Krönung der Barockmusik
18.04.2006
Pro:
sehr interessant, sehr gute Aufnahmen
Kontra:
ein paar Aufnahmen rauschen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 NickAme
Über sich:
Achtung: Mangels Zeit ist mein CIS bis auf weiteres aus. LG Matthias
Mitglied seit:15.02.2000
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1. Einleitung +++++++++++++++++++++++ "1700 - 1750, Krönung der Barockmusik" ist die dritte CD der CD-Sammlung "Erlebnis Klassik".
Unsere Klangreise verlangsamt sich mehr und mehr, je wichtiger die einzelnen Epochen für die heutige Musik werden. So umfasst diese CD nunmehr nur noch einen Zeitraum von 50 Jahren, in dem der Barock seinen Höhepunkt erreicht, um sodann im Rokoko bzw. musikalisch der Wiener Klassik zu münden. Im Hoch- und Spätbarock verbreitet sich in Europa zum ersten Mal ein grenzübergreifender einheitlicher Musikstil, der als "empfindsam" bezeichnet wird. Die Oper erfreut sich allerhöchster Beliebtheit. Was es mit dieser Sammlung auf sich hat und wie ich zu ihr gekommen bin, habe ich in dem Bericht "Tochter aus Elysium" zu dieser Sammlung geschrieben und muss hier nicht noch einmal wiederholt werden.
Wie die CD aussieht, sieht man auf dem obigen Bild. Die CD ist für 13 - 14 € im Handel erhältlich. 2. Die einzelnen Stücke +++++++++++++++++++++++
a) Adagio g-moll für Streicher und Orgel ------------------------------------------------------- Komponist: Tomaso Albinoni (1671-1751)/ Remo Giazotto (*1910) Entstehungszeit: ???
Künstler: David Bell, Orgel; Leon Spierer, Violine; Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan Wissenswertes: Der Venezianer Tomaso Albinoni war nicht, wie bis weit ins 18. Jahrhundert hinein üblich, auf eine Anstellung bei Hof oder ein Abend der Kirche angewiesen. Durch die Unterstützung seiner Familie konnte er sich ausschließlich der Komposition widmen. Heute ist Albinoni vor allem wegen eines Stückes bekannt, dass aber vielleicht gar nicht von ihm stammt: das "Adagio g-moll für Streicher und Orgel", ein allerorts unverzichtbarer Schlager der Barockmusik, stammt in der heute gebräuchlichen Fassung aus der Feder des Albinoni-Forschers Remo Giazotto und damit in Wirklichkeit aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Klangqualität: Meinung: Ob es sich nun bei diesem Stück um eine Bearbeitung oder schlicht eine Fälschung handelt, können wir getrost der Diskussion der Musikforschung überlassen. Dieses Stück ist einfach großartig. Gefühlvoll traurig, aber nicht kleinlaut, sondern groß. In Bezug auf die Aufnahme muss ich allerdings einen Punkt abziehen, da ein minimales Hintergrundrauschen festzustellen ist. Das liegt allerdings in der Natur der Sache einer Orgelaufnahme, so dass ich es nicht schlimm finde.
b) Toccata d-moll (BWV 565) ------------------------------------------------ Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Entstehungszeit: vermutlich vor 1708
Künstler: Helmut Walcha, Orgel Wissenswertes: Keine Fälschung (so wie vielleicht das vorhergehende Stück) und trotzdem ein absoluter Klassik-Hit ist die "Toccata d-moll" von Johann Sebastian Bach. Bach gehört die Beethoven und Mozart zu den Komponisten, deren Gesamtwerk so umfangreich und für die Musikgeschichte von so überragender Bedeutung ist, dass sie nicht einfach durch ein exemplarisches Stück vorgestellt werden können. Bach war neben vielem anderen auch Organist - und als solcher ein großer Bewunderer von Dietrich Buxtehude. Die Orgel war das zentrale Instrument in Bachs Weimarer Zeit (1708 - 1717). Hier entstandenen das berühmte "Orgel-Büchlein" und die "Passaglia c-moll". Die "Toccata" schrieb Bach vermutlich schon einige Jahre früher.
