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Walt Disney Theatrical Productions brachte im Oktober 1998 das von Elton John und Tim Rice geschriebene Musical “Elaborate Lives: The Legend Of Aida” heraus. Eine überarbeitete Version des klassischen Stoffes nach Verdis Oper hat demnächst am Broadway unter dem neuen Titel “Aida” Premiere, welches die tragische Liebe des ägyptischen Prinzen Radames zur nubischen Sklavin Aida erzählt..
Als Teaser erschien nun zunächst ein Popalbum, auf dem Rockkünstler ihre eigene Interpretation einiger Songs der Show präsentieren. Im Booklet mit den kompletten Songtexten wird eigens darauf hingewiesen, daß die hier vorgestellten Stücke nur noch wenig mit der Bühnenversion zu tun haben, wobei auch textliche und inhaltliche Veränderungen an den Songs vorgenommen wurden. So läßt sich die Handlung des Musicals praktisch nicht nachvollziehen. Alles rockt und popt fröhlich in bester “König der Löwen”-Manier dahin, dabei hat das Ergebnis eigentlich nichts mehr mit einem Musical zu tun.
Die Stärken der Produktion liegen meiner Meinung nach auch in den stimmungsvolleren Balladen und Love-Songs, wie beim Chart-Hit “Written In The Stars” oder dem melancholischen “Elaborate Lives” und wenn Elton John sein Klavier bei “Amneris´ Letter” anstimmt, kommt fast ein “Candle In The Wind”-Feeling auf.
Erst beim letzten instrumentalen Titel, dem “Orchestral Finale”, kommt das Potential einer Musicalversion in einer Art Ouvertüre beeindruckend zur Geltung und macht neugierig - vielleicht kann ja doch noch was daraus werden?
Fazit: Ein Popalbum, das mit einem Musical nichts zu tun hat.
Technische Daten: Studio Cast CD mit Elton John, Janet Jackson, Sting, Tina Turner, Boyz II Men, Spice Girls, Shania Twain, u.v.a. Musik: Elton John Texte: Tim Rice 65 min, 16 sec PoyGram Records 1999
Im Gegensatz zum Konzeptalbum der Musicalfassung “Aida” von Elton John und Tim Rice wird der Original Broadway Cast dem Genre Musical eher gerecht. Zwar ist die Musik immer noch ein erfrischender Mix aus Pop-Rock, Gospel und einem Schuß Reaggae, doch mit den Orchesterarrangements der ruhigeren Balladen, bei denen man immer das Phantom eines klavierspielenden Elton Johns im Hinterkopf hat, merkt der Hörer schnell, daß es sich hier um eine auch inhaltlich wesentlich geschlossenere Bühnenproduktion handelt.
In einem Museum für ägyptische Geschichte erwacht die Tochter des kranken Pharaos Amneris zum Leben und erzählt uns von der tragischen Liebesgeschichte von ihrem Verlobten Radames, der sich in ihre nubische Sklavin Aida verliebt. Aidas Vater ist selbst nubischer König und als dieser vom Kriegsherren Radames gefangengenommen wird, beschließt Aida mit Hilfe des Sklaven Zoser, den Vater zu befreien. Aida gesteht Radames ihre wahre Identität, doch es gibt nur während der Hochzeitszeremonie von Amneris und Radamis die Möglichkeit für den Rettungsversuch. Radamis willigt unter der Bedingung ein, seine Verlobte zu heiraten, wenn auch Aida in die Freiheit flieht. Obwohl der nubische König gerettet werden kann, wird Aidas Flucht vereitelt. Das Todesurteil für Aida und Radames ist besiegelt, da aber die betrogene Amneris ein Herz für die Liebenden hat, sorgt sie dafür, daß das Paar zusammen in einem Raum eingemauert wird. Bevor den beiden buchstäblich die Luft wegbleibt, schwören sich sich ewige Liebe mit der Gewißheit, einander in einem anderen Leben erneut zu begegnen. Der ewige Kreis schließt sich im Museum, in dem sich ein Besucherpaar plötzlich mit ganz anderen Augen sieht....
