Anti-Kriegs-Album im metallischen Gewand
28.01.2003
Pro:
völlig toll !
Kontra:
macht süchtig !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Endorfinchen
Über sich:
Hallö! Bin 21 und Studiere Angewandte Sprachwissenschaften. Bin meistens gut gelaunt und lese für me...
Mitglied seit:21.12.2002
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Vertrauende:6
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Vor nunmehr fast drei Jahren, als dieses Album gerade neu war, kam ich durch einen Freund das erste mal mit Angel Dust in Berührung. Dieser war wiederum durch einen Freund auf Angel Dust aufmerksam geworden... kurz: Angel Dust galten als Geheimtip. Ursprünglich wurde DIE BAND in den Achtzigern als Thrash-Metal-Combo gegründet, die sich aber Ende der Achtziger auflöste. Erst 1997 kehrten Angel Dust mit halb neuer Besetzung und einem neuen, deutlich melodischeren Stil zurück, der stark vom vorher nicht vorhandenen Keyboard beeinflusst wurde. Zu Enlighten the Darkness - Zeiten waren sie folgendermaßen besetzt:
Frank Banx (Bass) Dirk Assmuth (Drums) Steven Banx (Keys) Bernd Aufermann (Gitarre) Dirk Thurisch (Vox) In dieser Besetzung hatten sie bereits 1997 das Album 'Boarder of Reality' auf den Markt geworfen, 1999 gefolgt von 'Bleed'. Nach Enlighten the Darkness (2000) folgte mit dem neuen Gitarristen Ritchie Wilkinson 'Of Human Bondage'(Ende 2001), bevor sich AD zu meinem Bedauern im Sommer 2002 auflösten. Ob es diesmal ein endgültiger Schlussstrich sein wird, bleibt abzuwarten. Da also in nächster Zeit nicht mit einem neuen Album zu rechnen und Enlighten The Darkness mein persönlicher Liebling von AD ist, werde ich nun mein Bestes geben um zu erklären, warum dem so ist.
DIE AUFMACHUNG des Albums ist sehr stilvoll. Auf dem dunklen Cover ist die Fotografie eines steinernen Engels zu sehen, der in einer Kathedrale steht. Im gleichen Hell-Beige wie der Engel ist der Schriftzug der Band gedruckt. Auf der Rückseite sind um einen weiteren (aber nicht ganz so schönen und eher unauffälligen) Steinengel kreisförmig die Titel der Songs angeordnet. Im Booklet finden sich die Texte aller Songs, bestückt mit thematisch passenden Fotos bzw. Bildcollagen, alle in schwarz/weiß mit einem leichten Beige-Stich. Am Rand, seitlich und in Handschrift, eine markante Zeile des jeweiligen Song-Textes ein zweites Mal abgedruckt. So trägt also das Design des ALBUMs dazu bei, seine Aussage an die Zuhörer zu tragen. Denn obwohl kein Konzeptalbum in dem Sinne, dass es eine 'Geschichte' erzählt, liegt ihm dennoch ein Konzept zugrunde: Enlighten The Darkness ist bis ins Mark ein Anti-Kriegs-Album. Es schildert den Krieg von so gut wie allen vorstellbaren Seiten, mit jeder neuen Melodie eine neue Perspektive...
1) Let Me Live Unheimliches Keyboard-Gewaber leitet Enlighten The Darkness ein: das Heulen des Windes auf einem verlassenen Schlachtfeld vielleicht. Das Album kommt also direkt zum Thema. Und wenige Momente später, geht es auch musikalisch zur Sache - schließlich hören wir ein Metal-Album und Angel Dust waren immerhin mal Thrasher. Let Me Live ist für meine Ohren das deutlich härteste Stück des Albums: Nach dem Intro stark vom Bass dominierte Klänge, dazu das allgegenwärtige Keyboard. Die Melodie der Vocals ist in der Strophe eigentlich eher melodielos, passend zum Text: 'Separate me from the dead all around Smashed into the ground Ecstasy of killing blinded my eyes' Die Melodie, Merkmal für Angel Dust, kommt erst im Refrain: 'When I'm dreaming, I still hear them marching on; in the darnkness I start to pray: Let me live, let me love again' singt Durk Thurisch mit vollem emotionalem Einsatz und scheint für einen Moment tatsächlich nicht mehr Dirk zu sein, sondern eine Kriegsmaschine, ein Soldat, dem schmerzlich bewusst wird, dass es nur noch Tod um ihn herum gibt. Obwohl recht straight, ist Let Me Live auf seine Art höchst eingängig. 2) The One You Are Mein Liebstes von Enlighten the Darnkness. Erzählt wird von einem der 'Führer', derer es in der Kriegsgeschichte der Welt so viele gab und die fast immer nur Schmerz, Not und Hass über selbige gebracht haben. Die Sicht des Menschen selbst (ja, selbst vor diesem schwierigen Aspekt haben AD nicht Halt gemacht, was mich immer wieder schwer beeindruckt!) und dann die seiner Frau, vermutlich in Stellvertretung für alle, die ihn gut kennen. 'I'm correct. I'm an ideal There are thousands to be led' Auch hier wieder schnelles Tempo, Double-Bass und Keyboard. Die Melodie sticht heraus, ist sie doch fast geschrieen, erneut fast melodielos. Doch der Bruch kommt: auf einmal nur noch ein Klavier und Dirk's Stimme, die in verzweifelt schöner Linie die Zweifel ausdrückt, die dieser 'Führer' haben mag: 'I look into the mirror; is this my face I see? I'm deeply involved into A brand new host - and I hear him say:' Die Zweifel sind beendet, die starke Rythmussektion ADs steigt wieder ein, und Dirk singt mit voller Kraft: 'Break the chains that tie you down and be again the one you are...' Nicht nur die wahnsinnige Melodie im ruhigen Part dieses Songs macht ihn zu meinem Favoriten, sondern auch die unbändige Kraft, die ihn vorantreibt.