Klangqualität: Meinung: Auch diese Aufnahme rauscht ein wenig, weil sie wirklich in einer Kirche aufgenommen wurde. Da das Rauschen bei dieser Aufnahme für meinen Geschmack etwas zu stark ist, ziehe ich zwei Punkte ab. Das Stück an sich ist wohl auch jedem absoluten Klasssik-Muffel bekannt. Es wird auch gern mal in den USA bei Footballspielen angespielt oder auch zur Untermalung des einen oder anderen Gruselfilms verwendet. Es kommt dermaßen melodramatisch daher, dass man meinen könnte, Bach hätte den Begriff "Spannung" erfunden. Ganz großes Kino.
c) Die vier Jahreszeiten: Der Frühling, 1. Allegro --------------------------------------------------------------- Komponist: Antonio Vivaldi (1678-1741) Entstehungszeit: 1712
Künstler: Gil Shaham, Violine; Orpheus Chamber Orchestra Wissenswertes: Die Kompositionen Antonio Vivaldis kennzeichnen den Höhepunkt des italienischen Spätbarocks. Vivaldi wurde auch als Violinenvirtuose zeitlebens gerühmt, starb aber trotzdem in großer Armut im Jahr 1741 in Wien. Aus seinem Gesamtwerk von mehr als 750 Kompositionen sind allein über 220 Stücke für die Violine erhalten. Vivaldis Konzerte werden bestimmt von der inzwischen zum Standard gewordenen dreisätzigen Form: schnell, langsam, schnell. "Le quattro stagioni" ("Die vier Jahreszeiten") sind sicherlich Vivaldis berühmtestes Werk: Jeder Jahreszeit ordnete er ein dreisätziges Violinkonzert zu, dem er zusätzlich jeweils ein Sonett eines unbekannten Dichters beiliegt. "Der Frühling ist gekommen" lautet die Zeile zu Beginn des Konzerts Nr. 1 E-dur "La Primavera" ("Der Frühling") - und nach nur 3 Minuten Musikgenuss kann daran auch kein Zweifel mehr bestehen.
Klangqualität: Meinung: Zu diesem Stück eine schöne Pizza Quattro stagioni?..... Nein, da passt wohl ein prickelnder Sekt besser! Deshalb wurde das Stück bestimmt auch vor einiger Zeit als Hintergrund für die Söhnlein-Brillant (oder war es Kupferberg-Gold???) Werbung genommen. Ein gute Laune-Mitpfeif-Stück, das wohl auch fast jeder kennt.
d) Pièces de Clavecin - Band II, Les baricades mysterieuses ----------------------------------------------------------------------------- Komponist: François Couperin (1668-1733) Entstehungszeit: 1713
Künstler: Trevor Pinnok, Cembalo Wissenswertes: In Frankreich verkörperte die Person des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. Licht und Schatten des Spätbarocks. François Couperin "Le Grand" (der Große) genannt, wurde 1694 in Paris zum Musiklehrer der königlichen Prinzen erwählt, 1696 in den Adelsstand erhoben und 1701 zum Hofmusikdirektor des Königs ernannt. Couperins kompositorisches Hauptwerk widmete sich dem Cembalo: Mit 240 Stücken für dieses Instrument und seinem Lehrbuch "L´Art de toucher le Clavecin" ("Die Kunst, Cembalo zu spielen") war Couperin wegweisend für spätere Klaviermusikkompositionen. Er gab jedem seiner Stücke einen beschreibenden Titel, wie zum Beispiel "Les baricades mysterieuses" ("Die geheimnisvollen Hindernisse"), und versuchte in der Komposition die Eigentümlichkeit des jeweiligen Themas darzustellen. Diese frühen Versuche des Charakterstücks regten später neben anderen auch Claude Debussy zu seinen "Préludes" an.
Klangqualität: Meinung: Ein Cembalo hat ja einen recht eigentümlichen… irgendwie scheppernden Klang. Bei diesem Stück wird geradezu automatenhaft ein einziges Thema auf dem Soloinstrument in einem relativ hohen Tempo wiederholt. Immer am Ende des Themas merkt man jedoch, dass nicht ein Roboter spielt, sondern ein Mensch, der ein wenig das Tempo herausnimmt um das Thema immer auf eine andere Weise zu Ende zu führen, dann aber wieder mit dem schnellen Tempo das gleiche Thema wieder zu beginnen. Wenn man den Titel des Stückes kennt, hat man in der Tat den Eindruck, dass irgendjemand mit Schwung gegen ein Hindernis
Bilder von Erlebnis Klassik Vol.3 - Various
anrennt, dann aber - kurz bevor er es geschafft hat - umkehren muss, es dann aber erneut versucht. Interessant gemacht.
