Kalifornische Schönheit
17.08.2004
Pro:
Abwechslung, Stimme, Texte
Kontra:
etwas Durchschnitt ist dabei, aber nur ganz wenig; - )
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 derDosch
Über sich:
gone
Mitglied seit:29.07.2003
Erfahrungsberichte:227
Vertrauende:18
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Reflecting real Life, real feelings... REAL music. So wird Goapeles Debüt auf dem Cover des selbigen und auf ihrer Website angekündigt. Ich darf es schon vorwegnehmen: Man hat nicht gelogen. Die Sängerin mit dem schwer auszusprechenden Namen (Gwa- pa- lay) ist die Soul Hoffnung aus der Kalifornischen Bay Area. Viel mehr erfährt man aber nicht auf ihrer trotzdem sehr empfehlenswerten Website www.goapele.com. Als Vorbilder benennt sie Billy Holiday, Bob Marley und Prince. Ihr Name kommt wie ihre Großmutter aus Südafrika und bedeutet „Vorwärts gehen“. Trotz ihres großartigen Debüts gilt sie noch immer als absoluter Geheimtipp. In Deutschland ist ihr Album nur über Import oder gebraucht erhältlich, obwohl es über Columbia Records, einem waschechten Major Label im März 2004 erschien. Bevor sie ihre LP veröffentlichen konnte, sollte jedoch einiges an Zeit verstreichen. Die Songs auf „Even Closer“ sind tatsächlich schon 2 Jahre alt, ausgenommen eines Remixes. Auch wenn die Songs schon etwas älter sind, klingen sie erfreulich frisch, die schwarze Schönheit mit den Dreads hat ihren eigenen Stil, der sich von dem der etablierten Erykah Badus und Jill Scotts unterscheidet.
Wenn ich sie mit anderen Künstlern vergleichen sollte, würde ich sagen dass sich ihr Sound zwischen dem von Angie Stone, Res und der „Miseducation“- Lauryn Hill bewegt. Stimmlich lässt sie sich aber kaum vergleichen. Die klingt sehr kraftvoll, bestimmt und strahlt zur jeder Zeit kalifornische Wärme aus. Verträumte Keys und eine sommerliche Gitarre leiten das Album ein. Hinzu kommen Soul Claps und eine schnörkellose Bassline. In „Closer“, einem Song der auch durch den Honey Soundtrack bekannt sein dürfte, singt sie davon, nach den Sternen zu greifen, seine Träume wahr zu machen. Dementsprechend zufrieden und zuversichtlich klingt ihre Stimme im mehr als gelungenen Auftakt des ersten Albums.
Ganz ohne Instrumente und mit dem Rapper Pep Love schallt „Ease your mind“ durch die Lautsprecher. Eine uptempo Nummer zwischen Hip Hop und R’n’B ist hier entstanden und stellt gleich zu Beginn klar, dass man Abwechslung auf „Even closer“ rechnen muss. „Got it“ bleibt beim programmierten R’n’b Beat, nimmt das Tempo von „Ease your miond“ etwas raus. Ein lauschiges Liebeslied im unteren Midtempo Bereich entstanden. Zuckersüß, melodisch und verliebt klingt Goapeles Stimme hier.
Ganz ohne programmierte Beats und R’n’B geht’s mit „Romantic“ weiter. Diese Nummer klingt eher nach einer Mischung aus Bluesrock und Soul. Man lässt es dem Titel entsprechend langsam angehen. Dominierend sind die schleppenden Drums, eine sporadisch auftauchende elektronische Orgel sowie eine melodische E-Gitarre. Bei „Too much the same“ bleibt es organisch. Verträumte Keyboards leiten das Stück ein, hinzu kommen sommerlich leicht gespielte Drums und Gitarren. Es geht wieder um die Liebe, die bei diesem Song scheitert, weil man sich zu sehr ähnelt und man so gar nicht weiß, wem man nun die Schuld für diverse Dinge geben kann. Wie bei den anderen Songs ist sie selbst in den Backgrounds zu hören, die hier soulig weich gesungen werden. Die erste Gesangsspur setzt hier und da Akzente, indem sie die Stimme etwas hebt, insgesamt bleibt Goapele hier schön geschmeidig.
Mit „the Daze“ kehrt man zum zusammen mit den MCs Zion 1 und Casual zum Hip Hop zurück. Entstanden ist eine durchaus tanzbare Up-tempo- Nummer. Eine waschechte Ballade folgt mit „thing’s don’t exist“. Im Vordergrund steht ein Piano, zarte Drums und ein kaum hörbarer Bass gesellen sich ebenso hinzu, wie Echos, die eine traurige und etwas unheimliche Atmosphäre erzeugen. Mit schmerzender Stimme erzählt Goapele vom Ende einer Beziehung, mit der sie einfach nicht abschließen kann („I want so badly to say/ that these things don’t exist anymore“). Abgesehen von dem berührenden Text, der stimmigen Instrumentalisierung ist es vor allem die stimmliche Leistung, die überzeugt. Man hat auf Stimmakrobatik verzichtet und kling statt dessen eher dezent, geschwächt und verletzt.