3)Enjoy! Auch Enjoy! ist vom starken Rythmus bestimmt. Es ist einer dieser typischen Songs, bei dem auch Nicht-Metaller immer begeisterter mit dem Kopf wippen, bis irgendwann auch deren Haare fliegen: wummernder Bass, Double-Bass und zwischendurch kreischende Gitarren; an Keys wird diesmal gespart. Erzählt wird vom Schwert oder der Pistole oder irgendeinem anderen Tötungsgerät, das durch Dirk mit einschmeichelnder Stimme singt: 'This is the place where your dreams become true and this is the place where i kill for you; this is your time of diversion and fun - so enjoy! 4) Fly Away Ein wunderschönes Gitarrenintro umschmeichelt die Ohren nach dem heftigeren Enjoy! und mit unendlich gefühlvoller, unendlich verzweifelter Stimme hören wir 'For me and I life seems so hard at all...' Relativ untypisch für Angel Dust, kommt die Power erst im Refrain und schwillt dann auch wieder ab. Den Sinn der Lyrics habe ich nie bis auf den Kern verstanden, aber ich glaube dass es die Sicht eines sterbenden Soldaten ist. 'Fly away to the other side; fly away to the point of entry; fly away to what's so high above'. Mir persönlich gefällt Fly Away nicht so gut, weil dem Refrain das gewisse Etwas fehlt, das die anderen Lieder sehr wohl aufweisen. Dafür ist das Intro zum Sterben schön und das Gitarren-Solo gegen Ende ist auch nicht von schlechten Eltern. Der Ausklang des Stückes (Klavier übernimmt die Melodie des Intros) ist ebenfalls sehr schön.
5) Come Into Resistance ... schlägt nach den einschmeichelnden letzten Tönen von Fly Away wieder so richtig zu. Diesmal ist die Gitarre dominant (so finde ich zumindest) und Angel Dust lassen erneut ihre Roots erklingen - vom Keyboard natürlich wiederum abgesehen. Come Into Resistance ist sehr komplex, sowohl musikalisch als auch inhaltlich: die Seite derer, die keinen Krieg wollen. Einerseits wird der Ruf des Widerstands dargestellt: 'So join the secret circle, now come into resistance!', andererseits der des Einzelnen, der dem Ruf gehorchen will und doch am Ende zurückbleibt: 'Please don't judge me for I'm too scared; I cannot leave my dears alone' Come Into Resistance ordnet sich wunderbar im Gesamt-Konzept des Albums ein und ist inhaltlich sicher unverzichtbar; musikalisch find ich es allerdings nicht so überragend. Vielleicht habe ich mich nicht genug damit beschäftigt und die Strukturen nie so genau durchschaut - auf jeden Fall finde ich es gibt Besseres auf Enlighten The Darnkness. 6) Beneath The Silence Eine Ballade, ausschließlich von Gitarre begleitet und von starker Ausdruckskraft. Während die Gitarre den melodischen Part übernimmt, sind die Vocals während der Strophe fast gesprochen und erst im Refrain singt Dirk. Die Wirkung ist trotzdem sehr stark. Fast könnte man sagen, die Stimme begleite die Gitarre, die den Inhalt hier ebenso eindringlich vermittelt wie der Sänger das normalerweise tut. Beneath The Silence ist kurz (3 Minuten), verfehlt seine Wirkung jedoch nicht: es erzählt von den Schrecken danach, die einen Soldaten oft noch Jahre nach Kriegsende in Alpträumen aufwachen lassen. 'A mind full of haunted shadows keeps away the painfull sleep'... 'there is nothing left to take, all I do is lay awake - beneath the silence.' Eine wie ich finde wunderschöne Vertonung der Athmosphäre, die Kriegsgezeichnete wohl oft wahrnehmen wenn sie alleine sind. Zumindest stelle ich es mir so und genau so vor.