e) Ouvertüre D-dur (BWV 1068); 2. Air ------------------------------------------------------ Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Entstehungszeit: 1729-1731
Künstler: Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel Wissenswertes: Im Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs war die Orchestersuite - im 18. Jahrhundert nach ihrem ersten Satz auch "Ouvertüre" genannt - sicher kein Schwerpunkt. Dennoch enthalten sein Ouvertüren in ihrer Abfolge von verschiedenen Tanzsätzen einzelne Schmuckstücke, wie etwa das wohlbekannte "Air" aus der "Ouvertüre D-dur". Orchestersuiten waren für Bach Gebrauchsmusik, die er in seiner Leipziger Zeit als Leiter des von Telemann gegründeten Collegium Musicum für die dortigen Besetzungen schrieb und häufig älteren Kompositionen zur neuen Bearbeitung entlehnte. Der Terminus "Bearbeitung" klingt für unser heutiges Verständnis abwertend - nicht so zur Zeit Bachs. Dort war es vollkommen normal, aus einem schönen Werk ein noch schöneres zu machen.
Klangqualität: Meinung: Dieses Stück kennen wahrscheinlich auch wieder die meisten Leute. Das Thema wurde auch bereits mehrfach in modernen Pop-Stücken verwendet.
f) Das Wohltemperierte Klavier - Teil I, Präludium und Fuge C-Dur (BWV 846) ----------------------------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Entstehungszeit: 1717 - 1723
Künstler: Walter Gieseking, Piano Wissenswertes: Im Gegensatz zu den Orchestersuiten nimmt "Das Wohltemperierte Klavier" eine zentrale Bedeutung im Werk von Johann Sebastian Bach ein: er komponierte zweimal 24 Präludien und Fugen durch alle Tonarten, nach seinen eigenen Worten " zum Nutzen und Gebrauch der lehrbegierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem studio schon habil seienden zu besonderem Zeit-Vertreib". Dieses in zwei Teilen (Teil 1 von 1722, Teil 2 von 1742) vorliegenden Meisterwerk überzeugt nicht nur durch die Schönheit der Präludien und die Meisterschaft der Fugen, sondern vor allem durch die, angesichts der eigentlich einschränkenden Tonartensystematik, geradezu fantastischen Vielfalt. So ist "Das Wohltemperierte Klavier" auch heute noch unvermeidbaren Meilenstein für jeden Pianisten.
Klangqualität: Meinung: Die Klangqualität lässt hier arg zu Wünschen übrig. Das Klavier klingt nicht wohltemperiert, sondern ziemlich dumpf und insbesondere bei der Fuge schäpperig, außerdem hört man das ein oder andere Nebengeräusch. Das Stück selbst ist nicht wirklich allgemein bekannt, das Präludium hat aber durchaus einen Wiedererkennungseffekt. Ein tolle Fingerübung!
g) Wasser-Ouvertüre: Hamburger Ebb´ und Fluth, 9. Gigue: Ebb´ und Fluth ----------------------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Georg Philipp Telemann (1681-1767) Entstehungszeit: 1723
Künstler: Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel Wissenswertes: War für Johann Sebastian Bach die Leitung des Leipziger Collegium Musicum nur Nebentätigkeit und die daraus resultierenden Kompositionen von untergeordneter Bedeutung, so standen für Georg Philipp Telemann, Bachs Vorgänger in dieser Funktion, weltliche Kammermusiken und Orchesterstücke an aller erster Stelle. Telemann, der mehr Musik als Bach und Händel zusammen geschrieben hat, wurde dabei allen Ansprüchen des Spätbarocks gerecht: eleganter Wohlklang möglichst ohne Dissonanz, gefällige Melodik, interessanter Satz und spielerische Leichtigkeit.
Klangqualität: Meinung: Wie kann man musikalisch das Auflaufen von hohen Wellen bei der Flut darstellen? Der Herr Telemann gibt bei diesem Stück eingroßartiges Beispiel dafür. Das Orchester schraubt sich gleichsam immer wieder nach oben, um dann in einem kunstvollen Schlenker auszulaufen. Wenn dann der Höhepunkt erreicht ist, schraubt sich das Orchester bei der Ebbe wieder so ähnlich herunter. Ein fulminantes (und kurzes) Stück.
h) Wasser-Ouvertüre: Hamburger Ebb´ und Fluth, 10. Canarie: Die lustigen Bots-Leut ----------------------------------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Georg Philipp Telemann (1681-1767) Entstehungszeit: 1723
Künstler: Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel Wissenswertes: "Hamburger Ebb´ und Fluth", ist eine von etwa 600 Orchestersuiten des Vielschreibers Telemann. Sie ist auch als "Hamburger Admiralitätsmusik 1723" bekannt. Es gab tatsächlich in der freien Reichs- und Hansestadt Hamburg eine eigene Admiralität. Dieser unterstand das gesamte Seewesen in der Ausübung teils administrativer, teils gerichtlicher Befugnisse, besonders in Kaufmannssachen, die sich aus dem Seehandel ergaben, und zwar in Friedens- und Kriegszeiten.