Diese dramatische Liebesgeschichte wird stimmgewaltig von den drei Hauptdarstellern herübergebracht (schon zu Beginn wird die Musikrichtung mit “Every Story Is A Love Story” beeindruckend festgelegt), auch wenn die musicalische Umsetzung manchmal nicht ganz ins alte Ägypten passen will. Aber wenn ein Elvis-Verschnitt als Pharao bereits bei “Joseph” kräftig für Stimmung sorgen durfte, warum sollen nicht dann Amneris Ankleidedamen an die Musen aud Disney´s “Herkules” erinnern dürfen. Wer weiß, vielleicht werden Songs wie “Elaborate Lives”, “Written In The Stars” oder “My Strongest Suit” sich einmal als klassische Musicalohrwürmer bei den Fans einnisten. Die hochkarätige Besetzung, angeführt durch Heater Headley als Aida, die fast wie eine frische Whitney Houston klingt, wird viel dazu beitragen. Ihr Finale des 1. Aktes mit “The Gods Love Nubia” sorgt für ein wohliges Gänsehautfeeling!
Fazit: Ein modernes Popmusical mit beeindruckender Gesangsleistung der Hauptdarsteller.
Technische Daten: Original Broadway Cast CD mit Heather Headley, Adam Pascal, Sherie Rene Scott Musik: Elton John Texte: Tim Rice 70 min, 18 sec Buena Vista Records 2000
Nach der erfolgreichen Spielzeit von “Elisabeth” im Circus Theater in Scheveningen brachte im Herbst 2001 Theatermogul Joop van den Ende Elton John & Tim Rice´s “Aida” in die Niederlande. Der Erfolg dieser Neuproduktion wird natürlich den Weg des ägyptischen Rockspektakels nach Deutschland ebnen, für das bereits ein geeigneter Aufführungsort gesucht wird.
Besonders einem genialen Schachzug wird der Erfolg des vom Broadway importierten Disney-Musicals zu verdanken sein: der männliche Hauptdarsteller des Radames, der sich zwischen der ägyptischer Prinzessin Amneris oder deren Sklavin Aida entscheiden muss, wird von keinem geringeren als dem Holländer Bastiaan Ragas, Ex-Boygroup Star der Gruppe “Caught In The Act”, gespielt. Natürlich ist der gut aussehende Blondschopf auch auf der niederländischen Castaufnahme vertreten. Doch wenn in Scheveningen sicherlich die weiblichen Fans massenhaft den Bühneneingang belagern und ihr Jugendidol unter Teddybären oder anderem Kleingetier mit frenetischem Kreischen begraben, kann Mr. Radames Ragas nicht in jedem Song überzeugen. Doch auch wenn seiner Stimme manchmal etwas an dem letzen Quäntchen überzeugender Kraft fehlt, kann er dennoch in vielen leiseren Pop-Balladen überzeugen.
Bei seinen exzellenten Partnerinnen Antje Monteiro als Amneris und Chaira Borderslee als Aida, die man guten Gewissens als wahre Stimmwunder bezeichnen kann, hat es Boy Bastiaan aber auch wirklich nicht einfach, dem hohen Gesangsstandard gerecht zu werden. Besser noch als der Broadway-Cast wird hier das musicalische Potential von Songs wie “Verwarrend Bestaan” (“Elaborate Lives”), “Ergens In De Sterren” (“Written In The Stars”) oder “Ter Ver Gegaan” herausgearbeitet. Der - was ziehe ich heute bloß wieder an -Rock-Song der wunderschönen Nilprinzessin, deren äußerliches Erscheinungsbild ihr höchstes Ziel ist, wird durch ein getanztes Zwischenspiel in “Mijn Pakkie An” mit glanzvollem Orchesterarrangement zu einer humorvollen Musical-Perle, während das Finale des ersten Aktes “Gezegend Nubie” dank der farbigen Nuance der Hauptdarstellerin als 1A-Gospelnummer erstrahlt.
Auch wenn sich viele Musicals-Fans nicht mit der niederländischen Sprache identifizieren können, ist unseren Nachbarn auch mit dieser Übersetzung ein Glückstreffer gelungen. Vielleicht sollte man sich die komplett im farbig bebilderten Booklet abgedruckten Songtexte einmal näher ansehen: so schwer ist die niederländische Sprache gar nicht zu verstehen.
Fazit: Die niederländische Aida toppt das amerikanische Original um Längen!
Technische Daten: Original Broadway Cast CD mit Chaira Borderslee, Bastiaan Ragas, Antje Monteiro Musik: Elton John Texte: Tim Rice (Niederländisch von Linda Woolverton, Robert Falls, David Henry Hwang) 71 min, 27 sec Polydor Universalmusic 2001