7) Still I'm Bleeding Still I'm Bleeding macht da weiter, wo Beneath The Silence aufhört. Chronologisch verkehrt herum wird nun vom Soldaten auf dem Feld erzählt. Still I'm Bleeding ist ein Brief an die Geliebte, die zu Hause wartet. Der Text im Booklet ist in Handschrift gehalten, auf dem Bild dahinter ist ein Soldat zu sehen, der schreibt. Während Dirk singt 'I feel your tears... I can taste your lips on mine; let me kiss you before I musst die' wird das Ausmaß der Tragik klar und die Traurigkeit färbt ab. Und dieses 'Let me kiss you before I must die' hat mich in traurigen Stunden schon oft zum Weinen gebracht. Die erste Hälfte des Liedes ist nur von Klavier und ein paar sphärischen Keyboard-Klängen begleitet. Im Laufe des Briefes aber weicht die Hoffnungslosigkeit einem Versprechen: 'Believe in me. I promise you: I'll someway close my arms round you!' und die Musik steigert sich mit, wobei dies den absoluten Höhepunkt darstellt. Eines der beeindruckendsten Lieder, die ich kenne (wenn nicht gar das beeindruckendste) und mein zweiter Favorit auf diesem Album. 8) I need you Von weit her kommen die Klänge des nächsten Liedes (womit das Auftauchen aus Still I'm bleeding nicht ganz so brutal ist) zunächst. Und so scheint sich I need you zunächst als Midtempo-Stück zu entpuppen. Aber weit gefehlt! Bis zum Refrain holen Angel Dust nur aus, um diesen um so kraftvoller der Welt vor die Füße schmettern zu können. Live ist dieses Lied und vor allem dieser Refrain wirklich der totale Wahnsinn! Thema ist erneut der Führer, wie er vor dem Volk auftritt: 'One heart, one soul, one man to lead you into your salvation, domination' An dieser Stelle die deutlichste aller Anspielungen auf den zweiten Weltkrieg. 'I kill you - as I will die for you.'
9) First In Line 'When the sun rises slowly and the haze fades away Everyone knows that the time has come close To be the first in line with the rifle in our hands You and I, my old friend. Will we ever die?'
1 Minute und 15 Sekunden. Gitarre und Dirks Stimme - und die Tränen stehen einem im Gesicht. 10) Cross Of Hatred Übergangslos spucken uns Angel Dust 'Cross of Hatred' ins Gesicht. Und so fühlt es sich wirklich an - vor allem wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Habe ich eben behauptet, Let Me Live sei das Härteste Stück auf diesem Album, so muss ich mich korrigieren: Cross Of Hatred ist straighter. Zwar ist mit 'Hatred' wohl der Hass des Krieges gemeint, aber die Vertonung lässt deutlich den Hass AUF den Krieg spüren. 'Here I stand and I swear: I'll damn your word I still hear. And I'll scream it out for everyone to hear. I will not fight for your lie. Why you want us all to die? For your law, oh you beast, we've been sacrified!' Mit aller Wut, die sie haben, scheinen Angel Dust dies zu singen bzw. zu spielen und auch zu meinen. Anfangs ist Cross Of Hatred sperrig, gerade wegen seiner Kraft und weil es streckenweise mehr thrashig als melodisch ist. Aber nachdem man sich einmal darauf eingelassen hat, kann man nur immer wieder so laut und wütend es geht mitsingen.
11) Oceans Of Tomorrow Ein breiter Klangteppich aus Keyboard und ein paar Gitarren-Tönen wird nun vor uns ausgebreitet, auf dass sich derjenige, der möchte, hinein fallen lasse. Dirks Stimme: 'Retreat - lay down the row that I've been told to fight. - For whom? The child in me is dead. Innoncence is lost, ripped out of my heart. - By whom?' Ein letztes Mal nun Angel Dust, ihre Power, ihre Basslastigkeit, ihre Meldiösität: im Refrain. Und Enlighten The Darkness endet mit den Worten: Pain - mankind went insane Pain - there's no way to undo Pain - 'cos I followed you too
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27.08.2003 17:19
Hervorragender Bericht über eine meiner Lieblingsbands! Ich hab die Jungs sogar schon mal im Bandproberaum besuchen dürfen :D. Nun, ein Antikriegsalbum ist es nicht wirklich, klar sind einige Songs deutlich (z.B. The One You Are), aber ein Konzept steckt nicht dahinter. Dennoch halte ich die drei anderen Alben noch für einen Tick stärker, besonders "Bleed" ist der Hammer. Ich würde aber allen Alben 5 Sterne geben.
05.02.2003 22:24
Ist zwar eigentlich nicht meine Musik, hört sich jedoch recht vielversprechend an...exzellent geschriebener Bericht!
02.02.2003 22:52
Sollt ich mir mal anhören. Aber die Anti-Kriegs-Hymne ist und bleibt für mich Metallicas One. Viele Grüße! Sebastian