Klangqualität: Meinung: Die lustigen Bootsleute, scheinen sich bei diesem Stück nicht in ihrem Arbeitsgerät sondern eher an Land bei einem Tänzchen im Menuett-Stil aufzuhalten und dabei ihren Spaß zu haben. Nicht so mitreißend, wie Ebbe und Flut, ist ja aber auch keine Naturgewalt.
i) Violinkonzert G-dur, 2. Largo Andante - Grave ------------------------------------------------------------------ Komponist: Giuseppe Tartini (1622-1770) Entstehungszeit: ca. 1724
Künstler: Eduard Melkus, Violine; Capella Academica Wien, August Wenzinger Wissenswertes: Giuseppe Tartini lässt in seinem Kompositionsstil manchmal schon die Meister der späteren Wiener Klassik erahnen. Als Violinenvirtuose war er Vorgänger und Vorbild für Niccolò Paganini - und kräftig an der Legendenbildung um seine eigene Person beteiligt: Glaubt man seiner Schilderung, so hatte ihm nämlich Luzifer höchstpersönlich die "Teufelstriller-Sonate" eines Nachts vorgespielt. Er musste sie am nächsten Morgen lediglich aus der Erinnerung aufschreiben. Neben all der extrovertierten Virtuosität war Tartini aber auch ein Liebhaber der Kantilene, die im langsamen Satz des "Violinkonzerts G-dur" beinahe schon "klassisch" anmutet.
Klangqualität: Meinung: Obwohl in G-dur, ist es eher ein traurig-schönes, ich würde fast sagen "schmachtendes" Stück. Die Violine scheint sich nach der großen Liebe geradezu zu verzehren. Die Solovioline wird nur ein ganz wenig von ein paar anderen Streichern begleitet. Toll! Das sind die großen Gefühle.
j) Matthäus-Passion (BWV 244) - Teil II, Choral: O Haupt voll Blut und Wunden --------------------------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Entstehungszeit: 1729
Künstler: The Monteverdi Choir, The London Oratory Junior Choir, The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner Wissenswertes: In der barocken Kirchenmusik waren das Oratorium und die Passion die Formen, die sich am stärksten der Stilelemente der weltlichen Musik bedienten: Durch den Wechsel von opernhaften Soloarien, modernen Rezitativen und groß angelegten Chören konnte in der überragenden Akustik großer Kirchen eine fantastische Wirkung erzielt werden. Viele der Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts schrieben deshalb auch Oratorien, überwiegend auf rein biblischer Textgrundlage, manchmal aber auch nach freien Bibelbearbeitungen. Der Meister dieser Gattung war jedoch unzweifelhaft Johann Sebastian Bach. Seine "Matthäus-Passion", uraufgeführt am Karfreitag des Jahres 1729, ist sein Bedeutendstes geistliches Werk und gleichzeitig eines der großartigen Musikstücke überhaupt in der Musikgeschichte. In der "Matthäus-Passion" vereinte Bach nahezu alle verfügbaren musikalischen Mittel und Formen aus Barock- und Renaissancezeitalter. Zwei Chöre, zwei Orchester und zwei Orgeln waren notwendig, um Bachs Schöpfungsreichtum in diesem Monumentalwerk gerecht zu werden. Der Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" nach einer Melodie von Hans Leo Hassler (Text: Paul Gerhardt) kann nur eine winzige Facette der Farbenpracht der "Matthäus Passion" wiedergeben.
