...every waking hour...
26.10.2005
Pro:
Der Stil ist geschliffen .
Kontra:
Der Stil ist Geschmackssache .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 logan
Über sich:
ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...
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Ein hübsches Coverartwork haben GRAVEWORM da für ihre Scheibe "Engraved In Black" (2003) gewählt. Man hätte das Bandlogo noch etwas dezenter einbinden können, aber davon ab kann sich die Hülle durchaus sehen lassen... ...doch was ist drin?
Nun, jede Menge Black Metal. Der Einstieg wird uns (Heavy Metallern) leicht gemacht:
Ein doomiger Basslauf, pompöse Bassdrums, flächig überfrorene Keyboards in Schieflage schicken uns auf eine dunkle Ebene, die schon bald von growlendem Gesang eisig durchfaucht wird. Daraus entwickelt sich eine schöne Midtempoballade mit einigen Powerchord Einlagen und hintergründigem Geröchel: Sehr sehr stimmungsvoll, selbst die von Blastbeat durch- und kehligem Dunkelgekreisch zer-setzten Passagen können mich aufgrund der tragenden, langsam wogenden Gitarrenläufe im Hintergrund überzeugen. Die synthetischen Klänge spielen sich zu keinem Zeitpunkt in den Vordergrund, sondern ergänzen bloß die Stimmung um eine blasphemisch antisakrale Note. Harsche Rhythmik eingebettet in eine sich wiegende Melodie von geradezu träumerisch bedrohlicher Stimmung sorgen bei 'Dreaming into reality' für wohliges Unbehagen. (4/5) Offensiver geht es dann weiter:
'Legions unleashed' versetzt die epischen Glimmdrahtgitarren in den gilbend ermattenden Hintergrund, lässt Basswolken von Mehlstaub vorüberziehen, und verschleppt immer wieder das Tempo in zahlreichen Überbrückungen; dort werden dann auch spieluhrähnliche Klänge und einige andere atmosphärische Versatzstücke eingebaut. Wo der tiefe Gesang, der sich wie ein blutbrauner Faden durch den Song zieht, in diesen Momenten noch traurig duster klingt, übernimmt sein Gegenpart ein aggressives Röchelgekreisch, treibt das Stück voran, und schickt Knüppelattacke um Knüppelattacke ins Feld: Gut gemacht, doch nicht so ganz mein Stil; die ruhigen, doomigen Passagen wissen mir aber zu gefallen. (3.3/5.0) Der Anschluss gelingt schwarzsinfonisch routiniert:
Die Keyboards fahren eine obsidiane Klangwand mit streicherähnlichen Strukturen auf, die von einem sämig dräuenden Bass in unheilvolle Schwingungen versetzt wird. Der Gesang kommt eher getragen und duster daher, erst nach und nach mischen sich fauchende Elemente und kraftvolles Riffing darunter, das immer wieder vom epischen Keyboardspiel abgelöst wird. Alles an der 'Renaissance in blood' greift syrupartig zähflüssig ineinander und trifft auf mein Wohlgefallen. (4.5/5.0) In getragenem Tempo marschieren GRAVEWORM nun vom synthetisch zum organisch Untermalten:
'Thorns of Desolation' erklingt ebenfalls episch, doch kommt hier vor allem die beschwörende Dudelsackmelodie zum Tragen, obgleich auch hier einige Keyboardelemente eingebunden wurden: Ein unspektakuläres Stück, welches als stimmungsvolle Überleitung sich jedoch gut in das Album einfügt und auch für sich genommen auf ausgeglichene Weise zu überzeigen vermag. (4/5) Danach erfolgt die Rückkehr auf typischeres Black Metal Terrain:
'Abhorrence' schickt Grabesstimme und Dämonenkrächzen in ein Sangesduell vor dramatischer Kulisse. Da defilieren pumpendes Saitendonnern, klinisch kalte Keyboardflächen, und doomige Drums am Ohr des Hörers vorbei, immer wieder durchsetzt von kleinen Häppchen überbackener Gitarrenläufe an Blastbeatsoße. (4.3/5.0) Doch auch an einer Coverversion haben sich GRAVEWORM versucht:
'Losing my religion' wird wohl immer einer der ergreifendsten Songs in der doch nicht eben kurzen Bandgeschichte von R.E.M. bleiben. Hier wurde das Stück zunächst einmal bis auf die blanke Haut entkleidet, für eine lange finster Nacht alleine in ein kaltes Kellergewölbe geschickt, und danach (noch immer völlig durchfroren) in ein üppiges Prachtgewand aus königlichem Gothic Black Metal gehüllt. Irgendwie muss ich dabei immer an den zum Alleinherrscher aufstrebenden Küchenjungen Steerpyke im dekadenten Castle Gormenghast denken. Wunderbar tragisch. (5/5) Passenderweise wird sogleich die Schönheit der Bosheit besungen:
Das Stück tendiert wieder mehr in Richtung klassischer Black Metal, der durch einen gekonnten Wechsel zwischen wahnsinnigen, gehetzten, orgelartigen Keyboardfugen und getrageneren Passagen mit derbem Basswolken und trockenem Drumming zu überzeugen weiß. Der äußerst aggressive Gesang wirkt keinesfalls aufgesetzt, sondern ist wirklich passend eingebunden; er trägt zu diversen Steigerungen ebenso bei, wie diverse Rhythmuswechsel der Instrumente. Dazu gibt es stimmungsvollen Chorgesang im Hintergrund, sägende Gitarrenwendeltreppen, die in schwindelerregende Perspektiven führen, und sogar einige kleine aber feine klavierartige Einsprengsel, die dem schwarz wogenden Epos 'Beauty of malice' kleine Glanzlichter aufspiegeln. (4.6/5.0) Und da "Engraved In Black" ein durchaus ausgewogenes Album ist, ...
... holt uns sein rein instrumentaler Ausklang 'Apparition of sorrow' mittels kühl orchestrierten Leichtbombast langsam wieder auf den Boden der Realität zurück, vergleichbar mit dem Epilog eines Gruselromans. Sicherlich gut geeignet zur Untermalung von Arena- oder Dungeon-Szenen diverser Rollenspielsitzungen. (3.3/4.0)
Fazit: "Engraved In Black" ist ein stimmungsvolles, über kurze Passagen immer wieder auch getragenes Black Metal Album mit einigen Einflüssen aus Doom, Gothic und Symphonic Metal. Die beiden Singstimmen, bestehend aus düsteren Growls und fauchendem Krächzen, ergänzen sich hervorragend. Auf Neo-Black Bombast à la DIMMU BORGIR der letzten Zeit konnte damit zum Glück verzichtet werden: Klassischer Sound, klassisches Songwriting. Dabei sind GRAVEWORM durchaus abwechslungsreich, weswegen ich die Scheibe guten Gewissens allen empfehlen kann, die dem Black Metal offen gegenüberstehen.
(Spielzeit: 37:07 erfüllte Minuten)
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19.11.2005 11:36
Bleib doch lieber bei solchen Berichten, wie diesem hier. Irgendwie denke ich, dass Dir die Tee und Lebensmittelberichte nicht so richtig entgegen kommen. GRuß, JEns
28.10.2005 23:55
Mal wieder ein exzellenter Bericht von dir.
26.10.2005 21:44
Interessanter Bericht und Dank für den Kommentar zu der NVA. Mein Ratschlag selbst lesen ansonsten habe ich mich an den Buchtext gehalten ohne mir spöttische Bemerkungen zu verkneifen, Gruß