„Salvation“ klingt etwas nach Sommer, im Hintergrund erklingt eine Sitar. Soulig, melodiös und unspektakulär verläuft der angenehm zu hörende Song. Vollkommen unaufdringlich hat man diesen Song gestaltet, gerade deswegen hört man ihn so gern. Romantisch wird es bei „Butterflykisses“, wie Schmetterling zucken die Drums luftig leicht. Dazu noch ein Bass und fertig ist der Song, mit wenig Mitteln viel Wirkung erzielen. Sommerlich, aber auch etwas schwül klingt der Song indem Goaplele nach dem Mann sucht, dem sie „butterflykisses“ geben kann.
Richtig ernst wird es bei den letzten beiden Songs der LP. Zuerst die Hip Hop up-tempo Nummer „It takes more“. Mit kraftvollem Gesang erzählt Goapele die Geschichte eines 14-jährigen, dem sie jeden Tag auf der Straße begegnet, er ist „the kind of guy you’d never give your real name to“. Ohne Halt von seinen Eltern gerät er schnell auf die falsche Bahn, mit fatalen Folgen: „14 years old, locked up until he’s old“. Im Chorus weiß sie mich vollends von ihre Intelligenz zu überzeugen: „It takes more then two to raise a youth/ And for that we all did lose…/How I wish I was there for you/ But I was busy fitting my own shoes”. So geht es gar nicht um das individuelle Schicksal des Jungen, sondern vielmehr um eine Gesellschaft, in der niemand auf den nächsten achtet, weil jeder damit zu tun hat, die eigenen Erwartungen zu erfüllen. Weg vom Hip Hop zu einer etwas rockigen, fast schon Jimi Hendrix inspirierten Nummer namens „Red, white and blues“. Rot, weiß und blau sind die Farben der amerikanischen Flagge, um die es hier auch geht. Goapele setzt sich mit dem Zwangpatriotismus als Folge des 11. September auseinander, gut erkennbar an den Flaggen, die vor jedem amerikanischen Haushalt wehen. Die Besorgnis ist klar aus ihrer Stimmer herauszuhören und in Verbindung mit gezerrten Gitarren, einer gesampleten kurz eingestreuten Sirene entstand ein sehr eindringlicher Song. Kein Wunder also, dass das Zitat des Albums aus diesem Song stammt:
„Red, white and blues- If you don’t claim them they’ll blame you Red white and blues- United who stands for the truth?” Tracklist + Bewertungen
1. Closer 12 Punkte 2. Ease your mind 11 Punkte 3. Got it 09 Punkte 4. Romantic 11 Punkte 5. Too much the same 12 Punkte 6. Catch 22 10 Punkte 7. The Daze 12 Punkte 8. Thing’s don’t exist 14 Punkte 9. Childhood drama 11 Punkte 10. Salvation 11 Punkte 11. Back to you 10 Punkte 12. Butterflykisses 11 Punkte 13. It takes more 14 Punkte 14. Red, white and blues 15 Punkte 15. Childhood drama (Bonus Track) Remix 10 Punkte Ergibt: 11,5 von 15 Punkten (15=1+; 14=1; 13=1-;...;0=6) Punkte
Fazit: Goapele ist ein erstaunliche Debüt gelungen, bei dem sie Stilvielfalt zeigt und beweist das hübsche Mädels richtig viel im Kopf haben können. Sie hat alle Song selbst geschrieben. Einige hat sie sogar Co-Produziert. Alle Gesangspuren hat wurde selbst gesungen, für einen Anfänger ist sie also erstaunlich selbständig und selbstbewusst. Auf große Namen wurde verzichtet, die Gastrapper sind ebenso unbekannt wie die Produzenten Amp Live, Mike Tiger oder Johnson. Natürlich ist diese LP nicht perfekt, ein Ausrutscher gibt es zwar nicht zu verzeichnen, mit „Got it“ oder „Catch 22“ aber Songs, die dicht an der Durchschnittlichkeit kratzen. Zum Glück gibt es aber absolute Highlights wie eben „Red, white and blues“, die den Gesamteindruck ein ganzes Stück nach oben reißen. Der Anfang ist also gemacht, „Even closer“ kann der Grundstein für eine große Karriere sein, ihre Musik ist anspruchsvoll, hat aber auch Chartpotential. Momentan nimmt sie ihr zweites Album in L.A., New York und Oakland auf, ich bin gespannt.
Ich danke für euer Interesse an diesem Bericht und hoffe es hat gefallen. Über Kommentare freue ich mich sehr! DOSCH.
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24.08.2004 00:40
Schön, dass Du die CD nach vorne bringst - gehört auch zu meinen Favoriten vom letzten Jahr!
18.08.2004 16:14
Die Cd will ich auch irgendwann haben, aber wie gesagt, man kommt schwer dran und die Importkosten sind mir eigentlich zu hoch... Wo hast du die Platte denn her?
17.08.2004 20:30
immer wieder dankbar für neues....