Klangqualität: Meinung: Auch ein klassisches Lied, allerdings meiner Meinung nach nicht in dieser Chor-Fassung, sondern vielmehr als Standard auf fast jeder (evangelischen ?) Beerdigung, und zwar die Strophen 9 und 10 des Kirchenliedes: "9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten, Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Ängsten, Kraft deiner Angst und Pein! 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde, In deiner Kreuzesnot! Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll, Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl." Auch wenn hier nur die ersten zwei Strophen mit einem anderen Text gesungen werden: Langsam, getragen und absolut traurig. Selbst in der Besetzung mit so einem großen Chor wirkt das Stück nicht pompös. Dass ist das Musik gewordene Bild der Kreuzigungsszene. Absolut passend zu Karfreitag.
k) Weihnachtsoratorium (BWV 248) - Kantate I, 1. Chor: Jauchzet, frohlocket! --------------------------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Entstehungszeit: 1733/34
Künstler: The Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner Wissenswertes: Bachs "Weihnachtsoratorium" ist genau genommen eine zyklische Sammlung von sechs Kantaten: zum ersten, zweiten und dritten Weihnachtstag, zur Beschneidung, zum Sonntag nach Neujahr und zu Epiphanias (Erscheinungsfest). Bibeltext wechselt mit freien Versen in Chören und Arien. Viele Einzelstücke gehen auf ältere, weltliche Kantaten zurück, die lediglich einen neuen, geistlichen Text bekamen. Dieses Parodieverfahren wurde auch im Eingangschor des "Weihnachtsoratoriums" angewandt: "Jauchzet, frohlocket!" entstammt der Kantate "Tönet ihr Pauken (BWV 214).
Klangqualität: Meinung: War das vorhergehende Stück noch sehr traurig, ist dieses viel eher launig! Obwohl ja sowohl die Kreuzigung als auch die Geburt gleichermaßen "glaubenstechnisch" wichtige und damit verheißungsvolle Ereignisse sind, lässt Bach Chor und Orchester in diesem Weihnachtslied geradezu jubilieren. Man bekommt gleich gute Laune, wischt die Tränen vom Stück davor weg und summt oder pfeift mit.
l) Fagottkonzert F-dur (RV 485) 1. Allegro non molto --------------------------------------------------------------------- Komponist: Antonio Vivaldi (1678-1741) Entstehungszeit: ca. 1735
Künstler: Alberto Grazzi, Fagott; The English Concert, Trevor Pinnock Wissenswertes: Das "Fagottkonzert F-dur" von Antonio Vivaldi, das fast zu selben Zeit wie Bachs "Weihnachtsoratorium" entstand, zeigt einerseits im Kontrast zu Bach die Vielseitigkeit der Musik des ausgehenden Barockzeitalters und belegt andererseits die Tatsache, dass es für Vivaldi neben der Violine durchaus auch andere Soloinstrumente gab. Für den Fagott schrieb er insgesamt 39 Konzerte.
Klangqualität: Meinung: Obwohl der Fagott ja eher ein sperriges Instrument ist, ist es dieses Stück keineswegs. Verspielt trifft es eher. Der Klang des Soloinstruments ist dabei aber nicht aufdringlich. Es wird immer wieder bei den eingängigen Melodien, in das es sich verliert, vom Orchester eingefangen.
m) Stabat Mater, 1. Stabat Mater dolorosa -------------------------------------------------------------------- Komponist: Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) Entstehungszeit: ca. 1735
Künstler: Margaret Marshall, Sopran; Lucia Valentini Terrani, Alt; Leslie Pearson, Orgel; London Symphony Orchestra, Claudio Abbado Wissenswertes: Der Text der lateinischen Sequenzdichtung "Stabat Mater dolorosa" stammt aus dem 13. Jahrhundert und beschreibt den Schmerz der Mutter Maria über die Kreuzigung und die durch den Tod Jesu begründete Hoffnung auf die Erlösung der Menschheit. Zahlreiche Komponisten von Josquin Desprez bis Karol Szymanowski haben diesen Text vertont. Der Italiener Giovanni Battista Pergolesi wurde durch sein "Stabat Mater" unsterblich.
Klangqualität: Meinung: Orchester und Orgel beginnen und sogleich wird klar, dass hier keine fröhliche Stimmung herüber gebracht werden soll. Die beiden Solistinnen setzten ein und man schmilzt dahin. Auch ohne dass man den Text versteht wird klar, dass hier getrauert wird. Sopran und Alt spielen absolut genial zusammen. Obwohl hier eine Orgel mitspielt, ist die die Tonqualität exzellent.
