellt. Der Blutengel Remix beginnt zunächst mit Geräuschen, die an das Ticken einer Uhr erinnern. Nach einigen Sekunden spielen dann die Synthies die unveränderte Melodie des Titels in ruhiger, aber elektronischer wirkenderer Form, was immer wieder auch durch zusätzlich eingespielte Synthieklänge unterstrichen wird. Insgesamt steht in diesem ebenfalls gelungenen Remix die Stimme des Sängers nicht ganz so im Vordergrund wie in der Originalfassung. Der Joke J Remix wirkt von Beginn an etwas beschleunigt, Textpassagen werden gerne wiederholt und die Instrumentierung wurde durch sehr synthetische Klänge ergänzt, durch die zwar die leicht traurige Harmonie der Melodie etwas gestört wird, der Titel/Remix aber einen eigenen Reiz erhält. Im Polytune Remix wurden dagegen zwar ebenfalls weitere Synthieklänge eingefügt, die den Titel auch ein wenig schneller wirken lassen, allerdings fügen sich diese hier etwas harmonischer ein, als im Joke J Remix. Insgesamt sind die Originalfassung, Reprise und der Welle Erball Remix (auch in dieser Reihenfolge) die meines Erachtens besten Fassungen des Titels, die übrigen drei Remixe sind zwar ebenfalls durchaus nicht schlecht, können aber mit den erstgenannten nicht mithalten. ... Wenn ich heute nochmal Zweifel hätt´ Würde ich sicher alles noch mal tun All die Fehler führten mich hierher Alles das ist jetzt bedeutungslos ... Ich war schon immer hier Wo sollte ich sonst auch sein Ich war schon längst bei dir Und dennoch suchte ich dich ...
°° RAUM 12 °° °°°°°°°°°°°°°°°°° Nach einem recht ruhigen, sich nur langsam steigernden Auftakt spielen die Synthies hier eine recht zügige und durchaus auch rhythmische Melodie, zu der Christian Purwien seinen Text zunächst noch recht langsam vorträgt. Mit dem schwungvollen Refrain nimmt dann aber auch das Tempo des Gesangs in den übrigen Passagen ein wenig zu und es entwickelt sich ein sehr eingängiger, melodischer Titel von etwas höherem Tempo.
... Dein Leben läuft davon Kein Gefühl das dich noch hält Fällst du tief in dich zurück Und schweigst in Einsamkeit ... Raum 12 Ich bin bereit Raum 12 Ich bin bereit Wenn ich heut nicht fliehen kann Wird Kopf und Geist befreit ... °° SO KALT °° °°°°°°°°°°°°°°°°
Den Auftakt bilden leicht sphärisch anmutende Synthieklänge aus denen sich dann eine zunächst sehr ruhige und auch dezente Melodie entwickelt, zu der Christian Purwien eine erste Strophe seines Textes singt. Zum Refrain steigert sich die Instrumentierung dann recht deutlich um anschließend, nach dem Refrain, wieder zur vorherigen Ruhe zurückzukehren. Die Kombination aus ruhigen, langsamen Klängen, intensiveren Passagen und dem sehr harmonischen, immer leicht traurig klingenden Gesang des Sängers macht SO KALT zu einem weiteren gelungenen Titel auf diesem Album. ... Herz aus Granit Schlägt lang nicht mehr Ich bin noch hier Und fühle mich leer ... Mir ist kalt Mir ist so kalt Ich spüre keine Wärme mehr ...
°° VIELLEICHT IST ES SO °° °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Beginnt der Titel zunächst mit einem sehr ruhigen und dezenten Spiel der Synthies, so schwenkt dies schnell um in das Spiel einer recht zügigen und hocheingängigen Melodie, die zusammen mit dem angenehmen Gesang Christian Purwiens VIELLEICHT IST ES SO zu einem weiteren Highlight des Albums macht. Übrigens ist VIELLEICHT IST ES SO auch der Titel auf dem Album, bei dem ich mich am meisten an SECOND DECAY erinnert fühlte.
.. Je vielleicht ist es so Dass der Schein uns nur trügt Und vielleicht ist es so Dass die Wahrheit nicht zählt Ja vielleicht wäre ich Ohne Liebe nicht hier Und bestimmt wäre das Nicht so schlimm wie es scheint ... Ich liebe dich Vielleicht doch nicht ... °° LEB WOHL °° °°°°°°°°°°°°°°°°°°
Zunächst sehr dezent, spielen die Synthies nach nur wenigen Sekunden eine recht schwungvolle, eingängige Melodie von mittlerem Tempo, zu der ein Gesang zu hören ist, der zwar eher ruhig, aber durchaus auch schwungvoll vorgetragen wird. Interessant wird dieser Titel in erster Linie durch den Refrain, in dem die Instrumentierung ein wenig in den Vordergrund tritt und ein wenig an den Synthiepop der 80er Jahre erinnert. ... Blick auf den Lauf der Zeit Sag mir was die Stunde zählt Ich hab gewusst Dass nur ein falsches Wort Das wahre Ziel verfehlt ... Ist es zu spät Für mich zu gehen Ist es zu spät Einen Sinn zu verstehen ...