n) Serse, Arie des Serse: Fondi tenere… Ombra mai fu ----------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Georg Friedrich Händel (1685-1759) Entstehungszeit: 1738
Künstler: Bryn Terfel, Bariton; Scottish Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras Wissenswertes: Nach dem Tod Henry Purcells im Jahre 1695 entstand im Musikleben Englands für einige Jahrzehnte ein gewisses Vakuum. Die Nachfolger König Karls II. Interessierten sich wenig für Musik, und so fehlte der Nährboden für neue Entwicklungen. Als sich der Hof dieses unbefriedigenden Zustands bewusst wurde, holte man mit Georg Friedrich Händel ein bereits weit gereisten Musiker und angesehenen Komponisten nach London. Händel gründete im Jahr 1719, unterstützt von König Georg I., die Royal Academy of Music. Diese Gesellschaft, die sich der Pflege der italienischen Oper verschrieb, war mit den Opern Händels zunächst auch sehr erfolgreich. Im Jahr 1728 wurde aber die italienische Oper nachhaltig durch ein Stück von Johann Christoph Pepusch, "The Beggar´s Opera", diskreditiert: Die äußerst populäre "Bettleroper" karikierte die Affektiertheit der italienischen Oper und das Gehabe ihrer Akteure. Damit war die italienische Oper in London plötzlich "out", und auch Händels verzweifelte Versuche, mit seinem eigenen Vermögen eine Alternative aufzubauen, brachte ihm letztlich nur den beinahe finanziellen Ruin und einen Schlaganfall im Jahr 1737 ein. Händel fuhr nach Deutschland zur Kur, kehrte aber noch im selben Jahr wieder zurück nach England. "Fondi tenere… Ombra mai fu" ist eine Arie aus der Oper "Serse" ("Xerxes"), die zu seinen weniger erfolgreichen Bühnenwerken zählt. Im Gegensatz zur vollständigen Oper ist diese wunderschöne Arie bis heute auf der Konzertbühne äußerst beliebt.
Klangqualität: Meinung: Das ist ein Stück mit absolutem Wiedererkennungseffekt. Der Beginn ist so ähnlich wie der Beginn einer Geschichte, die langsam beginnt, es dann zu einer Spannung kommt. Dann beginnt die Hauptmelodie. Ein Durchlauf wird erst einmal vom Orchester durchgespielt. Dann legt sich Stimme des Baritons sich wie weiche Butter auf das luftige Croissant der Musik. "Ooooombraaa mai fuuuuu…" Zum dahinschmelzen schön. Hervorragend als Einschlaflied.
o) Konzert für 2 Cembali und Orchester F-dur, 3. Allegro assai -------------------------------------------------------------------------------- Komponist: Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) Entstehungszeit: 1740
Künstler: Andreas Staier/Robert Hill, Cembalo; Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel Wissenswertes: Carl Philipp Emanuel Bach, der zweite Sohn Johann Sebastians, widmete sich eifrig der Komposition für das Cembalo. Hatte schon sein Vater dieses Instrument aus den Beschränkungen des Generalbassspiels befreit und zum Soloinstrument erhoben, so schrieb Carl Philipp allein 52 Cembalokonzerte. Im Januar 1767 wurde er als Nachfolger Telemanns zum Musikdirektor der fünf Hauptkirchen in Hamburg berufen. Als geachteter Hamburger Bürger war Carl Philipp mit Lessing, Klopstock und Matthias Claudius befreundet - und starb im Jahr 1788 berühmter als es sein Vater zu Lebzeiten je war. Sein "Konzert für 2 Cembali und Orchester F-dur" ist durch die Verwendung zweier Cembali eine Rarität. In seinen Stil war Carl Philipp - im Gegensatz zu seinem tief im Spätbarock verwurzelten Vater - ganz Kind der Frühklassik: Seine Musik folgt weniger festgelegten Regeln als dem Ziel, Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
Klangqualität: Meinung: Gute Laune, Überschwang, Verspieltheit…. Wenn man nicht schon gute Laune hat, dann bekommt man spätestens beim Hören dieses Stückes welche. Die zwei Cembali versuchen sich an Trillern, Läufen und Pirouetten zu übertreffen. Die Melodien werden jeweils von den Streichern "eingefangen" und zu einem fulminanten Ende geführt, und wenn man meint eine Steigerung ist nicht mehr möglich, setzten die Hörner zur Unterstützung ein. Da macht der Sohne dem Vater alle Ehre.
p) Der Messias - Teil II, Chor: Hallelujah -------------------------------------------------------- Komponist: Georg Friedrich Händel (1685-1759) Entstehungszeit: 1742
Künstler: Gabrieli Consort & Players, Paul Mc Creesh Wissenswertes: Der Erfolg, der Georg Friedrich Händel in England mit seinen Bemühungen um die Oper letztlich versagt blieb, wurde ihm später mit seinen Oratorien in außergewöhnlichem Maße zuteil. Händels Oratorien klangen den englischen Puritanern durch die Verwendung von alttestamentarischen Bibeltexten vertraut und waren deshalb ausgesprochen beliebt. Sein "Messias" traf ganz den Geschmack des Publikums, und das "Hallelujah" daraus findet auch heute noch Verwendung bei verschiedensten Feierlichkeiten in aller Welt.
Klangqualität: Meinung: Das Stück dürfte auch fast jeder kennen. Ein absoluter Gassenhauer, wenn es etwas zu feiern gibt. Händel zieht hier alle Register, die man wohl ziehen kann. Variation in Lautstärke, Besetzung und Tempo. Absolut glanzvoll. Hallelujah!
q) Sonate F-dur (K 525) ---------------------------------- Komponist: Domenico Scarlatti (1685-1757) Entstehungszeit: 1742-1757
Künstler: Ralph Kirkpatrick, Cembalo Wissenswertes: Zwischen Händel und Domenico Scarlatti soll es in Rom einmal zu einem klavieristischem Wettstreit gekommen sein, den Händel allerdings nur auf der Orgel gewinnen konnte. Neben seinem berühmten "Stabat Mater" ist Domenico Scarlatti heute vor allem wegen seiner 555-einsätzigen, mit "Essercizi" oder "Sonaten" bezeichneten Cembalostücke bekannt. Unter dieser Überschrift versammelte Scarlatti verschiedenste Tänze und klassische Formen. Interessant ist in einigen Sonaten die Nachahmung von spanischer Gitarremusik, mittels derer Scarlatti seinem vergleichsweise mechanisch klingenden Instrument vielfältigere Klangfarben entlocken wollte.
Klangqualität: Meinung: Dies scheint in der Tat mehr ein Cembalo-Übungsstück, als etwas für ein Konzert zu sein. Die Melodie ist zwar relativ eingängig, aber gleichwohl ziemlich gehämmert. Das liegt natürlich an dem Instrument, das sich nicht anders spielen lässt. Insgesamt eher etwas für eine Spieluhr, als für den Konzertsaal.
r) Sinfonia B-dur, 1. Spiritoso ----------------------------------- Komponist: Franz Xaver Richter (1709-1789) Entstehungszeit: ca. 1750
Künstler: Camerata Bern, Thomas Fürli Wissenswertes: Die Entstehung der Sinfonie verlief parallel zu den Entwicklungen der Musizierpraxis und den instrumentalen Veränderungen. Die italienische Sinfonia war im Spätbarock zunächst der Einleitungssatz zu einer Kantate, einer Oper oder einem Ballett. Mit der Verbreitung der Collegia Musica, studentischer und bürgerlicher Musizierzirkel, wuchsen die Instrumentalensembles in ihrer Anzahl und in ihrer Größe. Franz Xaver Richter wirkte als Sänger, Violinist und Komponist seit 1747 an der berühmten Hofkapelle des Kurfürsten Karl Theodor in Mannheim. Seine "Sinfonia B-dur" weist in Form und Ausdruck schon deutlich auf die Sinfonien Mozarts hin.
Klangqualität: Meinung: Schöne Melodieläufe, die überaus eingängig sind. Ein wenig verspielt, aber insgesamt sehr virtuos. Man möchte gerne mehr davon hören und sich mit den vermittelten Gefühlen gehen lassen.
s) Flötenkonzert Nr. 3 C-dur --------------------------------------- Komponist: Friedrich II. von Preussen "Der Große" (1712-1786) Entstehungszeit: ca. 1750
Künstler: Patrick Gallois, Flöte; Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Peter Schreier Wissenswertes: Friedrich II. von Preussen ("Der Große") erhielt bereits als Kronprinz Flötenunterricht bei Johann Joachim Quantz. Friedrich gründete zu seinem Vergnügen eine Hof-Kapelle, die nach seiner Thronbesteigung mit nach Berlin und schließlich nach Potsdam ins Schloss Sanssouci übersiedelte. Von dort ist überliefert, dass der König täglich abends zwischen sieben und neun Uhr "in seiner Kammer" ein Konzert aufzuführen pflegte, bei dem er selbst als Solist auf der Traversflöte mitwirkte. Insgesamt hat Friedrich mit über 120 Sonaten für Flöte und Cembalo und vier Flötenkonzerten sicherlich nicht das schlechteste Erbe unter den Herrschern Europas hinterlassen.