°° ICH KANN SEHEN °° °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Von Beginn an geben die Synthies eine zügige und rhythmische (ein wenig auch an Second Decay erinnernde) Melodie vor, die dann nach einigen Sekunden ein wenig in den Hintergrund tritt und dem Gesang Christian Purwiens den Vordergrund überlässt. Dieser Gesang, hier einmal ohne jeden traurig wirkenden Unterton, harmoniert hervorragend mit der eingängigen Melodie und vor allem die Passagen, in denen Gesang und Synthiespiel die Intensität steigern, machen ICH KANN SEHEN zu einem weiteren absolut gelungenen Titel.
... Ich kann sehen Wie die Zeit vergeht Die Welt sich dreht Und man doch ncihts versteht ... Ich kann sehen Wie die Zeit verrinnt Der Schluss beginnt Und ein fremder uns bestimmt ... °° UM MICH °° °°°°°°°°°°°°°°°°°
In den ersten Sekunden scheint sich UM MICH zu einem eher ruhigen Titel zu entwickeln, schnell hat sich dann aber eine mittelschnelle Synthiemelodie entwickelt, die gelegentlich mit einigen Effekten angereichert wurde, und zu der Christian Purwien mit vergleichsweise eindringlichem Tonfall seinen Text vorträgt. Eingängig, melodisch, gelungen. ... Hab mich nie fort gewagt Ich bleib für immer hier Vielleicht ein Leben lang Zu zweit und doch allein mit dir ... Ich dreh mich ständig Um mich selbst Vielleicht ein Leben lang ...
°° E.I.N.S. °° °°°°°°°°°°°°°° Hier handelt es sich grundsätzlich um ein Instrumentalstück, in dem die Synthies eine Melodie spielen, die zunächst fast sakral wirkt, dann aber in ein dichtes, sehr harmonisches, ruhiges Synthiespiel übergeht, dass dann den Hintergrund für einen weiteren gesprochenen Text bildet. So ist E.I.N.S. im Grunde kein Titel im klassischen Sinne, durch die Untermalung mit der eingängigen, ruhigen und ausgesprochen schönen Melodie auch kein reiner Text wie DUMMHEIT, FRÜHER, ...
... Warum tun wir eigentlich immer so, als wenn wir unsterblich wären Wir beschäftigen uns tagein, tagaus nur mit den unwichtigen Dingen Und lassen die Zeit vorbeiziehen, als wenn wir uns mit den wichtigen Dingen in einem späteren Leben befassen können ... Insgesamt bietet das Album EINS von PURWIEN eine gelungene Mischung aus schnelleren und langsameren, nachdenklich stimmenden, traurigen und leicht fröhlichen Titeln und letztendlich handelt es sich bei allen Titeln um sehr gelungene elektronische Musik. Bei den in der Playlist genannten, in meinem Abschnitt "Anmerkungen" aber nicht weiter berücksichtigten Titeln/Stücken DUMMHEIT, FRÜHER, KONSUM, und MEINE MEINUNG handelt es sich übrigens nicht um musikalische Beiträge, sondern um Hörtexte in denen sich Christian Purwien Alltagsthemen/-beobachtungen widmet (übrigens ebenfalls durchaus nicht uninteressant).
°°°°°°°° FAZIT °°°°°°°°
Wie schon SECOND DECAY, so gefällt mir auch Christian Purwiens aktuelles Projekt PURWIEN ausgesprochen gut und mehrere Titel des Albums EINS haben auch den Weg auf meinen iPod Nano sowie meine MP3-CD für mein Autoradio gefunden, so dass ich sie mir recht häufig anhören kann. Ich kann das Album EINS von PURWIEN hier also guten Gewissens uneingeschränkt empfehlen und urteile mit SEHR GUT !
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18.11.2008 06:25
coool ich dachte schon ... du schreibst über deine selbstgemachte sexpuppe ;) ... *lg, Nobs*
07.08.2008 00:08
Sehr gut gemachter und differenzierter Bericht.
02.08.2008 09:28
Klasse Band und ein klasse Bericht, lg