Klangqualität: Meinung: Bei dieser Aufnahme hat der der "Alte Fritz" natürlich nicht mitgewirkt. Allerdings kommt man schon ins staunen, dass ein König von dem "Format" auch noch Zeit hatte, ein derart virtuoses Stück abzuliefern. Die Melodien sind zwar nicht so einfallsreich und ausgefeilt, wie dies bei den hauptamtlichen Komponisten (zumindest) den Anschein hat, verstecken muss sich Friedrich II. damit allerdings auch nicht. Die Solostimme der Flöte klingt wunderbar zusammen mit dem Orchester.
t) Feuerwerksmusik, La Réjouissance ----------------------------------------------- Komponist: Georg Friedrich Händel (1685-1759) Entstehungszeit: 1636
Künstler: Berliner Philharmoniker, Rafael Kubelik Wissenswertes: Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik" aus dem Jahr 1749 lässt noch einmal die ganze Pracht des Spätbarocks aufscheinen. Die "Feuerwerksmusik" ist neben der "Wassermusik" sein zweites großes "Open-Air-Stück" - und eines der letzten Orchesterwerke, das Händel noch vor seinem Erblinden abschließen konnte. König Georg II. hatte den Komponisten beauftragt, anlässlich des 1748 geschlossenen Aachener Friedens und der geplanten Festlichkeiten im Londoner Green Park eine Musik zu schreiben, die die Kriegshandlungen darstellen und in ein Feuerwerk überleiten sollte. Dazu waren vom König ausdrücklich "kriegerische" Instrumente erwünscht, also Bläser und keine Streicher. Von der Uraufführung berichten Quellen über eine Besetzung von mehr als 100 Musikern - Händels Partitur schreibt aber deutlich weniger Instrumente vor. Die spätere Konzertfassung in kleinerer Besetzung mit Streichern und Basso continuo ist aus nahe liegenden Gründen die heute geläufige Aufführungsform. Der fünfte Satz "La Réjouissance" soll der Freude über den für England glücklichen Ausgang des Krieges Ausdruck verleihen.
Klangqualität: Meinung: Wer dieses Stück tatsächlich einmal zu einem Feuerwerk gehört hat, wird es nicht vergessen. Empfehlen kann ich hierzu die alljährliche Feuerwerksweltmeisterschaft in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Vielleicht wird dieses Stück auch mal wieder zur Untermalung eingesetzt. Aber auch ohne wirkliches Feuerwerk, ist dieses Stück einfach toll und setzt einen hervorragenden Schlusspunkt dieser CD. Kraftvoll und bombastisch. Jeder Paukenschlag ein Böller. Jeder Posaunenstoß eine explodierende Ringbombe.
3. Fazit ++++++++++++ Wie könnte es anders sein. Auch diese CD ist eigentlich mehr als gelungen. Man bekommt einen super Eindruck vom Spätbarock und den vorherrschenden Musikstilen. Von den Stücken dieser CD dürften schon mehrere den Lesern hier bekannt sein. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Auswahl, für den begrenzten Platz, der auf einer CD zur Verfügung steht, sehr gut gelungen, obwohl man über die Gewichtung, der einzelnen Komponisten sicherlich streiten kann. Johann Sebastian Bach hat für unser heutiges Musikgeschichtsverständnis eine überragende Bedeutung. In seiner Zeit war er allerdings kaum über die Landesgrenzen von Thüringen und Sachsen hinaus bekannt…. Diese CD lässt sich ob ihrer Gefälligkeit auch einfach mal nebenher hören. Man kann wunderbar dabei abschalten. Auch als Begleitung zu einem historischen Roman finde ich sie sehr gut geeignet. Die Klangqualität der Aufnahmen ist durchweg - mit ein paar Ausreißern - auf sehr gutem Niveau. Aufgrund dieser leichten Klangschwächen bei einigen Stücken müsste ich eigentlich einen halben Stern abziehen. Da die Musik aber an sich so großartig und gut hörbar ist, runde ich nach oben auf: Fünf Sterne und eine Kaufempfehlung.
© NickAme, 18.04.2006
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04.02.2008 14:17
Das ist ja wahnsinns, traumhaft schöner Bericht von einer Musik, die ich "Zum Weinen" liebe ! --------- Maria ---------
17.11.2006 12:51
Einfach top dein Bericht! LG Sabine
08.11.2006 15:08
super bericht. l. g. petra